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Werenbach

Bach in der Stadt Zürich
(Weitergeleitet von Hornbach (Zürichsee))
Werenbach
Hornbach, Wildbach, Rietbach, Höibach
Der Wehrenbach beim Balgrist

Der Wehrenbach beim Balgrist

Daten
Gewässerkennzahl CH: 691
Lage Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Limmat → Aare → Rhein → Nordsee
Quelle zwischen Ebmatingen und Zumikon am Westhang des Wassbergs
47° 20′ 8″ N, 8° 38′ 27″ O
Quellhöhe 715 m ü. M.
Mündung beim Zürichhorn in den ZürichseeKoordinaten: 47° 21′ 9″ N, 8° 33′ 10″ O; CH1903: 684185 / 245237
47° 21′ 9″ N, 8° 33′ 10″ O
Mündungshöhe 406 m ü. M.
Höhenunterschied 309 m
Sohlgefälle 32 ‰
Länge 9,8 km[1]
Einzugsgebiet 13,4 km²[2]
Abfluss[2]
AEo: 13,4 km²
MNQ
MQ
Mq
MHQ
290 l/s
210 l/s
15,7 l/(s km²)
370 l/s
Rechte Nebenflüsse Elefantenbach, Hegibach

Der Werenbach (oft auch Wehrenbach geschrieben) ist ein Bach in der Stadt Zürich sowie in den östlichen Vorortsgemeinden und gehört zusammen mit dem von ihm durchflossenen Wehrenbachtobel zu den Naherholungsgebieten der Stadt Zürich. Bis in die Neuzeit war in Zürich nur die Limmat und der Sihlkanal für die Wasserkraftnutzung bedeutender.[3]

VerlaufBearbeiten

Der Werenbach entspringt zwischen Ebmatingen und Zumikon am Westhang des Wassbergs und fliesst bei der Trichtenhauser Mühle zwischen Zollikerberg und Witikon durch das Wehrenbachtobel, eine der ausgeprägtesten Tobellandschaften der Stadt Zürich.

 
Bachlauf im oberen Teil bei der Trichtenhauser Mühle
 
Skulptur im Elefantenbach

An der Quartiergrenze zwischen Hirslanden und Weinegg vereinigt sich der Werenbach bei der Burgwies mit dem von nördlich von Witikon kommenden Elefantenbach, der auch Stöckentobelbach, Essibach und Witikonerbach genannt wird. Eine Elefantenskulptur in diesem Bach besteht aus Beton und wurde 1898 vom Verschönerungsverein Zürich gestiftet. Der Name Elefantenbach bestand schon vorher und geht vermutlich auf eine an einen Elefanten erinnernde Felsformation oder eine parallel zum Bach in Witikon verlaufende Elefantengasse zurück.[4][5]

Auf einem kurzen Abschnitt finden sich mehrere Mühlen, eine Sägerei, eine Hammerschmiede sowie eine Schleife im Stöckentobel. Das Wehrenbachtobel ist daher trotz seiner reizvollen Erscheinung und oberflächlich wirkenden Wildnis auch eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Bei der Burgwies wird dies deutlich: An einem künstlich angelegten Seitenarm liegt ein weiteres kleines Biotop, der Mühleweiher Burgwies. Nun unterquert der Unterlauf die Forchstrasse; nochmals an einem historischen Wasserkraft-Bauwerk, der Farbholzmühle, vorbei.

 
Bachlauf auf der Höhe der Hammerstrasse

Der Unterlauf des Bachs – nun offiziell Wildbach genannt – führt durch eine sanft geschwungene, im Vergleich zum Oberlauf breite Bachlandschaft durch die dichtbesiedelten Quartiere Hirslanden, Weinegg und Mühlebach. Dort finden sich ehemalige Betriebe wie die Hammerschmiede und Seidenweberei Drahtzug , die die Kraft dieses Gewässers genutzt haben.

Ab der Kreuzung Wildbach-/Hornbachstrasse erhält der nun vollends kanalisierte Bach den Namen Hornbach und wird teilweise unterirdisch durch das Quartier geführt. Deutlich ist an der hohen Mauerumrandung im Seefeld zu erahnen, dass auch er in unserer Zeit seinem alten Namen Wildbach gerecht werden kann. Nach Unterquerung der Bellerivestrasse führt der Bachlauf durch die Parkanlagen am Seeufer. Beim Zürichhorn mündet er nach rund acht Kilometern in den Zürichsee.

GeologieBearbeiten

Seit dem Rückzug des Linthgletschers nach der Würmeiszeit grub sich der Werenbach in den vergangenen 10'000–15'000 Jahren sein heutiges Bett durch die Moräne. Stellenweise stiess er dabei bis auf den felsigen Untergrund, die Molasse. Mit dem Geschiebe wurde ein Delta am Zürichsee geschaffen, das heute das flache Seefeld bildet. Besonders ausgeprägt ist dies noch an der Landzunge beim Zürichhorn zu erkennen.

Natur und UmweltBearbeiten

In seinem Oberlauf ist er weitgehend naturbelassen und zählt zu den wenigen Wildbächen auf Stadtgebiet. Seinen meist steilen Tobeln entlang folgt Wald bis weit ins bewohnte Stadtgebiet hinein. Hier wird er auch Wildbach genannt und mündet dann als Hornbach in den Zürichsee.

