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Eupen (deutsche Aussprache [ˈʔɔʏpn̩], französisch [øpɛn]; wallonisch Nèyåw; veraltet französisch Néau) ist eine belgische Stadt im Osten der Provinz Lüttich in der Wallonischen Region. Die Stadt liegt am Rande des Naturparks Hohes Venn-Eifel etwa 16 km südlich von Aachen sowie 45 km von Lüttich und Maastricht entfernt und gliedert sich in die Viertel Oberstadt mit dem benachbarten Weiler Stockem und Unterstadt am Ufer der Weser mit dem Haas- und Bergviertel. Mit der Gemeindefusion von 1977 kam als neuer Stadtteil der Ort Kettenis mit seinen Weilern Gemehret, Libermé, Nispert und Oberste Heide hinzu. Seit 1975 besteht eine Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Temse in der Provinz Ostflandern.

Eupen
BE Eupen COA.svg Flagge Eupen.svg
Eupen (Lüttich)
Eupen
Eupen
Staat: Belgien
Region: Wallonien
Provinz: Lüttich
Bezirk: Verviers
Koordinaten: 50° 38′ N, 6° 2′ OKoordinaten: 50° 38′ N, 6° 2′ O
Fläche: 103,74 km²
Einwohner: 19.461 (1. Jan. 2017)
Bevölkerungsdichte: 188 Einwohner je km²
Höhe: 260 m
Postleitzahl: 4700 (Eupen)
4701 (Kettenis)
Vorwahl: 087
Bürgermeister: Karl-Heinz Klinkenberg (PFF)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Rathausplatz 14
4700 Eupen
Website: www.eupen.be
Haus Grand Ry, Regierungssitz der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Als Teil der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in Ostbelgien ist die Amtssprache deutsch und die rund 19.000 Einwohner der Stadt sind demnach mehrheitlich deutschsprachig, wobei ihr Eupener Platt der Niederfränkischen (Limburgischen) und Ripuarischen Dialektgruppe zuzuordnen ist.

Seit der schrittweisen Umwandlung Belgiens in einen Föderalstaat[1] ist Eupen Hauptsitz des Parlaments, der Regierung und des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft und somit politisches Zentrum der rund 76.000 Einwohner umfassenden deutschsprachigen Bevölkerungsminderheit in Belgien. Darüber hinaus ist Eupen Verwaltungssitz der Euregio Maas-Rhein.

Inhaltsverzeichnis

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Gold ein durchgehendes rotes Dornenkreuz; auf dem oberen Schildrand eine gezinnte schwarzgefugte silberne Mauerkrone mit zentralen Rundturm mit vorkragendem Zinnenrand, zwei Scharten und schwarzem Tor sowie zwei ebensolchen kleineren torlosen Flankentürmen.“ (Stadtwappen in barockem Ovalschild mit eingerollten Kanten). Die rot-golden gespaltene Flagge trägt auf dem Spalt das Stadtwappen.

GeschichteBearbeiten

Der Ort Eupen im Herzogtum Limburg wurde erstmals urkundlich in den Annales Rodenses erwähnt als Ort erwähnt, der um 1040 zusammen mit Membach und Henri-Chapelle zur Pfarre Baelen gehörte und 1178 durch Herzog Heinrich III. von Limburg der Abtei Klosterrath geschenkt wurde. Seit dem 13. Jahrhundert wurde Eupen regional von den Herren von Stockem und Eupen als „Herrlichkeit“ regiert, deren Wappen ein schiefes gewöhnliches Kreuz mit gezacktem Querbalken bildete. Durch die Schlacht von Worringen fiel das Herzogtum Limburg 1288 unter Johann I. an das Herzogtum Brabant. 1387 gingen Brabant und Limburg an das Haus Burgund. Im Krieg gegen das Herzogtum Geldern wurde Eupen niedergebrannt.

1445 wurden in Eupen 156 Haushalte („Feuerstätten“) gezählt, im angrenzenden Weiler Nispert 25 und in Stockem 16. Im Jahr 1477 kam Eupen mit Brabant und Limburg an die von den Habsburgern regierte Österreichische Niederlande. 1544 verlieh Kaiser Karl V. dem Ort das Recht, zwei freie Jahrmärkte abzuhalten. 1554 wurde Eupen wegen seines Handels mit Tuchen und Nägeln bekannt. Ein Jahr später gelangte Eupen mit Brabant und Limburg an die Spanische Niederlande.

Von 1565 stammt die erste Erwähnung der protestantischen Bewegung in Eupen. 1582 wurde Eupen in der Nacht von niederländischen Söldnern zu 50 % niedergebrannt. 1627 bestanden in Eupen 700 Haushalte und über 2.000 erwachsene Gläubige. 1635 dezimierte eine Pestepidemie die Bevölkerung. 1648 wurde Eupen mit seinen drei Lathöfen Stockem, Frambach (Oberstadt) und St. Marien (Unterstadt) freie Herrschaft mit einem eigenen Gericht und erhielt 1674 durch Siegelverleihung die Stadtrechte.

Per Erlass von König Ludwig XIV. vom 6. Mai 1680 wurde den Eupener großzügige Rechte zugestanden, Ländereien für das Betreiben von Mühlen, Fabriken und Geschäfte zu erwerben, sich das nötige Holz für ihre Anlagen aus den umliegenden Wäldern zu beschaffen und fremde Arbeiter einzustellen. Im Jahr 1680 wurde daraufhin eine erste Feintuchmanufaktur in Eupen errichtet. Zum Beginn ihrer Blütezeit erhielt Eupen 1688 das Recht, fünf freie Jahrmärkte abzuhalten. In der nun rund 200 Jahre lang andauernden Hochphase der Tuchindustrie fanden rund 7.000 der knapp 10.000 Einwohner von Eupen eine Beschäftigung im Tuchhandwerk und in den Zulieferbetrieben.

