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Als Heteropatriarchat (Akronym von Hetero-[Sexualität] und Patriarchat) wird ein gesellschaftspolitisches System verstanden, in dem das männliche Geschlecht und die Heterosexualität über andere soziale Geschlechter und andere sexuelle Orientierungen herrschen. Die Theorie sagt aus, dass die Diskriminierung von Frauen und der LGBTI-Community durch das gleiche sexistische Sozialprinzip hervorgerufen wird.[1][2][3][4][5][6]

Aus feministischer Sicht bezieht sich der Begriff „Patriarchat“ auf den Vater als Oberhaupt der Familienhierarchie (vergleiche den römischen pater familias), und damit auf die Unterordnung der Frauen unter die Männer. Laut der Queer-Theorie der 1970er- und 1980er-Jahre und der in Frage Stellung der Zwangsheterosexualität und der Geschlechtsbinarität wird diese Herrschaft nicht nur in Bezug auf Geschlecht (die Vorherrschaft von Männern über Frauen oder männlich über weiblich), sondern auch in Bezug auf Sexualität (Heteronormativität oder Heterosexualität über andere sexuelle Orientierungen und die Cisgender über andere Geschlechts-Identitäten) verstanden.[7][2][4][8]

Das Heteropatriarchat ist ein System sozialer Herrschaft, in dem heterosexuelle Männer privilegiert und für machohaftes Verhalten belohnt werden. Umgekehrt erhalten Frauen, die sich weigern sich typisch weiblich zu verhalten oder die sozial als männliche gesehenes Verhalten aufzeigen, einen sozialen Nachteil. Historisch gesehen, manifestiert sich dies in ökonomischen und gesellschaftlichen Nachteilen, wie Lohnunterschieden für denselben Job oder Hindernisse beim Erlangen von Führungspositionen für Frauen oder für homosexuelle Männer.[9][10][11]

Das Heteropatriarchat ist eine der Facetten der intersektionalen feministischen Analyse, die verwendet wurde, um die moderne Sozialstruktur zu erklären. Diese beruht nach der feministischen Analyse auf einem hierarchischen System von ineinandergreifenden Macht- und Unterdrückungskräften. Diese Strukturen werden durch geschlechtsspezifische Normen verstärkt, die den Frauen und Männern Merkmale von Weiblichkeit und Männlichkeit zuordnen. Eine der Grundlagen dieser dichotomen Sichtweise ist die Kernfamilie als Modell der typischen Familieneinheit, die die Notwendigkeit von zwei heterosexuellen Eltern mit der Fähigkeit, Nachkommen zu produzieren, vorgibt. Dieses Familienmodell wird durch verschiedene soziale Institutionen wie der Religion, dem Bildungssystem oder den Arbeitsplatz verstärkt.[10][12] Paradoxerweise wurde die LGBTI-Community auch in diesem heteropatrialen Modell durch gleichgeschlechtlichen Ehe integriert. Durch die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe werden nach der Theorie immer noch polyamäre oder nicht-monogame Beziehungen als nicht gleichwertig angesehen.[13]

Die heteropatriarchalische Weltanschauung der Gesellschaft wurde durch den Kolonialismus gefördert und erweitert. Durch die europäische Kultur und deren Hegemonie wurden auch in anderen Teilen der Welt andere Geschlechterordnungen mit einem anderen Verständnis von Gesellschaft und Geschlecht verdrängt.[4][14]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jutta Hartmann, Christian Klasse: Heteronormativität- Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualität und Macht- eine Einführung. Hrsg.: VS Verlag für Sozialwissenschaften. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007, ISBN 978-3-531-14611-9, S. 9 f.
  2. a b ¿Ruptura o Continuidad? Reflexiones en torno al Heteropatriarcado a partir de los relatos de un grupo de jóvenes infractores/as de ley. Universität von Chile. 2014.
  3. La reproducción del enmarcado heteropatriarcal desde la praxis política lesbofeminista frente al amor y las relaciones erótico-afectivas no monogámicas. Universidad Santo Tomás de Aquino. 2015.
  4. a b c Unpacking Hetero-Patriarchy: Tracing the Conflation of Sex, Gender & Sexual Orientation to Its Origins. Yale Journal of Law & the Humanities. 1996.
  5. De la cama a la calle: perspectivas teóricas lésbico-feministas. Brecha Lésbica. 2006.
  6. La persistencia del heteropatriarcado. Naturalización, materialización y sedimentación en Bourdieu, Butler y Laclau. Lateinamerikanischer Kongress zu Sozialtheorien. 2015.
  7. Jutta Hartmann, Christian Klasse: Heteronormativität- Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualität und Macht- Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007, ISBN 978-3-531-14611-9, S. 10.
  8. The Lesbian Heresy: A Feminist Perspective on the Lesbian Sexual Revolution. Spinifex Press. 1993.
  9. An ambivalent alliance: Hostile and benevolent sexism as complementary justifications for gender inequality. American Psychologist. 2001.
  10. a b Feminist Theory Reader: Local and Global Perspectives. Routledge. 2016.
  11. Men More Likely to Discriminate Against People in Jobs If They 'Sound Gay'. Broadly - Vice. 2017.
  12. de Beauvoir, Simone (1949). Das andere Geschlecht.
  13. Drei Diskurse zu der Homonormatisierung von Schwulen und Lesben. Asparkía. 2015.
  14. Decolonizing Feminism: Challenging Connections between Settler Colonialism and Heteropatriarchy. Feminist Formations. 2013.