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gun in Japan (Stand: 2007). Der Rest sind shi und die Sonderbezirke Tokios.

Ein Kreis oder Landkreis (jap. gun, historisch auch kōri; engl. district oder seltener county) war eine lokale Verwaltungseinheit in Japan. Als solche wurde sie seit dem Altertum und von 1878 bis 1921 als Verwaltungsebene zwischen Präfekturen und kreisangehörigen Stadt- (Machi) und Landgemeinden (Mura) verwendet, nachdem sie, ohne formale Abschaffung, durch feudale Hierarchien verdrängt worden war. 1942 wurde sie durch Erlass des damaligen Innenministeriums in fast allen Präfekturen (außer Hokkaidō) in Form sogenannter Regionalbüros (chihō jimusho) ein letztes Mal de facto reaktiviert und 1947 endgültig abgeschafft. Sie entspricht in etwa der County in den USA oder dem Landkreis in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

AltertumBearbeiten

Die Landkreise wurden ursprünglich kōri genannt und hatten als solche in Japan alte Ursprünge. Obwohl das Nihonshoki behauptet, sie seien während der Taika-Reformen aufgestellt worden, wurde kōri ursprünglich als geschrieben. Erst mit dem Taihō-Kodex kam kōri in der Form in Gebrauch, das in China Kommandanturen (jùn) bezeichnete. Unter dem Taihō-Kodex war die Hierarchie der Verwaltungseinheiten: Provinz (, kuni), Landkreis kōri und darunter das Dorf ( oder , sato).

Etymologisch sind die gesprochenen Worte gun und kuni miteinander verwandt bzw. wurden zu verschiedenen Zeiten aus unterschiedlichen Sprachstufen des Chinesischen – Mittelchinesisch und Altchinesisch – ins Japanische übernommen. Kōri (im Altjapanischen kopori gesprochen) ist ebenfalls ein Lehnwort, hier aus dem Baekje-Koreanischen.[1]

ModerneBearbeiten

 
Der Kreistag von Kawabe (Akita) 1923

Während der Modernisierung der Verwaltung in der Meiji-Zeit nach westlichen Vorbildern wurden die Landkreise 1878 und 1890 am Vorbild preußischer Kreise (engl. districts, dt. „Bezirk“ oder „Distrikt“) orientiert neu organisiert und erhielten vom Innenministerium bestellte Kreisverwaltungen und indirekt gewählte Kreistage (gunkai). Um die lokale Selbstverwaltung der Gemeinden mit ihren gewählten Institutionen zu stärken, wurde 1921 unter dem Kabinett Hara die Abschaffung der Landkreise beschlossen – die Auflösung der Kreistage und -verwaltungen folgte einige Jahre später. Der Parteipolitiker Hara hatte schon in den 1900er Jahren auf die Abschaffung gedrängt: Während die vom Innenministerium ernannten Kreisvorsteher den Anhängern des Parteiengegners Yamagata Aritomo nahestanden, waren die kommunalen Institutionen eine Hochburg der bürgerlichen Parteien.[2]

Als geographische und statistische Einheit haben die Gun ihre formale Abschaffung überdauert. Sie werden noch heute im japanischen Adressensystem verwendet, um die Lage von Städten und Dörfern zu kennzeichnen. Auch die Wahlkreiseinteilung für Präfekturparlamente folgt vielerorts bis heute den Landkreisgrenzen. Dabei werden die Kreise auch heute in ihrer Zusammensetzung fortgeschrieben: Wird eine [historisch kreisangehörige] Stadt oder Dorfgemeinde Teil einer bzw. selbst zur -shi (kreisfreie Stadt), wird sie nicht mehr dem Kreis zugerechnet. Durch die großen Gebietsreformen seit dem Zweiten Weltkrieg, bei denen sich die Zahl der -shi bis zum frühen 21. Jahrhundert fast vervierfachte, sind auf diese Weise viele Kreise ganz von der Landkarte verschwunden oder auf einzelne Gemeinden reduziert worden.

Gleichnamige Landkreise in HokkaidōBearbeiten

In jeder der Provinzen Japans wurde jeder Name für einen Gun nur je einmal vergeben. Da die Präfekturen im Wesentlichen den Grenzen der alten Provinzen folgen, gibt es auch heute pro Präfektur jeden Namen für ein Gun nur einmal.

Anders ist die Situation jedoch in der Präfektur Hokkaidō, die aus elf Provinzen entstand:

Hier gibt es drei Landkreise namens Kamikawa und zwei namens Nakagawa:

Es gibt weiterhin vier Landkreise, die zu zwei Unterpräfekturen gehören:

LiteraturBearbeiten

  • Kurt Steiner: Local Government in Japan. Stanford University Press, Stanford 1965.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bjarke Frellesvig: Old Japanese Loanwords. S. 4, abgerufen am 6. März 2018 (englisch).
  2. Taichirō Mitani: The Establishment of Party Cabinets, 1892–1932 In: Peter Duus (Hrsg.): The Cambridge History of Japan, vol. 6: The Twentieth Century. Cambridge University Press, 1991. S. 76 ff.: Conditions for Party Cabinets.