Zwischen 1707 und 1714 stand Eupen für kurze Zeit unter der Herrschaft der Vereinigten Niederlanden. Anschließend fiel die Stadt nach dem Frieden von Utrecht mit Brabant und Limburg an die österreichische Niederlande zurück. 1718 erhielt die Stadt die Genehmigung zur freien Einfuhr von Wolle, Öl, Farben und aller für die Fabrikation der Tuche und Stoffe erforderlichen Materialien, dem 1760 die zollfreie Einfuhr von Kuhharren folgte. 1734 erhielten die Eupener Bürger das Wahlrecht, Bürgermeister und Neumänner zu wählen. 1783 erfolgte die Einrichtung eines Kaufmannskollegiums, einer Art Handelskammer, und 1787 die Errichtung eines Gerichts erster Instanz.

1794 kam die Stadt unter die Herrschaft Frankreichs und gehörte fortan zum Département Ourthe, Präfektur Lüttich, Unterpräfektur Malmedy. 1806 wurden die ersten Rauh- und Schermaschinen für die Tuchfabrikation eingeführt und der Fabrikant Bernhard Georg von Scheibler (1783–1860) richtete die erste mechanische Wollspinnerei ein. In den Folgejahren wurde der Ortsteil Unterstadt zu einem neuen Industriestandort aufgewertet und es gründeten sich eine Vielzahl neuer Fabriken an Weser und Hill.

1815 wurde Eupen durch den Wiener Kongress der Rheinprovinz des Königreiches Preußen zugeordnet und Kreissitz des Kreises Eupen. 1821 kam es nach Aufstellung einer neuen Tuchschermaschine zu einem Weberaufstand. In diesen Jahren erlebte Eupen eine wirtschaftliche Krise und eine verstärkte Armut in der Bevölkerung, was zur Einführung verschiedener Armenschulen führte. Erst zum Ende des Jahrzehnts erholte sich die Tuchindustrie wieder. 1827 erschien die Eupener Zeitung als erste Zeitung in der Stadt. 1864 wurde der Stadt Eupen ein Stadtwappen verliehen.

Durch den Vertrag von Versailles wurde Eupen 1920 Belgien zugeteilt und war bis 1925 Teil des dem General Herman Baltia unterstellten General-Gouvernements Eupen-Malmedy. Von 1929 bis 1940 übernahm das 2. Regiment der Carabiniers-Cyclistes die Gebäude der von Robert Wetzlar gestifteten und von seiner Frau Mathilde geleiteten und 1920 geschlossenen „Gewerblichen und kaufmännischen Fachschule für Knaben und Mädchen“ und richtete dort die Caserne Sous-Lieutenant Antoine ein.

Am 10. Mai 1940 begann für Belgien der Zweite Weltkrieg mit dem Fall Gelb. Hitler ließ insgesamt sieben seiner Armeen in die benachbarten neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg einmarschieren und besetzen. Am 18. Mai 1940 wurde das Gebiet um Eupen wieder dem Deutschen Reich angegliedert. Im September 1944 zogen sich die Wehrmachttruppen vor den heranrückenden US-Verbänden zurück, wodurch das Gebiet dem Einfluss der Nationalsozialisten entzogen war. Drei Monate später wurde das Gebiet um Eupen von der Ardennenoffensive stark beeinträchtigt und der Stadt schwere Schäden zugefügt.

Nach dem Krieg wurde der alte politische Zustand in Belgien wieder hergestellt. Am 15. Februar 1947 zog das Königliche Militärinstitut für Leibeserziehung in die Eupener Kaserne ein.

1974 wurde der 300. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte gefeiert.

Die Verleihung eines neuen Wappens durch den belgischen König Baudouin erfolgte 1983. Im selben Jahre wurde die Stadt Sitz der ersten Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

ReligionBearbeiten

Obwohl die Entwicklung sowohl der Katholiken als auch der Protestanten in Eupen im Lauf der Geschichte der Stadt von den zuständigen Herrschaftssystemen stark beeinflusst wurde, und weil Eupen keine reichsunmittelbare Stadt war, blieb sie dabei weitestgehend von Glaubenskämpfen verschont, wie sie beispielsweise im Rahmen der Aachener Religionsunruhen in der nahen Reichstadt Aachen stattgefunden hatten.

Römisch-katholische GemeindeBearbeiten

 
St.-Nikolaus-Kirche
 
Klosterkirche

Die ersten Anfänge einer geordneten katholischen Pfarre gehen in das 13. Jahrhundert zurück, als im Jahr 1213 in den Annales Rodenses eine „Capella Sancti Nicolai“ in „Oipen“ urkundlich erwähnt wird. Diese wurde im 14. oder 15. Jahrhundert durch eine gotische Kirche ersetzt und entwickelte sich als St. Nikolaus mit den Doppeltürmen zur markanten Hauptkirche der Stadt. 1695 wurde sie von der Pfarre Baelen abgekoppelt und zur eigenständigen Pfarre im Bistum Lüttich erhoben sowie der bisherige Rektor Nikolaus Heyendal zum ersten Pfarrer ernannt.

In Zeiten der Gegenreformation wurden um 1660 wallonische Kapuzinermönche nach Eupen entsendet, um der sich ausbreitenden Häresie und der Verbreitung des Protestantismus entgegenzuwirken. Diese errichteten auf einem gestifteten Stück Land die Kirche zur Unbefleckten Empfängnis mit einem großen Konventsgebäude sowie an der Grenze ihres Grundstückes eine Kapelle mit dem Gnadenbild der Gottesmutter, das sich zu einem beliebten Wallfahrtziel entwickelte.

