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Hans Stempel

deutscher evangelischer Theologe

LebenBearbeiten

Stempel wuchs in Steinwenden auf. Er besuchte die Lateinschule in Grünstadt[1] und begann danach ein Studium der Theologie, das er als Doktor der Theologie beendete. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Schwarzburgbund-Verbindungen Herminonia München (1914) und Wilhelmitana Berlin (1918).[2] Nach seinem Studium war er Vikar und Pfarrer an verschiedenen Orten, wie Landau in der Pfalz. Von 1926 bis 1934 war er Direktor des Predigerseminars in Landau.[3] Er wurde Vorsitzender der Pfälzer Pfarrbruderschaft, die sich im Kirchenkampf gegen die Nationalsozialisten der Bekennenden Kirche angeschlossen hatte.[3] Nähere Einzelheiten zu seinem Verhalten während der Zeit des Nationalsozialismus wurden erst spät bekannt.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 eine vorläufige Landessynode in der Evangelischen Kirche der Pfalz gebildet, die Stempel als Präses wählte. Bei der ersten regulären Synode wurde Stempel dann im zweiten Wahlgang zum Kirchenpräsident gewählt.

Er war Mitglied der Christlichen Friedenskonferenz, die 1960 in Prag tagte.

Als Stempel 1964 altershalber in den Ruhestand ging, wählte die Landessynode am 16. März Theodor Schaller zu seinem Nachfolger. Dieser hatte bereits bei der Wahl Stempels 1946 einige Stimmen bekommen, wenngleich er damals nicht als Kandidat angetreten war.

Seit 1953 gehörte Stempel dem Präsidium der Stillen Hilfe an, einer Hilfsorganisation, die vor allem für inhaftierte NS-Täter eintrat.[3] Als Stempel im Oktober 1970 die letzten Inhaftierten im holländischen Breda besuchen wollte, zog er sich auf der Reise eine schwere Erkältung zu, an deren Folgen er am 2. November starb.[3] Am 6. November 1970 fanden die Beisetzungsfeierlichkeiten in der Stiftskirche in Landau in der Pfalz im Beisein des Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und späteren Bundeskanzlers Helmut Kohl statt.

AuszeichnungenBearbeiten

Stempel war offiziell, wenn auch geheim, der „Beauftragte der EKD für die Seelsorge an deutschen Kriegsverurteilten in ausländischem Gewahrsam“, also für verurteilte Kriegsverbrecher.[5][6] Er erhielt 1956 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik mit Stern und Schulterband, ferner das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes. Hans Stempel war Ritter der französischen Ehrenlegion.
Sowohl in Landau (Pfalz) als auch in Speyer wie auch in seinem Geburtsort Steinwenden wurde eine Straße nach ihm benannt, eine Ehrung, die neuerdings (2017) in Frage gestellt wird.[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 200-Jahrfeier des Progymnasiums Grünstadt, Liste der noch lebenden Schüler, Riedel Verlag, Grünstadt, 1929, S. 32
  2. Hermann Goebel (Hrsg.): Mitgliederverzeichnis des Schwarzburgbundes. 8. Aufl., Frankfurt am Main 1930, S. 137 Nr. 3125.
  3. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 601.
  4. s. Christoph Picker, Gabriele Stüber, Klaus Bümlein u. a. [Hrsg]: Protestanten ohne Protest. Die evangelische Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus. Verlagshaus Speyer u. a., Speyer u. a. 2016.
  5. 21. Febr. 1992 in Die Zeit
  6. Aufklärung zu Hans Stempel. In: Die Rheinpfalz Nr. 130 vom 7. Juni 2017. Speyerer Rundschau
  7. s. Falk Reimer, Patrick Seiler: Mindestens zweideutig. In: Die Rheinpfalz Nr. 50 vom 28. Februar 2017. Region