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Das Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) wurde von Uniper und den Stadtwerken Kiel gemeinsam betrieben. Das mit importierter Steinkohle befeuerte Kohlekraftwerk erzeugte Strom und versorgte mehr als 60.000 Haushalte mit Fernwärme. Im Jahr 2019 wurde das Kraftwerk stillgelegt und durch das direkt daneben errichtete, modular aufgebaute Gasmotorenkraftwerk Küstenkraftwerk K.I.E.L. ersetzt.[2]

Gemeinschaftskraftwerk Kiel
Gemeinschaftskraftwerk Kiel
Gemeinschaftskraftwerk Kiel
Lage
Gemeinschaftskraftwerk Kiel (Schleswig-Holstein)
Gemeinschaftskraftwerk Kiel
Koordinaten 54° 20′ 22″ N, 10° 10′ 37″ OKoordinaten: 54° 20′ 22″ N, 10° 10′ 37″ O
Land Deutschland
Daten
Primärenergie Steinkohle
Brennstoff Steinkohle
Leistung 354 Megawatt
Eigentümer Uniper Kraftwerke GmbH, Stadtwerke Kiel AG
Betreiber Uniper Kraftwerke GmbH, Stadtwerke Kiel AG
Projektbeginn 1965
Betriebsaufnahme 1970
Stilllegung 2019[1]
Schornsteinhöhe 129,5 m
Website http://www.gkk-kiel.de
Stand April 2019

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1965 entwickelten die Stadtwerke Kiel Pläne für ein neues Kraftwerk, das eine Leistung von 100 MW haben sollte. Da neue Kraftwerke nach einem Gesetz jedoch mindestens 300 MW haben sollten, kooperierten die Stadtwerke mit der Nordwestdeutschen Kraftwerke AG, die ebenfalls ein neues Kraftwerk errichten wollten. Hierfür wurde eine Betreibergesellschaft gegründet, die Gemeinschaftskraftwerk Kiel GmbH, an der die Nordwestdeutsche Kraftwerke AG mit zwei Dritteln und die Stadtwerke Kiel AG mit einem Drittel beteiligt waren. 1987 kam es zu einer Änderung der Beteiligungsverhältnisse. PreussenElektra, in der die Nordwestdeutschen Kraftwerke AG inzwischen aufgegangen war, verkaufte einen Teil ihres Anteils an die Stadtwerke Kiel, sodass beide Partner nun 50 % am Kraftwerk hielten. Als im Jahr 2000 PreussenElektra mit der Bayernwerk AG fusionierte, ging deren Anteil auf das daraus neu gegründete Unternehmen E.ON über. 1990 wurde der Fernwärmetunnel Kiel zur anderen Seite der Kieler Förde fertiggestellt, in dem zwei Fernwärmeleitungen mit 700 mm Durchmesser verlaufen.

TechnikBearbeiten

Das Kraftwerk hatte eine Bruttoleistung von 354 MW, die Nettoleistung betrug 323 MW. Darüber hinaus konnten bis zu 295 MWth als Fernwärme ausgekoppelt werden. Dies geschah, indem Dampf vor Durchströmen der Niederdruckturbine abgezweigt und in Wärmetauscher geleitet wurde, in denen das Heizwasser auf eine Temperatur von 130 °C erwärmt wurde. Der elektrische Wirkungsgrad des Kraftwerks lag nach mehreren Modernisierungen zuletzt bei ca. 39,5 %; der Gesamtwirkungsgrad inklusive der Fernwärmeauskopplung lag bei etwas über 50 %. Bei Volllast wurden pro Stunde ca. 110 Tonnen Steinkohle verfeuert. Der Netzanschluss erfolgte auf der Höchstspannungsebene (220 kV) in das Stromnetz der TenneT TSO, ehemals E.ON Netz GmbH.

ErsatzbauBearbeiten

 
Das neue Gaskraftwerk, nördlich (hier: links) des alten Kohle-Kraftwerks

Im Frühjahr 2019 wurde das Gemeinschaftskraftwerk stillgelegt und soll durch ein derzeit in Bau befindliches modulares Gaskraftwerk mit dem Namen K.I.E.L., was für „Kiels intelligente Energie-Lösungen“ steht, ersetzt werden. Das Gaskraftwerk besteht aus 20 in Kraft-Wärme-Kopplung betriebenen Gasmotoren mit insgesamt 190 MW elektrischer Leistung. Zudem können 190 MW Fernwärme ausgekoppelt werden. Insgesamt ist somit ein Brennstoffausnutzungsgrad von mehr als 90 % möglich, womit die Kohlenstoffdioxid-Emissionen gegenüber dem kohlebefeuerten Gemeinschaftskraftwerk um 70 % reduziert werden können. Durch die Bauweise kann das Kraftwerk sehr flexibel betrieben werden: Jeder der Gasmotoren ist individuell regelbar und kann binnen 5 Minuten seine Nennleistung erreichen, während das ursprüngliche Kohlekraftwerk mindestens 4 Stunden für das Hochfahren auf Nennleistung benötigte. Ergänzt wird der Kraftwerksneubau durch einen Fernwärmespeicher mit 30.000 Kubikmetern Fassungsvermögen und eine Power-to-Heat-Anlage, die durch Entkopplung von Stromerzeugung und Wärmeversorgung zusätzliche Flexibilität im Betrieb ermöglichen. Die Gesamtkosten des Neubaus werden mit 290 Mio. Euro angegeben.[3][4]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Seit Sonntag ist Kraftwerk Geschichte . In: Kieler Nachrichten, 1. April 2019. Abgerufen am 1. April 2019.
  2. Gas macht Kohlezüge überflüssig (Memento des Originals vom 21. Dezember 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.segeberger-zeitung.de. In: Segeberger Zeitung, 27. Oktober 2013. Abgerufen am 20. Dezember 2013.
  3. Die modernste Anlage Europas. In: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 11. November 2016. Abgerufen am 23. September 2017.
  4. Jetzt schon stolz auf das Küstenkraftwerk. In: Kieler Nachrichten, 26. Februar 2017. Abgerufen am 23. September 2017.