Die Diazotierung ist eine Reaktion der Organischen Chemie und beschreibt die Umsetzung von aromatischen Aminen mit kalter, verdünnter Salpetriger Säure (HNO2) zu Aryldiazoniumsalzen.

Übersicht Diazotierung

Die Diazotierung bifunktioneller aromatischer Amine wird auch als Tetrazotierung bezeichnet (z. B. p-Phenylendiamin oder Benzidin).

ReaktionsmechanismusBearbeiten

Zunächst wird die Salpetrige Säure 1 protoniert. Unter Abspaltung von Wasser bildet sich das elektrophile Nitrosylkation 3.

In der Praxis wird die Salpetrige Säure (HNO2) oft erst im Reaktionsgemisch aus Natriumnitrit (NaNO2) und der Mineralsäure gebildet.

Anschließend greift das freie Elektronenpaar des Stickstoffatoms am Arylamin 4 das positiv geladene Stickstoffatom des Nitrosylkations an. Unter Deprotonierung und Umlagerung entsteht ein Diazohydroxid 7. Diese Verbindung wird am Sauerstoffatom protoniert und unter Abspaltung eines Wassermoleküls entsteht ein Aryldiazonium-Kation 9.[1]

Aryldiazoniumsalze sind sehr reaktionsfähig und werden in der Synthese vielseitig verwendet, insbesondere zur Darstellung von Azofarbstoffen durch Azokupplung. Die Diazotierung ist eine Standardmethode zur Gehaltsbestimmung primärer aromatischer Amine. Die Synthese von Aryldiazoniumsalzen wird bei Temperaturen unter 5 °C durchgeführt. Die hochreaktiven Diazoniumsalze würden sich bei höheren Temperaturen schnell zersetzen. Deshalb wird die Reaktion in situ, also ohne Isolierung der Zwischenprodukte, weitergeführt. Aryldiazoniumchloride sind im festen, trockenen Zustand hochexplosiv. Die Tetrafluoroborate [BF4] oder Hexafluorophosphate [PF6] sind beständiger und als Feststoffe handhabbar.

Reaktionen von Aryldiazonium-SalzenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. T. Laue, A. Plagens: Namens- und Schlagwortreaktionen der Organischen Chemie. Teubner Verlag, 2006, ISBN 3-8351-0091-2, S. 94.