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Hochsitz

jagdliche Einrichtung um getarnt auf Wild lauern
Hochsitz mit rundum geschlossener Kanzel

Bei einem Hochsitz (auch Jagd- oder Jägersitz, Hochstand oder Ansitz) handelt es sich um eine jagdliche Einrichtung für die Ansitzjagd. Sie dient unmittelbar der Jagdausübung, nämlich dem Aufsuchen des Wildes, und genießt daher besonderen Schutz durch das Bundesjagdgesetz und die Jagdgesetze der Länder. Hochsitze werden im Auftrag des jeweiligen Jagdausübungsberechtigten (zum Beispiel des Jagdpächters eines gemeinschaftlichen Jagdbezirkes oder des Eigenjagdbesitzers) errichtet. Dieser ist auch oft der Eigentümer.

Inhaltsverzeichnis

ZweckBearbeiten

 
Blick vom Hochsitz auf zwei Rehe (Bildmitte). Von links ins Bild ragend ein Gewehrlauf mit aufgesetztem Schalldämpfer

Der Hochsitz dient dem Jäger als Deckung und Witterungsschutz bei der Jagd. Er ermöglicht ein sicheres Erkennen und Beurteilen des Wildes (Jägersprache: „Ansprechen“) sowie sicheres Schießen. Durch die erhöhte Position auf dem Hochsitz kann der Erdboden als natürlicher Kugelfang für Geschosse dienen, die das Ziel durchschlagen oder verfehlen. Zudem kann die Jagdwaffe beim Anlegen auf das Wild aufgestützt oder angelehnt werden.[1] Ein ausreichend hoher Hochsitz kann auch dafür sorgen, dass der Jäger „über dem Wind“ sitzt und vom Wild nicht gewittert wird. Lauerstellungen geringerer Bauhöhe werden Ansitz genannt.

Beim Errichten und bei der Benutzung eines Hochsitzes sind jagdliche Vorüberlegungen (zum Beispiel die Hauptwindrichtung) und sicherheitstechnische Aspekte (Unfallverhütungsvorschriften) zu beachten. Wichtig ist außerdem die jährliche Sichtung des Baumaterials Holz – es kann durch Feuchtigkeit und Pilzbefall faulen („modern“) und brüchig werden. Beschädigte Bauteile sollten ausgewechselt werden, möglichst bevor Sicherheit und Stabilität des Hochsitzes gefährdet sind.

BauweiseBearbeiten

 
Einfacher Leitersitz angelehnt an einen Baum
 
Fahrbare Kanzel

Ansitzeinrichtungen werden unterschieden in einfache Schirme (unbedacht), Ansitzhütten in Erdnähe und Hochsitze. Letztere können in unterschiedlicher Höhe errichtet werden. Von der Art ihrer baulichen Ausführung unterscheidet man:

  • Leitersitze (einfache Leitern mit Sitzgelegenheit, oft in gegabelter Bauweise)
  • Kanzelleitersitze (Leitersitze mit Überdachung)
  • offene Hochsitze (in senkrechter Bauweise mit Seitenverblendung, ohne Dach)
  • Kanzeln (Hochsitze mit Überdachung)
  • geschlossene Hochsitze
  • mobile Ansitze, die durch Aufbau auf Anhängern oder durch Räder ortsveränderlich sind
  • Klettersitze

Der Hochsitz sollte in schlichter und handwerklich solider Bauweise errichtet werden. Darüber hinaus soll sich der Hochsitz durch Material und Bauweise in die Landschaft einpassen. So ist zum Beispiel ein altes Auto als Ansitz-Einrichtung nicht üblich und kann darüber hinaus umweltrechtlich problematisch sein (Schadstoffe, die in den Boden gelangen können). Kanzeln, die mit Heizung, elektrischem Licht sowie einer Übernachtungsmöglichkeit ausgerüstet sind („Schlafkanzeln“), stellen bereits einen Grenzfall dar. Die Unfallverhütungsvorschriften (UVV Jagd) der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft sind zu beachten.

 
Leitersitz in Bau

Für den Bau von Hochsitzen werden aus Kostengründen überwiegend Nadelhölzer verwendet, die häufig vor Ort gefällt und auch dort getrocknet und verarbeitet werden. Kommt Laubholz zum Einsatz, so ist es hauptsächlich das harte, witterungsbeständige Holz von Eichen oder Robinien. Nur gesunde, entrindete und langsam durchgetrocknete Stämme werden verwendet, um die Stabilität der Konstruktion gewährleisten zu können. Das benötigte Holz wird bevorzugt im Winter gefällt, um Rissbildung – und ein dadurch höheres Risiko geringerer Stabilität, besonders durch Pilzbefall – durch ein zu schnelles Trocknen zu vermeiden.[2]

Beim Bau der tragenden Konstruktion („Gerüst“) von freistehenden Hochsitzen kommen fast ausschließlich natürlich gewachsene Rundhölzer – also ganze Baumstämme, gekürzt auf die benötigte Länge – zum Einsatz, da diese eine höhere Stabilität haben als bearbeitete Bretter, Latten und Kanthölzer. Letztere können für den Bau von Boden und Sitzgelegenheit sowie für Dächer und Außenwände geschlossener Kanzeln verwendet werden. Besonderes Augenmerk gilt der Stabilität von Geländern und Leitern, da bauliche Mängel bei diesen eine häufige Unfallursache sind.[2]

