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Die Friedensakademie Rheinland-Pfalz – Akademie für Krisenprävention und Zivile Konfliktbearbeitung wurde 2014 als eigenständige „besondere wissenschaftliche Einrichtung“ an der Universität Koblenz-Landau (§ 97 HochSchG) verankert. Sie hat ihren Sitz im Frank-Loebschen Haus in Landau.[1] Sie ist somit eine der jüngsten friedenswissenschaftlichen Institutionen in Deutschland. Seit Januar 2019 ist die Friedensakademie eine zentrale Einrichtung (§ 90 HochSchG) der Universität Koblenz-Landau.

Friedensakademie Rheinland-Pfalz – Akademie für Krisenprävention und Zivile Konfliktbearbeitung
Friedensakademie Rheinland-Pfalz – Akademie für Krisenprävention und Zivile Konfliktbearbeitung
Friedensakademie Rheinland-Pfalz
Kategorie: Forschungseinrichtung
Standort der Einrichtung: Landau in der Pfalz
Fachgebiete: Friedensforschung, Konfliktforschung
Grundfinanzierung: Land Rheinland-Pfalz
Leitung: Janpeter Schilling
Homepage: www.friedensakademie-rlp.de

Inhaltsverzeichnis

Hintergründe und EntstehungszusammenhangBearbeiten

Die Idee zur Gründung geht auf eine Initiative der rheinland-pfälzischen Landesregierung aus dem Jahr 2011 zurück. Danach sollen friedenspolitische Aktivitäten im Land unterstützt und zivile und präventive Strategien des Konflikt- und Krisenmanagement gestärkt werden. Dieser im Koalitionsvertrag von 2011 verankerte Punkt wurde im November 2013 von Seiten verschiedener gesellschaftlicher Gruppe erneut aufgegriffen und führte zur Gründung eines Trägervereins „Friedensakademie Rheinland-Pfalz – Akademie für Krisenprävention und Zivile Konfliktbearbeitung“ am 12. November 2013, welcher sich für die Gründung einer rheinland-pfälzischen Friedensakademie einsetzte.[2] Der rheinland-pfälzische Landtag stellte schließlich für die Haushaltsjahre 2013 und 2014 entsprechende finanzielle Mittel zur Gründung und zum Aufbau einer Friedensakademie bereit. Träger und Unterstützer der Friedensakademie ist der Ende 2013 gegründeter gemeinnütziger Verein.[1] Seit Ende 2013 ist Ulrich Sarcinelli Vorsitzender des Trägervereins der Friedensakademie Rheinland-Pfalz e.V. Er hat maßgeblich den Aufbau der „Friedensakademie Rheinland-Pfalz. Akademie für Krisenprävention und zivile Konfliktbearbeitung“ als eigenständige besondere wissenschaftliche Einrichtung an der Universität Koblenz-Landau vorangetrieben. Zu den weiteren Gründungs- und Vorstandsmitgliedern des Trägervereins gehören u. a. Dieter Schiffmann, Friedel Grützmacher (Givat Haviva), Roland Vogt, Christoph Picker (Evangelische Akademie der Pfalz) und Florian Pfeil (Weiterbildungszentrum Ingelheim (WBZ), Fridtjof-Nansen-Akademie), Melanie Steffens.[3] Seit Januar 2019 ist die Friedensakademie eine zentrale Einrichtung (§ 90 HochSchG) der Universität Koblenz-Landau.

Dabei war die Entscheidung zur Gründung politisch zunächst stark umstritten und fand eine starke mediale Aufmerksamkeit.[4][5] Insbesondere die sich in der Opposition befindliche CDU-Landtagsfraktion kritisierte das Vorhaben der rot-grünen Landesregierung.[6][7] Andererseits hoben auch schon früh ehemalige CDU-Spitzenpolitiker wie der ehemalige Umweltminister und ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi Klaus Töpfer die potentielle Bedeutung einer solchen Einrichtung hervor.[8][9] Nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz haben sich auch die neuen Regierungsparteien (SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen) im Koalitionsvertrag vom 17. Mai 2016 nochmals ausdrücklich zur Friedensakademie Rheinland-Pfalz bekannt.[10]

Arbeits- und ForschungsschwerpunkteBearbeiten

Die Akademie ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Sie verfolgt das grundsätzliche Ziel, bewährte Strategien der Krisenprävention und der zivilen Konfliktbearbeitung zu stärken und weiterzuentwickeln, die friedenswissenschaftliche Forschung zu fördern, den gesellschaftspolitischen Diskurs anzuregen sowie Friedensfachkräfte und Personen, die mit Konflikt- und Gewaltpotenzialen in unserer Gesellschaft konfrontiert sind, zu qualifizieren.

