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Ferdinand Schulz (Segelflieger)

Pionier des Segelflugs in Ostpreußen, Inhaber zahlreicher Weltrekorde
Ferdinand Schulz, 1927

Ferdinand Schulz (* 18. Dezember 1892 in Pissau/Waldensee, Ermland; † 16. Juni 1929 in Stuhm) war ein deutscher Pionier des Segelflugs. Mit einfachsten, selbst gebauten Segelflugzeugen schaffte er im Aufwind der Dünen von Rossitten Rekordflugdauern. 1927 hielt er alle Weltrekorde im Segelflug. Er trug wesentlich zu einer breiten Begeisterung für den Segelflug im In- und Ausland bei. In Nida (Litauen) (Nidden) wurde 1998 ein zweisprachiges Denkmal errichtet.

LebenBearbeiten

Ferdinand Schulz wurde am 18. Dezember 1892 in Pissau im Ermland/Ostpreußen als Sohn eines Lehrers geboren und ergriff ebenfalls diesen Beruf. Als Infanterist in den Ersten Weltkrieg gezogen, ersuchte er nach zweimaliger Verwundung um Versetzung zur Fliegertruppe. Nachdem dies 1917 gelungen war, flog er bis zum Kriegsende ein Halberstadt-Schlachtflugzeug mit 160 PS,[1] wurde mehrfach ausgezeichneter Führer einer Flugstaffel.

Nach der Entlassung vom Militärdienst arbeite er als Lehrer an einer Volksschule und baute nebenher den selbstentworfenen Hängegleiter FS1. Mit der weiterentwickelten FS2 reiste er 1921 zum zweiten Rhönwettbewerb auf der Wasserkuppe und baute daraufhin das Segelflugzeug FS3 mit Gitterfachwerkrumpf. Da das Flugzeug bei der vierten Rhön 1923 von der Technischen Kommission aus Festigkeitsgründen nicht abgenommen wurde, flog er dort außer Konkurrenz.[1]

Er entdeckte die Eignung der Dünen bei Rossitten für den Segelflug und gründete dort eine Segelflugschule, die später zur Rhön-Rossitten-Gesellschaft gehörte. Sein bekanntester Schüler war Günther Groenhoff.

Er wurde Technischer und Sportlicher Leiter des im Mai 1925 in Marienburg gegründeten Westpreußischen Vereins für Luftfahrt. Er erneuerte 1927 seine Motorfluglizenz und warb mit einem GMG-Hochdecker auf Flugtagen für den Luftsport, wurde ab Anfang 1929 auch noch der erste Motorfluglehrer bei der Akademischen Fliegergruppe Danzig, die ihm zu Ehren bereits 1927 ihren Schulgleiter Dz 3 „Onkel Ferdinand“ genannt hatte. Am 16. Juni 1929 sollte er anlässlich der Einweihung eines Kriegerdenkmals über dem Marktplatz von Stuhm mit einem Motorflugzeug eine Ehrenrunde drehen und einen Kranz abwerfen. Beim Anflug auf Stuhm am Hintersee brach die Strebe einer Tragfläche. Das Flugzeug stürzte auf den Marktplatz. Schulz und sein Kopilot Bruno Kaiser kamen ums Leben.[1] Das Grabmal des „Ikarus von Ostpreußen“ steht auf dem Friedhof von Lidzbark Warmiński (Heilsberg).[2]

LeistungenBearbeiten

  • 11. Mai 1924: Mit der FS3, Spitzname Besenstielkiste, flog Ferdinand Schulz beim 2. Küstenflugwettbewerb in Rossitten mit 8:42 h eine Weltbestleistung im Dauerflug.[1] (Wie schon seine FS2 im Jahr 1921 war seine FS3 im Jahr 1923 wegen Sicherheitsbeanstandungen beim Rhönwettbewerb nicht zugelassen worden.)
  • Oktober 1925: Schulz startete mit dem Moritz – einer Weiterentwicklung des Vampyr – auf dem sowjetischen 3. Allunions-Segelflugwettbewerb auf der Krim und stellte zwei neue Rekorde auf: Dauerflugrekord (12:07 h)[1] und Höhenflugrekord (435 Meter).
  • 3. Juli 1926: Dauerflugweltrekord für Doppelsitzer in Rossitten mit der Coethen über 9:21 h[1]
  • 3. Mai 1927: Mit der Westpreußen stellte Schulz beim 4. Küstenflugwettbewerb in Rossitten einen Pendelstreckenrekord mit 455,8 km in 14:07 h auf und einen Geschwindigkeitsrekord (10 km mit durchschnittlich 54,45 km/h). Darüber hinaus gelang ihm ein Höhenrekord von 652 Metern in Grunau/Schlesien (heute Jeżów Sudecki).

EhrungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Karl Anders und Hans Eichelbaum: Wörterbuch des Flugwesens, Quelle & Meyer, Leipzig 1937
  • Aloys und Josef Sommerfeld: Er flog die Besenstielkiste: Segelflieger Ferdinand Schulz aus der Pionierzeit des deutschen Segelflugs, Schild, München 1984, ISBN 3-88014-079-0
  • A. Wilhelm Neuberger: Die Ingenieurschule für Luftfahrttechnik, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-3051-6

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f F. Weinholtz, W. Steinmann: Ferdinand Schulz, ein ostpreußischer Segelflieger. In: aerokurier. Nr. 3, 1990, S. 58, 115.
  2. Heimatbrief der Kreisgemeinschaft Heilsberg Nr. 17 (2016), S. 93–95