Hauptmenü öffnen

Ernst Osterkamp

germanistischer Literaturwissenschaftler

LebenBearbeiten

Ernst Osterkamp studierte von 1968 bis 1977 Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie in Münster,[2] wo er 1977 mit einer motivgeschichtlichen Studie über „Darstellungsformen des Bösen“[1] am Beispiel des Teufels als Lichtbringer promoviert wurde. Die prägenden Einflüsse der Studienjahre waren Theodor W. Adornos Ästhetische Theorie und Hans Blumenbergs Vorlesungen.[1]

Danach arbeitete er ein Jahr als freier Verlagsmitarbeiter und wurde 1979 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Germanistik der Universität Regensburg. 1988 habilitierte er sich in Regensburg und wirkte dort bis 1992 als Privatdozent.[2]

Es folgte 1992 eine Gastprofessur an der Universität Würzburg und eine Professur für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin,[3][2] nachdem er Rufe an die Universitäten in Kiel und Bochum abgelehnt hatte.[2] Der Neuaufbau des Instituts für Deutsche Literatur an der Humboldt-Universität – alle Mitarbeiter mussten sich neu bewerben – Anfang der 1990er Jahre bot Ernst Osterkamp ein „Experimentierfeld“, das „hochattraktiv“ gewesen sei.[4] Nach einem Verlängerungsantrag von einem Jahr[4] ging Ernst Osterkamp im November 2016 in den Ruhestand.

Ernst Osterkamps wissenschaftliches Interesse gilt der Literatur des Barock (darunter Johann Christian Günther), der Frühaufklärung, der Klassik (neben Goethe – der „Autor, der mich am meisten beschäftigt hat“[1] – auch Winckelmann,[1] Schiller sowie Caroline und Wilhelm von Humboldt) und der Moderne (insbesondere George, Borchardt) sowie den Wechselbeziehungen zwischen Dichtung, bildender Kunst und Oper.[5][6]

Seit etwa 1990 führte sein „literaturkritisches Verhältnis zu den Texten“, das er als „leidenschaftlicher Leser“ habe, dazu, dass er zahlreiche Rezensionen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb.[1]

Er ist ordentliches Mitglied der Akademien der Wissenschaften in Mainz (seit 2003), in Berlin-Brandenburg (seit 2006) und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (seit 2010; Wahl zu deren Präsident[6] im Oktober 2017).

Ernst Osterkamp bezeichnet sich als „unersättlichen Leser“[1] und als das wichtigste Lektüreerlebnis seiner Kindheit eine Reiseerzählung von Karl May: „Das unfassbare Glück, das eine Buch, das ich zu Weihnachten geschenkt bekam, ist bis heute nicht nur in meiner Erinnerung, sondern in meinem ganzen Körper gespeichert: Der Schatz im Silbersee mit echtem Lederrücken und Lesebändchen, in herrlichster Geschmacksunsicherheit von der Deutschen Buch-Gemeinschaft ausgestattet und vertrieben: Das war ein Schatz, den man nicht nur lesen, sondern auch riechen, schmecken und streicheln konnte, zumal wenn man ihn mit ins Bett nahm.“[1] Sein „Lieblingsbuch“ ist Gottfried Kellers Roman Der grüne Heinrich.[7]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

MonographienBearbeiten

  • Lucifer. Stationen eines Motivs (= Komparatistische Studien. Band 9). de Gruyter, Berlin/New York 1979, ISBN 3-11-084641-1 (zugleich Dissertation Münster (Westfalen), Univ., Fachbereich 07 Philosophie 1977).
  • Im Buchstabenbilde. Studien zum Verfahren Goethescher Bildbeschreibungen. Metzler, Stuttgart 1991, ISBN 3-476-00764-2 (zugleich Habilitations-Schrift).
  • Einsamkeit. Über ein Problem in Leben und Werk des späten Goethe (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Abhandlungen der Geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse. Jg. 2008, Nr. 1). Steiner, Mainz/ Stuttgart 2008, ISBN 978-3-515-09198-5.
  • Poesie der leeren Mitte. Stefan Georges Neues Reich (= Edition Akzente). Carl Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23500-7.
  • Edna St. Vincent Millay. Deutscher Kunstverlag, Berlin/ München 2014, ISBN 978-3-422-07240-4.

Herausgegebene SammelbändeBearbeiten

Herausgegebene Reihen und ZeitschriftenBearbeiten

AutobiographischesBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h Ernst Osterkamp: Vorstellungsrede (2010). In: Netzseite der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. abgerufen am 15. Januar 2018.
  2. a b c d Prof. Dr. phil. Ernst Osterkamp im Mitgliederverzeichnis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz; abgerufen am 10. Januar 2018.
  3. Netzseite zu Ernst Osterkamp. In: Netzseite des Instituts für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin. Abschnitt Wissenschaftliche Biographie, abgerufen am 10. Januar 2018.
  4. a b Amory Burchard: Humboldts Leitfossilien. Deutsche Literaturgeschichte, Stolz auf die akademische Heimat – das verbindet. In: Der Tagesspiegel. 2. Oktober 2015; abgerufen am 10. Januar 2018.
  5. Netzseite zu Ernst Osterkamp. In: Netzseite des Instituts für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin. Abschnitt Lehr- und Forschungsschwerpunkte, abgerufen am 10. Januar 2018.
  6. a b Ernst Osterkamp ist neuer Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Pressemitteilung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vom 27. Oktober 2017; abgerufen am 10. Januar 2018.
  7. Ernst Osterkamp: Mein Lieblingsbuch: „Der grüne Heinrich“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. August 2004, Nr. 184, S. 33; abgerufen am 10. Januar 2018.