Gluckhennentaler

Schweizer Münze als Schautaler der Stadt Basel

Der Gluckhennentaler ist ein meist als Schautaler der Stadt Basel bezeichnetes Gepräge ohne Jahreszahl. Die Vorderseite zeigt die Stadtansicht von Basel, die Rückseite eine Glucke mit Küken. Im Abschnitt befindet sich der Spruch «Alit et protegit» (lat. = sie ernährt und beschirmt).[1] Der um 1645 geprägte Gluckhennentaler sollte die Fürsorge des Basler Rates um die Bürger der Stadt versinnbildlichen.[2]

Gluckhennentaler der Stadt Basel, um 1645 geprägt, mit Signum F. – F. des Stempelschneiders und Medailleurs Friedrich Fecher; Kupferstich aus Köhlers Historischer Münzbelustigung, XIX, S. 209 (Durchmesser 43 mm)

In den meisten Nachschlagewerken ist jedoch als Anlass für die Prägung der 1690 ausgebrochene Streit zwischen Rat und Bürgern Basels angegeben. Demnach hat die Stadt 1691 als Ausdruck der Versöhnung den Gluckhennentaler prägen lassen. Die Signatur F. F. auf den ersten Stücken ist jedoch ein Nachweis dafür, dass er bereits um 1645 geprägt wurde.

MünzgeschichteBearbeiten

Die ersten Gluckhennentaler wurden um 1645 mit den Stempeln des Medailleurs und Münzstempelschneiders Friedrich Fecher (* um 1588, † um 1660) geprägt, der von 1640 bis 1653 in Basel tätig war.[3][4] Die Glucke mit ihren Küken auf der Rückseite sollte ein Sinnbild der Fürsorge der Stadt Basel um ihre Bürger darstellen. Eine andere Theorie besagt, dass der Gluckhennentaler auf die Mutterliebe geprägt wurde.[5]

Da dem Historiker und Numismatiker Johann David Köhler (* 1684, † 1755) die Signatur F. F. auf dem undatierten Gluckhennentaler unbekannt war, datierte er ihn auf das Jahr 1691, das Ende des Streits zwischen Rat und Bürgern der Stadt Basel.

„Es steht zwar keine Jahreszahl auf dem Thaler, ich komme aber doch auf die Gedanken, es habe gedachte hefftige Zwistigkeit zwischen dem Magistrat und einigen Bürgern, Anlaß zur Prägung desselben gegeben […].“[6]

Im Jahr 1690 beschwerten sich Mitglieder des Grossen Rates über ihr geschmälertes Ansehen und die Unordnung in der Verwaltung. Das führte zur grossen inneren Zerrüttung zwischen Rat und Bürgern. Als Ausdruck der Versöhnung liess, wie Köhler annahm, die Stadt Basel 1691 den Gluckhennentaler prägen.[7]

„Durch diese Münze erklärte man die Bürger wiederum für liebe Kinder und versicherte sie einer zärtlichen Fürsorge. Besonders hat das Hühnchen, welches auf die Henne gestiegen ist, Beziehung auf die Malkontenten (die Unzufriedenen).“[8]

Dieser von Köhler genannte Prägeanlass wurde von den Autoren des 18. bis 20. Jahrhunderts[9][10][11][12][13] übernommen und wird zum Teil noch aktuell angegeben.[14] Hier zeigt es sich, dass die Signatur auf einer undatierten Münze oder Medaille für die Bestimmung der Prägezeit von Bedeutung sein kann. Obwohl die Ausführung des Schautalers und die Ereignisse in Basel in den Jahren 1690/1691 im Zusammenhang erscheinen, ist die Übereinstimmung Zufall. Die Stücke wurden jedoch auch nach der Revolte in Basel ohne Jahreszahl und meist unsigniert in Varianten weiterhin geprägt.[15] Der Zeitunterschied zwischen der ersten Prägung um 1645 bis zu den 46 Jahre später wirklich eintretenden Ereignissen ist nur bei den signierten ersten Stücken nachweisbar.

In der nachfolgenden Anmerkung sind deshalb auch die von Köhler genannten Ereignisse in Basel bezüglich des von ihm vermuteten Prägeanlasses zusammengefasst genannt.

