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Elena Ceaușescu

Elena Ceaușescu [tʃau̯ˈʃesku] (* 7. Januar 1916 in Petrești als Lenuța Petrescu; † 25. Dezember 1989 in Târgoviște) war eine rumänische Politikerin (RKP) und die Ehefrau von Nicolae Ceaușescu.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Lenuta Petrescu entstammte einer bäuerlichen Familie aus dem Kreis Dâmbovița. Ihre Eltern Nea und Alexandra Petrescu besaßen ein kleines Stückchen Land. Die Grundschule besuchte sie bis 1930 und zog dann nach Bukarest. Hier begann sie eine Lehre in der Textilfabrik „Lantex“, die sie 1936 abschloss. In dieser Zeit kam sie in Kontakt mit der Gewerkschafts-, der Jugend- und Arbeiterbewegung und schloss sich als junge Textilarbeiterin der UTC im Raum Bukarest an. 1937 wurde sie Mitglied der illegalen Kommunistischen Partei Rumäniens, in der sie auch ihren späteren Ehemann Nicolae Ceaușescu kennenlernte.

Nachdem seiner Haftentlassung 1945 schloss sie mit Nicolae Ceaușescu 1947 die Ehe. Dabei änderte sie ihren Vornamen Lenuța (dt. Lenchen) in Elena. Außerdem wurde ihr Geburtsjahr von 1916 nachträglich in das Jahr 1919 verlegt.[1] Aus der Ehe gingen zwei Söhne Valentin (* 1948) und Nicu (1951–1996) sowie die Tochter Zoia (1949–2006) hervor. Valentin wird häufig als Adoptivsohn bezeichnet, ist aber ein leibliches Kind, wie eine DNA-Analyse bewies.[2]

Anfang der 1950er Jahre war Elena Ceausescu als Sekretärin im rumänischen Außenministerium tätig. Daneben studierte sie an der Universität Bukarest, Fakultät Industriechemie. 1957 beendete sie das Studium. In den folgenden Jahren war sie in diesem Institut wissenschaftlich tätig und führte, nach ihrer offiziellen Biographie während dieser Zeit Grundlagenforschung durch.[3] Das betraf vor allem den Bereich zur Synthese einiger neuer Makromolekularverbindungen. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in Fachpublikationen veröffentlicht und auf Kongressen vorgestellt. Ihre angeblich selbst erarbeiteten Leistungen wurden später aber in Frage gestellt. Im Jahre 1964 übernahm sie die Funktion der Direktorin des Instituts und begann kurz danach mit ihrer Dissertation: „Die stereospezifische Polymerisation von Isopren“, die vermutlich von den Chemikern Osias Solomon und Radu Bordelanu angefertigt wurde.[4] Im Jahre 1967 erhielt sie den Titel Dr. der makromolekularen Chemie. Ab diesem Zeitpunkt gab sie die Tätigkeit bei der UTC auf und widmete sich der Koordination der wissenschaftlichen Arbeit des Institutes sowie der Organisation im Bereich des rumänischen Bildungs- und Ausbildungssystems.

Nachdem ihr Mann Nachfolger des verstorbenen Parteichefs der Rumänischen Kommunistischen Partei Gheorghiu-Dej ab 1965 wurde, verstärkte auch Elena Ceausescu ihre Aktivitäten im Bereich des politischen Systems in Rumänien. So bekleidete sie ab 1971 hohe Posten innerhalb der kommunistischen Partei und in der Regierung Rumäniens. Im Juli 1972 wurde sie Mitglied des Exekutivkomitees des ZK der RKP. Anfang 1977 stieg sie in das oberste Leitungsgremium, das „Ständige Büro“ des Exekutivkomitees der RKP auf. Sie war damit die einzige Frau eines Politikers im sozialistischen Lager, die eine derartig herausragende politische Rolle einnahm.[5] Außerdem war sie Vorsitzende der rumänischen Akademie der Wissenschaften und galt im Land offiziell als „Gelehrte von Weltruhm“. Ohne tatsächlich einen Studienabschluss erreicht zu haben, trug sie später einen fingierten Doktortitel im Fach Technische Chemie („Acad. Dr. Ing“). Mehrere von anderen verfasste Fachpublikationen zum Thema Polymerisation wurden unter ihrer angeblichen Autorschaft veröffentlicht. Um Elena Ceaușescu wurde ein ihrem Mann gegenüber abgeschwächter Personenkult betrieben. So prangte ihr Bild auf Porzellantellern, Bildern und Medaillen. Selbst die Soldaten des Erschießungskommandos fragte sie, die sich vom Volk als „liebende Mutter der Nation“ feiern ließ, ob diese nicht wüssten, dass sie auch deren „Mutter“ sei.

