Fumi Yoshinaga

japanische Mangaka und Drehbuchautorin

Fumi Yoshinaga (jap. よしなが ふみ, Yoshinaga Fumi; geb. 20. Oktober 1971 in Tokio) ist eine japanische Manga-Zeichnerin.

KarriereBearbeiten

Ab den späten 1980er Jahren veröffentlichte sie Boys-Love-Manga auf dem Markt für Amateurzeichner (Dōjinshi).[1] Ihr Debüt als kommerzielle Zeichnerin erfolgte 1994 mit Tsuki to Sandal im Boys-Love-Magazin Hanaoto.

Ihren kommerziellen Durchbruch hatte sie ab 1999 mit Seiyō Kottō Yōgashiten, einer Serie um vier Männer, die gemeinsam eine kleine Konditorei betreiben. Der Manga wurde 2001 als Live-Action-Fernsehserie umgesetzt und 2008 nochmal als Anime-Serie. Die vier Bände der Manga-Serie verkauften sich bis 2009 über 1,7 Millionen Mal.[2]

Den bislang größten Erfolg ihrer Karriere hat sie mit der seit 2004 im Shōjo-Magazin Melody laufenden Manga-Serie Ōoku. Ōoku ist eine Alternativweltgeschichte zur Zeit des Tokugawa-Shogunats und handelt von einem männlichen Harem im nun matriarchalen Shogunatspalast. Der Manga wurde in Japan und außerhalb mehrfach ausgezeichnet und verkaufte sich bis 2017 in den ersten 15 Bänden bereits mehr als fünf Millionen Mal.[3] Neben zahlreichen Manga-Auszeichnungen erhielt sie 2009 für ihre Serie Ōoku auch den amerikanischen James Tiptree, Jr. Award, der an Science-Fiction- und Fantasy-Literatur vergeben wird, die in herausragender Weise Geschlechterrollen hinterfragen und untersuchen. Sie war die erste Comiczeichnerin, die die Auszeichnung erhielt. Das japanische Pendant zu diesem Preis, den Sense of Gender Award, hatte sie bereits 2005 für die gleiche Serie erhalten.[4]

Mit dem Manga Kinō Nani Tabeta? über ein schwules Paar in Tokio und deren Essensvorlieben veröffentlicht sie seit 2007 im Morning erstmals in einem Magazin, das sich nicht vorrangig an eine weibliche Leserschaft richtet.

Ihre Werke werden in zahlreiche Sprachen übersetzt, unter anderem ins Englische, Französische, Koreanische und Italienische.

ThemenBearbeiten

Als eine von nur wenigen kommerziellen Manga-Künstlerinnen und öffentlichen Personen in der japanischen Unterhaltungsindustrie überhaupt tritt sie in ihren Arbeiten und zu anderen Anlässen als offen feministisch auf. Sie gilt als besonders sensibel gegenüber Gender-Fragen in ihren Arbeiten.[1] Sie behandelt in ihren Werken beispielsweise weibliche Führungskräfte, Konflikte zwischen Job und reproduktiver Arbeit, sexuellen Missbrauch oder Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz. Mit Ōoku erschafft sie eine feministische Neuinterpretation eines historischen Settings.[5]

Ein wichtiges Motiv ihrer Arbeiten ist Essen, weshalb einige ihrer Serien wie Seiyō Kottō Yōgashiten oder Kinō Nani Tabeta? dem Manga-Genre Gourmet zugeordnet werden.[1]

AuszeichnungenBearbeiten

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Tsuki to Sandal (月とサンダル), 1994
  • Kodomo no Taion (こどもの体温), 1997–1998
  • Solfege (ソルフェージュ), 1998
  • Ichigenme wa Yaruki no Minpō (1限めはやる気の民法), 1998–2002
  • Seiyō Kottō Yōgashiten (西洋骨董洋菓子店), 1999–2002
  • Gerard to Jacques (ジェラールとジャック), 2001–2002
  • Ai Subeki Musume-tachi (愛すべき娘たち), 2002–2003
  • Flower of Life (フラワー·オブ·ライフ), 2003–2007
  • Sore wo Ittara Oshimai Yo (それを言ったらおしまいよ), 2004
  • Ōoku (大奥), seit 2004
  • Kinō Nani Tabeta? (きのう何食べた?), seit 2007

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Tomoko Aoyama: Queering the Cooking Man. Food and Gender in Yoshinaga Fumi’s (BL) Manga. In: Mark McLelland, Kazumi Nagaike, Katsuhiko Suganuma, James Welker (Hrsg.): Boys Love Manga and Beyond: History, Culture, and Community in Japan. University Press of Mississippi, 2015, ISBN 978-1-62846-119-0, S. 233.
  2. アンティーク ~西洋骨董洋菓子店~ | 作品情報 | 映画チャンネル | Cinem@rt:シネマート 韓国ドラマを中心としたアジアンエンタメ情報ポータル. Abgerufen am 26. Dezember 2018.
  3. コミックス累計500万部突破!『大奥』(作・よしながふみ)15巻ドラマCD付き特装版が2017年12月28日(木)発売! Abgerufen am 26. Dezember 2018 (japanisch).
  4. Nissim Otmazgin, Rebecca Suter (Hrsg.): Rewriting History in Manga: Stories for the Nation. Palgrave Macmillan, 2016, ISBN 978-1-137-55478-9, S. V.
  5. Hikari Hori: Views from Elsewhere: Female Shoguns in Yoshinaga Fumi’s Ooku and Their Precursors in Japanese Popular Culture. In: Japanese Studies. Band 32, Nr. 1, 2012, doi:10.1080/10371397.2012.669729.