Flohmarkt

Markt, auf dem gebrauchte Gegenstände von Privatleuten für andere Privatleute angeboten werden

Ein Flohmarkt (auch Trödelmarkt) ist im ursprünglichen Sinne ein Markt, auf dem gebrauchte Gegenstände von Privatleuten für andere Privatleute angeboten werden. Seinen Namen verdankt der Flohmarkt mutmaßlich der Vorstellung, dass in den angebotenen Textilien auch Flöhe sitzen. In seiner Studie zur Wortgeschichte und der Verwandtschaft mit dem Ausdruck Läusemarkt und dessen älteren Entsprechungen im Russischen und Türkischen geht Wolfgang Schweickard davon aus, dass Flohmarkt keine spielerische Abwandlung zu Läusemarkt ist, sondern nimmt eine unabhängige, aber vergleichbare Motivation der beiden Ausdrücke an.[1] Der Begriff sowie das Konzept stammen vermutlich aus Frankreich (Marché aux Puces), wo solche Mârkte ab dem 19. Jahrhundert belegt sind.[2]

Arten von FlohmärktenBearbeiten

 
Dresdner Flohmarkt an den Elbwiesen
 
Vohwinkeler Flohmarkt
 
Theresienwiese 2010 zum Beginn des Frühlingsfestes
 
Typischer Flohmarktstand
 
Nachtflohmarkt „nachtkonsum“ in der Münchner Reithalle
 
Bayerns größter Flohmarkt auf der Theresienwiese in München
 
Auf der Theresienwiese (2014)
 
Ostermontags-Flohmarkt in der Altstadt von Bartenstein

Ursprünglich wurden Flohmärkte zumeist von Städten und Gemeinden für ihre Bürger organisiert, aber auch soziale Einrichtungen oder Vereine treten als Veranstalter auf. Es gibt inzwischen auch professionell organisierte Flohmärkte, die meist in einem deutlich kleineren Rahmen als die traditionellen Flohmärkte stattfinden. Das Verkaufsangebot besteht aus – oft minderwertiger – Neuware und von professionellen Verkäufern angebotener Ware. Verstärkt bieten Haushaltsauflöser Ware an. Die Veranstalter professionell organisierter Märkte erschließen vor allem Parkplätze von Supermärkten, Uferstraßen und Brachflächen. Gelegentlich werden von den Besuchern Eintritt oder Parkgebühren erhoben. Für Verkäufer wird meist (wie auch bei vielen von Kommunen organisierten Flohmärkten) eine Standgebühr fällig, die oft nach der Länge des aufgebauten Standes berechnet wird. Manchmal ist ihre Höhe auf ein und demselben Markt unterschiedlich, überdachte Standplätze oder solche im Eingangsbereich sind dann teurer.

Viele Kommunen legen heute für die von ihnen veranstalteten Flohmärkte Rahmenbedingungen fest, etwa dass zum Beispiel keine Neuwaren angeboten werden dürfen oder kommerzielle Händler nicht zugelassen sind. Damit soll der typische Flohmarktcharakter gewahrt werden, für den Besucher und Verkäufer oft von weit her anreisen. Andererseits werden mitunter auch Begleitveranstaltungen angeboten, die die Attraktivität erhöhen sollen.

Der Flohmarkt rund ums Kind ist in Deutschland weit verbreitet. Kindergärten, Jugendeinrichtungen oder Pfarreien veranstalten solche Kindersachen-Flohmärkte, auf denen Babyausstattungen, Kinderkleidung, Spielzeug und Kinderbücher verkauft werden. Diese Angebote werden von weiten Bevölkerungskreisen genutzt, um die Ausgaben für den naturgemäß schnell wechselnden Bedarf der heranwachsenden Kinder einzugrenzen und andererseits für nicht mehr benötigte Gegenstände noch etwas Geld zu erhalten.