AnmerkungBearbeiten

Nach Johann David Köhlers historischer Münzbelustigung (1747) ist die Verfassung des Stadtregiments von Basel eine

„etwas mit der Aristocratie vermischte Democratie und wird von 280 Ehren-Gliedern, die in dem kleinen und grossen Rath abgetheilet sind, verwaltet.“[16]

In seiner historischen Erklärung sind Ursache, Verlauf und Ende der neun Monate andauernden Streitigkeiten zwischen Rat und Bürgern in Basel bis ins Detail erläutert. Das ist die Revolte, die er als Prägeanlass vermutete und die in Nachschlagewerken der Numismatik noch aktuell als Prägeanlass benannt ist.

Die Revolte im Jahr 1690 konnte der Magistrat erst nach blutiger Niederschlagung beenden.[17]

«Zur Steurung alles ferneren Unfugs», so Köhler, «wurde auf Obrigkeitl. Befehl […] viele von den ärgsten Tumultuanten […] in die Gefängnüsse geworfen, D. Fazio auf den Esels-Thurm geführet, gütlich und peinlich befraget […].» Er wurde «als Aufwiegler, Friedensstöhrer und Rädelsführer nebst seinen Schwager und Johann Müller, als seinen […] Mithelfern, den 28. Sept. auf den Kornmarckt enthauptet und dessen Kopf zum Abscheu auf das Rhein-Thor gestecket.» Die übrigen Verhafteten wurden, so Köhler, «theils des Landes verwiesen, theils mit Zuchthauß, theils mit Geld- und anderen Strafen belegt […]». Der Jurist D. Petri, der nicht gefasst werden konnte, wurde als Hauptinitiator der Unruhe «mit der Achts Erklärung verfahren […] Vogelfrey gemacht und 400 Reichs-Thaler auf seinen Kopff gesetzet.»

Nachbildungen des GluckhennentalersBearbeiten

Das grosse Interesse an dem meist als Medaille ausgeführten Gluckhennentaler beruht wahrscheinlich nicht zuletzt auf die von Köhler genannten historischen Ereignisse in Basel, ein düsteres Stück Justizgeschichte, dessen Ende er als Prägeanlass vermutete. Das mag wohl auch ein Grund dafür sein, dass Nachbildungen bis ins 20. Jahrhundert hergestellt wurden.[18][19]

Beschreibung des SchautalersBearbeiten

Der sogenannte Schautaler wurde von Johann David Köhler unter der Bezeichnung «Der schöne Gluck-Hennen-Thaler der freyen Eydgenoßischen Stadt Basel» als Kupferstich veröffentlicht. (Siehe dazu auch das bildgleiche Foto des dort als Medaille bezeichneten Originals.[20]) Der hier abgebildete silberne Gluckhennentaler wiegt etwa 23,4 Gramm, hat einen Durchmesser von 43 Millimeter und wurde um 1645 in Basel geprägt.

VorderseiteBearbeiten

Auf der Vorderseite sind unter der aufgehenden Sonne und einigen Wolken die beiden Seiten der durch den Rhein geteilten Stadt Basel zu sehen. Die Stadtseiten Grossbasel und Kleinbasel sind im Prägebild mit einer, lt. Köhler, 250 Schritt langen Brücke verbunden. Im Abschnitt befindet sich zwischen Palmen- und Lorbeerzweig das Stadtwappen von Basel mit dem Baselstab.[21] Die geteilte Signatur F. – F. Friedrich Fechers befindet sich zu beiden Seiten des Wappens.[22]

RückseiteBearbeiten

Am Ufer des Rheins und im Prospekt der Stadt Basel sitzt eine «Gluckhenne» mit sieben Küken. Drei davon sind im Federkleid sichtbar. Darüber befindet sich der strahlende Name Gottes, darunter im Abschnitt der Spruch ALIT ET PRO/TEGIT (lat. = sie ernährt und beschirmt).

