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FrieslandCampina Germany GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 31. Dezember 2008
Sitz Heilbronn
Mitarbeiterzahl

1.809

Umsatz 865 Mio. EUR
Branche Nahrungsmittel, Milchverarbeitung
Website www.frieslandcampina.com
Stand: 2010

Campina-Unternehmenssitz in Heilbronn

Die FrieslandCampina Germany GmbH (ehemals Campina GmbH & Co. KG) ist ein großes milchverarbeitendes Unternehmen mit Sitz in Heilbronn. Ihr Mutterkonzern ist das Unternehmen Koninklijke FrieslandCampina, das am 31. Dezember 2008 durch die Fusion von Friesland Foods und Campina BV entstand und seinen Hauptsitz in Amersfoort in den Niederlanden hat. Der deutsche Zweig des Unternehmens ging 1996 aus der ehemaligen Südmilch AG hervor.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Milchversorgung Heilbronn GmbHBearbeiten

Am 1. Juli 1924 wurde die Milchversorgung Heilbronn GmbH (MVH) in Heilbronn gegründet und ersetzte das seit 1914 bestehende städtische Milchamt. Gesellschafter der MVH waren zunächst die Stadt Heilbronn zu 60 % und die Ein- und Verkaufsgenossenschaft der Milchhändler zu 40 %. Am 21. Februar 1926 nahm die Milchversorgung den neu erbauten Heilbronner Milchhof in Betrieb.[1] Bis 1933 entstanden Molkereibetriebe in Ilsfeld, Bretzfeld, Neuenstadt am Kocher und Mainhardt, die als Zweigbetriebe von der MVH übernommen wurden. 1933 kamen landwirtschaftliche Gesellschafter hinzu. Im Jahr 1968 wurde ein neues Milchwerk in Neckargartach errichtet, das damals zu den modernsten Anlagen dieser Art in Europa zählte. Nach Beginn des Betriebs in diesem Werk um die Jahreswende 1968/69 wurden der Heilbronner Milchhof, sämtliche bisherigen Zweigbetriebe und eine Zahl von Milchsammelstellen stillgelegt.

Südmilch AGBearbeiten

 
Südmilch AG Logo
 
Vorzugsaktie über 100 DM der Südmilch AG vom Juni 1972

Im Juni 1969 bildete sich in Heilbronn die überregionale Interessengemeinschaft Milch (Intermilch-Gruppe), der sich neben der MVH auch die Württ. Milchverwertung Südmilch AG (WMV) aus Stuttgart und das Dauermilchwerk Hohenlohe-Franken GmbH aus Künzelsau anschlossen und die damit zum größten deutschen milchverarbeitenden Unternehmen wurde. Am 29. Juni 1972 erfolgte die Fusion der MVH mit der WMV zur Südmilch AG. Die Südmilch AG hatte einen damaligen Jahresumsatz von 13 Milliarden DM.[2] Nachdem diese Ende der 1980er Jahre und im Zusammenhang mit der deutschen Wende sehr stark expandierte übernahm im Zuge der Reprivatisierung die Südmilch AG die Großmolkerei Dresdner Milchversorgungs-Anstalt in Dresden-Plauen und firmierte diese 1990 zur Sachsenmilch AG um. Die Leitungsfunktionen wurden weitgehend mit Personen aus dem Südmilch-Vorstand besetzt. Zum Vorstandsvorsitzenden der Sachsenmilch AG wurde Wolfgang Weber, zum Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Friedrich Wilhelm Schnitzler gewählt. Jedoch bereits 1991 entstanden finanzielle Probleme bei der Umsetzung des Projekts. Es kam es zu einer Wirtschaftsaffäre bei der Sachsenmilch. Den Südmich-Skandal, verursacht durch Wolfgang Weber, der mit Freiheitsstrafen für einige beteiligte Manager endete. Danach wurde die Sachsenmilch AG eine Tochter der Unternehmensgruppe Theo Müller, die unter den Markennamen Sachsenmilch und Käsemeister produziert. Das Unternehmen notierte als erstes in Ostdeutschland mit der ISIN DE000A0DRXC4 an der Deutschen Börse.[3] 1993 erfolgte die Übernahme der Südmilch AG durch die niederländischen Genossenschaft Campina Melkunie (inzwischen Royal FrieslandCampina). Mitgründer, Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender der Südmilch AG war Friedrich Wilhelm Schnitzler (Fritz Schnitzler). Diese Ausnahme-Doppelfunktion hatte Schnitzler zu dieser Zeit, bedingt durch Freiheitsstrafen mehrerer Manager, inne. Schnitzler wickelte die Fusion der Südmilch AG und der Campina BV ab.[4][5]

