Heinrich von Kalnein

deutscher Jazzmusiker
Heinrich von Kalnein, Porträt

Heinrich von Kalnein (* 4. Juli 1960 in Baden-Baden) ist ein deutscher, in Österreich lebender Jazzmusiker (Sopran-, Alt- und Tenorsaxophon, Flöte, Elektronik), Komponist und Universitätslehrer.

LebenBearbeiten

Kalnein ist Sohn des Kunsthistorikers Wend von Kalnein. Er wuchs in Düsseldorf und Neuss auf und erhielt ab seinem elften Lebensjahr Unterricht in Querflöte, später auch Saxophon. Während seiner Ausbildung zum Verlagsbuchhändler von 1980 bis 1982 im Athenäum Verlag nahm er Unterricht bei Christof Lauer und spielte im Ensemble „Ominous Mirage“ des polnischen Saxophonisten und Komponisten Janusz Podrazik.

Er studierte ab 1982 in Graz bei Karlheinz Miklin und Carl Drewo und schloss 1987 mit Auszeichnung ab. Aufbauend war er Mitglied der Meisterklasse von Dave Liebman. Mit Tscho Theissing und Christian Muthspiel arbeitete er im von Günter Meinhart gegründeten „Orchesterforum Graz“, das ab 1982 im Crossover-Bereich aktiv war. Ab 1986 arbeitete er mit dem experimentellen Trio X-tra (mit Lars Lindvall und Uli Rennert), das auch auf der Ars Electronica und der Styriarte auftrat und die Alben wie Eletric Poems (1989) und life traKs vorlegte. Mit Adelhard Roidinger produzierte er 1989 die Filmmusik für die ORF-TV-Produktion Gesichtszüge – eine Sonderfahrt mit den Grazer Architekten.

Von Kalnein wirkte ab 1991 im Fusion-Quartett „The Quartet“ (Tell Me Your Story 1992 und Tales of Tomorrow 1994) und gründete mit Roland Schaeffer und Jatinder Thakur das Ensemble Free Winds, mit dem er Tourneen durch Indien (1996 und 1997) und Sri Lanka (1997) durchführte. 1994 gründete er die „Heinrich von Kalnein Group“ und veröffentlichte mit ihr die CDs New Directions (1995), nominiert für den Preis der deutschen Schallplattenkritik sowie Perfect World (1998) (mit Nguyên Lê und Monika Trotz). 2002 veröffentlichte er Blackbird – The Music of Lennon/McCartney (u. a. mit Ed Neumeister, Fritz Pauer, Wayne Darling und John Hollenbeck).

Von 2004 bis 2007 arbeitete er zusammen mit dem polnischen Sänger Marek Bałata im Quintett Songlines. Seit 2007 arbeitet er mit Gregor Hilbe und Christian Bakanic (bis 2015, seitdem mit dem türkischen Pianisten Anıl Bilgen) im weltmusikalisch geprägten Trio Kahiba.

2012 gründete er sein eigenes Label Natango Music.

2015 veröffentlichte er zusammen mit dem US-amerikanischen Pianisten und Komponisten Michael Abene das Duo-Album Dreamliner. 2017 veröffentlichte er zusammen mit dem deutschen Gitarristen Axel Fischbacher, Bassist Charles Sammons und Schlagzeuger Ralf Gessler das Album One Man Disco. Seit 2018 arbeitet er auch mit dem brasilianischen Meretrio zusammen (Passagem 2019). Von 2003 bis 2019 leitete er gemeinsam mit Horst-Michael Schaffer die Jazz Bigband Graz, in der mit Johannes Enders, Sebastian Gille und Henning Sieverts einige der führenden Vertreter der deutschen und österreichischen Jazz-Szene vertreten sind. 2004 produzierten die beiden die Live CD „A Life Affair“, 2006 zusammen mit John Hollenbeck und Theo Bleckmann die CD „Joys & Desires“ sowie 2008 die CD „Electric Poetry“, 2012 die CD „Urban Folktales“ und 2016 die CD „True Stories“.

1996 bis 2004 arbeitete er mit dem Vienna Art Orchestra (CD „All That Strauss“ 2000). Im weiteren trat er im Trio mit Adelhard Roidinger und Christian Salfellner auf, aber auch als Sideman bei Wayne Darling, Rüdiger Oppermann, Timna Brauer sowie der österreichischen Bigband Nouvelle Cuisine, deren CD „Ultimate Sentences“ 1998 den Hans-Koller-Preis erhielt. Er war Kurator des Wiener Jazzclubs Porgy & Bess und arbeitet auch als Produzent und Aufnahmeleiter.

Kalnein spielte auch mit Iain Ballamy, Django Bates, Bob Brookmeyer, Jay Clayton, Kurt Elling, Gil Evans, Heiner Goebbels, Jerry Granelli, Jon Hendricks, Doug Hammond, Peter Herbolzheimer, Marc Johnson, Sheila Jordan, Charlie Mariano, Bob Mintzer, Glen Moore, den New York Voices, Simon Nabatov, Marc Ribot, Paquito D’Rivera, Diane Schuur und Take 6.

1989 bis 1992 war er als Saxophonlehrer Mitglied der neugegründeten Jazzabteilung am Linzer Anton Bruckner Konservatorium. Seit 1995 lehrt Kalnein, zunächst als Assistenzprofessor, seit 2004 als Leiter einer eigenen Klasse, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Seit 2014 ist er Mitglied des Fachbeirates des steirischen Landeskulturkuratoriums.

Diskographie (Auswahl)Bearbeiten

 
Heinrich von Kalnein @ Jazzahead 2008
  • New Directions (nominiert für den Preis der deutschen Schallplattenkritik, 1995)
  • Perfect World (u. a. mit Nguyên Lê, 1998)
  • Free Winds Indian Air (mit Selvaganesh Vinayakram, 1999)
  • Blackbird – The Lennon/McCartney Songbook (2002)
  • Songlines (2007)
  • Kahiba Global Dialects (2009)
  • JBBG – jazz bigband graz Live @ Jazz Baltica (2010)
  • Kahiba The Sixth Sense (2014)
  • Heinrich von Kalnein & Michael Abene Dreamliner (2015)

Lexigraphischer EintragBearbeiten

WeblinksBearbeiten