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Erdbeben von Kermānschāh 2017

Erdbeben im iranisch-irakischen Grenzgebiet am 12. November 2017

Das Erdbeben von Kermānschāh vom 12. November 2017 ereignete sich um 21:48 Uhr iranischer Ortszeit bzw. 21:18 Uhr irakischer Ortszeit in der iranischen Provinz Kermānschāh an der Grenze zum Irak.[1][2]

Erdbeben von Kermānschāh
Erdbeben von Kermānschāh 2017 (Iran)
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Datum 12. November 2017
Uhrzeit 18:18:17 UTC
Magnitude 7.3 MW
Tiefe 24 km
Epizentrum 34° 47′ 24″ N, 45° 51′ 0″ OKoordinaten: 34° 47′ 24″ N, 45° 51′ 0″ O
Land Iran


Inhaltsverzeichnis

Geologische SituationBearbeiten

Der Iran liegt in einer seismisch aktiven Region. Die Arabische Platte grenzt hier an die Eurasische Platte und schiebt sich pro Jahr ein paar Zentimeter nordwärts. Im Südosten des Irans taucht sie unter die Eurasische Platte ab (Subduktion), im Nordwesten reiben die Platten direkt aneinander, das Zāgros-Gebirge resultiert aus diesem geologischen Prozess. Das Erdbeben ist hier an einer Überschiebung entstanden, das heißt, eine Platte bewegte sich vertikal in die Höhe und über die andere Platte.[1][3]

Im Verlaufe der vorherigen einhundert Jahre haben sich im Umkreis von 250 km um das Hypozentrum des Erdbebens vom 12. November 2017 vier andere Erdbeben mit Magnituden größer als 6,0 ereignet. Das letzte davon war ein Erdbeben mit der Magnitude 6,1 etwa 100 km südlich des Erdbebens von 2017, das sich im Januar 1967 ereignete. Ende der 1950er Jahre und zu Beginn der 1960er Jahre gab es entlang der Plattengrenze etwa 200 km weiter südöstlich des Bebens von 2017 einen Cluster von Erdbeben der Magnitude 6,0 bis 6,7. Im November 2013 erschütterte eine Serie von Erdbeben bis Magnitude 5,8 eine Region etwa 60 Kilometer südlich des Erdbebens von 2017, durch die es dutzende Verletzte und Schäden in 40 Dörfern im Iran gegeben hat.[4] Die Auswirkungen eines Erdbebens mit der Magnitude 7,4 im Juni 1990, das sich 400 km nordöstlich des Erdbebens vom 12. November 2017 zutrug, führten allerdings zu 40.000–50.000 Toten und mehr als 60.000 Verletzten, und mehr als 600.000 Bewohner in der Gegend um Rascht, Qazvin und Zandschan im Iran wurden obdachlos.[1]

Opfer und SchädenBearbeiten

Bei dem Erdbeben wurden laut offiziellen Angaben etwa 540 Menschen getötet, tausende wurden verletzt.[5] In vielen Städten kam es zu Stromausfällen. Aus Angst vor Nachbeben kehrten viele Menschen nicht in ihre Häuser zurück, sondern verbrachten die folgenden Nächte bei niedrigen Temperaturen auf Straßen und in Parks.[6] Die UNO schätzt, dass im Umkreis von 100 km um das Epizentrum etwa 1,8 Millionen Menschen leben.[3] Über 200 Nachbeben wurden in den ersten Tagen nach dem Beben registriert.[7]

IranBearbeiten

 
Beschädigtes Haus in Sarpol-e Sahab

Im Iran starben mindestens 530 Menschen durch das Erdbeben.[5] Fast 9.400 Menschen wurden verletzt, davon waren vier Tage nach dem Beben noch mehr als 1.340 in stationärer Behandlung.[8] Die am stärksten betroffene Stadt ist Sarpol-e Sahab in der Provinz Kermānschāh, alleine hier kamen 316 Menschen ums Leben.[5] Das Krankenhaus der Stadt wurde sehr schwer beschädigt, weshalb hunderte eingelieferte Verletzte nicht versorgt werden konnten. Es gibt Berichte, wonach in der Stadt auch das Wasser-, Gas- und Telefonnetz zerstört worden sei.[9] In 49 weitere Gesundheitseinrichtungen in der Provinz wurden beschädigt, konnten aber ihren Betrieb aufrecht halten. Laut Weltgesundheitsorganisation wurden die Städte Sarpol-e Sahab und Qasr-e Schirin zu 80 % zerstört.[8] In Qasr-e Schirin wird von 28 Toten berichtet.[6]

Sieben große Städte und 1.950 Dörfer waren in der Provinz Kermānschāh betroffen.[5] Einige davon konnten von Hilfsmannschaften noch nicht erreicht werden, weil Straßen durch Erdrutsche unpassierbar sind.[6][10]

Teams des Roten Halbmonds wurden mit Suchhunden in die betroffene Region entsendet sowie Einheiten der Polizei, der Revolutionsgarde und der Basidschi-Milizen.[6][9] Hunderte Krankenwagen und dutzende Hubschrauber der Armee waren im Katastropheneinsatz. 200 Verletzte wurden zur Behandlung nach Teheran ausgeflogen.[11] Am 14. November meldete das Staatsfernsehen, dass die Rettungseinsätze im Erdbebengebiet eingestellt werden, da die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden sehr gering sei.[7]