Zu ihren Arbeitsschwerpunkten[1] gehört:

  • Öffentlichkeitsarbeit: Die Friedensakademie Rheinland-Pfalz greift immer wieder aktuelle gesellschaftspolitisch wichtige „Friedens-“Themen durch die Organisation von und Beteiligung an öffentlichen Veranstaltungen auf. Sie schafft so einen eigenständigen, weithin sichtbaren Beitrag zur gesellschafts- und friedenspolitischen Öffentlichkeitsarbeit nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch darüber hinaus (so z. B. beim Bled Strategic Forum „Safeguarding the Future“ 2016 in Slowenien).[11] Sie ist hierbei weltweit jedoch schwerpunktmäßig in ganz Rheinland-Pfalz aktiv. So lädt sie beispielsweise seit 2015 regelmäßig zu den Landauer Friedensvorlesungen (Landau Peace Lectures Series) ein, wo unter anderem auch schon der international renommierte Konfliktforscher I. William Zartman von der Johns Hopkins University referierte.[12] Die Landauer Friedensvorlesungen werden auch für den Youtube-Videokanal der Friedensakademie RLP aufgezeichnet. Am 12. November 2015 holte die Friedensakademie Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Ruanda-Zentrum die sogenannte PIN-Group (eine internationale Gruppe von Experten zu internationalen Verhandlungsprozessen, Processes of International Negotiations) nach Deutschland.[13] Im Rahmen der erstmals in Deutschland stattfindenden PIN Roadshow fanden international prominent besetzte Workshops zum Themenfeld „Negotiations on Prevention and Reconciliation as Risk Management“ statt.[14][15]
  • Vernetzung: Die Friedensakademie RLP engagiert sich u. a. für eine engere Zusammenarbeit von verschiedenen friedenswissenschafltich und friedenspolitisch aktiven Initiativen und Organisationen im Land. Durch die Organisation von Workshops und Symposien zu verschiedenen Thematiken aus den Themenfeldern der Krisenprävention und zivilen Konfliktbearbeitung unterstützt die Friedensakademie die Vernetzung von verschiedenen Akteuren und Akteursgruppen in diesen Handlungsfeldern.[16]
  • Qualifizierung & Bildung: Gemeinsam mit Partnern engagiert sich die Friedensakademie RLP im Bereich der Entwicklung von Qualifizierungs- sowie Weiter- und Fortbildungsangebote für unterschiedliche Berufs- und Akteursgruppen. So entwickelt sie kontinuierlich neue friedenspädagogische Angebote (bspw. für Schulen und Jugendgruppe, für schulische und außerschulische Lernorte).[17] Seit 2015 beteiligt sie sich auch mit einem eigenen Workshop-Angebot an der Landauer Kinder-Uni. Auch existiert hier ein einmaliges Angebot für Polizeianwärter der Bundespolizei.[18]
  • Friedenswissenschaftliche Forschung & Lehre: Als eine Einrichtung an der Schnittstelle zwischen Friedensarbeit und Friedensbildung engagiert sich die Friedensakademie ferner auch in den Bereichen der akademischen Friedens- und Konfliktforschung und präsentiert und veröffentlicht hier regelmäßig Forschungsergebnisse aus den Forschungsschwerpunkten.

Zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten[19] gehören:

  • Krisenprävention und zivile Konfliktbearbeitung
  • Umwelt- und Ressourcenkonflikte
  • Friedenspädagogik

Im Rahmen des Arbeits- und Forschungsprogramm arbeitet die Friedensakademie RLP eng mit internationalen und nationalen NGOs sowie privaten und öffentlichen Einrichtungen zusammen (so z. B. Givat Haviva, Landessportbund Rheinland-Pfalz, dem Ruanda-Zentrum, Partnerschaft Rheinland-Pfalz-Ruanda, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Frank-Loeb Institut, Klaus Jensen Stiftung, der PIN Group etc.). Die Friedensakademie RLP ist zudem eigenständiger institutioneller Teil des Ausbildungsprogramms der Upper Rhine Trinational Graduate Academy „Security-Risk-Orientaton“ (SERIOR)-Vorhabens. SERIOR ist ein durch die Europäische Union im Programm INTERREG V-Oberrhein und durch die Schweizer Eidgenossenschaft finanziertes Projekt der Universität Koblenz-Landau und der fünf EUCOR-Universitäten am Oberrhein – Universität Freiburg, Karlsruher Institut für Technologie, Universität Basel, Université de Haute-Alsace, Université de Strasbourg – sowie des Centre National de la Recherche Scientifique–Délégation Alsace und der École Nationale du Génie de l’Eau et de l’Environnement de Strasbourg. SERIOR wird ein neues interkulturell, interdisziplinär und praxisnah geprägtes Qualifizierungs- und Betreuungsprogramm für Nachwuchswissenschaftler im Themenfeld Risikomanagement anbieten. Rund 50 beteiligte Mitarbeiter werden über eine Projektlaufzeit bis Ende 2018 neuartige Instrumente zum Aufbau der Graduate Academy SERIOR entwickeln, erproben und umsetzen – darunter Summer-Schools, Seminarreihen, methodische und didaktische Handbücher zur Wahrnehmung, Abschätzung und Kommunikation von Risiken sowie Datenbanken für relevante Literatur, Projekte und Kontakte.[20] [21]

PublikationenBearbeiten

Die Mitarbeiter publizieren regelmäßig ihre Forschungsergebnisse und präsentieren diese auf internationalen Fachkonferenzen. Auch ist die Friedensakademie RLP Veranstalter von internationalen und nationalen Fachtagungen. Einschlägig sind u. a. die Publikationen zu menschlicher Sicherheit des Forschungsschwerpunkts „Umweltveränderungen als Konfliktursache und Bedrohung der menschlichen Sicherheit“.[22] Die Vorträge der von der Friedensakademie RLP organisierten Landau Peace Lecture Series stehen auf youtube zur Verfügung. Regelmäßig erscheinen Beiträge auf dem von der Friedensakademie RLP betreuten Akademie-Blog (friedensakademie-blog.eu).

SonstigesBearbeiten

Seit 2016 schreibt die Friedensakademie Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Landauer Kinder-Universität den Schülerwettbewerb „Fit for Peace“ aus.

Das Lehrangebot im Bereich (Inter-)nationale Menschenrechtspolitik und Menschenrechtsbildung erhielt 2015 als besonders innovatives Lehrprojekt von der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle der Universität Koblenz-Landau eine Förderung und der Fachbereich 6: Kultur- und Sozialwissenschaften veröffentlichte am 10. Dezember 2015 das „Landauer Manifest zu Menschenrechtsbildung“.[23]

