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Halloren Schokoladenfabrik

Schokoladenfabrik in Halle (Saale)
Halloren Schokoladenfabrik AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A2G9L00
Gründung 1804
Sitz Halle (Saale), DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Ralf Wilfer,[1] Vorstandsvorsitzender
Mitarbeiterzahl 265[2]
Umsatz 57,0 Mio. Euro (2018)[2]
Branche Nahrungsmittelindustrie
Website www.halloren.de
Stand: 31. Dezember 2018

Die Halloren Schokoladenfabrik AG [haˈloːʀən] ist die älteste bis heute produzierende Schokoladenfabrik Deutschlands. Mehrheitseigner ist das US-amerikanische Investmentunternehmen Charlie Investors (Darren und Kenneth Ehlert) mit Sitz in Luxemburg.

GeschichteBearbeiten

 
Aktie über 1000 Mark der David Söhne AG vom 12. Februar 1907[3]
 
Inneres der Halloren Schokoladenfabrik
 
Rechnung der David Söhne AG vom 19. Mai 1914
 
Altes Logo, verwendet bis 2011

Das von Friedrich August Miethe als Kakao- und Schokoladenfabrik in Halle (Saale) gegründete Unternehmen wurde 1804 zum ersten Mal erwähnt. 1851 übernahm Friedrich David die Geschäfte. Das Unternehmen hieß ab da Friedrich David & Söhne, florierte und wurde mit Pralinen der Marke Mignon bekannt. 1905 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, der David Söhne AG. 1912 wurden die ersten Lieferautos eingesetzt. 1933 kam es im nationalsozialistischen Deutschland zu Judenboykotten und das Unternehmen benannte sich in Mignon Schokoladenwerke AG um, um der haltlosen Vermutung zu entgehen, David sei jüdisch. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion von Süßwaren 1943 eingestellt, um die Fertigung auf Zubehörteile für Flugzeugtragflächen umzustellen.

Nach Wiederaufnahme der Produktion wurde die Schokoladenfabrik 1950 enteignet und in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. Es folgte die Angliederung an das Süßwarenkombinat Halle. 1952 erhielt das Unternehmen den Namen Halloren, angelehnt an die in Halle ansässige Bruderschaft der Salzwirker. Die Treuhandanstalt veräußerte das Unternehmen 1992 an die Halloren Beteiligungsgesellschaft mbH aus Hannover des Wirtschaftsprüfers und Unternehmers Paul Morzynski.

Seit 2000/2001 gehört die 1880 gegründete Confiserie Dreher aus München als eigenständige Marke mit ihren Mozartkugeln zur Halloren Schokoladenfabrik.[4][5] 2002 wurde die Weibler Confiserie & Chocolaterie GmbH in Cremlingen übernommen.[5] Die Confiserie Weibler ist der größte Arbeitgeber Cremlingens.

Im Jahr 2007 wurde das Unternehmen in die Halloren Schokoladenfabrik AG umgewandelt. Zum 11. Mai 2007 ging das Unternehmen an die Frankfurter Wertpapierbörse im Entry Standard.[6] Der erste Kurs lag 10 Cent über dem Ausgabepreis von 7 Euro. Das Unternehmen konnte Aktien im Wert von 15,6 Mio. Euro platzieren, davon gingen 6,3 Millionen an die Altgesellschafter.[7]

Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens war bis zum Börsengang mit 90 Prozent der Anteile Paul Morzynski.

2007 wurde die gläserne Fabrik in Betrieb genommen, bei der die Besucher die Produktionsabläufe betrachten können, das Schokoladenmuseum wurde nochmals erweitert.

2008 wurde die Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH übernommen.

Das Unternehmen erzielte 2010 einen Umsatz von 60,65 Mio Euro.[8]

Seit 2011 ist die Halloren Schokoladenfabrik AG Mitgesellschafterin und Produktionsstätte der Wunschpralinen Manufaktur GmbH. Diese bietet individuelle Pralinen an, die sich der Kunde selbst kreieren kann.[9]

Ebenfalls 2011 wurde die niederländische Firma Steenland Chocolate gekauft.

