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Franzdorfer Viadukt

abgegangene Eisenbahnbrücke in Slowenien
Karte der k.k. Staats-Eisenbahn zwischen Laibach und Triest (1850), OBV.
Plan der Eisenbahnstreckenführung bei Franzdorf (Borovnica), ehemaliger Viadukt – rote Linie

Der Franzdorfer Viadukt war ein Eisenbahnviadukt der österreichischen Südbahn von Wien nach Triest. Er wurde zur Überquerung des Tals von Franzdorf (heute: Borovnica, Slowenien) von 1850 bis 1856 auf der ursprünglichen Karstbahn von Laibach (heute: Ljubljana) nach Triest, einem Teilstück der Südbahn, errichtet.[1]

Ein nach seiner Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs erhaltener baulicher Restkörper ist heute Bestandteil einer Gedenkstätte.

GeschichteBearbeiten

Planung und BauBearbeiten

Die Arbeiten an dem Projekt, das von dem österreichischen Ingenieur Carl von Ghega geplant worden war und zwei Millionen Gulden kostete, starteten im Jahr 1850; die Fertigstellung erfolgte im August 1856. Mit einer Länge von 561 und einer Höhe von 38 Metern ruhte der Viadukt auf 24 Pfeilern. Über ihn führte eine zweigleisige Strecke. Nach Angaben des Eisenbahnhistorikers Josef Dultinger „erforderte (der Bau dieses Viaduktes) 32.000 Kubikmeter Bruchsteinmauerwerk und ebenso viel Quadermauerwerk. Für die Herstellung der Ziegelgewölbe wurden fünf Millionen Stück handgeschlagene Ziegel verwendet. Wegen des schlechten Untergrundes mußten alle Pfeiler auf Pfahlroste aus Eichenholz gestellt werden. Nur die Widerlager des Viaduktes konnten auf Fels gestellt werden.“[2] Der Viadukt wurde zweigeschossig ausgeführt: Das Obergeschoss, das die Eisenbahngleise trug, umfasste 25 Bögen. In der unteren Etage mit 22 Bögen durchbrachen bogenförmige Durchgänge alle Pfeiler. Die Bögen hatten eine Spannweite von je 16 m.

Zu seiner Zeit wurde der Franzdorfer Viadukt in Europa höhenmäßig nur von der 80 Meter hohen, zur Sächsischen Staatsbahn gehörenden Göltzschtalbrücke (Fertigstellung 1851) übertroffen und als schönster Viadukt Europas gerühmt.

Beteiligte PersonenBearbeiten

 
Plan des Viadukts von Franzdorf von Carl Ritter von Ghega

Weitere GeschichteBearbeiten

Nach 1918 wurde der Viadukt Teil des jugoslawischen Eisenbahnnetzes. Anlässlich des Einmarschs deutscher Truppen im Balkanfeldzug wurden aus strategischen Gründen am 10. April 1941 sieben Bögen in einer Länge von 226 Metern von der sich zurückziehenden jugoslawische Armee in die Luft gesprengt. Umgehend wurde die Lücke von der Besatzungsarmee durch eine stählerne Behelfsbrücke geschlossen, die jedoch nach einer Verstärkung der alliierten Luftangriffe im Jahre 1944 unpassierbar wurde. Der verbleibende Rest des Viadukts wurde bis zum Jahr 1950 schrittweise abgerissen; aufgrund einer durchgeführten Umtrassierung bestand für die Wiederinstandsetzung des Viadukts keine Notwendigkeit mehr. Heute existieren nur noch Überreste, insbesondere ein Pfeiler in der Ortschaft Borovnica, der Bestandteil einer historischen Gedenkstätte ist. Diese umfasst eine Beschreibung und ein Modell der ehemaligen Brücke. Der Viadukt wird auch im Wappen der Gemeinde Borovnica dargestellt.

LiteraturBearbeiten

  • Josef Dultinger: Die „Erzherzog Johann-Bahn“: erste Eisenbahnverbindung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien mit der Stadt und dem Adriahafen Triest. Verlag Rudolf Erhard, Rum 1985.
  • August von Mandl: Die Staatsbahn von Wien bis Triest mit ihren Umgebungen geschildert von August von Mandl. Literarisch-artistische Abtheilung des Oesterreichischen Lloyd, Triest 1856.
  • August von Mandl: Von Wien nach Triest, nebst den Fahrten von Bodenbach, Olmütz, Krakau, Linz, Pesth nach Wien und von Triest nach Venedig. Reisehandbuch für alle Stationen der k. k. priv. Südbahn. Literarisch–artistische Abteilung des Österreichischen Lloyd, Triest 1860, 2. Auflage

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. August Mandl: Die Staatsbahn von Wien bis Triest mit ihren Umgebungen geschildert von August Mandl. Literarisch-artistische Abtheilung des Oesterreichischen, Triest 1856, S. 298 ff. mit Abb. des Viadukts
  2. Josef Dultinger: Die „Erzherzog Johann-Bahn“: erste Eisenbahnverbindung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien mit der Stadt und dem Adriahafen Triest. Verlag Rudolf Erhard, Rum 1985, S. 83 ff.

WeblinksBearbeiten