VariantenBearbeiten

Der Gluckhennentaler ist auch als «Viertel-Gluckhennentaler» bekannt.[23] Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass zumindest einige Gepräge Münzen, wahrscheinlich Guldentaler sind. Meist sind die Stücke als Medaille erfasst. In einigen Varianten wird das Basler Wappen durch zwei Basilisken gehalten.[24][25] Andere sogenannte Gluckhennentaler wurden in Gold zum Beispiel zu 8- und 10 Dukaten, also umlauffähig ausgeprägt.[26]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress-Lexikon Numismatik, Berlin 1976, S. 117
  2. Landesmuseum Württemberg, Münzkabinett Medaille des Rats von Basel, um 1645 (Variante)
  3. Ueli Friedländer: Friedrich Fecher. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 3. Januar 2005, abgerufen am 13. Juni 2019.
  4. Basel und seine Münzgeschichte (2008): Von den Münzschneidern. Friedrich Fecher, Stempelschneider ab 1640 in Basel.
  5. Künker Auktion 247, 2014, S. 234
  6. Johann David Köhler: Im Jahr 1747 wöchentlich herausgegebenen Historischen Münz-Belustigung. Neunzehnter Theil, S. 211
  7. Johann David Köhler: Im Jahr 1747 wöchentlich herausgegebenen Historischen Münz-Belustigung. Neunzehnter Theil, S. 209/216
  8. Carl Cristoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde, Halle und Berlin 1811, S. 199: Gluckhennenthaler, ein seltener Schauthaler vom Jahre 1691. Die Beschreibung bezieht sich zusammenfassend auf Köhlers Münzbelustigung (Teil XIX, S. 209).
  9. David Samuel von Madi (Hrsg.): Vollständiges Thaler-Cabinet …, 1766, S. 695, Nr. 4639: Signiert mit F. F., sonst bezogen auf J. D. Köhlers Abbildung und Beschreibung.
  10. Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie ..., 1781
  11. Carl Cristoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde, 1811
  12. Friedrich von Schrötter, N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe), S. 199
  13. Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress-Lexikon Numismatik, Berlin 1976, S. 117
  14. Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z., H. Gietl Verlag, Regenstauf 2005, S. 160: Gluckhennentaler der Stadt Basel von 1691 (Köhlers Vermutung)
  15. Johann August Donndorff: Geschichte der Erfindungen …, Sechster Band, Quedlinburg und Leipzig 1821: Darin S. 165 «Gluckhennentaler, ein seltener Schautaler der Stadt Basel vom Jahre 1697»
  16. Johann David Köhler: Im Jahr 1747 wöchentlich herausgegebenen Historischen Münz-Belustigung. Neunzehnter Theil, S. 212
  17. Thomas Schibler: Jacob Henricpetri. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. November 2009, abgerufen am 13. Juni 2019. Nach der blutigen Niederschlagung der Bewegung musste er aus Basel fliehen.
  18. Münzversand Hardelt: Späterer Abguss
  19. Numis Luzern: Nachbildung 1967
  20. NumisBids: SINCONA AG Auction 9/2012, darin: Silbermedaille (um 1645), Stempel von Friedrich Fecher. Stadtansicht mit aufgehender Sonne. // Gluckhenne mit Küken. 23,43 g. Winterstein 121b. Diese Prägung ist mit J. D. Köhlers Kupferstich des Gluckhennentalers bildgleich.
  21. Johann David Köhler: Im Jahr 1747 wöchentlich herausgegebenen Historischen Münz-Belustigung. Neunzehnter Theil, S. 209: 250 Schritt lange Brücke
  22. David Samuel von Madi (Hrsg.): Vollständiges Thaler-Cabinet … (1766), S. 695, Nr. 4639: Signiert mit F. F., bezogen auf J. D. Köhlers Abbildung und Beschreibung.
  23. Katalog Leo Hamburger (Hrsg.), Frankfurt, Main 1924: S. 34, Nr. 851, «Viertel-Gluckhennentaler. Henne und Küchlein unter d. strahl. Gottesnamen»
  24. Künker Auktion 247, 2014, S. 234: Silbermedaille, «sogenannter Gluckhennentaler», Durchmesser 43 mm, Gewicht 24,6 g
  25. Auktion 27 und 28, Basel, 1942: Nr. 478, Medaille «Gluckhennentaler» von Fecher mit von zwei Basilisken gehaltenem Wappen, Durchmesser 43 mm, 34,5 g
  26. sixbild: Gluckhennentaler zu 8 Dukaten