Bei Spenden-Flohmärkten kommt der gesamte Erlös entweder dem gemeinnützigen Veranstalter, beispielsweise einer Kirchengemeinde, oder einem wohltätigen Zweck als Spende zugute. Auf Themen-Flohmärkten, wie Bücher-, Militaria-, Schallplatten-, Puppen- oder allgemeine Spielzeugbörsen, werden Waren zu einem bestimmten Sammelgebiet gehandelt. Über Termine und Themen informieren Markt- und Fachzeitschriften und deren Internetseiten. Der Nachtflohmarkt ist eine tageszeitlich neuartige Version des Flohmarktes, der spätnachmittags bis nachts meist in geschlossenen Veranstaltungshallen stattfindet. Für manchen Nachtflohmarkt müssen Besucher Eintritt zahlen, um am Handel teilhaben zu können. Insbesondere im Süden und Osten von Deutschland etablieren sich seit einigen Jahren Nachtflohmärkte, die einem stark heterogenen und urbanen Publikum spätes Kaufen und Verkaufen von Trödel aller Art ermöglichen. Zusätzlich gibt es dort häufig ein Rahmenprogramm, zumeist Essen, Getränke und Musik. In Leipzig existiert seit dem Jahr 2000 der Nachtflohmarkt im Kohlrabizirkus, in München findet seit 2007 der Nachtflohmarkt nachtkonsum statt. In Erfurt konkurrieren die Nachtflohmärkte in der Thüringenhalle und in der Messehalle um Besucher, häufig an aufeinanderfolgenden Samstagen.

Gelegentlich sind auch privat organisierte Flohmärkte anzutreffen, bei denen Privatpersonen ähnlich den in den USA verbreiteten Yard Sales (siehe unten) Gegenstände auf ihrem Privatgrundstück verkaufen, etwa im Rahmen einer Haushaltsauflösung. Als Veranstalter von privaten Hofflohmärkten, die in einem Stadtviertel in der Nachbarschaft stattfinden, tritt in zahlreichen Städten in Deutschland seit 2005 der Münchner Rene Götz auf,[3] der dafür mit der Plattform Nebenan.de kooperiert.[4]

Kommerzielle MerkmaleBearbeiten

Flohmärkte sind weltweit verbreitet. In zahlreichen Städten über den Globus existieren regelmäßig stattfindende Floh- oder ähnliche Märkte. Flohmärkte können auch kleineren gewerblichen Händlern, die sich kein entsprechendes Ladengeschäft leisten können oder deren Warensortiment auf die Zielgruppe der Flohmarktbesucher zugeschnitten ist, als Absatzplattform dienen. Allerdings nutzen auch professionelle Händler, die ein Ladengeschäft betreiben, mitunter Flohmärkte als Möglichkeit andere Kundenkreise (z. B. eigens für den Flohmarkt angereiste Touristen) anzusprechen oder Ware zum Wiederverkauf im Geschäft zu erwerben.

Privatpersonen nutzen Flohmärkte häufig zum Verkauf nicht mehr benötigter Gegenstände aus ihrem eigenen Besitz oder z. B. aus Erbschaften.

Flohmärkte können sich als dienliches Umfeld zu zeithistorischer und alltagskultureller Bildung erweisen. So finden sich auf den meisten Flohmärkten Medien, insbesondere Bücher und Zeitschriften oder auch Tonträger, die im Handel nicht bzw. nur selten erhältlich sind. Dazu kommen diverse einzelne Antiquitäten – auch wenn sich dafür reine Antiquitätenmärkte entwickelt haben. Allerdings werden bei Antiquitätenmärkten die Waren oft durch spezialisierte Händler angeboten, die Besucher müssen meist Eintritt entrichten und es findet sich dort überwiegend entsprechendes Fachpublikum.

Eine weitere mit Flohmärkten eng verwandte Gattung sind Märkte, auf denen ausschließlich Stücke aus einem speziellen Sammelgebiet (z. B. Uhren, Tonträger, altes Spielzeug, Modellbahnen usw.) verkauft werden. Auch hier wird in der Regel Eintritt verlangt und bei den Verkäufern handelt es sich ebenfalls überwiegend um professionelle Händler. Solche Märkte werden von ihren Veranstaltern häufig als Börse bezeichnet, die Händler und Besucher reisen meist gezielt und häufig über größere Entfernung an, spontane Marktbesucher sind hier meist ebenfalls nicht anzutreffen.

Verkäufer können auf dem Flohmarkt Sachen verkaufen, die nicht mehr von ihnen benötigt werden, manchmal verkaufen sie auch selbst hergestellte Gegenstände, z. B. Handarbeiten. Kinder können dabei handeln und feilschen und so den Umgang mit Geld und den Wert der eigenen Besitztümer verstehen lernen.