Durch die Unterstützung lokaler und regionaler Stifter konnte zum Wintersemester 2015/16 eine Stiftungs-Juniorprofessur für Landnutzungskonflikte an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, eingerichtet werden.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Online-Informationen auf der Homepage (Über uns) der Friedensakademie Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 8. August 2016.
  2. Friedensakademie Rheinland-Pfalz in den Startlöchern: Professor Sarcinelli ist Vorsitzender. Pfalz Express, 16. Dezember 2013, abgerufen am 9. August 2016.
  3. Online-Informationen auf der Homepage (Trägerverein der Friedensakademie Rheinland-Pfalz e.V.) der Friedensakademie Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 8. August 2016.
  4. Landesschau Aktuell Rheinland-Pfalz. SWR, 9. März 2015, abgerufen am 9. August 2016.
  5. Markus Lachmann: "Friede, Freude, Akademie. Einst umstrittene Stelle in Landau existiert seit einem Jahr". Allgemeine Zeitung, 25. März 2016, abgerufen am 9. August 2016.
  6. Dietmar Brück: Umstritten: Friedensakademie nimmt Konturen an. In: Rhein-Zeitung. 9. August 2014, abgerufen am 9. August 2016.
  7. Zoff über Friedensakademie Rheinland-Pfalz. Die Welt, 18. März 2015, abgerufen am 9. August 2016.
  8. Professor Dr. Klaus Töpfer bei der Friedensakademie: „Der Schlüssel zum Frieden ist die Freiheit“. In: Pfalz Express. 11. Mai 2015, abgerufen am 9. August 2016.
  9. Wolfgang Blatz: "Ein Schwarzer gibt Rot-Grün Starthilfe. Klaus Töpfer bei der Auftaktveranstaltung der umstrittenen Friedensakademie Rheinland-Pfalz". Hrsg.: Die Rheinpfalz. 11. März 2015, S. Titelseite.
  10. Koalitionsvertrag Rheinland-Pfalz 2016–2021. 17. Mai 2016, abgerufen am 9. August 2016.
  11. LIST OF CONFIRMED PARTICIPANTS AT THE 2016 BLED STRATEGIC FORUM. (Nicht mehr online verfügbar.) Bled Strategic Forum, 2016, archiviert vom Original am 9. August 2016; abgerufen am 10. August 2016 (englisch).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bledstrategicforum.org
  12. Ilja Tüchter: "'Die USA haben den Friedensprozess erfunden' Interview: US-Konfliktforscher I. William Zartman über die Kriege der Welt und die Rolle der USA". Hrsg.: Die Rheinpfalz. 7. März 2016.
  13. About us. In: www.pin-negotiation.org/. Processes of International Negotiation (PIN) Program, abgerufen am 10. August 2016 (englisch, Im PIN Netzwerk sind über 4000 internationale Experten und Praktiker zu internationalen Verhandlungsprozessen zusammengeschlossen. Unter anderem werden in verschiedenen Publikationsprojekten unterschiedliche Facetten der Theorie und Praxis von (inter-)nationalen Verhandlungsprozessen aufgearbeitet. Von besonderer Bedeutung für die Arbeit sind hierbei die vom Steering Committee begleiteten PIN Roadshows, die bisher am Argentine Council for International Relations, Buenos Aires; Beida University, Beijing; the Center for Conflict Resolution, Haifa; the Center for the Study of Contemporary Japanese Culture, Kyoto; the School of International Relations, Tehran; the Swedish Institute of International Affairs, Stockholm; the University of Cairo; University Hassan II, Casablanca; the University of Helsinki; the UN University for Peace, San Jose, Costa Rica und in Zusammenarbeit mit der Friedensakademie RLP und dem Ruanda-Zentrum in Koblenz stattfanden.).
  14. PIN Roadshow Koblenz – 12 November 2015. PIN Negotiations, Clingendael Netherlands Institute of International Relations, abgerufen am 9. August 2016.
  15. Christina Saulich: PIN ROADSHOW 2015 in Koblenz. Negotiations on Prevention and Reconciliation as Risk Management. Conference Report. 2015, abgerufen am 9. August 2016.
  16. Melanie Hussak: Frieden lernen! Tagung zur Friedensbildung, 15.–17. Oktober 2015, Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz. Hrsg.: Wissenschaft & Frieden. Nr. 2016-1, 2016, S. 60–61 (online).
  17. Trainings- und Workshop-Angebote im Bereich Friedens- und Konfliktkompetenzen. Friedensakademie Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10. August 2016.
  18. Sonja Hoffmann: Workshops in Sachen Frieden. In: NeuLand. Landauer Campusmagazin. 2016/01/Nr. 40, 2016, S. 10–11 (online [PDF]).
  19. Online-Informationen auf der Homepage (Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte) der Friedensakademie Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 8. August 2016.
  20. Upper Rhine Trinational Graduate Academy „Security-Risk-Orientation“ (SERIOR). SciPort RLP, Das Forschungsportal des Landes Rheinland-Pfalz, abgerufen am 9. August 2016.
  21. Internationale Graduiertenakademie SERIOR "Security – Risks – Orientation". 22. Dezember 2014, abgerufen am 9. August 2016.
  22. Themenbezogene Publikationen im Forschungsschwerpunkt „Umweltveränderungen und Ressourcen als Konfliktursache und Bedrohungen der menschlichen Sicherheit“. Friedensakademie Rheinland-Pfalz, abgerufen am 9. August 2016.
  23. Landauer Manifest zur Menschenrechtsbildung. Fachbereich 6: Kultur- und Sozialwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, 10. Dezember 2015, abgerufen am 10. August 2016.