 
Lambertuskapelle

Wenige Jahre später ließ die Eupener Kaufmannsfamilie Klebanck auf ihrem Grundstück am Eupener Werthplatz eine Kapelle für die dort ansässigen Bewohner erbauen. Obwohl in der Kapelle ab 1691 bereits erste Gottesdienste stattfanden, wurde sie erst 1729 offiziell als Mariä Himmelfahrts-Kirche geweiht und ein Jahr später von der Pfarre St. Nikolaus als Filialkirche übernommen. Ab etwa dem Jahr 1750 wird sie als Lambertuskapelle bzw. wegen ihrer Ortslage als „Werthkapelle“ bezeichnet und seit 1759 durch einen eigenen Kirchenvorstand verwaltet.

 
Nisperter Kapelle

Im gleichen Zeitraum ließen im Jahr 1747 der Färbereibesitzer Erich Adolph Görtz und seine Ehefrau Isabella, geb. Fey, auf ihrem Gelände im benachbarten Weiler Nispert, damals noch zu Kettenis gehörend, ebenfalls eine private Kapelle für die wenigen Bewohner des Ortsteiles errichten. Sie wurde nach Plänen des Aachener Architekten Johann Joseph Couven im barocken Stil erbaut und der Enthauptung Johannes des Täufers geweiht, wird jedoch von der Bevölkerung schlicht „Nisperter Kapelle“ genannt.

Zwischenzeitlich wurde zwischen 1720 und 1726 die gotische Hauptkirche St. Nikolaus niedergerissen und nach Plänen des Aachener Architekten Laurenz Mefferdatis im Stil der Renaissance komplett neu aufgebaut und 1729 konsekriert. Zwischen 1740 und 1744 stattete Johann Joseph Couven sie mit einem barocken Hochaltar aus.

 
Bergkapelle

Von dieser ganzen Entwicklung eines kirchlichen Gemeindelebens abgeschnitten war der anfangs noch dünn besiedelte Eupener Ortsteil Unterstadt. Im 15. Jahrhundert existierte eine erste kleine Kapelle im Bergviertel und im Jahr 1692 sollte eine weitere für das Haasviertel erbaut werden. Dieser Bau wurde jedoch nie vollendet, dafür wurde 1712 die alte Bergkapelle niedergerissen und durch eine neue ersetzt, die bereits 1729 erweitert werden musste und am selben Tag wie die Werthkapelle dem Johannes dem Täufer sowie dem heiligen Franziskus von Assisi geweiht werden konnte. Über mehr als 100 Jahre blieb die Bergkapelle Eupen die einzige Kirche in der Unterstadt.

Infolge der französischen Besetzung Eupens ab 1795 wurde das Kapuzinerkloster aufgelöst und die Mönche vertrieben. Die Klosterkirche wurde 1797 den Katholiken für ihre Gottesdienste und das Konventsgebäude 1798 der zivilen Gemeindeverwaltung zur Miete überlassen. Dagegen wurde die Marienkapelle an den Außenmauern geschlossen und das Inventar verkauft, das jedoch wenige Jahre später wieder zurückerworben werden konnte. Aufgrund des Konkordats von 1801 wurde im Jahr 1803 die Klosterkirche als „chapelle auxiliaire“ (Hilfskirche) anerkannt und als Filialkirche der Eupener Hauptpfarre St. Nikolaus zugeteilt. Unter ihrer französischen Bezeichnung: „Sainte Marie“ entwickelte sie sich vor allem für die frankophonen Einwohner der Stadt zum religiösen Zentrum der Gemeinde. Ebenso hatten die neuen Machthaber ab 1797 die Gottesdienste in der Bergkapelle zunächst verboten, diese konnten jedoch 1803 wieder aufgenommen werden, nachdem die Kapelle von den Franzosen ebenfalls als Hilfskirche anerkannt worden war.

 
Josefskirche

Mit dem Abzug der Franzosen und der Übernahme der Region durch Preußen wurde die katholische Gemeinde dem Erzbistum Köln unterstellt. Lediglich die Nisperter Kapelle war davon nicht betroffen, da sie weiterhin in privater Hand verblieb. Das Erzbistum unterstützte in den nächsten Jahrzehnten zusammen mit der örtlichen Gemeindeverwaltung und mit Hilfe zahlreicher Spenden aus der Bevölkerung den Ausbau sowie die Restaurierung und Sanierung der vorhandenen kirchlichen Einrichtungen und zwischen 1855 und 1872 den Neubau der St. Josefs-Kirche in Eupen-Unterstadt nach Plänen des Kölner Architekten Vincenz Statz. Dieser Bau wurde erforderlich, nachdem durch die zunehmende Industrialisierung und dem damit verbundenen Bevölkerungswachstum in der Unterstadt die Bergkapelle allein den räumlichen Anforderungen nicht mehr entsprach. Zugleich wurde die Einrichtung eines eigenen selbstständigen Pfarrbezirkes genehmigt. Nachdem im Zuge dessen auch die Bergkapelle umfassend umgebaut worden war, wurde sie 1872 als Filialkirche der neu eingerichteten Pfarre St. Josef zugesprochen.

Bereits 1827 musste die Marienkapelle an den Außenmauern des ehemaligen Kapuzinerklosters mit dem zurückerworbenen Inventar im Zuge der Trassierung der neu geplanten Durchgangsstraße von Aachen nach Verviers weichen. Das Gnadenbild wurde daraufhin am 28. September 1827 mitsamt dem Altar, dem Eisengitter und der Holzvertäfelung in die ehemalige Klosterkirche weitestgehend originalgetreu transloziert.

