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Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg

Ursprünge und AusgangssituationBearbeiten

Die Ursprünge der Nürnberger Handelshochschule und damit der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg reichen bis zur Nürnbergischen Universität Altdorf zurück, die 1575 in Altdorf bei Nürnberg als Akademie eröffnet und 1622 zur Universität erhoben wurde. Einer der Gründe, die Universität im Nürnberger Land zu gründen, waren die dort liegenden Herrensitze und Schlösser der Nürnberger Patrizier wie zum Beispiel Schloss Grünsberg in der Nähe von Altdorf. Nach der Eingliederung Nürnbergs in das Königreich Bayern im Jahr 1806 wurde die Universität Altdorf 1809 aufgelöst. Einzige Universität im protestantischen Teil Frankens blieb die 1743 gegründete Universität Erlangen.

GründungBearbeiten

 
Gebäude der ehemaligen Handelshochschule

Erst 1918 wurde wieder eine Hochschule in Nürnberg gegründet. Nach dem Scheitern der Pläne für eine Technische Hochschule mit einer angegliederten handelswissenschaftlichen Fakultät wurde 1907 der Gedanke der Gründung eine Handelshochschule wiederaufgenommen. Die Gründung der praxisorientierten Hochschule durch die Stadt Nürnberg erfolgte am 26. oder 27. Mai 1918 unter dem Namen „Freie Hochschule für Handel, Industrie und allgemeine Volksbildung“ in Form einer Stiftung. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits sieben gleichartige Institutionen in Deutschland, deren Entwicklung in Nürnberg intensiv verfolgt wurde. Am 15. Oktober 1919 wurde der Lehrbetrieb mit 174 Studenten und sechs Studentinnen in einer ehemaligen Volksschule in der Findelgasse 7 aufgenommen. 1920 stimmte der Nürnberger Stadtrat zu, und die Handelshochschule wurde ministeriell genehmigt.

Zeit der Weimarer RepublikBearbeiten

1925 erfolgte die Gleichstellung mit anderen Hochschulen. Zugleich wurde der Name in „Handelshochschule, Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Nürnberg“ geändert und die Schule erhält eine Rektorats- und Senatsverfassung. An ihr begründeten Wilhelm Rieger und Wilhelm Vershofen die „Nürnberger Schule“, die durch das damals einmalige Konzept der Einheit von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bekannt wurde. 1930 erhielt die Hochschule das Promotionsrecht, ab 1931 das Recht der Habilitation für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Zu einem der nachhaltigsten Erfolge der Nürnberger Professoren gehörte 1934 die Gründung der späteren Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Zu den Absolventen der Handelshochschule zählt Ludwig Erhard, der spätere Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler, der an der Hochschule studierte, forschte und lehrte.

Hindenburg-Hochschule: Die Hochschule in der Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
Es ist schwer vollstellbar, dass das einzige Berichtenswerte über die Hochschule im NS die Umbenennung der Hochschule und die Einführung eines neuen Faches gewesen sein soll
Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.

Während des Dritten Reiches wurde das Vorlesungsangebot um das Fach „Volk und Rasse“ erweitert. Am 10. Mai 1933 wurde eine Namensänderung in „Hindenburg-Hochschule (Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)“ angeordnet.

Nach dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben der Hochschule auf Grund der Entnazifizierung des Lehrkörpers von über 30 Dozenten nur drei aus der Zeit vor Kriegsende erhalten. Der Wiederaufbau des zerstörten Kollegienhauses in der Findelgasse 7 war 1952 abgeschlossen. Wegen der steigenden Studentenzahlen wurde bis 1955 ein Erweiterungsbau in der Findelgasse 9 errichtet.

Karl Valentin Müller holte Richard Korherr vom Wintersemester 1959/60 bis zum Sommersemester 1962 als Dozenten an diese Hochschule (Lehrbeauftragter an Müllers Lehrstuhl). Korherr war Leiter der Statistischen Abteilung im SS-Hauptamt und 1943 mit seinem Bericht (sog. Korherr-Bericht) an Heinrich Himmler Statistiker des Holocaust (damals als Endlösung der Judenfrage bezeichnet).

