Friedrich Christian Delius

deutscher Schriftsteller
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Friedrich Christian Delius (* 13. Februar 1943 in Rom) ist ein deutscher Schriftsteller.

Friedrich Christian Delius (1992)

Leben und WirkenBearbeiten

Kindheit und JugendBearbeiten

Friedrich Christian Delius wurde 1943 in Rom geboren, wo sein Vater Pfarrer an der Deutschen Evangelischen Kirche war.[1] Er ist das älteste von vier Geschwistern und wuchs von 1944 bis 1958 im hessischen Wehrda auf. Das Abitur erlangte er 1963 an der Alten Landesschule in Korbach.

Beruflicher WerdegangBearbeiten

Von 1963 bis 1970 studierte er Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie an der Technischen Universität Berlin, wo er bei Walter Höllerer 1971 mit der Dissertation „Der Held und sein Wetter“ zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. Von 1970 bis 1973 arbeitete er als Lektor im Verlag Klaus Wagenbach, von 1973 bis 1978 in derselben Funktion im Rotbuch Verlag. Seit 1978 ist er freier Schriftsteller.

Delius begann in den 1960er Jahren mit gesellschaftskritischer Lyrik und dokumentarischen, für gewöhnlich stark satirischen Texten. Von 1964 bis 1967 nahm er an den letzten vier Tagungen der Gruppe 47 teil. Durch den Kontakt zu Klaus Wagenbach erschien 1965 sein erstes Buch.[2] Seit den Siebzigerjahren schreibt er vorwiegend Romane, häufig zu Themen aus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, z. B. zum Deutschen Herbst.

Friedrich Christian Delius ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und seit 1998 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie seit 1997 Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Zudem ist Delius Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.[3]

 
Friedrich Christian Delius (2012)

2011 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt, dem bedeutendsten Literaturpreis im deutschen Sprachraum. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung begründete dies u. a. damit, dass er als „kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter […] in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erforscht“ habe.[4]

SonstigesBearbeiten

Delius war zunächst mit Gisela Klann-Delius verheiratet, mit der er zwei Töchter hat. Seit 2003 ist er mit Ursula Bongaerts verheiratet. Er lebt in Berlin und Rom.

WerkeBearbeiten

 
Autograph

AutorschaftBearbeiten

  • Kerbholz. Berlin 1965
  • Wir Unternehmer. Berlin 1966 (zusammen mit Karl-Heinz Stanzick)
  • Wenn wir, bei Rot. Berlin 1969
  • Der Held und sein Wetter. München 1971
  • Unsere Siemens-Welt. Berlin 1972
  • Rezepte für Friedenszeiten. Berlin/Weimar 1973 (zusammen mit Nicolas Born und Volker von Törne)
  • Ein Bankier auf der Flucht. Berlin 1975
  • Ein Held der inneren Sicherheit. Reinbek bei Hamburg 1981
  • Die unsichtbaren Blitze. Berlin 1981
  • Adenauerplatz. Reinbek bei Hamburg 1984
  • Einige Argumente zur Verteidigung der Gemüseesser. Berlin 1985
  • Mogadischu Fensterplatz. Reinbek bei Hamburg 1987
  • Japanische Rolltreppen. Reinbek bei Hamburg 1989
  • Die Birnen von Ribbeck. Reinbek bei Hamburg 1991
  • Himmelfahrt eines Staatsfeindes. Reinbek bei Hamburg 1992
  • Selbstporträt mit Luftbrücke. Reinbek bei Hamburg 1993
  • Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde. Reinbek bei Hamburg 1994
  • Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus. Erzählung. 1. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-498-01302-5 (als Taschenbuch: 1998, ISBN 978-3-499-22278-8).
  • Die Zukunft der Wörter. Paderborn 1995
  • Die Verlockungen der Wörter oder Warum ich immer noch kein Zyniker bin. Berlin 1996
  • Amerikahaus und der Tanz um die Frauen. Reinbek bei Hamburg 1997
  • Die Flatterzunge. Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-498-01310-6.
  • Transit Westberlin. Berlin 1999 (zusammen mit Peter Joachim Lapp)
  • Der Königsmacher. Berlin 2001
  • Warum ich schon immer Recht hatte – und andere Irrtümer. Berlin 2003, ISBN 3-87134-466-4.
  • Mein Jahr als Mörder. Berlin 2004, ISBN 3-87134-458-3. (siehe auch Georg Groscurth)
  • Die Minute mit Paul McCartney. Berlin 2005
  • Prospero. Oper. Musik: Luca Lombardi. UA 2006
  • Bildnis der Mutter als junge Frau. Berlin 2006, ISBN 3-87134-556-3.
  • Die Frau, für die ich den Computer erfand. Reinbek bei Hamburg 2009, ISBN 978-3-87134-642-2.
  • Der Held und sein Wetter. Ein Kunstmittel und sein ideologischer Gebrauch im Roman des bürgerlichen Realismus. Mit einem Vorwort von Wolf Haas. Wallstein Verlag, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-1028-5.
  • Als die Bücher noch geholfen haben. Biografische Skizzen. Rowohlt, Berlin 2012, ISBN 978-3-87134-735-1.
  • Die linke Hand des Papstes. Rowohlt, Berlin 2013, ISBN 978-3-87134-770-2.
  • Tanz durch die Stadt. Aus meinem Berlin-Album. Transit, Berlin 2014 (zusammen mit Renate von Mangoldt und Rainer Nitsche), ISBN 978-3-88747-309-9
  • Die Liebesgeschichtenerzählerin. Rowohlt Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-87134-823-5.
  • Warum Luther die Reformation versemmelt hat. Rowohlt, Reinbek 2017, ISBN 978-3-499-61054-7.
  • Die Zukunft der Schönheit.[5] Rowohlt Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-7371-0040-3.
  • Wenn die Chinesen Rügen kaufen, dann denkt an mich. Rowohlt Berlin, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0076-2.
  • Die Birnen von Ribbeck. Werkausgabe in Einzelbänden. Rowohlt Berlin, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0077-9.