Der Werenbach gehört neben dem Küsnachter Dorfbach und dem Feldbach bei Hombrechtikon zu den wichtigsten Laichplätzen der Seeforelle. Der Aufstieg durch das zum Teil verbaute Bachbett ist für die Fische aber schwierig. Fische, denen dies nicht gelingt, werden eingefangen. Ihr Laich wird in der Kantonalen Fischzuchtanlage in Stäfa besamt, die Jungfische später wieder im Bach ausgesetzt.[6]

WassernutzungBearbeiten

Der Name Werenbach (von Wehr) verdeutlicht, dass der Mensch seit Jahrhunderten versucht hat, dieses Gewässer zu zähmen und seine Kraft zu nutzen.

Ab dem 10. Jahrhundert wurde das Wasser des Wild- und Wehrenbachs zum Antrieb von Wasserrädern genutzt. Die im 10. Jahrhundert urkundlich erwähnte Stadelhofer Mühle (Mühlebachstrasse 6, 1970 abgebrochen), eine der ältesten Mühlen der Stadt Zürich, bezog ihr Wasser bis 1870 oberirdisch und bis 1935 unterirdisch vom Wildbach über den künstlich angelegten Mühlebach, entlang der heutigen Mühlebachstrasse. Bis in die frühe Neuzeit trieb der Bach kleingewerbliche Mühlen, Sägereien und Hammerschmieden an. Die Flurnamen «Kupferhammer», «Drahtzug» erinnern daran.

Die alte Mühle Hirslanden wurde 1396 erstmals urkundlich erwähnt. Die bis ca. 1937 genutzte Farbholzmühle Burgwies wurde erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt, als eine sogenannte «Reibe mit Stampfe», damals zur Mühle Hirslanden gehörend. 1883 wurde der Burgwies Weiher als Wasserreservoir für die alte Mühle Hirslanden und die Neumühle, die heutige Schreinerei Burgwies , angelegt. Das am Burgwies Weiher gelegene unscheinbare Kleinkraftwerk Umiker wurde zur Bekämpfung der Energieknappheit im Jahr 1941 erbaut. Die elektro-hydraulische Krafterzeugungsanlage bildet mit dem Weiher und den dazugehörenden Wasserbauten bei der Burgwies ein seltenes Kleinstkraftwerk. Deshalb steht es, wie die Mühle samt Nebengebäuden und der sogenannte Oberwasserkanal, seit 1995 unter Denkmalschutz.

 
Seidenzwirnerei Neumünster 1910

Die Proto-Industrialisierung führte ab 1800 zu einer Intensivierung der Wassernutzung, zur Vergabe neuer Wasserrechte und zum Bau von Weihern und Kanälen. Die Seidenzwirnerei Neumünster liess sich als erster Industriebetrieb 1840 am Wildbach nieder. Es folgte die Schreinerei Burgwies und die «Schleife» am Stöckentobelbach. Im «Kupferhammer» wurde 1882 die Schmiede in eine Seidenweberei umfunktioniert. Um 1900 gab es auf der ein Kilometer langen Bachstrecke zwischen Zollikerstrasse und Burgwies acht Nutzungsstandorte mit mehreren Stauweihern. In den 1950er Jahren waren die meisten Wassernutzungrechte erloschen.[7]

LiteraturBearbeiten

  • Hochbauamt der Stadt Zürich, Büro für Archäologie (Hrsg.): Jeden Tropfen für die Wasserkraft – Mühlen und Fabriken am Wild- und Wehrenbach in Zürich. Zürich 1996., Neuauflage 2013[8]
  • Niklaus Schnitter: Die Geschichte des Wasserbaus in der Schweiz. Olynthus, Verlag für Verständliche Wissenschaft und Technik, Oberbözberg 1992, ISBN 3-907175-15-8

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Einzelnachweise Geoinformationssystem des Kantons Zürich
  2. a b GEWISScompass – EZG-MQ Tool. (Nicht mehr online verfügbar.) Bundesamt für Umwelt, Bundesamt für Statistik, Swisstopo, archiviert vom Original am 20. August 2014; abgerufen am 19. August 2014 (Datensatz GEWISS-Nr 691).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gewiss.admin.ch
  3. Hochbauamt der Stadt Zürich, Büro für Archäologie (Hrsg.): Jeden Tropfen für die Wasserkraft – Mühlen und Fabriken am Wild- und Wehrenbach in Zürich. Zürich 1996.
  4. Andrea Freiermuth: Stadtwanderung in Zürich: Auf zur Beton-Safari. In: Beobachter. 18. Oktober 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  5. Matthias Dürst: Die Loorenstrasse. In: Gang dur Alt-Züri. Abgerufen am 9. September 2014 (Abschnitt Die ehemalige Elefantengasse in Witikon).
  6. Walter Bernet: Ein Weg zu den Laichplätzen. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 187, 13. August 2011, S. 19.
  7. Stadt Zürich: Historisches entlang dem Wehrenbach
  8. Stadt Zürich: Publikationen