Südmilch-SkandalBearbeiten

Wolfgang Weber war von 1972 bis 1992 Vorstandsvorsitzender und danach bis Januar 1993 Aufsichtsratschef der Südmilch AG in Stuttgart. Die Südmilch AG war damals der größte deutsche Molkereikonzern. 1990 war unter Führung der Südmilch AG die Sachsenmilch AG gegründet worden, deren Leitungsfunktionen weitgehend mit Personen aus dem Südmilch-Vorstand besetzt wurden. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeichneten sich bereits 1991 finanzielle Probleme bei der Umsetzung des Projekts ab. Weber betrog die Aktiengesellschaft um ca. 38 Millionen DM.[6] Dieser Millionenbetrug gelang ihm über einen Manager (Mittäter) bei der Deutschen Bank, der dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Südmilch AG, Friedrich Wilhelm Schnitzler, gefälschte Bankunterlagen (Bilanzen) vorlegte und weitere Beteiligte täuschte. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft steht Weber im Verdacht, mit einem Know-how-Verkauf versucht zu haben, die Südmilch AG zu Lasten der ostdeutschen Sachsenmilch AG zu sanieren. In diesem Zusammenhang soll er mit dem von der Südmilch AG betreuten Börsengang der Sachsenmilch AG durch falsche Angaben die Aktienkäufer sowie die Emissionsbank geschädigt haben. Neben gemeinschaftlichen Betrug wirft ihm die Staatsanwaltschaft auch Untreue zum Nachteil der Sachsenmilch AG vor. Weber floh 1993 nach Paraguay, wo er mit diesem Geld Rinderzuchtfarmen gründete und McDonald’s mit Fleischprodukten belieferte. Noch 1992 brachte Wolfgang Weber Frank Staudacher von der Kraft Foods Group nach Stuttgart. Staudacher wurde durch den Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden der Südmilch gewählt. So wurde von 1992 bis Januar 1993 Wolfgang Weber zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Südmilch AG gewählt, da der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Wilhelm Schnitzler, bedingt durch Tätigkeiten als Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzender in weiteren Konzernen, nur noch als Aufsichtsrat bei der Südmilch AG tätig sein wollte. Frank Staudacher wurde jedoch bedingt durch einen geheimen Zusatzvertrag mit einem anderen Unternehmen (Betrugsfall) durch den Aufsichtsrat der Südmilch AG sofort wieder entlassen.[7] Danach im Januar 1993 wurde Friedrich Wilhelm Schnitzler vom Aufsichtsrat wieder zum Aufsichtsratsvorsitzenden und zum Vorstandsvorsitzenden der Südmilch AG an die Konzernspitze gewählt, wodurch Schnitzler die Ausnahme-Doppelfunktion des Aufsichtsratsvorsitzenden und des Vorstandsvorsitzenden, bedingt durch Freiheitsstrafen mehrerer Manager, innehatte. Mehrere Manager der Südmilch AG wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Bei Weber wurde der Haftbefehl gegen eine Sicherheitsleistung von 100.000 Euro im Jahr 2003 außer Vollzug gesetzt. Friedrich Wilhelm Schnitzler, wickelte Ende 1993 die Fusion mit der damaligen Campina BV, heute FrieslandCampina Germany, in Holland erfolgreich ab. Dadurch konnte die Südmilch als Marke innerhalb der FrieslandCampina Germany bis heute erhalten werden.[8]

Sachsenmilch AGBearbeiten

1990 war unter der Leitung der Südmilch AG die Sachsenmilch AG gegründet worden, deren Leitungsfunktionen weitgehend mit Personen aus dem Südmilch-Vorstand besetzt wurden. Nach finanziellen Problemen, bereits im Jahr 1991, wurde aus der Sachsenmilch AG ein Tochterunternehmen der Unternehmensgruppe Theo Müller.

Campina GmbHBearbeiten

Im Jahr 1996 entstand die Campina AG aus der ehemaligen Südmilch AG. Nach Fusionen mit anderen deutschen Campina-Melkunie-Tochterfirmen wurde das Unternehmen 1999 in die Campina GmbH, 2002 in die Campina GmbH & Co. KG umgewandelt. Ab 1997 wurden die Milchversorgung Rheinland und die Milchwerke Köln-Wuppertal (mit Betrieben in Köln, Wuppertal, Essen, Iserlohn und Lindlar-Hommerich) integriert. Außerdem wurden Emzett, Kutel und Molkerei Strothmann übernommen. Seit September 2007 nannte sich das Unternehmen Campina GmbH, 2009 wurde es wegen der Fusion des Mutterkonzerns in FrieslandCampina Germany GmbH umbenannt. Im März 2015 verfügte das Unternehmen über Produktionsstätten in Heilbronn, Köln, Gütersloh und Schefflenz.[9] Im Mai 2018 teilte der Konzern mit, ab dem 4. Quartal 2018 wesentliche Teile der Verwaltung, insbesondere das Marketing und den Vertrieb, von Heilbronn nach Düsseldorf zu verlagern.[10]

