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Abtei St. Thomas und Abteikirche Mariä Himmelfahrt

Kloster in Tschechien
(Weitergeleitet von Abtei St. Thomas in Alt Brünn)
Klostergebäude, teils von der Abtei St. Thomas, teils von der Masaryk-Universität (Mendel-Museum) genutzt, und die Basilika Mariä Himmelfahrt

Die Abtei St. Thomas in Alt Brünn, tschechisch Augustiniánské opatství svatého Tomáše na Starém Brně, ist eine Abtei in Staré Brno in Brünn, Tschechien. Die Klostergebäude stammen vom Zisterzienserinnenkloster Aula Sanctae Mariae, das hier von 1323 bis 1782 bestand. Im Jahr 1783 übersiedelten die Augustiner von ihrem Stammplatz bei der Kirche St. Thomas im Norden der Altstadt hierher.

Die Mariä-Himmelfahrts-Kirche wurde im 14. Jahrhundert bald nach der Klostergründung errichtet und von Papst Johannes Paul II. am 6. Oktober 1987 zur Basilica minor erhoben.[1]

Staré Brno (Alt Brünn) ist nicht die Altstadt von Brünn, sondern eine lange Zeit separate Siedlung westlich der Festung Špilberk.

Erste Kirchen in Staré BrnoBearbeiten

 
Grundrisszeichnung 1797: Basilika, Vorgängerkirche, Klostergebäude

Das erste Kirchengebäude am Ort der heutigen Basilika war eine um das Jahr 1000 errichtete Rundkapelle. Im Lauf des 12. Jahrhunderts wurde daneben in mehreren nicht näher dokumentierten Baustufen eine einschiffige Kirche errichtet. Anfang des 14. Jahrhunderts gab es hier eine Marienkirche und eine Kapelle des Heiligen Prokop.[1]

Zisterzienserinnenkloster Marien-SaalBearbeiten

 
Von Nordosten liegt die Basilika vor den meisten Klostergebäuden

Die böhmische Königinwitwe Elisabeth Richza war Gattin des Przemysliden Wenzel II. und des Habsburgers Rudolf I. (nicht zu verwechseln mit dem römisch-deutschen König Rudolf I.) gewesen. An Regierungsgeschäften war sie nicht mehr beteiligt, denn seit 1307 war Heinrich von Kärnten König von Böhmen gewesen und seit 1310 regierte Johann von Luxemburg, dem 1316 der Sohn und Nachfolger Wenzel geboren worden war, der spätere Kaiser Karl IV. Am 15. April 1323 gründete sie mit Unterstützung des Olmützer Bischofs Konrad in Alt Brünn (Staré Brno) neben der alten Marienkirche das Zisterzienserinnen­kloster Aula Sanctae Mariae („Marien-Saal“). Es wurde wegen der Umstände seiner Gründung volkstümlich als Königinkloster bezeichnet. Im Jahr 1333 wurde ein neben dem Kloster ein Spital für 17 Personen – acht Laien, acht alte Priester und einen Diakon – gestiftet.[1]

Das Kloster wurde dreimal zerstört bzw. stark beschädigt, und zwar 1428 von den Hussiten, 1467 von Georg von Poděbrad und 1645 vom schwedischen General Lennart Torstensson.[1]

Die Patronatsrechte übte das Kloster Sedlec aus. Im Rahmen der Josephinischen Reformen wurde das Kloster im Jahre 1782 aufgelöst.

Abteikirche Mariä HimmelfahrtBearbeiten

 
Gewölberippen aus Werkstein; einschiffiger Westteil
 
Genauer: Chor basilikal, Langhaus einschiffig
 
südlicher Querschiffsgiebel

Die Mariä-Himmelfahrts-Basilika ist heute gleichermaßen Kloster- und Pfarrkirche. obwohl im Rang unter der Kathedrale St. Peter und Paul stehend, wird sie gerne als „Chram“ bezeichnet, was etwa soviel wie das deutsche Wort „Dom“ bedeutet. Sie ist eines der wenigen Beispiele der Backsteingotik in Tschechien.

Wann mit dem Bau der neuen Kirche begonnen wurde, ist nicht genau bekannt, jedoch war der Bau im Jahr 1333 mit Sicherheit schon in mehrere Teilen fortgeschritten.

Schon 1329 hatte Heinrich von Leipa, der leitende Kopf des böhmischen Adels, kurz vor seinem Tod die Mariä-Himmelfahrts-Kirche zu seiner letzten Ruhestätte bestimmt. Elisabeth Richza lebte ab 1332 im Zisterzienserinnenkloster. Sie starb 1335 und wurde unter der Vierung des Gotteshauses bestattet.

Das Bauwerk ist größtenteils aus Backstein errichtet, was dem Äußeren einen für die Region Mähren außergewöhnlichen Charakter gibt. Für die Statik besonders sensible Teile wurden aus Haustein gemauert, die Säulen und ebenso die Gewölberippen.[1] Architektonisch hat nur der Chor die Form einer Basilika, westlich des Querschiffs ist der Kirchenraum einschiffig.

Augustiner-EremitenBearbeiten

 
Basilika und Klosterhof von Norden

1783 wurde das leerstehende, ehemalige Zisterzienserinnenkloster Altbrünn den Augustiner-Eremiten zugewiesen, die ihre Abtei St. Thomas am heutigen Moravské náměstí in Brünn verlassen mussten. Das Kloster wurde 1950 von der kommunistischen Regierung aufgelöst. 1989 kehrten die Augustiner in die Abtei zurück.

Das ursprüngliche Brünner Augustinerkloster St. Thomas war 1350 gegründet worden. Es ist im Jahre 1752 zur Abtei erhoben worden, da der Klerus einen Vertreter zu den Sitzungen des Landtages der mährischen Stände zu entsenden hatte und Brünn erst im Jahre 1777 Bischofssitz wurde. Aus dieser historischen Tatsache ergibt sich die Besonderheit, dass Brünn die weltweit einzige Abtei des Augustiner-Ordens (OSA) ist.

Gregor Mendel war von 1868 bis zu seinem Tod 1884 Abt dieses Klosters. In einem Teil der Klostergebäude erinnert ein Museum an ihn, eingerichtet von der Masaryk-Universität. Es heißt auf Tschechisch Mendelovo Muzeum und international Mendel Museum of Masaryk University.[2]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Historie baziliky Nanebevzetí Panny Marie na Starém Brně a kláštera. In: opatstvibrno.cz (tschechisch), abgerufen am 16. August 2019.
  2. https://mendelmuseum.muni.cz/en/

Koordinaten: 49° 11′ 30,8″ N, 16° 35′ 39,4″ O