Die besonderen Merkmale eines Flohmarkts sind – aus der Sicht des Besuchers – der private Charakter des Handels (Verkauf durch Privatpersonen, vielfach lässt sich auch über den Preis feilschen), das nicht ständig vorhandene Angebot von Waren (viele Flohmärkte finden beispielsweise nur einmal jährlich statt) sowie die Hoffnung der Besucher, Ausgefallenes oder Günstiges erwerben zu können. Diese Konnotationen werden des Öfteren auch von Inhabern von regulären Läden genützt, indem – um ihre Attraktivität zu erhöhen – Sonderverkäufe als „Flohmarkt“ bezeichnet werden.

Die soziale BedeutungBearbeiten

Neben dem kommerziellen Zweck dienen Flohmärkte, wie andere Märkte auch, sozialen Bedürfnissen. So finden Unterhaltung oder sogar politische Gespräche auf Flohmärkten statt. Es besteht für Besucher die Möglichkeit, einfach nur über den Markt zu bummeln, um mit anderen Besuchern oder Verkäufern ein Schwätzchen zu halten. Früher im Laden um die Ecke oft gängige Praxis, ist der Plausch heute in den meisten Geschäften – insbesondere in Supermärkten und großstädtischen Einkaufszentren – verschwunden. Auf Floh- und anderen Märkten ist Small-Talk und Alltagsgespräch aber möglich. In vielen ländlichen Gegenden Österreichs gibt es besonders bei Flohmärkten, deren Erlöse sozialen oder karitativen Einrichtungen zugutekommen, häufig ein zusätzliches kulinarisches Angebot, das dem eines Cafés oder eines Imbissstandes ähnelt und wo auch entsprechendes gesellschaftliches Treiben stattfindet.

Auch sind oftmals Gespräche zwischen Verkäufern oder mit Kunden zu vernehmen, die diese als Fachleute auf bestimmten Gebieten ausweisen. Auf diese Weise kann untereinander gegenseitiges Verstehen und – gerade in Fällen von ausgefallenen Interessen – ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer speziellen Kleingruppe entstehen, was dem Flohmarkt dann auch den Charakter eines subkulturellen Ortes verleiht. Insbesondere speziell auf ein Sammelgebiet ausgerichtete Märkte können zum Treffpunkt von Sammlern werden, die eigens anreisen und dort (geplant oder zufällig) Sammlerkollegen treffen und sich untereinander austauschen.

Der Besuch eines Flohmarktes dient in der Regel dem eigenen Vergnügen und hat im Gegensatz zu anderen Einkäufen nicht den Charakter alltäglicher Notwendigkeit. Er findet daher meist ohne Zeitdruck statt.

AlternativenBearbeiten

Durch Internet-Auktionsplattformen wie eBay haben sich in den letzten Jahren das Angebot und die Möglichkeiten des Absatzes von Gebrauchtwaren erhöht. Solche Internet-Auktionsseiten kommen dem traditionellen Flohmarkt-Gedanken insofern entgegen, als das dortige Angebot neben dem ziellosen Stöbern zusätzlich ein zielgerichtetes Suchen über Suchbegriffe nach Besonderheiten ermöglicht. Beim Handel über das Internet geht aber meist das Flair eines Marktes – zum Beispiel die direkte Begutachtung der Ware, die Kommunikation mit dem Händler und mit Gleichgesinnten, Musik und Gerüche sowie weitere Begleiterscheinungen – verloren. Der Vorteil des Internets liegt darin, dass oft die lange Anreise entfällt und Preisvergleiche, teilweise sogar international, in sehr kurzer Zeit möglich sind. Zudem sind Käufer und Verkäufer hier nicht an die festen Veranstaltungszeiten von Flohmärkten gebunden.

Als Alternativen für das Entledigen von gebrauchten Gegenständen bleiben neben dem Verkauf auf Flohmärkten die Abgabe an einem Warentauschtag oder bei einer Kleidertauschparty, das Geschenk an Bekannte, die Spende an eine gemeinnützige Institution und die Abgabe auf einem Recyclinghof, wo die Gegenstände teilweise wiederverwertet oder weiterverkauft werden.