Im Jahr 1920 mit der Angliederung des Kreises Eupen an Belgien die Pfarren St. Nikolaus, St. Josef zusammen mit St. Katharina in Kettenis zunächst zum Bistum Eupen-Malmedy. Nach dessen Auflösung im Jahr 1925 wurden sie wieder dem Bistum Lüttich unterstellt, dem sie bis zum heutigen Tage mit kurzer Unterbrechung während der deutschen Besatzung zwischen 1940 und 1944 angehören. Aus strukturellen Gründen schlossen sich in den 1990er-Jahren die Hauptpfarre St. Nikolaus mit der Klosterkirche und der Werthkapelle, die Pfarre St. Josef mit der Bergkapelle sowie die Nisperter Kapelle gemeinsam mit St. Katharina zu dem neu gegründeten Pfarrverband Eupen-Kettenis zusammen.[2] Letztere war Anfang des 16. Jahrhunderts als Ersatz für eine im Jahr 1407 erstmals erwähnte „alte Kirche“ erbaut und 1647 zur selbstständigen Pfarre von Kettenis erhoben sowie um 1745 ebenfalls mit einem prächtigen Hochaltar von Johann Joseph Couven ausgestattet worden.

Darüber hinaus wurde im Jahr 2014 die Lambertuskapelle zur Simultankirche sowohl für die römisch-katholische als auch für die griechisch-orthodoxe Gemeinde Eupens erhoben, um der in Eupen ansässigen orthodoxen Gemeinde der hl. Apostelgleichen Nino, die mit ihren rund 250 Gläubigen zuvor in der ehemaligen Klosterkirche und anschließend im Kloster Garnstock am Stadtrand zu Gast waren, eine Möglichkeit zur Liturgie zu bieten.[3]

KlostereinrichtungenBearbeiten

 
Kloster Heidberg

Neben dem oben erwähnten Kapuzinerkloster ließen sich ab 1698 auf dem Heidberg in Eupen der 1623 im belgischen Limbourg von Johanna van Neerinck[4] gegründete katholische Rekollektinnen-Orden[5] nieder und richtete im Kloster Heidberg[6] eine Schule für Mädchen ein und übernahm später zusätzlich die Krankenpflege in dem im Jahr 1842 gegründeten St. Nikolaus-Spital. Zu dem Kloster gehörte anfangs eine kleine Kapelle, die 1854 durch die neugotische Herz-Jesu-Kirche ersetzt wurde. 1918 wurde das Kloster als Lyzeum anerkannt und fusionierte 1996 mit dem Collège Patronné zur Pater-Damian-Sekundarschule Eupen, das sich in einem Gebäudekomplex auf dem Kapernberg befand. Nachdem im Jahr 2007 die Klosteranlage in den Besitz der Regierung der DG übergegangen war, wurde es zu einem Seminar- und Eventzentrum umgebaut und 2014 neu eröffnet.

 
Franziskanerinnenkloster

Josephine Koch, (Ordensname: Elisabeth von Jesus), eine Schwester der Rekollektinnen, gründete am 13. Juni 1857 mit gleichgesinnten Frauen die Kongregation der Franziskanerinnen von der Heiligen Familie, einen aus dem Orden der Rekollektinnen hervorgegangenen Seitenzweig. Der neue Orden übernahm das Haus Vercken am Marktplatz, eine 1752 für den Tuchfabrikanten Leonard Vercken (1705–1767) nach Plänen von Johann Joseph Couven erbaute Stadtvilla, und richtete dort das Mutterhaus mit einer kleinen Kapelle und der Gruft für die Ordensgründerin ein, dem später ein Senioren- und Altenheim angeschlossen wurde. Die Aufgabenschwerpunkte des Ordens sind die stationäre und ambulante Pflege Kranker und Geisteskranker sowie die Betreuung Armer und Hilfsbedürftiger und die Mitarbeit in der Gemeinde- und Studentenseelsorge[7]

Protestantische GemeindeBearbeiten

 
Friedenskirche

Mitte des 16. Jahrhunderts bekannten sich in Eupen, erst noch vereinzelt, mehrere Familien zu den Lehren des calvinistischen Reformators Franciscus Junius. Unter der Herrschaft der Spanischen Niederlanden wurden sie in der Ausübung ihrer Religion unterdrückt und teilweise mit der Reichsacht belegt. Daraufhin hielten sie ihre Messfeiern in der im Jahr 1660 eingeweihten Waalse Kerk in Vaals ab zu der sie in einem vierstündigen Fußmarsch über den Geusenweg hinpilgerten.

Erst im Jahr 1707 unter der Herrschaft der toleranteren Vereinigten Niederlande war es den evangelischen Christen nun möglich, eine Gebets- und Versammlungsstätte zu erbauen, die nach außen den Charakter eines repräsentativen Bürgerhauses hatte, innen aber als Kirche mit Betsaal sowie als Pfarr- und Lehrerwohnung eingerichtet war. Diese Freizügigkeit endete, als ab 1714 die Österreichische Niederlande die Herrschaft über die Gebiete übernommen hatte. Erst durch den Toleranzedikt von 1781 durch Kaiser Joseph II. wurden die Protestanten zunächst geduldet und erhielten schließlich unter der französischen Besatzung eine vollständige Gleichstellung mit den Katholiken, die ab 1815 von der selbst überwiegend protestantisch preußischen Regierung übernommen wurde. Seit dem 27. November 1831 war die evangelische Gemeinde Eupen als unierte Kirche dem Kirchenkreis Aachen angeschlossen, ihr Bekenntnis ist dagegen eher der Reformierten Kirche zuzuordnen.[8] Im Jahr 1855 erhielten die sie nach vierjähriger Bauzeit mit der Friedenskirche ein eigenes offizielles Kirchengebäude. Seit 1920 gehören die Eupener Protestanten schließlich der „Union des Eglises Evangeliques Protestantes de Belgique“ mit Sitz in Brüssel an, die wiederum 1978 in die „Vereinigte Protestantische Kirche von Belgien“ eingegliedert wurde.

