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Feuersturm

Kamineffekt bei Flaechenbraenden
Prinzip des Feuersturms: Das Feuer (1) erzeugt emporsteigende heiße Luft (2), die über die Sogwirkung Frischluft anzieht (3)

Als Feuersturm bezeichnet man den Kamineffekt bei großen Flächenbränden, bei denen durch starke Hitzeentwicklung heiße Luft über dem Brandherd emporsteigt und der entstehende Sog Frischluft nachzieht. Bei diesem Kamineffekt entsteht somit eine positive Rückkopplung – die Zufuhr frischer Luft facht das Feuer weiter an.

BeschreibungBearbeiten

Begünstigt werden Feuerstürme durch talkesselförmiges Gelände sowie durch eine fächerförmige Anlage der Initialbrände, wobei die Spitze des Fächers in die Richtung zeigt, aus der der Wind kommt.

Ein Feuersturm kann nur entstehen, nachdem sich ein großflächiger, zusammenhängender Brandherd gebildet hat, z. B. durch das Zusammenwachsen einzelner kleiner Brände, bei großen Waldbränden oder Bränden ganzer Stadtviertel und Städte. So führten etwa einige Flächenbombardements im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs zu Feuerstürmen. Durch kombinierten Abwurf von Sprengbomben und Brandbomben wurden die Dächer der Gebäude abgedeckt, so dass die Brandbomben hölzerne Bauteile im Inneren entzünden konnten. Durch die Zerstörung von Fensterscheiben gelangte zusätzlich Luft an die Brandstellen und ermöglichte die rasche Ausbreitung des Feuers, insbesondere bei enger, verwinkelter und zu großen Teilen aus Holz bestehender Altstadtbebauung. Gleichzeitig erschwerten die Zerstörungen durch die Sprengbomben das Vorwärtskommen der Rettungskräfte in den durch Trümmer blockierten Straßen, hinzu kam die Zerstörung von Leitungen und damit der Zusammenbruch der (Lösch-) Wasserversorgung.

Um die Wirkung von Brandbomben auf für Deutschland typische innerstädtische Bauweisen zu optimieren, wurden 1943 Nachbauten deutscher Mietskasernen auf dem Dugway Proving Ground errichtet („Deutsches Dorf“). Als kritische Mindestwerte für die Entstehung eines Feuersturmes werden 39 Kilogramm brennbare Substanz pro Quadratmeter (8 pounds per square foot) und eine Fläche von ca. 1,3 Quadratkilometern (0,5 square miles) genannt.[1]

Nach atomaren Explosionen – den beiden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki sowie oberirdischen Kernwaffentests – wurden sie ebenfalls beobachtet.[2]

Ein großer Feuersturm kann durch die Corioliskraft auch in Rotation geraten und dann einen Wirbelsturm bilden. Feuerstürme gelten allgemein als nicht aktiv löschbar. Sie enden meist erst, wenn das zur Verfügung stehende brennbare Material aufgebraucht ist.

Das meteorologische Umfeld kann ihre Entstehung begünstigen, z. B. war es vor dem Feuersturm in Hamburg im Sommer 1943 besonders heiß und trocken. Schwere Bombardements von Städten müssen nicht notwendigerweise einen Feuersturm erzeugen, dies zeigen die Beispiele von Berlin, München und Nagoya: Auch auf längere Zeit verteilte Angriffe konnten keinen Rückkoppelungseffekt erzeugen; speziell dann nicht, wenn genügend Löschkapazitäten vor Ort vorhanden waren und die Bebauung nicht dicht genug war.

BeispieleBearbeiten

Konventionelle BrändeBearbeiten

Bekannte historische Feuerstürme sind der

Bombenangriffe im Zweiten WeltkriegBearbeiten

 
Britisches Luftbild der Koblenzer Altstadt nach dem Luftangriff vom 6. November 1944. Links unten der Rhein mit der Pfaffendorfer Brücke und das ausgebrannte Kurfürstliche Schloss

Im Zweiten Weltkrieg gab es eine Vielzahl von durch Flächenbombardements herbeigeführte Feuerstürme als Teil des Luftkriegs, zum Beispiel (alphabetisch):

Ein nuklear erzeugter Feuersturm entstand am 6. August 1945 beim Atombombenabwurf auf Hiroshima.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Feuersturm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Firestorms. In: atomicarchive.com
  2. Florian Coulmas: Hiroshima: Geschichte und Nachgeschichte, Seite 32. Beck Verlag 2005 ISBN 3-406-52797-3, 2010, ISBN 978-3-406-58791-7.
  3. Sixty Seconds that Will Change the World. Peter Hadfield. Erste Kapitel und Fußnoten.