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Herrenhaus (vorne) und Kornspeicher Gentzrode (2006)

Gentzrode ist ein Anwesen auf dem Stadtgebiet von Neuruppin in der Nähe der Kernstadt. Die Gebäude, die für Alexander Gentz ab 1861 dort im neomaurischen Stil erbaut wurden, sind einmalige Baudenkmäler. Die Parkanlage wurde ab 1875 unter Mitarbeit des Berliner Gartendirektors Gustav Meyer angelegt.

Die Gutsanlage ist ein einzigartiges Zeugnis der Bau- und Gartenkunst des 19. Jahrhunderts.[1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Familienbesitz GentzBearbeiten

1840 wurde das Wustrauer Luch erstanden und Gentzrode gegründet. 1855 erwarb der Tuchmacher, Kaufmann und Torfstichbesitzer Johann Christian Gentz die „Kahlen Berge“ nördlich der Kernstadt von Neuruppin. Dort baute er zusammen mit seinem Sohn Ludwig Alexander Gentz einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb auf.

Der Kornspeicher in Gentzrode wurde 1861 nach Entwürfen von Carl von Diebitsch erbaut.

Nach dem Umzug der Familie auf das Gut plante Alexander Gentz eine komplette Umgestaltung: einen Park mit Schloss und ein Mausoleum.

Das Herrenhaus in Gentzrode wurde 1876/77 nach Entwürfen von Martin Gropius und Heino Schmieden im Stil des orientalisierenden Historismus erbaut. Der Park wurde von Gustav Meyer gestaltet.

Dass die Baukosten die von Gentz veranschlagten erheblich überstiegen, trug zum Ruin der Firma Johann Christian Gentz bei. Sie ging 1880 in Konkurs.

Verschiedene Eigentümer bis zur Weimarer RepublikBearbeiten

Gentzrode wurde 1881 für rund 1/5 der Bausumme an die Herren Albert Ebell und Oberamtmann Troll verkauft, die aber wohl nie die Absicht hatten, das Gut längerfristig zu nutzen. Sie verkauften das Inventar und nach nur zehn Monaten im Juli 1882 auch das Gut selber.

Neuer Eigentümer wurde A. Wernicke, Maschinenfabrikant – insbesondere für Zuckerfabriken – aus Halle, der dort vermutlich Zuckerrüben anbauen wollte. Die schlechte Bodenqualität ließ ihn diesen Plan aber schnell aufgeben. Nach nur fünf Jahren tauschte er es gegen das in Posen gelegene Gut Konooko ein.

Dadurch wurde Paul Hoepffner neuer Eigentümer, der es wiederum nach nur gut einem Jahr im Juni 1888 an den früheren bremischen Konsul in Argentinien, F. W. Nordenholz veräußerte.

Militärische Nutzung im Nationalsozialismus und der DDRBearbeiten

1934 kam das Gelände in den Besitz der Wehrmacht und wurde als Schießplatz und Munitionslager genutzt.

1945 übernahm es die Rote Armee. Bis zum Sommer 1991 war hier die 112. Garderaketenbrigade der 2. Panzerarmee (Hauptquartier in Fürstenberg) der GSSD/WGT stationiert. Direkt in Gentzrode lagen die 1. und 2. Abteilung sowie das Hauptquartier (Stab) der Raketenbrigade. Die Rote Armee fügte diverse Gebäude hinzu: Zwischen den Häusern entstanden ein Kino, zwei Plattenbauten, zwei Kasernen, ein Heizhaus, eine Kindertagesstätte, eine Sauna und ein Lebensmittelladen für bis zu 5.000 Menschen.

Verfall seit der BRDBearbeiten

Mit dem Anschluss der DDR an die BRD wurde es entsprechend Einigungsvertrag am 3. Oktober 1990 in Staatseigentum übernommen.

Nach dem Abzug der Roten Armee 1991 aus dem Areal begann der Verfall der Gebäude.

1996 war auch der Gutspark noch teilweise, wie z. B. die Lindenallee mit mehreren Grotten aus Feldsteinmauerwerk und zahlreiche Alleen und abwechslungsreiche Gehölzquartiere erhalten.[1]

Hans-Werner Angendohr, Unternehmer aus Werder, kaufte im Jahre 2000 die komplette Liegenschaft mit rund 500 Hektar[2] Land. Den Plan, hier ein Hotel zu errichten, gaben Angendohr und sein Partner Gert Friedrich von Preußen aufgrund der Hoteldichte um Neuruppin wieder auf. Es bestanden Planungen, das Gutshaus für Ausstellungen und Veranstaltungen zu nutzen und auf dem Gelände eine Ferienanlage zu errichten.[3] Allerdings ist seit dem Erwerb durch die Eigentümer keinerlei bauliche Erhaltungsmaßnahme vorgenommen worden, so dass die Gebäude sich in einem ruinösen Zustand befinden.[4]

2005 waren noch folgende Bauwerke vorhanden:
- das Herrenhaus,
- der Kornspeicher,
- die prächtige Hochzeitskapelle,
- das Gebäude des Jägers von Gentzrode,
- drei Häuser in denen einst Torfstecher lebten.
Alles andere war inzwischen durch die Eigentümer seit 1991 abgerissen worden.[3]

2010 haben die türkischen Investoren Volkan Başeğmez und Bilgiç Ertürk Gut Gentzrode erworben. Mit der Planung und Sanierung betraut ist der Stuttgarter Architekt Sandro Graf von Einsiedel.[5] In den folgenden Jahren ist bezüglich der Rettung der historischen Bausubstanz nichts erfolgt.

In der offiziellen Denkmalliste des Landes Brandenburg (Stand 09.10.2018) ist noch zu lesen: Gut Gentzrode, bestehend aus Gutshaus, Kornspeicher & Wohnhaus, Landarbeiterhäusern, Inspektorenhaus, Verwaltungsgebäude, Gutshof und Gutspark.[6]

Die neuen Planer der Immobilienfirma Weiss und Cie. aus Berlin, die sich noch im Januar 2018 mit einem imposanten Auftritt bei den Stadtverordneten vorstellten, haben sich zurückgezogen. Der Bürgermeister Jens-Peter Golde stellt jetzt fest, dass der "point of no return" erreicht ist. Bäume zerstören die letzten intakten Mauern.[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Denkmaltopographie Ostprignitz-Ruppin, Bd. 13.1, 1996, S. 282, abgerufen am 29. Mai 2019
  2. Ruppiner Tageblatt vom 14. Dezember 2001, vom 8. November 2003, vom 14. Januar 2004 und vom 9. März 2004
  3. a b Investor will eine verlassene Stadt mit einem Gropius-Schloss in einen Erholungsort verwandeln. In: Berliner Zeitung, 5. Dezember 2005; über die Zukunft von Gentzrode
  4. Zum Zustand des denkmalgeschützten Gutes Gentzrode In: Märkische Allgemeine (Ruppiner Tageblatt), 15. April 2008
  5. Reyk Grunow: Türkische Investoren wollen Gentzrode erhalten. (Memento vom 3. Juni 2011 im Internet Archive) In: Märkische Allgemeine, 17. Juli 2010
  6. Denkmale in Brandenburg, abgerufen am 29. Mai 2019
  7. maz-online vom 28.04.2018 - Gentzrode: Das Ende ist in Sicht, abgerufen am 26. Mai 2019

Koordinaten: 52° 58′ 45″ N, 12° 47′ 49″ O