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Gerhard Friedrich (Biologe)

deutscher Pflanzenphysiologe, Pomologe und Agrarwissenschaftler

Gerhard Friedrich (* 6. Dezember 1910[1] in Leipzig; † 15. Januar 2003 in Dresden[2]) war ein deutscher Pflanzenphysiologe, Pomologe und Agrarwissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Gerhard Friedrich studierte bei Wilhelm Ruhland an der Universität Leipzig Pflanzenphysiologie. Danach ging er zur Obstbauversuchsanstalt Jork im Alten Land bei Hamburg. Unter der Leitung von Ernst-Ludwig Loewel forschte er dort zu Fragen der Schorfbehandlung beim Apfel und entwickelte eine Sporenfalle für Ascosporen. Danach arbeitete er am Pflanzenschutzamt Stuttgart. 1951 erhielt er den Ruf als Professor an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Direktor des „Instituts für Obst- und Gemüsebau“.[1] Dort war er Doktorvater des beim Aufstand des 17. Juni von Polizisten getöteten Gerhard Schmidt.[3] Die Prozeßführung der DDR-Richter gegen andere Aufständische verglich Friedrich als Prozeßteilnehmer mit Verfahren durch Roland Freisler am Volksgerichtshof während der NS-Diktatur.[4]

1956 wechselte er als Direktor an das „Institut für Gartenbau Dresden-Pillnitz der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften“ in Dresden-Pillnitz. Dort etablierte er die Forschung zur Physiologie der Pflanzen und richtete sie auf das schwierige Gebiet von Obstbäumen, als mehrjährige Pflanzen, aus. Während der folgenden Jahre betrieb er dort Grundlagenforschung über biochemische Zusammenhänge auf die Prozesse der Blüten- und Ertragsbildung von Obstgehölzen unter Berücksichtigung der Umweltverhältnisse und des Sortenverhaltens. Seine Ergebnisse erlauben heute Forschungen aus der Molekulargenetik richtig zu interpretieren.[1]

Daneben war ihm der praktische Obstanbau auch immer ein Anliegen, weshalb er die Gründung eines Versuchsgutes in Prussendorf initiierte. Dieses entwickelte sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Obstbauern und Wissenschaftler aus dem gesamten osteuropäischen Wirtschaftsraum. Friedrich war der Ansicht, dass Obst nicht nur auf minderwertigen Flächen angebaut werden und der Obstbau intensiviert werden müsse. Diese Ansicht entsprach nicht den politischen Wünschen der SED-Führung, welche deshalb veranlasste, dass Friedrich 1973 zwangsweise emeritiert wurde. Ihm wurde jedoch erlaubt, seinen Schreibtisch im Institut zu behalten, was er dazu nutzte, trotz der Demütigung durch die politische Führung sein Wissen in Büchern weiterzugeben. Bis ins hohe Alter kam er morgens um 7.00 Uhr ins Institut.[1]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Der Verlauf der Zustandsindikatoren bei Apfelveredlungen, Halle (Saale), 1939
  • Obstbau an Hängen, auf Halden und geringwertigen Böden, Berlin, Deutscher Bauernverlag, 1952
  • Probleme der Technik im Gartenbau, Berlin, Deutsche Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, 1958
  • Obstbau in Wort und Bild, Radebeul, Neumann, 1970 (insgesamt 9. Auflagen)
  • Seltenes Kern-, Stein- und Beerenobst, Neumann, 1985
  • Nüsse und Quitten, Leipzig, Neumann, 1990

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Magda-Viola Hanke, Wolf-Dietmar Wackwitz: Prof. Dr. Dr. hc. Gerhard Friedrich, veröffentlicht beim Verband Ehemaliger Dresden-Pillnitzer e.V (online (Memento vom 26. Juni 2015 im Internet Archive))
  2. Magda-Viola Hanke: Gentechnik bei Obst – Überblick zum Stand in der Welt, Vortrag, dort Seite 2
  3. Mitteldeutsche Zeitung: Student stirbt am Gefängnis Roter Ochse, 15. Juni 2013
  4. Hermann-Josef Rupieper: " ... und das Wichtigste ist doch die Einheit": der 17. Juni 1953 in den Bezirken Halle und Magdeburg, LIT Verlag Münster, 2003, S. 414
  5. Fakultätsbote der Gesellschaft zur Förderung der Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Heft 2 - 2006, Liste der Ehrenmitglieder auf Seite 47