Hauptmenü öffnen

Computerspiele-Journalismus

Spezialbereich des Journalismus

Computerspiele-Journalismus (auch Videospiele-Journalismus) ist ein Bereich des Technikjournalismus, der sich auf das Testen und Beschreiben von Computer- und Videospielen spezialisiert hat. Beiträge des Computerspiele-Journalismus finden sich in Computerspielezeitschriften (Print- und Onlinemedien), wie auch im Hörfunk, Fernsehen sowie in Videoportalen.

FormenBearbeiten

Zum Computerspiele-Journalismus gehören:

  • Vorabberichte von kommenden und in Entwicklung befindlichen Computer- und Videospielen
  • Testberichte zu kürzlich erschienenen Titeln, meist mit einer Bewertung auf einer Skala von 0 bis 100
  • Berichte über Messen und Ausstellungen der Branche
  • Interviews mit Entwicklern von Spielen
  • Retroberichte, über Spiele und Systeme der Vergangenheit
  • Hintergrundberichte, beispielsweise über die Entwicklung eines Spiels, technische Hintergründe etc.

Geschichte des Computerspiele-Journalismus im deutschsprachigen RaumBearbeiten

Bekannte Zeitschriften, die sich ausschließlich dem Thema Computer- und Videospiele widmen, gab es im deutschsprachigen Raum seit den 1980er Jahren. Die erste Publikation dieser Art war die kurzlebige TeleMatch, die zwischen Ende 1982 und Anfang 1985 erschien. Die erste Zeitschrift, die sich längerfristig auf dem Markt etablieren konnte, war die ASM, die unter der Regie von Manfred Kleimann ab 1986 erschien. Auch der Computerzeitschrift Happy Computer lag seit 1988 eine monatliche Beilage bei, die sich mit interaktiven Spielen beschäftigte. Diese Beilage wurde von Heinrich Lenhardt und Boris Schneider-Johne geleitet, zwei bekannten Pionieren des deutschen Computerspiele-Journalismus. Ab 1990 wurde diese Beilage unter dem Namen Power Play als eigenes Magazin herausgegeben. Ab 1992 erschien auch die PC Games, eine der ältesten deutschen Spiele-Zeitschriften. Oftmals lag den Magazinen auch ein Datenträger mit Demos und Vollversionen etwas älterer Spiele bei, anfangs meist eine Diskette, später CD-ROMs und heute meist DVDs.

Mit der immer größeren Verbreitung von Spielkonsolen, erschienen Anfang der 1990er Jahre auch eigene Publikationen für Konsolenspiele, so etwa der Pionier Video Games, der Anfang 1991 als Auskopplung der Power Play (Markt & Technik-Verlag) im Ladenregal stand, jedoch schon nach dem ersten Jahr lukrativ genug war, um als eigenständige Publikation in monatlichem Rhythmus zu erscheinen. Heinrich Lenhardt vom Power-Play-Team war Schirmherr für die Erstausgabe, die Redaktion bestand zudem überwiegend aus Power-Play-Redakteuren, die ihre Videospieltests nicht eins zu eins übernahmen, sondern neu verfassten und gelegentlich anders bewerteten als im Muttermagazin. Ein beachtlicher Teil der Video Games-Redaktion verließ 1993 den Verlag und gründete den direkten Konkurrenten MAN!AC (heute M! Games) unter der Leitung von Ex-Power-Play-Redakteur Martin Gaksch. Daraufhin wurde die Video-Games-Redaktion neu besetzt.

Besonders bekannt war auch das PC-Spiele-Magazin PC Player, das von 1992 bis 2001 erschien. Auch dieses Format wurde von Heinrich Lenhardt und Boris Schneider-Johne gegründet. Historisch ebenfalls wichtig war die Gründung der GameStar, die bis heute als eine der einflussreichsten Zeitschriften in diesem Bereich gilt.

Heute gibt es Zeitschriften, die sich ausschließlich mit PC-Spielen beschäftigen als auch nur mit bestimmten Konsolen, verschiedenen Konsolen oder mit PC-Spielen sowie Konsolenspielen. Mit der Zeitschrift Making Games existiert seit 2005 auch ein Magazin für die Entwickler von Computerspielen.

