Diastolische Herzinsuffizienz

Krankheit
Klassifikation nach ICD-10
I50.1- Linksherzinsuffizienz
Diastolische Herzinsuffizienz
I50.11 Ohne Beschwerden (NYHA-Stadium I)
I50.12 Mit Beschwerden bei stärkerer Belastung (NYHA-Stadium II)
I50.13 Mit Beschwerden bei leichterer Belastung (NYHA-Stadium III)
I50.14 Mit Beschwerden in Ruhe (NYHA-Stadium IV)
I50.19 Nicht näher bezeichnet
I11.0 Hypertensive Herzkrankheit mit (kongestiver) Herzinsuffizienz

ICD-10-GM

ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die diastolische Herzinsuffizienz, auch Herzinsuffizienz bei erhaltener systolischer Pumpfunktion (HFpEF von engl. heart failure with preserved ejection fraction) oder Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer linksventrikulärer Funktion, ist eine Form der Linksherzinsuffizienz. Wenn die diastolische Herzinsuffizienz zusammen mit oder als Folge von einer arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) auftritt, wird sie auch als Hypertensive Herzkrankheit bezeichnet.

Bei der diastolischen Herzinsuffizienz liegt eine Funktionsstörung in der Entspannungsphase des Herzens (Diastole) vor, dementsprechend wird der zugrundeliegende Pathomechanismus als "Diastolische Dysfunktion" bezeichnet. Die Pumpfunktion des Herzens in der Kontraktionsphase (Systole) ist nicht oder nur wenig beeinträchtigt.[1][2]

VerbreitungBearbeiten

Zwischen 22 und 73 % aller Patienten, die Symptome einer Herzinsuffizienz aufweisen, leiden an einer isolierten diastolischen Funktionsstörung.[1]

UrsacheBearbeiten

 
Das menschliche Herz

Die diastolische Herzinsuffizienz ist definiert als erhöhter Füllungswiderstand vorwiegend der linken Herzkammer bei normaler systolischer Pumpfunktion.
Die Herzkammer hat entweder eine eingeschränkte aktive Entspannungsfähigkeit (Relaxation) u. a. infolge von

oder eine verminderte passive Dehnbarkeit (Compliance) z. B. aufgrund

In seltenen Fällen kann eine Destabilisierung des Transthyretin-Proteins eine Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) mit diastolischer Herzinsuffizienz verursachen.[4]

SymptomeBearbeiten

Allein anhand der Symptome ist eine diastolische Herzinsuffizienz nicht von der systolischen Herzinsuffizienz zu unterscheiden. Wenn aber deutliche Zeichen einer Herzinsuffizienz vorliegen, die Pumpfähigkeit des Herzens aber nicht verringert ist (Auswurfleistung EF > 50 %), macht das eine diastolische Herzinsuffizienz wahrscheinlich.[2]

Die Symptome der diastolischen Herzinsuffizienz sind in erster Linie durch das niedrige Herzzeitvolumen bei eingeschränkter Füllung des versteiften, linken Ventrikels (linke Kammer) bedingt.[2]

DiagnoseBearbeiten

Die Diagnose der diastolischen Herzinsuffizienz ist manchmal komplex und erfordert einige ergänzende Verfahren. Zentralen Stellenwert bei der Diagnose der diastolischen Herzinsuffizienz hat die Echokardiographie.[2]

Bei der diastolischen Herzinsuffizienz ist der linksventrikuläre enddiastolische Druck (LVEDP) erhöht. Das linksventrikuläre enddiastolische Volumen (LVEDV) ist normal oder erniedrigt. Die Herzfrequenz bleibt unverändert oder ist erniedrigt. Die Blutauswurfmenge (Ejektionsfraktion) ist normal oder erhöht (EF > 50 %).[2]

Zur Diagnose ist die diastolische Dysfunktion, zu deren Diagnose und Schweregradeinteilung werden in der Echokardiographie verschiedene Messwerte verwendet. Dazu zählen folgende:

Während die NYHA-Klassifikation eine Gradeinteilung der Schwere der klinischen Symptome vornimmt, wird die Schwere der diastolischen Dysfunktion nach Befunden der Echokardiographie in folgende Grade eingeteilt:

  • I Normal
  • II Relaxationsstörung
  • III Pseudonormalisierung
  • IV Restriktiv
    • IVa: reversibel
    • IVb: irreversibel.
 
Druck-Volumen-Kurve

In der Druck-Volumen-Kurve des linken Ventrikels (siehe Bild) verursacht die diastolische Herzinsuffizienz im Krankheitsverlauf eine Verschiebung nach oben und nach links, in Abhängigkeit von der zunehmend verminderten ventrikulären Compliance.[5]

PrognoseBearbeiten

Wenn durch den erhöhten linksventrikulären enddiastolischen Druck (LVEDP) ein Rückstau über den linken Vorhof und die Pulmonalvenen entsteht, kann dies zu einer kardialen Dekompensation mit Atemnot und peripheren Ödemen bis hin zum Lungenödem führen.[6]

BehandlungBearbeiten

Die in der Therapie der systolischen Herzinsuffizienz wirksamen Medikamente (ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorblocker, Beta-Blocker) sind bei der diastolischen Herzinsuffizienz wirkungslos. Das Medikament Spironolacton zeigte in einer Studie eine Verbesserung der diastolischen Herzmuskelfunktion, eine Abnahme der Hypertrophie und der laborchemischen Marker für Herzinsuffizienz (NTproBNP), jedoch ohne Besserung der Symptome oder der Leistungsfähigkeit. Vor allem Menschen mit einer diastolischen Herzinsuffizienz im fortgeschrittenen Stadium haben aber in Hinblick auf Hospitalisierung und Prognose von Spironolacton profitieren können.[7]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b The Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology: 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure, European Heart Journal, 37(27), 14. Juli 2016, 2129–2200, Abgerufen am 3. Oktober 2018.
  2. a b c d e Irene Miekusch: Österreichische Ärztezeitung, Diastolische Herzinsuffizienz. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  3. G. P. Aurigemma, W. H. Gaasch: Clinical practice. Diastolic heart failure. In: New England Journal of Medicine. Band 351, 2004, S. 1097.
  4. Birgit Bok: Was verbirgt sich hinter der Herzinsuffizienz? In: Ärztliches Journal Reise & Medizin. 45. Jahrgang, Nummer 5, Mai 2021, S. 59.
  5. D. L. Brutsaert, S. U. Sys, T. C. Gillebert: Diastolic failure: pathophysiology and therapeutic implications. In: J Am Coll Cardiol. 1993; 22, S. 318.
  6. G. P. Aurigemma: Diastolic heart failure--a common and lethal condition by any name. In: N Engl J Med. 2006; 355, S. 308.
  7. DGK, Pressetext DGK 04/2014, Erstmals medikamentöser Therapie-Erfolg: Diastolische Herzmuskelschwäche lässt sich doch beeinflussen. Abgerufen am 27. Juli 2016.