Hauptmenü öffnen
Kehlgraben mit abwerfbarer Brücke
Plan des Fort Vézelois (Baugleich mit dem Fort du Bois d’Oye)

Das Fort de Vézelois, (zeitweilig Fort Ordener) war Teil der Gürtelfestung Fester Platz Belfort und wurde in den Jahren zwischen 1883 und 1886 erbaut. Es befindet sich im Osten der Festung auf einer Höhe von 390 Metern über NN und liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Meroux und Vézelois.

Kurzzeitig war es nach Général Michel Ordener benannt. Per Präsidialdekret vom 21. Januar 1887 setzte der Kriegsminister Georges Boulanger um, dass alle Forts, befestigte Artillerieanlagen und Kasernen des Système Séré de Rivières die Namen von ehemaligen Militärkommandanten zu tragen haben.[1] Am 13. Oktober 1887 wurde das vom Nachfolger Boulangers, Théophile Ferron,[2] rückgängig gemacht und das Fort erhielt seinen jetzigen Namen zugeteilt. Nichtsdestoweniger führt es über dem Haupteingang weiterhin die Bezeichnung „Fort Ordener“ wie einige andere, bei denen der „nom de Boulanger“[3] nicht entfernt wurde.

Es handelte sich hierbei um ein sogenanntes Zwischenwerk (Ouvrage), das nach den Richtlinien des Système Séré de Rivières konstruiert war. Im Jahre 1893 wurde es, wie eine Anzahl anderer Forts im Bereich Belfort an eine strategische Eisenbahnlinie (eine sog. Ringbahn – „Chemin de fer militaire stratetique“) mit einer Spurweite von 60 cm angeschlossen.

Das Fort hatte die Aufgabe, die Verbindung nach Delémont und nach Basel zu kontrollieren und gegebenenfalls abzuriegeln. Es sperrte weiterhin die Linie Bois d’Oye–Bessoncourt und sicherte die Verteidigung der Zwischenräume zusammen mit dem Fort du Bois d’Oye, Fort de Bessoncourt und der Ouvrage de Chèvremont. Sein Bauplan und die Architektur lassen die nahe Verwandtschaft zum „Fort de Bessoncourt“ erkennen. Es war in keinerlei Kampfhandlungen verwickelt.

Lokomotive „Système Péchot“ der Festungsringbahn von Belfort
Canon de 90

Allgemeine DatenBearbeiten

  • Besatzungsstärke: 10 Offiziere, 566 Unteroffiziere und Mannschaften
  • Kapazität des Pulvermagazins: 94 Tonnen Schwarzpulver
  • Kartuschenmagazin: 1
  • Pulverlaboratorium: nein
  • Bäckerei: 2 Backöfen „Lemoureux“ zu je 250 Portionen täglich
  • Wasserversorgung: 2 Brunnen und zwei Zisternen zu je 183 m³
  • Haupteingang: Gesichert durch abwerfbare Brücke
  • Lichtsignalstation: nein
  • Elektrischer Telegraph: Verbindung zu den anderen Werken
  • Unterkunft in der Friedenskaserne: 268 Schlafplätze (1914)
  • Unterkunft in den geschützten Räumen: 549 Schlafplätze, 78 Sitzplätze (1914)

Geplante Modernisierung gemäß dem Projekt 1900Bearbeiten

Zusätzlich für 1907 vorgesehen:

Für nach 1908 angedachte Verstärkungen des Forts wurden in die Planungen nicht aufgenommen.

Die Gesamtkosten für die geplanten Arbeiten waren auf 814.000 Goldfrancs veranschlagt.

Tatsächlich durchgeführte ModernisierungenBearbeiten

  • 1888–1889: Bau von betonierten Schutzräumen (Casernement bétonné) für 204 Mann
  • 1909–1912: Verstärkungen der Galerien, des Pulvermagazins und einer Zisterne. Bau der Zwischenraumstreiche mit Schussfeld nach dem „Fort du Bois d’Oye“ und Ersatz der drei Frontgrabenkaponnieren durch drei Kehlkoffer in der Contrescarpe
  • 1910–1911: Einbau von zwei gepanzerten Beobachtungsständen und eines Geschützturms mit einer 75-mm-Kanone. Diese war am 13. Oktober 1911 einsatzbereit.
  • 1911–1912: Einbau von zwei Maschinengewehrtürmen, die am 18. April 1912 einsatzbereit waren.
  • 1913–1914: Anschluss an das kommunale Stromnetz, Ausstattung mit elektrischer Beleuchtung, Bau eines Kraftwerks mit zwei Antriebsmotoren und zwei elektrischen Generatoren.