Bei der Benutzung von Hochsitzen durch Jäger gilt der Grundsatz, dass Auf- und Abstieg stets mit diagonal umgehängter, entladener Waffe erfolgen sollten – um Unfälle mit Schusswaffen zu vermeiden, und um sich beim Klettern mit beiden Händen sicher an der Leiter festhalten zu können. Außerdem wird empfohlen, Hochsitze bei Sturm und Gewitter grundsätzlich nicht zu besteigen.[3]

Nutzung durch UnbefugteBearbeiten

Ein Hochsitz ist eine Einrichtung zur unmittelbaren Jagdausübung durch den Jagdausübungsberechtigten oder durch einen Jagdgast mit Jagderlaubnis („Begehungsschein“). Personen, die nicht die Erlaubnis des Eigentümers haben, dürfen einen Hochsitz weder besteigen noch nutzen. Dabei ist es unerheblich, ob der Hochsitz abgeschlossen oder gegen Besteigung gesichert ist.[4][5]

Hochsitze und JagdgegnerBearbeiten

 
Hochsitz mit abgesägter Leiter

Gelegentlich werden Hochsitze von Jagdgegnern zerstört, um sie für die Jagd unbrauchbar zu machen.[6] Das Umreißen, Umsägen oder sonstiges Unbrauchbarmachen von Hochsitzen stellt eine Sachbeschädigung dar. Zahlen über die Häufigkeit solcher Taten sind nicht bekannt. Die Frage der ethischen Rechtfertigung von straf- und privatrechtlich relevanten Aktionen wird innerhalb der Tierrechtsbewegung kontrovers diskutiert.[7] Der Jagdschutz im Bundesjagdgesetz und in den Jagdgesetzen der Länder umfasst auch den Schutz der zur Jagd erlassenen Vorschriften einschließlich der jagdlichen Einrichtungen.[8][9]

In Deutschland mussten Grundstückseigentümer vor 2013 die Errichtung von Hochsitzen in jedem Fall dulden, soweit sie für die Jagdausübung erforderlich waren. Seit der Änderung des Bundesjagdgesetzes vom 6. Dezember 2013 kann die Bejagung (und damit auch die Errichtung von Hochsitzen) auf eigenen Grundstücken abgelehnt werden. Der Grundeigentümer muss glaubhaft machen, dass er die Jagdausübung aus ethischen Gründen ablehnt.[10] Das Verfahren ist allerdings so kompliziert, dass bisher nur wenig Gebrauch davon gemacht wurde.

LiteraturBearbeiten

  • Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5
  • Jörg Rahn: Jagdliche Einrichtungen selbstgebaut. Anleitungen zum Bau von Reviereinrichtungen, 240 Seiten. Neumann-Neudamm (2004), ISBN 3-927-84821-2
  • Anton Schmid: Hochsitzbau. Bauanleitungen, Konstruktionszeichnungen, Modellfotos, 127 Seiten. blv, München 2005, ISBN 3-405-16897-X
  • Gerold Wandel: Reviereinrichtungen selbst gebaut. 288 Fotos und Skizzen, über 100 Konstruktionszeichnungen vom Verfasser. 9., durchgesehene Auflage. blv, München 2005, 296 S., ISBN 3-405-16283-1
  • Egon Wagenknecht: Jagdliche Einrichtungen. Mit Zeichnungen von Birgit Werwik. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1989, 216 S., ISBN 3-331-00318-2

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hochsitze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Hochsitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon. Augsburg 2000, S. 388.
  2. a b Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG; Hrsg.): Sichere Hochsitzkonstruktion – Anleitungen für den Bau von sicheren Hochsitzen, S. 7
  3. SVLFG (Hrsg.): Sichere Hochsitzkonstruktion, S. 5
  4. Mark G. von Pückler: Der Jäger und sein Recht, Paul Paray Verlag, 2002, S. 130.
  5. Waldknigge der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, abgerufen am 9. Dezember 2015
  6. Tilt: Jagdgegner in Deutschland zerstören Hochsitze. 17. April 2015.
  7. vgl. dazu: Tierrechte bei der Jagdausübung sowie Tierrechte
  8. BJagdG: § 23 Inhalt des Jagdschutzes: Der Jagdschutz umfasst nach näherer Bestimmung durch die Länder den Schutz des Wildes insbesondere vor Wilderern, Futternot, Wildseuchen, vor wildernden Hunden und Katzen sowie die Sorge für die Einhaltung der zum Schutz des Wildes und der Jagd erlassenen Vorschriften.
  9. § 29 HJagdG – Inhalt des Jagdschutzes: Zum Jagdschutz gehören neben den Aufgaben des § 23 Bundesjagdgesetz auch der Schutz bestandsbedrohter Wildarten und der Schutz jagdlicher Einrichtungen.
  10. buzer.de: Fassung § 6a BJagdG a.F. bis 06.12.2013 (geändert durch Artikel 1 G. v. 29.05.2013 BGBl. I S. 1386).