2013 lag der Umsatz bei 118 Millionen Euro und stieg bis 2015 auf 122 Millionen Euro. Der Auslandsumsatz beträgt ein Viertel; dabei spielen die Länder Dänemark, Kanada und Rumänien eine Rolle.

Im Oktober 2014 ging die Halloren Schokoladenfabrik eine Partnerschaft mit der nur einen Monat zuvor ins Luxemburger Handelsregister eingetragenen „Charlie Investors S.à.r.l“ ein. Beteiligt an Charlie Investors sind je zur Hälfte die Brüder Ken und Darren Ehlert. Letzterer über eine niederländische Briefkastenfirma. Im Dezember 2014 wurde für das Folgejahr ein Gewinn von etwa 2 Millionen Euro prognostiziert. 2015 brach der Gewinn jedoch um über 90 % ein.[10][11][12] Charlie Investors hielten 2015 mehr Anteile als der damalige Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzende Paul Morzynski. Mit etwa 26 Prozent Anteilen hatten Charlie Investors damit eine Sperrminorität. Darren Ehlert wurde ebenfalls in den Aufsichtsrat gewählt.

Im Dezember 2016 wurde das Unternehmen aus Kostengründen von der Börse genommen[13] und Ehlerts Anteil an Halloren stieg auf 46 %. Im Juli 2017 verkaufte Morzynski seinen Anteil am Unternehmen an Ehlert, der damit über Charlie Investors einen Anteil von 75 % an Halloren hält.[14] Mit einer Satzungsänderung zum 11. Oktober 2017 wurden die Aktien der Halloren Schokoladenfabrik AG von Stückaktien in Namensaktien umgewandelt.[15]

2017 betrug der Umsatz nur noch 107,7 Millionen Euro bei einem Verlust von 3,6 Millionen Euro.

Im Mai 2018 wurde der bisherige Vorstandsvorsitzende Klaus Lellé, der das Unternehmen über zwei Jahrzehnte erfolgreich führte, von Ralf Coenen abgelöst.[16] Die Neubesetzung des Vorstandspostens erfolgte auf Druck des Großaktionärs Charlie Investors.[17] Die Halloren-Unternehmensgruppe befindet sich derzeit (Stand August 2018) in einem nicht unproblematischen Umstrukturierungsprozess, in dessen Folge alle in den Vorjahren hinzuerworbene Firmenbeteiligungen nun wieder abgestoßen werden.[18]

Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass Charlie Investors die Beteiligung von knapp 11 % von Katjes übernommen hat.[19]

HauptsitzBearbeiten

 
Haupteingang

Der Hauptsitz befindet sich nach wie vor in Halle. Im 1896 erbauten Fabrikgebäude findet bis heute die Produktion statt, dazu der Fabrikverkauf. Seit 2002 lädt das Halloren Schokoladenmuseum mit dem sogenannten Schokoladenzimmer zur Besichtigung ein.

ProdukteBearbeiten

 
Halloren-Kugeln

Das bekannteste von 120 Produkten sind die Original Halloren-Kugeln, die bereits seit 1952 hergestellt werden. Ihren Namen haben sie von den in Halle in früherer Zeit tätigen Salzwirkern, den Halloren, angeblich weil die aus Sahne und Schokolade bestehenden Pralinen an die kugelförmigen Silberknöpfe an den Jacken der Halloren erinnern. 180 Mio Kugeln werden jährlich verkauft. Sie tragen aber nur noch zu einem Viertel zum Gesamtumsatz bei.

