HIB-Impfung

Impfung

Die Hib-Impfung (oder auch HIB-Impfung) ist eine Impfung gegen das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b zur Vorbeugung einer Haemophilus influenzae b-Infektion. Sie richtet sich nicht gegen andere Serotypen. Der Hib-Impfstoff befindet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.[1]

EigenschaftenBearbeiten

Die Vakzine besteht aus einem an ein Protein gebundenem Epitop des Kapselpolysaccharids b. Vor allem bei Kleinkindern (Häufigkeitsgipfel vor der Impfung im 6. bis 7. Lebensmonat)[2] ist dieses Bakterium ein Erreger von Meningitis (Hirnhautentzündung) und weiteren entzündlichen Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Da einige Stämme von Haemophilus influenzae bereits resistent gegen bekannte Antibiotika sind, wird die Hib-Impfung seit 1990 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kleinkinder empfohlen.

Die Hib-Impfung ist üblicherweise Bestandteil einer Kombinationsimpfung, z. B. können die Impfungen gegen Hib, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Hepatitis B zusammen im Sechsfachimpfstoff gespritzt werden. Die Hib-Impfung wird später nicht aufgefrischt, da Hib-Infektionen nach dem fünften Lebensjahr selten sind. Als Impfsubstanz wird das gereinigte Polysaccharid der Bakterienkapsel verwendet, die als Virulenzfaktor von den krankheitserregenden Stämmen von H. influenzae gebildet wird. Da das Kapselpolysaccharid ein T-Zell-unabhängiges Antigen ist, wird bei Kindern unter 18 Monaten damit alleine kein ausreichender Impferfolg erzielt – nur bei einem ausgereiften Immunsystem eines Jugendlichen/Erwachsenen sind sie effektive Antigene.[2] Das Saccharid selbst ist damit ein sogenanntes Hapten.[3]

Daher wird das Impfantigen der Hib-Impfung an zusätzliche, T-Zell-aktivierende Antigene wie Diphtherietoxoid, Tetanustoxoid oder Kapselmaterial von Neisseria meningitidis gekoppelt (Konjugatimpfstoff). Die zusätzliche gleichzeitige Impfung in Kombinationsimpfstoffen erhöht gleichzeitig den Impferfolg, weshalb monovalente Hib-Impfstoffe kaum noch für Kleinkinder angewandt werden.[4] Die Antigenmenge des in der Hib-Komponente verwendeten Trägers (also z. B. das Diphtherietoxoid oder Tetanustoxoid) selbst ist so gering, dass es nicht zu einer Immunität gegen Diphtherie bzw. Tetanus kommt.[3]

ImpfschemaBearbeiten

Ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat erfolgen in Deutschland bisher meist drei Impfungen im Abstand von vier Wochen (2., 3. und 4. Monat) mit Kombinationsimpfstoffen (Grundimmunisierung), im 11. bis 14. Lebensmonat dann eine vierte Impfung als Boosterimpfung (3+1-Schema). Die Boosterimpfung wird gegeben, damit sie den abfallenden Impftiter entgegenwirkt.[2] Die Impfung im 3. Monat entfällt bei Impfstoffen ohne Pertussis-Komponente. Bei verspäteter erster Impfung ab dem ersten bis zum vierten Lebensjahr erfolgt nur eine Impfung.[5] Danach ist eine Hib-Impfung nur in Ausnahmefällen indiziert.

In Österreich wurde hingegen bereits ein neues Impfschema für die Sechsfachimpfung eingeführt, sodass Kinder dort in der Regel dreimal (im 3., 5. und 11.–12. Lebensmonat) gegen Hib geimpft werden (2+1-Schema).[6]

Das 2+1-Schema trifft auch auf die Schweiz zu. Dort sind die ersten beiden Dosen im Alter von 2 und 4 Monaten vorgesehen, die dritte Impfung erfolgt im 12. Lebensmonat.[7]

Für Erwachsene ohne Milz oder mit funktioneller Asplenie ist eine einmalige Hib-Impfung angezeigt.[2]

NebenwirkungenBearbeiten

Bei 1–2 % wurden bei Einzelimpfstoffen lokale Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle beobachtet, selten Irritabilität, Apathie, Erbrechen und Fieber.[8] Bei Kombinationsimpfungen trägt die Hib-Komponente nur eine geringe Reaktogenität auf.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. WHO Model Lists of Essential Medicines. (PDF) In: WHO. 2019, abgerufen am 4. April 2020 (englisch).
  2. a b c d Thiên-Trí Lâm und Ulrich Vogel: Haemophilus. In: Sebastian Suerbaum, Gerd-Dieter Burchard, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer-Verlag, 2016, ISBN 978-3-662-48678-8, S. 285–286, doi:10.1007/978-3-662-48678-8_33.
  3. a b Herbert Hof und Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-152965-7, S. 428.
  4. H. Spiess, U. Heininger: Impfkompendium. 6. Auflage, Stuttgart 2005 S. 216f
  5. Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut / Stand: August 2019 In: Epidemiologisches Bulletin. 22. August 2019 / Nr. 3, S. 225, ISSN 1430-0265 (PDF; 945 kB)
  6. Impfplan Österreich 2020. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, abgerufen am 24. Januar 2020.
  7. Schweizerischer Impfplan. In: Bundesamt für Gesundheit. 14. Februar 2020, abgerufen am 20. März 2020.
  8. Ulrich Heininger: Haemophilus influenzae Typ b. In: Heinz Spiess, Ulrich Heininger, Wolfgang Jilg (Hrsg.): Impfkompendium. 8. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2015, ISBN 978-3-13-498908-3, S. 176.

WeblinksBearbeiten