Horvat Hani

byzantinisches Frauenkloster in Israel

Horvat Hani (oder auch: Horbat Hani, israel.: חורבת חני bzw. arab.: Chirbat Burj al-Hanijah / Khirbet el-Burj el-Haniyeh bzw. Buri el Hanaya geschrieben[1][2]) ist ein etwa 1500 Jahre alter Klosterkomplex in Israel. Die Anlage wurde 2002 erstmals umfassend untersucht und dann bis 2022 vergessen.

Teilansicht Gebäude A

NameBearbeiten

Von der israelischen Altertumsbehörde (IAA) wird vermutet, dass es sich um ein christliches Kloster auf oder in der Nähe der Grabstätte der Hanna (Hannah), der Mutter des Propheten Samuel, handeln könnte. Daraus soll sich auch der Name des Komplexes ableiten. Der arabische Name der Stätte Khirbet el-Burj el-Haniya bedeutet sinngemäß der Turm der Hannah. Auf Hanna sollen auch die Fruchtbarkeitsmotive hinweisen, die sich überall in der Anlage finden.[1][2][3][4]

LageBearbeiten

Horvat Hani liegt in einer Militärzone bei Schoham, etwa 10 Kilometer vom Flughafen Ben Gurion entfernt auf etwa 154 m. ü. M. am westlichen Rand des südlichen samaritischen Teils des Schefela (Hügelland),welches zwischen dem Bergland Judäas und der Mittelmeer-Küstenebene liegt, an den westlichen Hängen der Bereit-Berge, etwa 15 Kilometer nördlich von Lod.[5][6]

GeschichteBearbeiten

Der Klosterkomplex Horvat Hani war in byzantinischer Zeit von christlichen Nonnen im Zeitraum von etwa dem 4. bis 8. Jahrhundert n. Chr. bewohnt (nach anderen Angaben vom 5. bis zum 9. Jahrhundert). Erstmals hatten die britischen Forscher Claude Reignier Conder und Horatio Herbert Kitchener den Gebäudekomplex im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. 1932 wurde die Stätte von D. C. Baramki besichtigt. 1978 (I. Finkelstein) und 1983 (Z. Safrai und S. Dar) folgten weitere Untersuchungen. Die Ruinen wurden 2002 anlässlich des Baus einer Straße für die israelische Armee beschädigt und von Uzi Dahari und Yehiel Zelinger von der israelischen Altertumsbehörde[7] freigelegt, archäologisch untersucht und dann wieder mit Erde überdeckt und vergessen. 2022 wurde im Zuge einer Armeeübung die Anlage durch eine Explosion wiederum leicht beschädigt und die Klosteranlage wieder freigelegt.[2][3][5][6][8][9]

GesamtkomplexBearbeiten

 
Grundriss des ehemaligen byzantinischen Frauenklosters Horvat Hani

Der Komplex besteht aus zwei getrennten Gebäuden und es soll sich dabei um eines der ältesten Klöster in Israel handeln. Ein Kloster mit Krypta, in welcher sich vier Skelette von Frauen befanden (Gebäude A). Ebenso befanden sich hier Räume, die als Einsiedlerzellen und Schlafsäle gedeutet werden, sowie ein Turm. Im zweiten Gebäude (B) befanden sich eine Küche, ein Refektorium und eine Pilgerherberge.[1][3] Das älteste Bauwerk der Anlage ist ein Felsengrab (Arkosol) aus dem dritten Jahrhundert.[2]

Aufgrund von Inschriften, die einer Äbtissin gewidmet sind, wird davon ausgegangen, dass es sich um ein Frauenkloster handelte.[5] In der Nähe soll sich auch ein Frauenfriedhof befunden haben, der über einen Zeitraum von 1000 Jahren sowohl für christliche als auch muslimische Frauen genutzt wurde. Unter Umständen soll es auch eine Pilgerstätte für Frauen gewesen sein, die auf eine Schwangerschaft hofften.[1][2][3][4]

LiteraturBearbeiten

  • Uzi Dahari, Yehiel Zelinger: The Excavation at Ḥorvat Ḥani – Final Report and a survey on Nuns and Nunneries in Israel [1]
  • Uzi Dahari, Yehiel Zelinger: Hani, Horvat in: The New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land 5, Supplementary Volume, von E. Stern, Jerusalem 2008, S. 1764–1766 [2]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Militärmanöver deckt 1.500 Jahre altes Kloster in Israel auf, Webseite: il-israel.org.
  2. a b c d e 1.500 Jahre altes Frauenkloster in Israel wiederentdeckt, Webseite: vaticannews.va.
  3. a b c d Israel: 1.500 Jahre altes Frauenkloster wiederentdeckt, Webseite: audiatur-online.ch vom 2. August 2022.
  4. a b 1.500 Jahre altes Frauenkloster in Israel wiederentdeckt, Webseite: religion.orf.at vom 2. August 2022.
  5. a b c Cécile Lemoine: Wie die israelische Armee versehentlich ein byzantinisches Kloster wiederentdeckte, in Im Land des Herrn, Franziskanische Zeitschrift für das Helige Land, Heft 3, 76. Jahrgang 2022, S. 29.
  6. a b Ḥorvat Ḥani, Webseite: baslibrary.org.
  7. Israel Antiquities Authority offizielle Webseite.
  8. Michael Horovitz: Soldiers restore 1,500-year-old site of ancient convent accidentally damaged by IDF, Webseite: timesofisrael.com vom 1. August 2022.
  9. Medieval convent restored in Israel after being accidentally damaged, Webseite: medievalists.net.

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