Flohmärkte im deutschsprachigen RaumBearbeiten

Als Initiator des ersten Flohmarktes in der Bundesrepublik Deutschland gilt der Aktionskünstler Reinhard Schamuhn.[5][6] Die großen traditionellen Flohmärkte werden oft von Vereinen oder von eigens dafür eingerichteten Arbeitsgemeinschaften in den jeweiligen Kommunen organisiert. Die besondere Atmosphäre solcher – meist nur ein- oder zweimal pro Jahr stattfindenden – Veranstaltungen führt in einigen Städten zu einem Anreise-Tourismus aus dem weiteren Umland. Viele der großen Flohmärkte schmücken sich mit den unterschiedlichsten Superlativen wie größter, längster oder ältester Flohmarkt der Stadt, der Region, des Landes oder der Welt. Überregional bekannt und dementsprechend gut besucht sind z. B. die Flohmärkte in Berlin am Mauerpark, der Frankfurter Flohmarkt am Mainufer, der Bonner Rheinauenflohmarkt, der Trempelmarkt in Nürnberg, der Töster Markt in Tostedt, der Nachtflohmarkt in München, der Flohmarkt auf der Promenade in Münster, der Altstadt-Flohmarkt am Hohen Ufer in Hannover und der Flohmarkt in Konstanz am Bodensee, der Nachtflohmarkt in Leipzig oder der Vohwinkeler Flohmarkt unter der Wuppertaler Schwebebahn. Der Flohmarkt in Elisabethfehn zieht sich über mehrere Kilometer am Elisabethfehnkanal entlang. In Österreich zählen der Flohmarkt auf dem Wiener Naschmarkt in Wien, der Fetzenmarkt in Graz und der in Viktring bei Klagenfurt zu den bekanntesten.

Den genannten Flohmärkten ist eine bestimmte Größe und vor allem die besondere Atmosphäre eines bestimmten Veranstaltungsortes gemeinsam, da durch das Internet neue Formen des privaten Kaufs und Verkaufs entstanden sind, kommt diesen Merkmalen eine stärkere Bedeutung zu. Auch gibt es weitere Standorten wie etwa auf Supermarktparkplätzen an Sonntagen. 2011 wurden Flohmärkte an Sonn- und Feiertagen nach einer Entscheidung des VG Koblenz in Rheinland-Pfalz verboten. In den letzten Jahrzehnten bieten zunehmend auch kommerzielle Händler ihre Waren auf Flohmärkten an.

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie mussten seit Frühjahr 2020 die Floh- und Trödelmärkte in Deutschland größtenteils abgesagt werden, was sowohl Betreiber als auch kommerzielle Verkäufer vor wirtschaftliche Probleme stellt.[7]

LiteraturBearbeiten

  • Heidrun Th. Grigoleit, Die 100 schönsten Flohmärkte Europas, Battenberg 2006, ISBN 3-86646-007-4.
  • Ingrid Hinterecker, Trödler Tandler Flohmarktstandler, Löcker 2001, ISBN 3-85409-324-1.
  • Gabriele Jöck, Flohmarktführer. Tipps & Tricks für Sammler, Schatzsucher und Schnäppchenjäger, Waldkirch 4. Auflage 11/2009, ISBN 978-3-927455-37-5.
  • Sebastian Münz, Flohmarkt – Märkte, Menschen, Waren, 4. Auflage, Röschen-Verlag 09/2008, ISBN 978-3-940908-01-8.
  • Sebastian Münz, Das schlaue Buch vom Flohmarkt – Was der Profi alles weiß, Knesebeck 03/2008, ISBN 3-89660-523-2.

WeblinksBearbeiten

Commons: Flohmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Flohmarkt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolfgang Schweickard: Floh- und Läusemärkte. In: Zeitschrift für romanische Philologie 129 (2013), S. 758–767, doi:10.1515/zrp-2013-0070.
  2. Sandra Kampmann: Flohmärkte: Geschichte der Flohmärkte. In: WDR. 2. März 2021, abgerufen am 25. April 2021.
  3. Rupert Sommer: Hofflohmärkte-Organisator René Götz im Interview. InMagazin, 20. April 2021, abgerufen am 15. Juli 2021.
  4. Hofflohmärkte - Entdecke Dein Viertel. In: Hofflohmärkte. Rene Götz, abgerufen am 15. Juli 2021 (deutsch).
  5. Stephanie Neumann, Swantje Pawlitschek, Marlena Scheuer: Live & Love Secondhand. Hrsg.: Plaza. 2018, ISBN 978-3-95843-718-0, S. 240.
  6. Kristian Teetz: 66 Sekunden Eiffelturm am Tag In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. Juli 2013.
  7. Vera Denkhaus: Im Lockdown geschlossen: Die stille Krise der Trödelmärkte. 2. Januar 2021, abgerufen am 26. April 2021 (deutsch).