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Dunlop-, Schrader- und Sclaverand-Ventil mit Felgenmutter

Ein Fahrradventil ist ein Rückschlagventil am Schlauch der Fahrradbereifung oder an der Felge des Laufrades eines Fahrrads, das dem Befüllen des Reifens mit Luft, Gas oder Dichtflüssigkeit dient.

VentiltypenBearbeiten

Es gibt drei Grundtypen von Fahrradventilen. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller und Land. Auf den Verpackungen sind üblicherweise mehrere Namen angegeben (vgl. Synonyme in den Infoboxen).

Die Verbreitung der einzelnen Typen variiert je nach Land, Hersteller, Fahrradtyp und -alter.

Ein Fahrradventil sitzt in einem Ventilschaft, dessen Länge und Durchmesser zu Querschnitt und Bohrung der Felge passen muss. Übliche Schaftlängen sind ca. 25 mm (für einfache Stahlfelgen und Dunlopventile) und 32 mm (für Aluminium-Hohlkammerfelgen, sowie generell für Sclaverand- oder Schraderventile).

DunlopventilBearbeiten

 
Funktion des Schlauchventils
 
Funktion des Blitzventils
Synonyme
  • DV – Dunlopventil (nach John Boyd Dunlop)
  • NV – Normalventil
  • Fahrradventil
  • Blitzventil
  • Alligatorventil
  • Woodventil (nach C.H. Woods)
  • deutsches Ventil
  • englisches Ventil
  • Hollandventil

Felgenbohrung

  • ø 8,5 mm

Gewinde DIN 7756

  • außen VG 8x32

Maximaldruck

  • 6 bar
 

Das Dunlopventil ist in Deutschland, Österreich und den Niederlanden am weitesten verbreitet. Es wurde bis in die 1980er-Jahre an allen Typen von Fahrrädern außer Rennrädern verwendet und findet sich heute überwiegend an Alltags- und Tourenrädern. Benannt wurde es nach dem Erfinder John Boyd Dunlop, dem Gründer des gleichnamigen Reifenherstellers. Das Dunlopventil wird in den Ventilschaft eingesteckt und mit einer Überwurfmutter gesichert. Dadurch lässt es sich schnell und werkzeuglos wechseln und ist entsprechend anfällig für Diebstahl und Sabotage. Zum Ablassen von Luft wird die Überwurfmutter gelockert.

Bei der ursprünglichen Bauart wird ein Ventileinsatz verwendet, dessen unteres Ende aus einem verschlossenen Röhrchen mit seitlichem Luftloch besteht. Über das Röhrchen ist ein kurzer Gummischlauch gezogen, der durch Eigenspannung sowie insbesondere auch durch den Luftdruck des Reifens vor das Loch gepresst wird. Erzeugt die Pumpe einen höheren Druck, als im Reifen bereits vorhanden, so hebt sich der Gummischlauch vom Röhrchen ab und Luft kann in den Schlauch strömen. Das manuelle Aufpumpen erfordert bei Dunlop-Schlauchventilen mehr Kraft als bei den anderen Ventiltypen, da der Pumpendruck die Spannung des Gummischlauchs überwinden muss und ein Teil der eingesetzten Energie durch den Strömungswiderstand des engen Spalts zwischen Schlauch und Röhrchen in Wärme umgesetzt wird.

Abgesehen vom Niedrigpreissegment werden anstelle von Schlauchventilen heute in der Regel Ventileinsätze verwendet, die einen beweglichen Dichtkörper aus Kunststoff oder Metall enthalten, der sich im Ventilröhrchen auf und ab bewegen kann und in der Art eines Rückschlagventils vom Reifendruck gegen den runder Dichtungssitz gepresst wird. Der nötige Druck um Kugel oder Zylinder vom Dichtungssitz zu lösen und den Weg freizugeben ist deutlich geringer, als bei Schlauchventilen.

Die neue Bauform der Ventileinsätze wird Blitzventil, Automatikventil, Patentventil oder nach dem Hersteller etwa Alligatorventil genannt. Die Begriffe Dunlop- und Blitzventil werden heute synonym verwendet.

Die meisten Dunlopventile sind für bis zu 6 bar Druck ausgelegt.