Sturz und HinrichtungBearbeiten

Nach einer zweitägigen Reise in den Iran sprach Nicolae Ceaușescu am 22. Dezember 1989 zu einer Menge von 100.000 Menschen im Zentrum von Bukarest. Nachdem die Menge gegen ihn zu schreien begann, eröffnete die Securitate das Feuer, aber das Militär unter Verteidigungsminister Vasile Milea weigerte sich, es ihr gleichzutun. An diesem Tag kam Milea unter lange Zeit ungeklärten Umständen ums Leben (eine Untersuchung von 2005 geht von einem misslungenen Versuch der Selbstverstümmelung aus). Das Diktatorenpaar verließ Bukarest noch am gleichen Tag in einem Hubschrauber. Mit Mileas Tod wurde aus der neutralen Position der Armee Feindschaft. Die rumänische Armee und die Securitate trugen in Bukarest Straßenkämpfe aus, und Hunderte, vielleicht Tausende Menschen wurden dabei getötet. Ein ad hoc gebildeter „Rat der Front zur Nationalen Errettung Rumäniens“ nahm die weitere Entwicklung in die Hand, die aber bereits enorm eskaliert war. Das Ehepaar Ceaușescu wurden schließlich in Târgoviște verhaftet. Elena und Nicolae Ceaușescu wurden durch ein militärisches Sondergericht in einem Schnellverfahren am 25. Dezember zum Tode verurteilt. Die Durchführung dieses Verfahrens hatte Nicolae Ceaușescu unmittelbar vor seiner Festnahme durch die Einsetzung des nationalen Ausnahmezustandes ermöglicht. Noch am 25. Dezember wurden beide unverzüglich standrechtlich erschossen. Der genaue Ort der Exekution und der Begräbnisort wurden damals nicht veröffentlicht.[6] Wie durch eine am 21. Juli 2010 durchgeführte Exhumierung und die anschließende forensische Untersuchung zweifelsfrei festgestellt wurde, handelte es sich bei den Leichen um das Ehepaar Ceausescu. Ihr Grab befindet sich auf dem Ghencea-Friedhof in Bukarest.

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Elena Ceausescu, in: „Internationales Biographisches Archiv“ 07/1990 vom 5. Februar 1990, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Diane Ducret: „Elena Ceaușescu: Luxus, Ruhe, Securitate“ In: „Die Frauen der Diktatoren“ Ecowin Februar 2012 Seite 251–268 ISBN 978-3711000200
  • Thomas Kunze: „Nicolae Ceausescu“, Ch. Links Verlag, Berlin, 2000, ISBN 978-3861532118
  • Antje Windgassen: „Im Bund mit der Macht: Die Frauen der Diktatoren“ 2016 Seite 110–123 ISBN 978-1530594191
  • Erich Schaake: „Sex und Macht: Die Frauen der Diktatoren“ 2014 Seite 45–67 ISBN 978-1499637076
  • Marx George (Coordinator), Das Wörterbuch weiblicher Persönlichkeiten Rumäniens, Meronia-Verlag Bukarest, 2009

WeblinksBearbeiten

  Commons: Elena Ceaușescu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

• Thomas Kunze: „Ceaușescu, Nicolae, Elena Ceaușescu“, in: Kurt Groenewold, Alexander Ignor, Arnd Koch (Hrsg.): „Lexikon der Politischen Strafprozesse“, Online, Stand September 2016

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Thomas Kunze: „Nicolae Ceaușescu – Eine Biographie“. Berlin 2000.
  2. „Leiche von Ex-Diktator Ceausescu identifiziert“ auf spiegel.de, abgerufen am 3. November 2010
  3. Ceausescu Elena, Munzinger Archiv, Internationales Biographisches Archiv in: http://www.munzinger.de/document/00000015008
  4. Mark Georg (Coordinator), Das Wörterbuch weiblicher Persönlichkeiten in Rumänien, Meronia-Verlag Bukarest, 2009
  5. Ceausescu Elena, Munzinger Archiv Band 7, vom 5.Februar 1990, Munzinger-Archiv GmbH Ravensburg in: http://www.munzinger.de/document/00000015008
  6. Ceausescu Elena, Munzinger Archiv Band 7, vom 5.Februar 1990, Munzinger-Archiv GmbH Ravensburg in: http://www.munzinger.de/document/00000015008