Granden

Gruppe des höchsten Adels im Königreich Kastilien
Heraldische Krone eines Granden

Granden (span. Grandes) war im Königreich Kastilien seit dem 13. Jahrhundert Titel des höchsten Adels, der außer den Verwandten des königlichen Hauses alle durch Ahnen und Reichtum hervorragenden Leute, in Aragonien ricohombres genannt, in sich begriff.

Rechte und PflichtenBearbeiten

Im Besitz gewisser königlicher Lehen, waren sie dem König zum Kriegsdienst und zur Stellung einer verhältnismäßigen Anzahl von Lanzen verpflichtet. Überdies besaßen sie ihre Würde erblich, waren frei von Steuern, durften ohne besonderen Befehl des Königs vor keinen Gerichtshof gezogen werden und konnten sich sogar in gewissen Fällen ihrer dem König zu leistenden Lehenspflicht entziehen und anderen Fürsten, selbst gegen den König, dienen.

Außer der Anwartschaft auf die höchsten Staatsämter hatten sie das Recht, in Gegenwart des Königs das Haupt zu bedecken, wurden vom König mit Mi primo („mein Vetter“) angeredet, hatten bei den Cortes, die anfangs bloß aus ihnen und den Bischöfen bestanden, ihren Platz unmittelbar hinter den Prälaten und vor den Titulados und genossen noch andere dergleichen äußere Auszeichnungen, wie z. B. den Fußkuss. Unter Isabella und Ferdinand dem Katholischen wurde die Macht dieses hohen Lehnsadels durch Jimenes gebrochen, und Karl V. wandelte ihn in einen von der Krone abhängigen Hofadel um.

KlassenBearbeiten

Seitdem teilten sich die Granden in drei Klassen:

  • Den Granden erster Klasse befahl der König, sich zu bedecken, ehe sie ihn angeredet hatten
  • die der zweiten Klasse erhielten diese Weisung erst, nachdem sie geredet hatten, und vernahmen des Königs Antwort mit bedecktem Haupt
  • die der dritten Klasse durften sich erst nach Vernehmung der Antwort des Königs bedecken.

Die Granden führten den Titel Exzellenz. Während der kurzen Herrschaft Joseph Napoleons wurde die Grandenwürde abgeschafft, nach der Restauration zwar wiederhergestellt, ohne dass jedoch irgend wesentliche Vorrechte damit verknüpft wurden. Durch das Estatuto real vom 10. April 1834 wurde den Granden der erste Platz in der Kammer der Proceres oder Pairs eingeräumt, den sie auch behielten, bis zur Zeit der Republik alle Rechte und Titel der Granden nochmals aufgehoben wurden. König Alfons stellte die Grandenwürde wieder her.

Mit den republikanischen Verfassungen von 1873 und 1931 wurde die Grandenwürde aufgehoben und unter Francisco Franco im Jahre 1948 wieder eingeführt. Im heutigen Königreich Spanien existieren 404 Titel, die mit der Grandenwürde verknüpft sind. Da viele dieser Titel in den Händen einiger weniger Personen liegen (z. B. führte die 18. Duquesa de Alba insgesamt 50 Titel), gibt es also nicht 404 Granden. Gegenwärtig (Dezember 2019) hält Prinzessin Victoria von Hohenlohe-Langenburg, 20. Herzogin von Medinaceli etc., mit 43 Adelstiteln nicht nur die meisten Adelstitel der Welt, sondern mit 10 grandezas auch die höchste Anzahl an Grandenwürden, noch vor dem heutigem Herzog von Alba.

Weitere VerwendungenBearbeiten

Auch die Gruppe der landadeligen Offiziere in der New Model Army zur Zeit des Englischen Bürgerkriegs wurde informell als Granden (Grandees) bezeichnet. Sie waren die Gegenspieler der Levellers.

LiteraturBearbeiten