Da Dunlopventile beim Pumpen nicht wie Schraderventile offen gehalten werden können, kann der Reifendruck nur gemessen werden, während Luft durch das Ventil einströmt. Das Manometer der meisten Luftpumpen zeigt den Reifendruck also nur bei gleichzeitiger Betätigung der Pumpe an. Da bei jedem Pumphub zunächst ein erhöhter Druck erforderlich ist, um das Dichtelement vom Ventilsitz abzuheben, wird beim ersten Druckaufbau zunächst ein zu hoher Druck angezeigt, der sich erst im Verlauf des Pumphubs ungefähr auf den tatsächlichen Reifendruck einstellt. Denn auch dann wird ein um den Druckverlust des Ventils erhöhter Reifendruck angezeigt.

SclaverandventilBearbeiten

Synonyme
  • SV – Sclaverandventil
  • Französisches Ventil
  • Rennradventil
  • Schlauchreifenventil
  • Presta-Ventil

Felgenbohrung

  • ø 6,5 mm

Maximaldruck

  • 15 bar
 

Das Sclaverandventil wurde von dem Franzosen Etienne Sclaverand erfunden und wird deshalb üblicherweise französisches Ventil oder auch Presta-Ventil genannt.[1] „Presta“ bzw. „presto“ steht in den romanischen Sprachen für schnell, eilig, sofort. Der Ventilteller dieses Rückschlagventils ist mit einem Stößel verbunden, der aus der Öffnung des Ventils herausragt und ein feines Gewinde besitzt. Auf den Stößel ist eine Rändelmutter geschraubt, die zum Befüllen des Schlauchs gelockert werden muss. In angezogenem Zustand sichert die Mutter das Ventil gegen schleichenden Druckverlust sowie gegen das Eindringen von Staub. Um zu verhindern, dass die Mutter verloren geht, wird das Ende des Gewindestifts gestaucht.

Zum Aufpumpen des Schlauchs wird die Rändelmutter gelockert und der Ventilstößel kurz angestoßen, um ihn vom Ventilsitz zu lösen. Schläuche mit Sclaverandventil lassen sich leicht aufpumpen, da der Dichtkörper nicht durch Federkraft an den Ventilsitz gepresst wird, so dass nur der Gegendruck im Reifen überwunden werden braucht. Beim Aufpumpen ist darauf zu achten, den Pumpenkopf weit genug über das Ventil zu schieben, da sonst die Rändelmutter im Dichtgummi der Pumpe verklemmen kann. In diesem Fall drückt entweder die Luft nach jedem Pumpenhub wieder in die Pumpe zurück oder das Ventil öffnet nicht richtig und der Schlauch läßt sich auch mit großer Anstrengung kaum aufpumpen.

Die nach außen strebende Luft verschließt das Ventil automatisch. Je höher der Innendruck, desto stärker wird der Kegelstumpf in seinen Sitz gepresst. Sclaverandventile eignen sich für hohen Reifendruck, wie er bei schmalen Rennradreifen üblich ist, um den Rollwiderstands niedrig zu halten.

Sclaverandventile werden durch eine 6,5 mm Bohrung im Felgenbett gesteckt. Die anderen Ventiltypen benötigen eine 8,5 mm Bohrung. Sclaverandventile können somit auch mit sehr schmalen Felgen verwendet werden. Bei breiteren Felgen erhöht sich aufgrund der kleinen Bohrung die Stabilität. Sclaverandventile finden sich darum auch an hochwertigen Mountainbikes. Der Ventileinsatz kann entweder direkt mit der an den Gummischlauch vulkanisierten Gewindehülse verbunden sein, oder als herausnehmbares Element in die Hülse eingeschraubt werden. Herausnehmbare Einsätze besitzen in der Regel seitliche Abflachungen, um mit einer Zange gegriffen und herausgedreht zu werden. Bei langsamem Druckverlust sollte der feste Sitz des Einsatzes kontrolliert werden.

Spezielle Manometer öffnen den Ventilstößel beim Aufstecken auf das Ventil, so dass der Reifendruck gemessen werden kann.

Der Gewindeschaft des Stößels mit aufsitzender Rändelmutter (beides oft aus Messing bestehend) kann beim Auf- oder Absetzen der Pumpe verbiegen und brechen. Auch vor dem Einsetzen oder Herausnehmen des Schlauchs aus der Felge sollte die Rändelmutter zunächst festgeschraubt werden, damit der Kopf nicht abbricht, wenn der am Rand der Bohrung festhängt.