Zur Delitzscher Schokoladenfabrik gehören die Marken „Delitzscher“, „Böhme“, „Lohmann Schokolade“ (Ma-Mi-Nu) und „Laroshell“.[20]

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Halloren Schokoladen-Büchlein. Buchverlag für die Frau, Leipzig 2001, ISBN 3-89798-041-X.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ralf Wilfer wird neuer Vorstandsvorsitzender der Halloren Schokoladenfabrik AG. Abgerufen am 30. Juli 2019.
  2. a b Geschäftsbericht 2018. In: www.halloren.de. Abgerufen am 3. September 2019.
  3. Hans Braun: Historische Aktien Europa. Spiegelbilder der Wirtschaft. Band 1, S. 260f; ISBN 9783874393966
  4. Wurzeln im 19. Jahrhundert. In: Mitteldeutsche Zeitung. 27. Februar 2011, abgerufen am 6. März 2014.
  5. a b Massimo Bognanni: Der Herr der Kugeln. In: Handelsblatt. 26. November 2007, abgerufen am 6. März 2014.
  6. Halloren-Börsengang – Preisspanne 6,50 bis 8,50 Euro. In: n-tv.de. 30. April 2007, abgerufen am 7. März 2014.
  7. Aktie über Ausgabepreis: Halloren schmeckt Anlegern. In: n-tv.de. 11. Mai 2007, abgerufen am 10. März 2014.
  8. Bilanzpressekonferenz 30. März 2011 Halloren Schokoladenfabrik AG: Rekordumsatz bei solider Ergebnisentwicklung. In: Webseite der Halloren Schokoladenfabrik AG. 30. März 2011, archiviert vom Original am 2. April 2011; abgerufen am 10. März 2014.
  9. Wunschpraline per Mausklick – aus der hauseigenen Confiserie von Halloren. In: Webseite der Halloren Schokoladenfabrik AG. 30. August 2011, archiviert vom Original am 25. Oktober 2011; abgerufen am 10. März 2014.
  10. Dominik Bath, Volksstimme Magdeburg: Zweifel an Investor bei Halloren. Abgerufen am 3. September 2019.
  11. Mario Brück, Martin Seiwert: Halloren: Schokoproduzent setzt auf mysteriösen Investor. Abgerufen am 3. September 2019.
  12. Warten auf den Charlie-Effekt (Memento vom 15. September 2016 im Internet Archive)
  13. Michael Barck: Halloren Aktie soll von der Börse genommen werden | www.4investors.de. Abgerufen am 30. Juli 2019.
  14. Jetzt rollen Köpfe statt Kugeln Halloren-Großaktionär Morzynski geht. In: Mitteldeutsche Zeitung. 8. August 2017, abgerufen am 10. August 2017.
  15. Bekanntmachung über die Umstellung der auf den Inhaber lautenden Stückaktien in auf den Namen lautende Stückaktien. In: Halloren Schokoladenfabrik Aktiengesellschaft. April 2017, abgerufen am 25. April 2018.
  16. Ralf Coenen wird neuer Vorstand bei der Halloren Schokoladenfabrik AG | Halloren Schokoladenfabrik. Abgerufen am 28. August 2018.
  17. Steffen Höhne: Rauswurf des Halloren-Chefs: Darum muss der Schoko-Showmaster den Hut nehmen. In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 28. August 2018]).
  18. Katjes beantragt Sonderprüfung bei Halloren. Abgerufen am 28. August 2018.
  19. Katjes steigt bei Halloren aus. In: boerse.ard.de. 27. Dezember 2018, abgerufen am 27. Dezember 2018.
  20. Produktpalette der Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH. In: Delitzscher.de. 27. Juli 2019, abgerufen am 27. Juli 2019.
  21. Preisträger 2002 aus Sachsen-Anhalt - Mittelstandspreis. Abgerufen am 30. Juli 2019.
  22. Von der "Volkspraline" zum Exportschlager. Abgerufen am 30. Juli 2019.

Koordinaten: 51° 28′ 39″ N, 12° 0′ 34″ O