Etwa 12.000 Häuser wurden völlig zerstört, weitere 15.000 beschädigt. Örtliche Behörden schätzten, dass etwa 100.000 Menschen im Iran durch das Beben obdachlos geworden sind.[12] Der Rote Halbmond brachte tausende Zelte in die betroffene Region, aber die Verteilung gestaltete sich in den ersten drei Tagen schwierig.[12][13] Nach fünf Tagen war wieder die ganze Provinz Kermānschāh mit Gas, Wasser und Strom versorgt.[12]

Im Iran wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.[10]

IrakBearbeiten

Im Irak wurden zehn Menschen Opfer des Bebens.[14] Mindestens 535 wurden verletzt.[9] Die meisten Schäden im Irak ereigneten sich in der Stadt Darbandichan in der Autonomen Region Kurdistan. In Erbil waren die Erschütterungen durch das Beben über eine Minute lang zu spüren.[3] In Sulaimaniyya, etwa 100 km vom Epizentrum entfernt, entstanden Schäden an Gebäuden.[6]

In Bagdad war das Beben etwa 20 Sekunden lang zu spüren.[11]

Andere LänderBearbeiten

In der Türkei wurde das Beben wahrgenommen, in der Großstadt Diyarbakır flohen Menschen aus ihren Häusern.[11] Das Beben war auch noch im Libanon, in Israel, Kuwait und Pakistan zu spüren.[3][10][13]

BilderBearbeiten

Internationale HilfeBearbeiten

Die Türkei schickte einen Hilfskonvoi mit 50 Lkw in den Irak und ein Hilfsteam für Bergungsarbeiten wurde von Ankara nach Sulaimaniyya geflogen. Durch den Türkischen Roten Halbmond werden Decken und Zelte in die Katastrophenregion gebracht.[11]

Italien schickte 12 Tonnen Hilfsgüter wie Zelte, Decken und Hygieneartikel per Flugzeug nach Sulaimaniyya.[15]

Der iranische Außenminister Mohammad Jawad Zarif bedankte sich für die internationale Anteilnahme und Hilfsangebote, verzichtete jedoch auf internationale Hilfe. Der Iran habe die Situation vorläufig im Griff.[7] Die Weltgesundheitsorganisation ließ Erste-Hilfe-Ausrüstung und medizinische Hilfsgüter in den Iran fliegen um die Versorgung der Verletzten zu unterstützen und sandte von seiner irakischen Niederlassung ein Ärzteteam und drei Rettungswagen in die irakische Provinz Sulaimaniyya.[8] Auch Pakistan sandte ein Flugzeug mit Hilfsgütern nach Teheran.[16]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Erdbeben von Kermānschāh 2017 – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c M 7.3 - 32km S of Halabjah, Iraq. United States Geological Survey, abgerufen am 13. November 2017 (englisch).
  2. M 7.3 – IRAN-IRAQ BORDER REGION – 2017-11-12 18:18:17 UTC. European-Mediterranean Seismological Centre, abgerufen am 13. November 2017 (englisch).
  3. a b c d Iran-Iraq earthquake: Hundreds killed as border region hit. BBC, 13. November 2017, abgerufen am 13. November 2017 (englisch).
  4. Jens Skapski: Starker Erdbebenschwarm in der Grenzregion von Iran und Irak – Schäden und Verletzte – Mehrere Erdbeben spürbar bis Bagdad. In: erdbebennews.de. Abgerufen am 14. November 2017.
  5. a b c d Saeed Kamali Dehghan: Officials raise Iran-Iraq earthquake death toll to at least 530. In: The Guardian. 14. November 2017, abgerufen am 14. November 2017 (englisch).
  6. a b c d e Saeed Kamali Dehghan, Martin Farrer: Iran-Iraq earthquake: death toll climbs to more than 400. In: The Guardian. 13. November 2017, abgerufen am 13. November 2017 (englisch).
  7. a b c Iran stellt Rettungseinsätze im Erdbebengebiet ein. In: Der Standard. 14. November 2017, abgerufen am 14. November 2017.
  8. a b c WHO airlifts medical supplies to treat wounded in Islamic Republic of Iran-Iraq earthquake. Weltgesundheitsorganisation, 16. November 2017, abgerufen am 16. November 2017 (englisch).
  9. a b c Thomas Erdbrink: Iran-Iraq Earthquake Kills More Than 500. In: The New York Times. 13. November 2017, abgerufen am 14. November 2017 (englisch).
  10. a b c Shirzad Bozorgmehr, James Masters: Powerful Iran-Iraq earthquake is deadliest of 2017. CNN, 13. November 2017, abgerufen am 13. November 2017 (englisch).
  11. a b c d Erdbeben an irakisch-iranischer Grenze: Suche nach Überlebenden. In: Der Standard. 13. November 2017, abgerufen am 13. November 2017.
  12. a b c Nach Beben im Iran keine Hoffnung mehr auf Überlebende. In: Der Standard. 17. November 2017, abgerufen am 18. November 2017.
  13. a b Thomas Erdbrink: ‘I Am Alive’: Survivors of Iran Earthquake Mourn as Government Scrambles to Help. In: The New York Times. 14. November 2017, abgerufen am 15. November 2017 (englisch).
  14. Iran earthquake survivors plead for help as death toll rises. In: BBC. 14. November 2017, abgerufen am 14. November 2017 (englisch).
  15. Alfano: "Humanitarian flight carrying 12 tons of relief supplies is about to take off for Suleymania". Italienisches Außenministerium, 13. November 2017, abgerufen am 14. November 2017.
  16. Pakistan relief assistance for Iran quake victims arrives in Tehran. UN-Nothilfekoordinator, 18. November 2017, abgerufen am 18. November 2017 (englisch).