Das 1707 erbaute alte evangelische Pfarrhaus diente noch über viele Jahrzehnte hinweg als evangelische Schule und fungiert in der heutigen Zeit als Gemeindehaus für zahlreiche Aktivitäten sowie als Ersatzraum für Gottesdienste in kleinerem Rahmen.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 
Einwohnerentwicklung Eupen

In den 1980er Jahren verzeichnete Eupen bei damals rund 17.000 Einwohnern noch einen leichten Bevölkerungsrückgang.[9] Seit Mitte der 1990er Jahre wächst Eupens Bevölkerung kontinuierlich an und 2012 überschritt sie die Zahl von 19.000 Einwohnern.

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1890 15.445
1894 15.069
1980 17.072 1999 17.429
1985 17.042 2000 17.516
1986 17.000 2001 17.551
1987 16.967 2002 17.606
1988 16.958 2003 17.750
1989 16.959 2004 17.788
1990 17.026 2005 18.038
1991 17.123 2006 18.248
1992 17.293 2007 18.313
1993 17.247 2008 18.408
1994 17.211 2009 18.483
1995 17.238 2010 18.717
1996 17.283 2011 18.878
1997 17.304 2012 18.949
1998 17.346 2013 19.254

Stichtag jeweils 1. Januar

PolitikBearbeiten

Bürgermeister und GemeindekollegiumBearbeiten

Das Gemeindekollegium ist der Magistrat der Stadt Eupen. Er besteht aus dem Bürgermeister und weiteren fünf Mitgliedern, den Schöffen, die aus der Mitte des Stadtrates gewählt werden. Amtierender Bürgermeister der Stadt Eupen ist Karl-Heinz Klinkenberg (PFF). Schöffen sind Claudia Niessen (ECOLO), Arthur Genten (ECOLO), Michael Scholl (PFF), Philippe Hunger (PFF) sowie Werner Baumgarten (SPplus)

Bürgermeister seit 1815Bearbeiten

  • 1815–1818: Nicolas Vercken de Vreuschemen (bereits seit 1803 unter französischer Besatzung im Amt)
  • 1818–1820: Gerhard Wilhelm Hüffer
  • 1820–1822: Max Joseph Nicolay und Carl Böhme (kommissarisch)
  • 1822–1838: Andreas Joseph Franz von Grand Ry
  • 1838–1846: Peter Ney
  • 1847–1849: Amand von Harenne (1846 kommissarisch, später Landrat im Kreis Eupen)
  • 1849–1850: Andreas Salm (kommissarisch)
  • 1850–1881: Peter Becker (ab 1865 Oberbürgermeister)
  • 1881–1905: Theodor Mooren
  • 1905–1913: Joseph Rütgers
  • 1913–1920: Levin Graf Wolff Metternich zu Gracht (letzter deutscher Bürgermeister)
  • 1920–1925: Jules de Grand Ry
  • 1925–1927: Léon Xhaflaire
  • 1927: Leo Trouet (kommissarisch, von der belgischen Regierung abgelehnt)
  • 1928–1964: Hugo Zimmermann (Amtsenthebung während des Zweiten Weltkrieges)
  • 1964–1977: Reiner Pankert
  • 1977–2000: Alfred Evers (Ehrenbürgermeister)
  • 2000–2012: Elmar Keutgen
  • seit 2012: Karl-Heinz Klinkenberg

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat besteht aus 25 Mitgliedern, die von den Bürgern der Stadt Eupen gewählt werden. In der Legislaturperiode 2013–2018 sieht die Zusammensetzung des Stadtrats wie folgt aus:[10]

Partei Sitze
Partei für Freiheit und Fortschritt (PFF-MR) 7
- Christlich Soziale Partei (CSP) 8
Sozialistische Partei (SPplus) 3
ECOLO 7
Total 25

Regierungsparteien sind mit einem weißen Punkt gekennzeichnet (•).

VerkehrBearbeiten

VerkehrsgeschichteBearbeiten

 
Historische Aachener Straßenbahn vor der Klosterkirche

Die Eupener Kaufleute planten und verwirklichten im 18. Jahrhundert den Bau einer befestigten Straße, die von Eupen über Welkenraedt beim Orte „Weißes Haus“ auf die Heeresstraße Aachen-Lüttich stieß. Diese wurde durch die Zeichnung von Aktien finanziert, die Kosten sollten durch einen Wegezoll wieder eingespielt werden. Nur zwei Jahre nach der Inbetriebnahme begann 1795 die französische Besatzungszeit, deren Gesetze keine Straßen in Privatbesitz mehr erlaubten.

1864 erfolgte die Einweihung eines ersten Eisenbahnanschlusses, der bei dem Bahnhof Herbesthal in die Strecke Lüttich-Köln einmündete. Eupen erhielt einen Kopfbahnhof in Rathausnähe. 1887 wurde die Bahnstrecke Herbesthal-Raeren mit Anschluss an die Vennbahn eingeweiht; Eupen erhielt an dieser Strecke seinen neuen Bahnhof.