Das Sclaverandventil ähnelt dem Reginaventil, das hauptsächlich in Italien verwendet wird.[2] Im Reginaventil ist der Gewindestift so kurz, dass er nicht aus dem Ventilrohr heraussteht und daher auch nicht verbogen werden kann. Um das Ventil dicht zu schließen, wird dieser Gewindestange mit einem Durchmesser von nur rund 1,5 mm eine kleine, lose Mutter mit Gewindehülse aufgesetzt und von Hand angeschraubt.

SchraderventilBearbeiten

 
Funktionsweise des Schraderventils
Synonyme
  • AV – Autoventil
  • Pkw/Kfz-Ventil
  • Motoventil (Motorradventil)
  • MTB-Ventil

Felgenbohrung

  • ø 8,5 mm

Gewinde DIN 7756

  • außen VG 8x32
  • innen VG 5x36

Maximaldruck

  • 10 bar
 

Das von August Schrader hergestellte und von seinem Sohn Georg H. F. Schrader konstruierte und patentierte Ventil[3] (US-Patent No. 495.064, vom 11. April 1893; PDF 661 kB)[4] wird auch in Kraftfahrzeugen eingesetzt und deswegen auch Autoventil genannt.

Beim Aufstecken des Pumpenkopfes oder eines Manometers wird im Ventil ein Stößel heruntergedrückt, der es öffnet. Handpumpen für Autoventile benötigen deshalb sowohl einen Stift zum Betätigen des Stößels, als auch ein Rückschlagventil, welches meist direkt im Pumpenkopf untergebracht ist.

Ein Reifen mit Autoventil kann an jeder Tankstelle aufgepumpt werden, die Druckluft zur Verfügung stellt. Aufgrund des geringen Luftvolumens im Fahrradreifen sollte nach kurzem Luftstoß jeweils eine Kontrolle des Reifendrucks erfolgen, um das Platzen des Reifens zu vermeiden. Die Druckluftanlagen der Tankstellen stellen meist einen Druck von 4 bis 6 bar zur Verfügung.

Um Luftpumpen für Dunlop- und Sclaverandventile mit Autoventilen verwenden zu können, wird meist ein Adapter mit eingebautem Rückschlagventil benötigt.

Ein Schraderventil besteht immer aus einem herausschraubbaren Einsatz und der mit dem Schlauch verbundenen Gewindehülse. Zum Herausschrauben des Einsatzes wird ein gabelförmiger Schlüssel benötigt, der sich oftmals auf der Rückseite der Ventilkappe befindet.

 
Ventileinsatz und Kappe mit rückseitigem Werkzeug zum Herausdrehen des Einsatzes

Nur vom Schraderventil wird die Ausführungsvariante Rollerventil angeboten, dessen unterer Teil des Schafts kein Gewinde eingeschnitten hat, sondern dünn ein Stück weit mit Schlauchgummi umhüllt ist. Diese Art von Ventil wird nicht mit einer Ventilmutter im Felgenloch nach außen gezogen, sondern nur durch den Luftdruck im Schlauch in die Felge gepresst.

Ebenfalls nur vom Schraderventil gibt es Varianten mit zur Seite gebogenem gewindefreien Schaft. Diese Ausführung wird beim kleinen Luftrad von Schubkarren benötigt, beim inneren Rad von Zwillingsrädern (typisch an Lkws, mitunter mit einer Ventilverlängerung (starr oder flexibel und dafür an der Innenseite der äußeren Felge befestigt) versehen, um von außen erreichbar zu sein) oder bei geländegängigen Rollschuhen oder Scootern, deren Reifen nur etwa 150 mm Außendurchmesser aufweisen.

HandhabungBearbeiten

Die Verbindung zur Pumpe kann bei allen drei Ventiltypen durch das Aufstecken eines Kopfes mit eingelassenem Dichtungsgummi erfolgen. Häufig wird das Dichtungsgummi anschließend durch Umlegen eines Hebels oder Drehen eines Teils des Kopfes verspannt. Bei einfachen Handpumpen wird das Dichtungsgummi oft lediglich an das Ventil gepresst. Einige Pumpen werden über einen flexiblen Verbindungsschlauch verbunden, der auf das Ventil aufgeschraubt wird.

Falls sich ein Schlauch mit Schraderventil nicht aufpumpen lässt, so liegt dies meist daran, dass der im Pumpenkopf befindliche zentrale Dorn den Stößel im Ventil nicht weit genug eindrückt.

