Franz Josef I. (Liechtenstein)

Fürst von Liechtenstein

Franz Josef I. (* 19. November 1726 in Mailand; † 18. August 1781 in Metz) war von 1772 bis 1781 der 8. Fürst von Liechtenstein und Feldherr.[1]

Franz Josef I. von Liechtenstein

BiografieBearbeiten

Fürst Franz Joseph I. von Liechtenstein wurde als ältester Sohn Emanuels von Liechtenstein (1700–1771) und der Maria Anna (geb. Gräfin Dietrichstein) (1707–1777) geboren.[1] Sein jüngerer Bruder Karl Borromäus (1730–1789) wurde Begründer einer eigenen, gefürsteten Sekundogeniturlinie des Hauses Liechtenstein.

Nach dem frühen Tod der Söhne des regierenden Fürsten Wenzel von Liechtenstein wurde Franz Joseph bald als künftiger Nachfolger auf das Fürstenamt vorbereitet.[2] Dabei war Franz Joseph ein ständiger Gefährte seines Onkels Fürst Wenzel: So begleitete er ihn 1760 etwa auf dessen Reise zur Einholung der Braut des künftigen Kaisers Joseph II. nach Parma.[3] Franz Josef begleitete Josef Wenzel auch auf dessen Kriegszüge in Italien. So kämpfte er unter anderem erfolgreich an dessen Seite in der Schlacht bei Piacenza.

War Franz Joseph noch ganz im barocken Repräsentationsverständnis seines Onkels aufgewachsen und erzogen worden, begann mit seinem Regierungsantritt eine neue Zeit für das Haus Liechtenstein: Weniger wurde Wert auf das Innehaben von Hofämtern oder die öffentliche Repräsentation im Allgemeinen gelegt, als vielmehr die Verwaltung der eigenen Güter und der fürstlichen Kunstsammlung in den Mittelpunkt gerückt.[4][5][6] Dennoch übernahm Fürst Franz Joseph I. auf kaiserliche Bitten hin auch offizielle Aufträge: 1761 begleitete er beispielsweise Prinz Karl Alexander von Lothringen als Oberstkämmerer nach Mergentheim, da dieser zum Hochmeister des Deutschen Ordens ernannt worden war und überbrachte 1763 der Tochter des spanischen Königs Karl III. das Porträt des Erzherzogs und Großherzogs der Toscana Leopold und hielt erfolgreich um deren Hand an.[7][8][1] Daraufhin wurde er 1767 zum kaiserlichen bzw. geheimen Rat ernannt und erhielt vier Jahre später den Hausorden vom Goldenen Vlies.[9][1] Das Amt des Geheimen Rates war zu dieser Zeit mehr ein repräsentatives oder symbolisches als politisches Amt.[10]

Ferner illustrierte die 1777 erhaltene Erlaubnis, liechtensteinische Münzen im kaiserlichen Hauptmünzamt prägen zu lassen, das gute Verhältnis zwischen Franz Joseph I. und dem Kaiserhof.[6]

Obwohl Franz Joseph I. weniger auf die barocken Repräsentationsformen bedacht war, führte er dennoch ein Leben, das seinem Stand entsprach: Nicht nur aus dem Fideikommiss des Hauses Liechtenstein, sondern auch aus dem Erbe seiner kinderlos gebliebenen Cousine, der Herzogin Maria Theresia von Savoyen, konnte er finanziell schöpfen.[9][11]

Während einer Reise nach Spa und Paris im Jahr 1781 verstarb er am 18. August nach kurzer Krankheit und sein Sohn Alois Joseph I. von Liechtenstein übernahm das Majorat des Hauses.[12][13][1] Das Grab Franz Josephs I. befindet sich in der Gruft des Hauses Liechtenstein in Vranov (Mähren).

Ehe und NachkommenBearbeiten

Franz Josef I. vermählte sich am 6. Juli 1750 mit Gräfin Leopoldine von Sternberg, mit der er acht Kinder hatte, darunter

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Franz Josef I. (Liechtenstein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Herbert Haupt: Liechtenstein, Franz Joseph I. von, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), Vaduz 2011.
  2. Wanger, Harald: Die regierenden Fürsten von Liechtenstein, Neustadt an der Aisch 1995, S. 23.
  3. Beattie, David: Hans-Adam II. Fürst von Liechtenstein. Eine Biographie, Triesen 2020, S. 111.
  4. Beattie, David: Hans-Adam II. Fürst von Liechtenstein. Eine Biographie, Triesen 2020, S. 112.
  5. Beattie, David: Hans-Adam II. Fürst von Liechtenstein. Eine Biographie, Triesen 2020, S. 23.
  6. a b Falke, Jacob von: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein (Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein, Bd. 3), Wien 1882, S. 241.
  7. Falke, Jacob von: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein (Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein, Bd. 3), Wien 1882, S. 240.
  8. Wanger, Harald: Die regierenden Fürsten von Liechtenstein, Neustadt an der Aisch 1995, S. 111.
  9. a b Wanger, Harald: Die regierenden Fürsten von Liechtenstein, Neustadt an der Aisch 1995, S. 112.
  10. Marc Eric Mitzscherling: Die Ernennung des Fürsten Franz Joseph I. von Liechtenstein zum wirklichen Geheimen Rat – Transkription, aktenkundliche Analyse und Interpretation einer Sammelakte des 18. Jahrhunderts. In: Die Ernennung des Fürsten Franz Joseph I. von Liechtenstein zum wirklichen Geheimen Rat – Transkription, aktenkundliche Analyse und Interpretation einer Sammelakte des 18. Jahrhunderts. 1. Januar 2021 (academia.edu [abgerufen am 17. Dezember 2021]).
  11. Schöpfer, Gerald: Klar und fest. Geschichte des Hauses Liechtenstein (Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Sonderband 2), Graz 21996, S. 90.
  12. Wanger, Harald: Die regierenden Fürsten von Liechtenstein, Neustadt an der Aisch 1995, S. 113.
  13. Wanger, Harald: Die regierenden Fürsten von Liechtenstein, Neustadt an der Aisch 1995, S. 115.
VorgängerAmtNachfolger
Josef WenzelFürst von Liechtenstein
1772–1781
Alois I.