1898 wurde die lange von der Industrie geforderte, sogenannte Oe-Bahnstrecke von Eupen-Unterstadt nach Dolhain mit Anschluss an die Wesertalstrecke in Betrieb genommen.[11]

Darüber hinaus bestand seit 1906 durch die Aachener Straßenbahn eine Straßenbahnverbindung, die 1920 von der SNCV übernommen wurde und bis nach Verviers ausgebaut wurde. Nach 1945 wurde der Verkehr in Richtung Aachen nur noch bis Eynatten und nicht mehr bis zur Grenzhaltestelle Aachen-Köpfchen aufgenommen. Bis 1953 wurden die Straßenbahnstrecken nach Eynatten, Herbesthal und Bellmerin eingestellt.[12] Die Strecke nach Verviers war noch bis 1956 in Betrieb.

EisenbahnverkehrBearbeiten

Der Bahnhof Eupen liegt an der Bahnstrecke Welkenraedt–Raeren, die in Welkenraedt von der Wesertalstrecke abzweigt. Eupen ist der östliche Endpunkt der im Stundentakt verkehrenden Intercity-Linie IC 01 der NMBS/SNCB, die Eupen über Lüttich und Brüssel mit Ostende verbindet.

StraßenverkehrBearbeiten

Es bestehen zwei Autobahnanschlüsse über die A 3 bzw. E 40 in Nähe der Industriegebiete.

FlugverkehrBearbeiten

Die nächstgelegenen Regionalflughäfen sind in Lüttich und Maastricht. Die nächstgelegenen Großflughäfen sind die Flughäfen Brüssel, Köln/Bonn und Düsseldorf.

BusverkehrBearbeiten

Im öffentlichen Personennahverkehr sind Eupen und Aachen mit der (Buslinie 14) zu erreichen. Andere Buslinien verbinden Eupen u. a. mit Vaals, Sankt Vith und Verviers. Betreiber des Busverkehrs in Eupen ist die Transport en Commun (TEC).

Wirtschaft (Auswahl)Bearbeiten

 
ehemalige Kammgarnwerke, heute Kabelwerk
  • Kabelwerk Eupen, geht auf eine 1747 gegründete Hanfseilerei zurück und entstand 1909 durch Neugründung. Es übernahm mehrheitlich die Anlagen der ehemaligen Kammgarnwerke AG, die ihrerseits 1906 als Fusion mehrerer Einzelunternehmen gegründet worden war und 1981 ihren Betrieb einstellte.
  • Asten Johnson PGmbH in Kettenis, Unternehmen zur Herstellung und Vertrieb von Trocken- und Nasssieben für die Papierindustrie.
  • Chocolaterie Jacques im Industrieviertel, 1896 gegründet und 2011 von der Group Baronie übernommen. Seit 1993 angeschlossenes Schokoladenmuseum
  • Magetra International SA, seit 2012 durch Fusion von Magemon Transports aus Lüttich und Transports Mathieu SA aus Eupen entstandener Transportdienstleister mit Sitz im Industrieviertel.
  • Rom AG, 1961 gegründeter Hersteller von Polstermöbel.
  • Belgischer Rundfunk (BRF): deutschsprachiger öffentlich-rechtlicher Radio- und Fernsehsender.
  • Grenz-Echo, einzige deutschsprachige Tageszeitung Belgiens. Das Verlagshaus wurde 1927 gegründet und richtete 1950 in der ehemaligen Tuchfabrik Ackens, Grand Ry und Cie. am Eupener Marktplatz seinen neuen Sitz ein.
  • Industrie- und Handelskammer Eupen-Malmedy-St.Vith, 1783 als Kaufmannskollegium gegründet, bis 1929 Handelskammer zu Eupen, einzige IHK Ostbelgiens.

BildungBearbeiten

  • Autonome Hochschule in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Entstand 2005 als Zusammenschluss aus drei bestehenden Hochschulen und bietet Bachelor-Studiengänge für Krankenpflege, Primarschullehrer und Kindergärtner an.
  • Pater-Damian-Sekundarschule (PDS). Katholische Sekundarschule und entstand 1995 aus der Fusion des Heidberg-Instituts („Institut Maria Verkündigung“) auf dem Heidberg, einem seit 1918 bestehendem Mädchengymnasiums, und dem Jungengymnasium Collège Patronné im Haus Rehrmann-Fey am Kapernberg.
  • Königliche Athenäum Eupen. Staatliche Sekundarschule mit bilingualem Zweig und Schwerpunktsetzung in technischen Fächern.
  • Robert-Schuman-Institut Eupen. Staatliche und europäisch ausgerichtete Sekundarschule, benannt nach dem französischen Staatsmann Robert Schuman. Sie bietet 14 verschiedene Studienrichtungen in technischen und berufsbildenden Fächern sowie eine Abendschule für berufliche Weiterbildung im Bereich Sprachen und Informatik an.
  • ZAWM – Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes. 1843 als private Sonntags- Handwerkerschule „zur Förderung eines leistungsfähigen Handwerks“ gegründet. Sie ist zuständig für die ergänzende Gesellen- und Meisterausbildung und untersteht dem Institut für Aus- und Weiterbildung im Mittelstand und in kleinen mittelständischen Unternehmen (IAWM) mit Sitz in Eupen.
  • Vier Grundschulen decken den Bedarf in Eupen und dem eingemeindeten Kettenis:
    • die Städtische Grundschule Eupen-Oberstadt (SGO),
    • die Städtische Grundschule Eupen Unterstadt (SGU)
    • und die ausschließlich französisch unterrichtende Ecole communale pour enfants d'expression française
    • sowie in Kettenis die Städtische Grundschule Kettenis (SGK).