BewaffnungBearbeiten

1886Bearbeiten

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren
2 × Geschütze „Canon de 155 mm L

5 × Geschütze „Canon de 120 mm L modèle 1878

4 × Geschütze „Canon Lahitolle de 95 mm

2 × Mörser „Mortier de 220 mm modèle 1880

1 × Mörser „Mortier de 32“ (320 mm)[4]

6 × Revolverkanonen (40 mm)[5]

6 × Geschütze „Canon Reffye de 85 mm

Geschütze gesamt: 28

1903Bearbeiten

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren
13 × Geschütze „Canon de 90 mm modèle 1877

1 × Mörser „Mortier de 32“ (320 mm)

6 × Revolverkanonen (40 mm)

6 × Geschütze „Canon 12 de culasse modèle 1884

Geschütze gesamt: 26

1906Bearbeiten

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren
13 × Geschütze „Canon de 90“ (90 mm)

1 × Mörser „Mortier de 32“ (320 mm)

6 × Revolverkanonen (40 mm)

6 × Geschütze „Canon 12 de culasse modèle 1884“

Geschütze gesamt: 26

1907Bearbeiten

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren
11 × Geschütze „Canon de 90“ (90 mm)

1 × Mörser „Mortier de 32“ (320 mm)

6 × Revolverkanonen (40 mm)

6 × Geschütze „Canon 12 de culasse modèle 1884“

Geschütze gesamt: 24

1912Bearbeiten

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren
11 × Geschütze „Canon de 90“ (90 mm) (Reserve)

2 × Mörser „Mortier de 220 mm modèle 1880“

2 × Mörser „Mortier de 32“ (320 mm)

2 × Gepanzerte Maschinengewehrtürme modèle 1899

1 × Panzerturm (System Galopin) mit zwei Kanonen 75 R05 (75 mm)

2 × Gepanzerte Beobachtungstürme

1 × Zwischenraumstreiche mit zwei Geschützen „Canon de 90“

6 × Revolverkanonen (40 mm)

6 × Geschütze „Canon 12 de culasse modèle 1884“

Geschütze gesamt: 30

1914Bearbeiten

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren
13 × Geschütze „Canon de 90“ (90 mm) (Reserve)

2 × Mörser „Mortier de 220 mm modèle 1880“

2 × Mörser „Mortier de 32“ (320 mm)

1 × Maschinengewehrabteilung

2 × Maschinengewehrtürme

1 × „Tourelle de 75 mm R modèle 1905“

2 × Gepanzerte Beobachtungstürme

1 × Zwischenraumstreiche mit zwei Geschützen „Canon de 90“

6 × Revolverkanonen (40 mm)

6 × Geschütze „Canon 12 de culasse modèle 1884“

Geschütze gesamt: 32

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Panzerteile von der deutschen Organisation Todt entfernt und der Stahlgewinnung zugeführt. Die betonierten Unterstände wurden als Munitionsmagazin genutzt. Als die französische Armee das Fort nach dem Kriegsende wieder in Besitz nahm, nutzte sie es ebenfalls als Munitionsdepot, bis es in den 1990er-Jahren aufgegeben wurde. Das Fort befindet sich heute in einem guten Zustand und wird von einem Verein betreut, der Besichtigungen in den Sommermonaten möglich macht.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Le Petit Larousse de l'histoire de France. Éditions Larousse.
  • Alain Hohnadel, Philippe Bestetti: La Bataille des forts. Editions Heimdal, Bayeux 1995 ISBN 2-8404-8087-5.

FußnotenBearbeiten

  1. Note n° 5285 vom 25. März 1886 des Kriegsministers Boulanger an die Generalkommandanten der Militärregionen; Präsidialdekret vom 21. Januar über die Umbenennung der Forts, befestigte Artillerieanlagen und Kasernen gemäß dem Vorschlag des Kriegsministers M. le général Boulanger.
  2. mit der Note n° 14980 vom gleichen Datum
  3. mit „nom de Boulanger“ ist die Namensgebung nach Boulanger gemeint
  4. Alle diese Geschütze standen nicht in gedeckten Unterständen, sondern frei auf den Wällen – nur durch Erdaufschüttungen (sog. Traversen) gegen Splitterwirkung geschützt
  5. Die Originalbezeichnung „canon de revolver“ ist irreführend, da es sich um ein mehrläufiges Geschütz nach dem System Gatling handelt. Dieses wird auch im Französischen manchmal als Mitrailleuse angesprochen.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Fort de Vézelois – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 36′ 2″ N, 6° 54′ 28″ O