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Ferner Osten

Region im Osten Asiens
Dieser Artikel behandelt die geografische Großregion. Zu dem gleichnamigen russischen Föderationskreis siehe Ferner Osten (Föderationskreis).
Karte des „Fernen Ostens“ (grün)

Mit Ferner Osten (auch Fernost) bezeichnet man eine Region im Osten Asiens. Da der Ausdruck von einem eurozentrischen Standpunkt ausgeht und historisch eng mit dem europäischen Imperialismus verbunden ist, wird er heutzutage meist durch „Ostasien“ ersetzt.

In der Sprache des britischen Empires bezeichnete Fernost („Far East“) seit dem frühen 19. Jahrhundert alle asiatischen Territorien jenseits von „Nahem“ und „Mittlerem Osten“. Dazu gehörten Indochina, China, Japan, Korea und die pazifiknahen Gebiete Russlands („Russisch-Fernost“), seltener auch der indische Subkontinent (der meist aber zum Mittleren Osten gezählt wurde). Dies entspricht in heutiger Terminologie Ost- und Südostasien. Auch die Amerikaner übernahmen dieses Konzept, obwohl von den Vereinigten Staaten aus gesehen „Fernost“ im Westen liegt. In der britischen und französischen Diplomatie und Publizistik überwog das Fernost-Konzept noch bis in die 1960er Jahre, während in der deutschsprachigen und der japanischen Diplomatie bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Konzept „Ostasien“ entwickelt und gepflegt wurde. Seit dem Ende des Vietnamkriegs ist „Fernost“ auch in der englischsprachigen Welt deutlich auf dem Rückzug.

Als geografischer Fachbegriff hat sich dieses Konzept nie durchgesetzt, da es keine den geowissenschaftlichen Ansprüchen genügende Definition des „Fernen Ostens“ gibt.

Das Bild vom Fernen OstenBearbeiten

Im 18. Jahrhundert übte der Ferne Osten eine beträchtliche Faszination auf Europa aus. Dies schlug sich in einer idealisierten China-Mode, der Chinoiserie des Rokoko nieder. Ziergärten mit Teehäusern und Pavillons waren beliebt.

Das 19. Jahrhundert sah den Fernen Osten wesentlich pessimistischer. Romane wie Die Leiden eines Chinesen in China von Jules Verne (1879) und Der blaurote Methusalem von Karl May (1888) lieferten düstere, von europäischer Überlegenheit ausgehende Bilder. Einer der bedeutendsten Reiseberichte dieser Zeit war Ferdinand von Richthofens fünfbändiges Werk China. Ergebnisse eigener Reisen und darauf gegründeter Studien (1877ff). Der Boxeraufstand schlug sich unter anderem in Franz Trellers Hung-Li nieder, während Karl Mays Und Friede auf Erden (1901) in der Grundtendenz seiner Zeit eine Ausnahme bildet.

LiteraturBearbeiten