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Exsurge Domine

päpstliche Bulle in Reaktion auf die Thesen Martin Luthers
Titelblatt der Erstausgabe der „Exsurge Domine“

Exsurge Domine (lat.: „Erhebe dich, Herr“) heißt die päpstliche Bannandrohungsbulle, die am 15. Juni 1520 von Papst Leo X. als Antwort auf Martin Luthers 95 Thesen verabschiedet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt der BulleBearbeiten

Die Bulle trägt ihren Namen nach den Anfangsworten, die Ps 73,22 VUL entnommen sind. Sie beginnt mit einer Anrufung Gottes gegen die wilden Tiere, die den Weinberg des Herrn, d. h. die Kirche, zerstören. Ohne Namen zu nennen, heißt es weiter, in Deutschland seien Irrtümer aufgekommen, die „teils schon früher … verurteilt wurden, teils häretisch, falsch, ärgerlich, für fromme Ohren beleidigend oder für einfache Gemüter verführerisch“ seien.[1]

Die Bulle listet sodann 41 Sätze auf, bis auf eine sinngemäße Wiedergabe sind es wörtliche Zitate aus Luthers Schriften. Argumente für ihre Verwerfung werden nicht genannt. Die Anordnung ist nicht streng systematisch, doch lassen sich folgende thematische Blöcke erkennen:[2]

Ob alle Sätze Luthers nach Meinung der Verfasser häretisch waren oder nur anstößig klangen, blieb in der Schwebe.[2] Aber alle angeführten Sätze wurden verdammt, d. h. niemand durfte sie bejahren oder vertreten. Schriften Luthers, in denen sie enthalten sind, durfte man nicht lesen, besitzen oder aufbewahren; sie sollten verbrannt werden.[3]

Luther wurde aufgefordert, seinen Irrtümern binnen 60 Tagen zu entsagen und einen Widerruf nach Rom zu übersenden, bzw. selbst nach Rom zu kommen (wofür ihm freies Geleit zugesagt wurde) und dort zu widerrufen. Sollte Luther nicht widerrufen, werden auch diejenigen seiner Schriften, die keinen der gelisteten Sätze enthalten, eingezogen und verbrannt.[3]

Nach Ablauf der Frist war jedermann der Umgang mit Luther verboten. Er sollte verhaftet und nach Rom ausgeliefert werden. Ein Ort, an dem er sich drei Tage aufhielt, sollte dem Interdikt verfallen.[3]

Luthers ReaktionBearbeiten

Luther reagierte mit der auf Anregung Karl von Miltitz' entstandenen und an Mühlpfordt gerichteten Schrift „Von der Freyheith eines Christenmenschen“ samt einem Sendbrief an Papst Leo X. aus dem Oktober 1520 (vordatiert auf September 1520). Darin verteidigt Luther die Freiheit des Wortes Gottes:

„Darüber hinaus kann ich nicht dulden Regel oder Maß, die Schrift auszulegen, dieweil das Wort Gottes, das alle Freiheit lehret, nicht soll noch muss gefangen sein.“

Am 10. Dezember 1520, nach Ablauf der Widerrufsfrist, verbrannte Luther sein Exemplar der Bulle – als Reaktion auf die Verbrennung seiner eigenen Werke durch Vertreter der Kirche – öffentlich. Der Vatikan antwortete konsequent mit der endgültigen Exkommunikation durch die Bannbulle Decet Romanum Pontificem vom 3. Januar 1521.

Im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden ist ein Original der Bulle erhalten, das 2004 bei der Sächsischen Landesausstellung „Glaube und Macht – Europa im Zeitalter der Reformation“ im Schloss Hartenfels in Torgau gezeigt wurde; in den vatikanischen Archiven existiert ebenfalls ein Exemplar.

TextausgabeBearbeiten

  • Hauptstaatsarchiv Dresden, 10001 Ältere Urkunden, HStAD, 10001, Nr. 10277, r-v (Digitalisat)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Martin Brecht: Martin Luther, Band 1, Stuttgart 1983, S. 374.
  2. a b Martin Brecht: Martin Luther, Band 1, Stuttgart 1983, S. 375.
  3. a b c Martin Brecht: Martin Luther, Band 1, Stuttgart 1983, S. 376.