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Abtei

Kloster, dem regulär ein Abt oder eine Äbtissin vorsteht
(Weitergeleitet von Erzabtei)
Zisterzienser-Kloster Zirc, Ungarn

Eine Abtei (von lat. abbatia) ist ein Kloster, dem regulär ein Abt oder eine Äbtissin vorsteht.

AbteienBearbeiten

Für gewöhnlich besitzen lediglich die monastischen Orden und Regularkanoniker der katholischen Kirche Klöster im Range einer Abtei. Eine Ausnahme bildet hier die Abtei St. Thomas in Alt Brünn der Augustiner (OSA). Diejenigen Propsteien der Regularkanoniker, denen eine infulierter Propst vorsteht, sind den Abteien rechtlich gleichgestellt.

Für die Erhebung eines Klosters zur Abtei durch den Heiligen Stuhl müssen bestimmte kirchenrechtliche Voraussetzungen erfüllt sein (z. B. eine bestimmte Mindestanzahl von Mönchen bzw. Nonnen).[1] Wird ein Kloster in den Rang einer Abtei erhoben, so kann der Konvent einen Abt beziehungsweise eine Äbtissin wählen.

Der Abt und die Äbtissin erhalten keine sakramentale Weihe, sondern bei ihrer Einsetzung ins Amt eine Abtsbenediktion, die umgangssprachlich auch als „Abts- bzw. Äbtissinnenweihe“ bezeichnet wird.

Abteien mit herausgehobener kirchenrechtlicher StellungBearbeiten

Besonders bedeutende Abteien, oft die Stammklöster einer benediktinischen Kongregation, tragen auch den Titel Erzabtei; in Österreich etwa die Erzabtei Stift Sankt Peter und in Deutschland die Erzabteien Beuron und St. Ottilien. Der Vorsteher einer Erzabtei ist ein Erzabt.

Innerhalb des Zisterzienserordens heißen diejenigen Klöster Primarabteien, die von dem Ursprungskloster der Zisterzienser Citeaux als erste vier Tochterklöster gegründet wurden.

In der Regel unterliegen die Abteien nicht dem gebietszuständigen Bischof, sondern direkt dem Heiligen Stuhl. Einige wenige Abteien bilden eine eigene Diözese. In diesen Territorialabteien besitzt der Abt die Jurisdiktion eines Bischofs über das Territorium der Abtei. Eine Weihegewalt kommt ihm jedoch nicht zu. In den letzten Jahren sind diese Territorialabteien jedoch stark beschnitten worden, so dass sie zwar noch als solche gelten, jedoch für gewöhnlich nur noch die Pfarrei der Abtei selbst besitzen.

Reichsabteien und FürstabteienBearbeiten

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hießen Abteien, die direkt dem Kaiser unterstanden, Reichsabteien.

Eine Fürstabtei war eine Abtei mit Rechten eines Fürstentums und mit einem Fürstabt als Vorsteher, z. B. die Abtei Prüm.

PriorateBearbeiten

Eine Niederlassung dieser Orden, die nicht im Rang einer Abtei steht, wird Priorat (prioratus simplex, einfaches Priorat) genannt. Es finden sich auch die lateinischen Bezeichnungen abbatiola, cella, monasteriolum und praepositura. Priorate sind in der Regel von einer Mutterabtei rechtlich und finanziell abhängig.[2] Üblicherweise sind Tochtergründungen von Abteien – bei den Zisterziensern Filiation genannt – zunächst Priorate.

Ein Priorat, das rechtlich selbständig ist, ohne zur Abtei erhoben worden zu sein, wird als Konventualpriorat (prioratus conventualis, Priorat mit einem Konvent) bezeichnet.[3] Einem Konventualpriorat steht die freie Wahl seines Priors zu; es kann ein eigenes Noviziat einrichten.

GebäudeBearbeiten

Abtei wird zuweilen und (wo vorhanden) im Besonderen auch das Haus oder der eigene Wohntrakt des Abtes oder der Äbtissin genannt. Andere Bezeichnungen dafür sind Abtshaus, gelegentlich auch Prälatur. Die Bezeichnung umfasst dann die Wohnräume des oder der Oberen und häufig auch die Repräsentationsräume, meist eine eigene Kapelle, manchmal einen eigenen Kreuzgang, den sogenannten Abtshof und zuweilen auch einen eigenen Garten.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Abtei – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Abtei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Petra Altmann: Die 101 wichtigsten Fragen – Orden und Klosterleben. C.H. Beck Verlag, München 2011, ISBN 978-3-406-61381-4, S. 47.
  2. Dominicus M. Meyer: Priorat. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999, Sp. 598.
  3. Art. Priorat im Kloster- und Ordenslexikon, abgerufen am 2. April 2019.