Das Unternehmen in ZahlenBearbeiten

Campina hat heute in Deutschland ca. 2.200 Mitarbeiter. Der jährliche Milchverbrauch beträgt etwa 1,4 Milliarden Liter (Stand:März 2004). Umsatz 2005: in Deutschland 846 Mio. €, weltweit 3569 Mio. €.

KritikBearbeiten

Der Konzern wurde 2005 von Umweltschutzorganisationen heftig dafür kritisiert, dass Bauern, die das Unternehmen mit Milch beliefern, auch genmanipulierten Mais anbauen. Greenpeace forderte, das Unternehmen solle sicherstellen, dass die Milchkühe dieser Bauern nicht mit genverändertem Mais gefüttert werden. Mehrere vergleichbare Molkereien setzten bereits auf zertifiziertes Futter.[11] Thilo Bode, Chef von Foodwatch, erneuerte diese Kritik im Oktober 2007.[12] Seit Oktober 2008 verzichtet Campina bei Frisch- und H-Milch der Marke Landliebe auf genmanipulierte Futtermittel und wirbt damit auch auf der Verpackung. Ab April 2009 sollen auch Joghurt und Desserts „ohne Gentechnik“ angeboten werden.[13]

Kritik wurde auch an der Regionalmarke Mark Brandenburg geübt. Die unter dieser Marke für die östlichen Bundesländer vertriebene Milch stammte ausschließlich aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Im September 2013 verkaufte FrieslandCampina die Marke (zusammen mit der Joghurtmarke Milchreiter) an die hessische Odenwald-Früchte GmbH.[14]

Auswahl der MarkenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eintrag Milchversorgung GmbH Heilbronn in der Datenbank HEUSS des Stadtarchivs Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-880
  2. Kontrolle nach Feierabend Zeit Online 6. August 1993. Abgerufen am 6. Juni 2017
  3. DGAP-DD: Sachsenmilch AG
  4. Fernsehsendung MUM: Suedmilch AG – Campina BV Teil 1/2 (Quelle: SWR Stuttgart) – Video auf YouTube
  5. Fernsehsendung MUM: Suedmilch AG – Campina BV Teil 2/2 (Quelle: SWR Stuttgart) – Video auf YouTube
  6. Zwei Jahre auf Bewährung für Ex-Südmilch-Chef Süddeutsche Zeitung 19. Mai 2010. Abgerufen am 6. Juni 2017
  7. Der bisherige Südmilch-Chef hatte geheimen Zusatzvertrag... F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung 14.09.1993
  8. Quellen zum Abschnitt Südmilch-Skandal:
  9. www.campina.de: Standorte (abgerufen am 21. März 2015)
  10. FrieslandCampina zieht nach Düsseldorf Bericht in der Tageszeitung Rheinische Post vom 29. Mai 2018, abgerufen am 29. Mai 2018
  11. vgl. die Stellungnahme von Greenpeace Gen-Mais außer Kontrolle: Campina Lieferanten verfüttern Gen-Mais an Milchkühe, online unter Greenpeace.de (Memento des Originals vom 29. September 2007 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.greenpeace.de
  12. „Sie können sich auf nichts mehr verlassen“. Interview mit dem Foodwatch-Chef Thilo Bode über die Qualität von Markenprodukten (u. a. Landliebe). In: FAZ.net vom 15. Oktober 2007
  13. Milch ohne Gentechnik. focus.de, 6. Oktober 2008 (abgerufen am 30. November 2008)
  14. http://www.tagesspiegel.de/berlin/verbraucherposse-die-mark-brandenburg-kehrt-zurueck-nach-brandenburg/8739146.html

LiteraturBearbeiten

  • Kultur und Wirtschaftschronik Heilbronn, Kunstverlag J. Bühn, München o. J.
  • Volker Grub: Das gerichtliche Vergleichsverfahren der Südmilch-AG. Brugger, Schöngeising 1998, ISBN 3-9805758-2-9
  • Martin Born: Landliebe, Filz und Betrug. Die Südmilchpleite. Campus-Verlag, Frankfurt/Main 1996, ISBN 3-593-35484-5

WeblinksBearbeiten