Urbanes und Sehenswürdigkeiten (Auswahl)Bearbeiten

 
Blick von der Moorenhöhe im Bergviertel auf das Haasviertel in der Unterstadt mit der Josefskirche und dem Kabelwerk sowie auf die Wälder des Hohen Venns

Eupen ist im Westen und Norden von weitläufigen, mit Hecken umsäumten Wiesenlandschaften und im Osten und Süden von den Wäldern des Hertogenwalds und des Hohen Venns umgeben, von dem ein Teil zum städtischen Gemeindegebiet gehört. Beliebte Touristenzentren sind dort die Naturparkzentren Botrange und Haus Ternell mit ihren vorhandenen Wander- und Skilanglaufmöglichkeiten sowie 10 km südwestlich der Stadt die Gileppe-Talsperre, die bei ihrer Einweihung 1878 Europas größte Betonstaumauer war, und die nur 5 km entfernte Wesertalsperre, Belgiens wasserreichstes Trinkwasserreservoir.

 
Burg Stockem

In dem Weiler Stockem befindet sich die gleichnamige Burg Stockem, ehemals Wohnsitz der Herren von Eupen und in Teilen ältestes Gebäude Eupens, in dem jetzt Privatwohnungen untergebracht sind. In unmittelbarer Nachbarschaft, auf dem Gebiet der Gemeinde Baelen, befindet sich das ehemalige Franziskaner-Kloster Garnstock mit der 1934 von Dominikus Böhm entworfenen Klosterkirche.

Von der Aussichtsplattform Moorenhöhe besteht ein weiter Ausblick auf die Eupener Unterstadt, das Wesertal und den Hertogenwald.

Eupen war vom 17. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Tuchproduktion und ist Bestandteil der Wollroute, die das kulturelle Erbe der Tuchmacherei in der Dreiländerregion rund um Aachen vernetzt. Die Innenstadt weist zahlreiche repräsentative Tuchmacherbauten und Patrizierhäuser mit oftmals dahinter liegenden Tuchschererwinkel vor allem aus dem späten 18. Jahrhundert auf, die inzwischen weitestgehend umgenutzt worden sind. Bedeutende Architekten wie die Aachener Stadtbaumeister Laurenz Mefferdatis, Johann Joseph Couven oder der westfälische Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun und andere haben ihre Spuren im Stadtbild hinterlassen.

 
Haus Mennicken

Als besonders sehenswert – neben den oben erwähnten Kirchen und Klöstern – ist das Tuchmacherhaus Mennicken am Werthplatz 1–3, welches laut Inschrift im Keilstein des Mittelportals im Jahr 1744 im Auftrag des Bauherrn Johann Aegidius Grand Ry entstand.[13] Dieses größte Eupener Tuchhaus wechselte häufig den Eigentümer und gehörte zwischen 1786 und 1803 zeitweise auch Mitgliedern der Familie Scheibler aus Monschau.

Ferner das Werkgebäude, das sich der Tuchmacher Nikolaus Joseph Grand Ry 1761–1763 von Johann Joseph Couven an der Klötzerbahn 34 erbauen ließ [14], das heute Regierungsgebäude der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens ist. Im Gebäude gegenüber auf der Klötzerbahn 27, das um 1757 ebenfalls für die Familie Grand Ry als Tuchmacherhof mit einem rückwärtigen Schererwinkel erbaut wurde, residiert heute das Eupener Friedensgericht. Das von Laurenz Mefferdatis am Kaperberg 2–4 im Jahr 1724 erbaute Tuchmachergebäude, ursprünglich mit zwei geschlossenen Innenhöfen, beherbergt das Staatsarchiv in Eupen. Im benachbarten Gebäude auf dem Kaperberg 8, ebenfalls ein ehemaliges Tuchmachergebäude von 1812, tagte bis 2013 das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft. In der Unterstadt befindet sich ein Fabrikgebäude des Architekten Johann Conrad Schlaun, das er für seinen Schwager Martin Rehrmann ausführte.

In der zentralen Gospertstraße finden sich mehrere historische bedeutsame Patrizierhäuser, darunter das nach Plänen von Mefferdatis erbaute Haus 40–42 mit seiner barocken Gartenanlage, das mittlerweile Sitz des Ministerpräsidenten der DG und der Euregio Rhein-Maas ist. Des Weiteren das Haus 52, in dem das Stadtmuseum seinen Platz gefunden hat, sowie das ebenfalls von Mefferdatis errichtete Haus 56.

Weitere sehenswerte Bauwerke sind die durch die Gemeindefusion von 1977 hinzugekommenen Schlösser Libermé, Thal und Weims in Kettenis.

In Erinnerung an historische Gegebenheiten und zur Stadtverschönerung wurde die Stadt mit zahlreichen Denkmälern und Brunnen ausgestattet. Auf dem Werthplatz befindet sich das vom Münchener Bildhauer Rudolf Henn geschaffene Kriegerdenkmal aus der preußischen Zeit, welches an die Gefallenen im Deutschen Krieg und im Deutsch-Französischen Krieg erinnert. Am Marktplatz steht der 1857 nach Plänen von Vincenz Statz von dem Aachener Bildhauer Christian Mohr im neugotischen Stil errichtete Marienbrunnen mit der Mariensäule.

Des Weiteren finden sich im Stadtbild unter anderem die 1998 nach einer Vorlage des Bildhauers Christian Stüttgen von 1909 neu erstellte Pferdetränke, der Panta Rei-Brunnen auf dem Heidberg sowie der Weberbrunnen, der Friedensbrunnen und der Euregio-Brunnen von Peter Hodiamont im Stadtzentrum. Eine besondere Attraktion ist das neu installierte Wetzlarbädchen mit dem Wäserscheff auf der Klötzerbahn, die die Bedeutung des Wassers für die Stadt und ihrer industriellen Entwicklung hervorheben soll.