Beim Sclaverand-Ventil muss der Gummieinsatz des Pumpenkopfs weit genug auf das Ventil geschoben werden, damit die Luft ungehindert eintreten kann. Gelegentlich klemmt der Ventilkonus im Ventilsitz und muss durch ein Anstoßen des Stößels gelockert werden (nachdem die Verschlussmutter gelöst wurde).

Auch beim Blitzventil klebt das Sperrelement des Ventileinsatzes gelegentlich im Ventilsitz fest und muss durch den Aufbau eines besonders hohen Drucks freigeblasen werden.

Bei Schrader- und Sclaverandventilen kann es vorkommen, dass diese nicht weit genug aus dem Felgenboden herausschauen, um den Pumpenkopf weit genug aufzuschieben. Ist ein Außengewinde vorhanden, so kann die mitgelieferte Mutter verwendet werden, um das Ventil weiter heraus zu ziehen. Alternativ kann der Mantel von außen eingedrückt werden, um so das Ventil ein Stück weit aus dem Loch heraus zu schieben. Wenn sich etwas Druck im Reifen aufgebaut hat, sollte das Ventil von selber an der richtigen Position verbleiben. Ist das Ventil dennoch zu nah an der Felge, kann ein Schlauch mit längerem Ventilschaft verwendet werden. Insbesondere beim Sclaverand-Ventil variiert die Schaftlänge sehr.

Kompatibilität und AdapterBearbeiten

 
Ventiladapter, von links nach rechts: 1. Dunlop-Pumpe auf Sclaverand-Ventil 2. Schrader-Pumpe auf Sclaverand- oder Dunlop-Ventil 3. Dunlop-Pumpe auf Schrader-Ventil (mit Rückschlagventil)

Einfache Luftpumpen und Manometer passen in der Regel sowohl auf Dunlop- wie auf Sclaverand-Ventile. Zum Aufpumpen von Schraderventilen sind Pumpen mit breiterer Aufnahme und mittig feststehendem Stift erforderlich.

Luftpumpen, die sich für alle drei Ventiltypen eignen,

  • sind mit zwei separaten Aufnahmen versehen oder
  • lassen sich durch Austausch oder das Herumdrehen von Gummi und Einsatz für den jeweils anderen Ventiltyp umbauen oder
  • verfügen über einen vergrößerten Gummidichtring, der durch einen Klemmmechanismus am Pumpenkopf zusammengepresst wird und sich so auf die verschiedenen Ventildurchmesser einstellen kann.

Häufig werden Pumpen für Schrader-Ventile mit Adapterstücken geliefert, die auch die Verwendung mit Dunlop- und Sclaverand-Ventilen ermöglichen (Adapter 2 in der Abb.). Mit diesen können die Reifen auch an der Tankstelle aufgepumpt werden. Zu beachten ist hierbei, dass viele Pumpvorrichtungen den Reifendruck während des Aufpumpens entweder gar nicht oder nur sehr kurz anzeigen.

Das Unternehmen Alligator hat ein Universalventil auf Basis des Blitzventils entwickelt, das auf nahezu alle Ventilstöcke passen soll. Der Druck ist bei diesem Ventil nur während des Pumpvorgangs zu messen.

Leistungsfähige Kompressoren, die sich zum Aufpumpen von dünner Rennradbereifung eignen, bringen herkömmliche Schläuche häufig zum Bersten, wenn nicht sorgfältig auf das Einhalten des auf dem Mantels angegebenen Drucks geachtet wird. Alte Mäntel mit poröser Gummimischung oder freiliegendem Gewebe können bei zu hohem Luftdruck auch noch etliche Stunden nach dem Aufpumpen des Reifens plötzlich einen Riss entwickeln, aus dem der Schlauch entweicht und platzt, oder aus der Felge rutschen, auch wenn zunächst keine Auffälligkeit festzustellen ist.

Ventile und -einsätzeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage. Bielefelder Verlagsanstalt, Bielefeld 1999, ISBN 3-87073-131-1.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Fahrradventile – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Improvements in Pumps for Inflating Pneumatic Tyres and the like. Europäisches Patentamt, abgerufen am 13. Februar 2011.
  2. Ventile schwalbe.com
  3. Our History. In: schraderduncan.com. Archiviert vom Original am 27. Juli 2014; abgerufen am 7. August 2019.
  4. G. H. F. SCHRADER’. Valve