Eingliederung in die Erlanger Universität und weitere EntwicklungBearbeiten

 
Campus der WiSo in Nürnberg

Nach der Unterzeichnung eines Vertrags zwischen dem Freistaat Bayern und der Stadt Nürnberg am 23. Dezember 1960 wurde die Nürnberger Hochschule durch Ministerialerlaß vom 13. April 1961 rückwirkend zum 1. Januar 1961 als „Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät“ (WiSo-Fakultät) in die Universität Erlangen eingegliedert, die aus diesem Anlass in „Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg“ umbenannt wurde. Die wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Lehrstühle des Staatswissenschaftlichen Seminars an der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen wurden teilweise an die neue WiSo-Fakultät verlegt.

1966 wurde das DFG-finanzierte Instititut für Sozialforschung (SFZ) eröffnet, für dessen Leitung Gerhard Wurzbacher von Kiel nach Nürnberg geholt wurde.[1] Das Institut bestand bis Ende 2005, als es nach der Emeritierung seines letzten Direktors Manfred Stosberg geschlossen wurde.[2]

Seit den 1970er Jahren wuchs die Fakultät stetig, so dass 1977 ein Neubau in der Langen Gasse 20 eingeweiht wurde (vormals Tuchersches Gartenanwesen und ab 1890 Sitz der Tucher Brauerei). Die Fakultät zeichnete sich weiterhin durch die Einheit der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften aus, die bereits an der Handelshochschule gepflegt wurde. Seit den 1980er Jahren ist die WiSo im Bereich Wirtschaftsinformatik führend. 1997/98 wurde der erste deutsche Studiengang „Internationale BWL“ eingeführt, 2000 der internationale Masterstudiengang International Business, 2004 der MBA-Weiterbildungsstudiengang Business Management. Im Jahr 2007 wurde die Fakultät mit der in Erlangen angesiedelten Rechtswissenschaftlichen Fakultät zur Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät vereinigt.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

  • Hans Proesler: Der Aufbau der deutschen Handelshochschulen und die Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Handelshochschule) Nürnberg von 1919 bis 1929. Nürnberg: Hochschulbuchhandlung Krische & Co., 1929, 31 S. (Nürnberger Beiträge zu den Wirtschaftswissenschaften; Heft 18)
  • Festschrift der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg. Anläßlich der dreißigsten Wiederkehr des Gründungstages, Nürnberg 1949
  • Fritz Voigt und Erich Schäfer (Hrsg.): Die Nürnberger Hochschule im fränkischen Raum 1955. Im Auftrag des Senats anlässlich der Einweihung des neuen Kollegienhauses der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu Nürnberg im November 1955, Nürnberg: Glock u. Lutz, 1955, 245 S.
  • Friedrich Wilhelm Schoberth, Hermann Kellenbenz und Eugen Leitherer (Hrsg.): Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg 40 Jahre. 1919 - 1959. Anläßlich der Jubiläumsfeier am 26. Februar 1960. Nürnberg: Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 1960, 73 S.
  • Georg Bergler: Geschichte der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg 1919 – 1961. Nürnberg: Spindler; Band 1: 1963, 431 S.; Band 2: 1969, 416 S.
  • Gesa Büchert / Harald Fuchs / Peter Löw (Hrsg.): Kleine Geschichte einer großen Fakultät – 75 Jahre Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Nürnberg. Nürnberg: Selbstverlag der Autoren, c/o Susanne Löw, Lupinenweg 145, 90480 Nürnberg, 1994, 216 S., ISBN 3-87191-201-8 (Auslieferung Buchhandlung Edelmann Nürnberg)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nordbayerischer Kurier: 11. November 1966: „Staat braucht Ergebnisse“, 11. November 2011
  2. FAU: Personalmeldungen 2005-11