HerausgeberschaftBearbeiten

  • Konservativ in 30 Tagen. Reinbek bei Hamburg 1988

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • David-Christopher Assmann: „Nicht fiction, sondern action“. F.C. Delius’ „Der Königsmacher“ oder Beschädigt der Literaturbetrieb die Gegenwartsliteratur? In: Maik Bierwirth u. a. (Hrsg.): Doing Contemporary Literature. Praktiken, Wertungen, Automatismen. Fink, München 2012, S. 241–262.
  • Wilfried F. Schoeller: Kleiner Rückblick auf die Tugend des Zersetzens. Rede auf Friedrich Christian Delius. In: Juni. Magazin für Kultur und Politik am Niederrhein. Nr. 2/88. Juni-Verlag, Viersen 1988, ISSN 0931-2854
  • Karin Graf (Hrsg.): Friedrich Christian Delius. München 1990, ISBN 3-89129-067-5.
  • Themenheft F. C. Delius der Zeitschrift Literatur für Leser. Frankfurt am Main 1995.
  • Manfred Durzak und Hartmut Steinecke (Hrsg.): F. C. Delius – Studien über sein literarisches Werk. Tübingen 1997.
  • Thomas Hoeps: Arbeit am Widerspruch. „Terrorismus“ in deutschen Romanen und Erzählungen (1837–1992). Dresden 2001, ISBN 3-933592-24-0.
  • Irmela von der Lühe (Hrsg.): Text + Kritik 197. Friedrich Christian Delius, edition text + kritik, München 2013, ISBN 978-3-86916-239-3.

WeblinksBearbeiten

Commons: Friedrich Christian Delius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich Christian Delius: Kurzbiografie. Abgerufen am 18. Mai 2011.
  2. Friedrich Christian Delius: 40 Jahre "Kerbholz". In: Renatus Deckert (Hrsg.): Das erste Buch. Schriftsteller über ihr literarisches Debüt. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-45864-8, S. 84–87.
  3. Friedrich Christian Delius. Biografie auf der Website der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur, abgerufen am 17. August 2018.
  4. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Friedrich Christian Delius erhält den Georg-Büchner-Preis 2011. (PDF; 61 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) 18. Mai 2011, archiviert vom Original am 2. Juli 2014; abgerufen am 18. Mai 2011.
  5. Friedrich Christian Delius: „Die Zukunft der Schönheit“ / Review, Spex vom 9. März 2018, abgerufen 22. April 2018