KulturBearbeiten

MuseenBearbeiten

 
IKOB Eupen

VeranstaltungenBearbeiten

  • Der Veranstaltungsort Alter Schlachthof, ist u. a. Sitz der Soziokulturellen Vereinigung Chudoscnik Sunergia.
  • Der Eupen Musik Marathon ist ein zweitägiges Musikfestival auf mehreren Bühnen in der Oberstadt mit Künstlern aus den Bereichen Rock, Pop, Electro, World Music, Jazz und Klassik (2013 u. a. mit: BAP, Rea Garvey, Max Herre und Royal Republic)[15]
  • HAASte Töne?! ist ein Internationales Straßentheater-Festival in der Unterstadt, das 2014 zum 20. Mal stattfand.[16]

FolkloreBearbeiten

SportBearbeiten

 
Kehrwegstadion

Eupen ist Heimat zahlreicher Sportvereine, in denen rund 5000 Eupener in unterschiedlichsten Sportarten aktiv sind. Die überregional bekanntesten Eupener Vereine sind:

Daneben gibt es einige Sportvereine, denen erhebliche Aufmerksamkeit auf regionaler Ebene zukommt. Dazu zählen zum Beispiel der Handballverein KTSV Eupen, der Volleyballverein Sporta Eupen-Kettenis oder der Basketballverein BBC Eupen. Insgesamt sind 43 Sportvereine im Eupener Sportbund zusammengeschlossen.[17]

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Ehrenbürger der StadtBearbeiten

TriviaBearbeiten

  • Im etwa 30 Kilometer entfernten Eschweiler in Deutschland gibt es einen Stadtteil mit dem Namen Klee Oepe („Klein Eupen“), wo sich bis zur frühen Neuzeit die Eupener und die Kölner auf halbem Wege zum Pferdehandel trafen.

LiteraturBearbeiten

  • Christian Quix: Beiträge zu einer historisch-topographischen Beschreibung des Kreises Eupen. Aachen 1835.
  • Christian Rutsch: Eupen und Umgegend. Mayer, Eupen 1879. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.
  • Viktor Gielen: Aus Eupens Vergangenheit. Heimatbuch der Stadt Eupen. Das Bild der Heimat, Band 3, Raeren 1966.
  • Eupen 1974. Ein Beitrag zum Stadtjubiläum. Grenz-Echo Verlag, Eupen 1974.
  • Wolfgang Trees, Paul Margraff: Geliebtes Eupen. Edition Doepgen, Eupen 1978.
  • Hugo Pelzer: Die Geschichte und Entwicklung der Stadt Eupen von den Anfängen bis zur Gegenwart, in: Geschichtliches Eupen, Band XV, Eupen 1991, S. 13–45
  • Viktor Gielen: Eupen im Kaiserreich 1871–1918. Grenz-Echo Verlag, Eupen 1994.
  • August Tonnar, Wilhelm Evers, Wilhelm Altenburg: Wörterbuch der Eupener Sprache. Unveränd. Neudr. d. Ausg. von 1899, M. Sändig Reprint Verlag, Wiesbaden 1970.
  • Norbert Gilson: Geschichte der Textilindustrie im Raum Verviers, Eupen, Aachen unter besonderer Berücksichtigung der Wolltuchindustrie. Rheinisches Industriemuseum, Euskirchen 1997 (pdf)
  • Ulrike Schwieren-Höger, Guido Bertemes: Eupen. GEV (Grenz-Echo Verlag), Eupen 2009, ISBN 978-3-86712-017-3.
  • Siegfried Theissen: Neues Wörterbuch der Eupener Mundart GEV (Grenz-Echo Verlag), 2013, ISBN 978-3-86712-078-4
  • Rolf Minderjahn & Guido Bertemes, Eupen. Unterwegs in der Hauptstadt der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, GEV (Grenz-Echo Verlag), 2014, ISBN 978-3-86712-077-7
  • Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft (Hrsg.): Die Industriegeschichte der Eupener Unterstadt, Eupen Juli 2015 (pdf)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bildung des föderalen Staats, auf belgium.be
  2. Pfarrverband Eupen-Kettenis
  3. Homepage der orthodoxen Gemeinde Eupen
  4. Johanna van Neerinck auf heiligen.net
  5. Rekollektinnen auf Orden-online
  6. Homepage Kloster Heidberg
  7. 150 Jahre Franziskanerinnen von der hl. Familie, Jubiläumsausstellung im Generalat in Eupen am 13. Juni 2007
  8. Klaus Schlupp: Konservativ und offen: Evangelische Christen in Belgien, auf evangelisch.de vom 22. Dezember 2011.
  9. Arbeitsmarktbeobachtungsstelle Ostbelgien (PDF; 7,6 MB)
  10. Wahlen 2012: Gemeinde Eupen – die Zahlen. BRF Nachrichten vom 14. Oktober 2012. Abgerufen am 6. April 2016.
  11. Leo Kever: Rückblick auf Eupens Eisenbahngeschichte.
  12. Leo Kever: Eupen erhielt seine elektrische Stadtbahn.
  13. Tuchmacherhaus Werthplatz auf „Rheinische Industriekultur“
  14. Tuchmacherhaus Grand Ry auf „Rheinische Industriekultur“
  15. Homepage der Veranstaltung
  16. Homepage der Veranstaltung
  17. Website des BRF: Eupener Sportbund, abgerufen am 19. Februar 2014