Nachdem die Verbreitung von Computerspiele-Magazinen in den 1990er Jahren und zu Anfang der 2000er Jahre kontinuierlich zunahm, ist seit etwa 2005 ein drastischer Einbruch der Auflagenzahlen sowie Einstellungen vieler Zeitungen dieses Genres zu erkennen. Dies wird oft mit der immer stärker zunehmenden Verbreitung von Breitband-Internetzugängen begründet. Demos und Vollversionen auf den beiliegenden Datenträgern, oftmals der Hauptanreiz für den Kauf, können nun über das Internet ebenso komfortabel bezogen werden. Auch Testberichte finden sich oft früher im Internet als in Printmagazinen. Im Januar 2017 wurde bekannt, dass sich die Computer Bild Spiele als einzige Computerspiele-Zeitschrift bis zu ihrer Einstellung im August 2019 noch in der IVW-Auflistung befand.[1]

Der Computerspiele-Journalismus findet deshalb im Internet immer weitere Verbreitung, so etwa auf Websites wie IGN Entertainment, Gameswelt, 4Players oder GameSpot. Mit GIGA sowie Game One gab es einen vollständigen Fernsehsender sowie Sendungen um diese spezialisierte Thematik im deutschsprachigen Raum, wobei nachfolgende Formate wie Game Two mehr für Videoportalen wie YouTube produziert werden. Auch steigt die Zahl der Hobby-Journalisten, Blogger/Vlogger und Tester durch das Internet.

New Games JournalismBearbeiten

Am 23. März 2004 veröffentlichte der britische Spielejournalist Kieron Gillen nach einer Kneipendiskussion mit Freunden über die Spieleberichterstattung ein Manifest mit dem Titel The New Games Journalism. Darin machte sich Gillen für einen Wandel in der Spieleberichterstattung stark, weg von der langezeit gültigen, objektiven Programmanalyse, hin zu einer subjektiveren, mit Anekdoten und kulturellen Referenzen aufbereiteten Beschreibung der eigenen Spielerfahrungen, ähnlich einem Reisebericht. Auf diese Weise solle verstärkt der Spieler in den Fokus der Berichterstattung rücken, nicht die Software.[2] Im Kern stellt Gillons Forderung eine Übertragung des Modells des New Journalism von Tom Wolfe auf den Computerspieljournalismus dar.[3]

Gillens Ansatz stieß nicht überall auf Zustimmung und wurde kritisch diskutiert,[4][5] fand jedoch auch Fürsprecher und gilt als einflussreich, da sich die Spielerberichterstattung bei der Beurteilung von Spielen zum Beispiel zunehmend mit der Anpassung des Spielverlaufs an die eigene Spielweise auseinandersetzen muss, was die bisherigen Berichterstattungsformen vor neue Herausforderung stellte.[6] Am 26. März 2014 fand in London anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Gillens Manifest eine Diskussionsrunde der Bedeutung und Wirkung des New Games Journalism statt, an der auch Gillen selbst teilnahm.[7]

GamerGate-DebatteBearbeiten

Dem Computerspiele-Journalismus und der Computerspiele-Entwicklung wurde im August 2014 vermehrt vorgeworfen Sexismus, Progressivismus und andere politische unkorrekte Themen zu unterstützen. Unter dem Hashtag #GamerGate wurde sich darüber in den sozialen Medien wie Reddit, 4chan und Twitter beschwert. Des Weiteren wird mehr Transparenz zwischen Journalismus und Industrie gefordert. Kritik gab es vor allem von Seiten des Feminismus. Ebenfalls gab es Kritik an der Darstellung von Frauen und Minderheiten in Computerspielen.[8] Einige Publisher reagierten darauf und leiteten entsprechende Aktionen ein. Viele Spiele, Entwickler und Journalisten setzten sich aber auch gegen die Kampagne ein, da sie sie für übertriebene Social Justice Warrior-Argumente oder gar Verschwörungstheorien halten.[9][10]

Ursache für GamerGate war eine Belästigungskampagne im August 2014 gegen mehrere Frauen in der Videospielbranche, insbesondere die Spieleentwickler Zoë Quinn und Brianna Wu sowie die feministische Medienkritikerin Anita Sarkeesian. Nachdem Eron Gjoni, Quinns ehemaliger Freund, einen abfälligen Blogbeitrag über sie geschrieben hatte, beschuldigten Nutzer sozialer Medien unter dem #gamergate-Hashtag Quinn fälschlicherweise einer unethischen Beziehung mit dem Journalisten Nathan Grayson. Zu den Belästigungskampagnen gegen Quinn und andere gehörten Doxing, Vergewaltigungsdrohungen und Morddrohungen. Diese Affäre ging viral und führte zu der GamerGate-Debatte.[11][12]

Relevante ZeitschriftenBearbeiten

Aktive Zeitschriften Eingestellte oder in andere integrierte Zeitschriften

Multiplattform

Konsolenspiele

PC-Spiele

Fremdsprachige Computerspiele-Zeitschriften

Themenbezogene Magazine und Fachzeitschriften

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Robert Glashüttner: Computerspiele-Journalismus. In: Stephan Günzel (Hrsg.): DIGAREC series. Band 2. Universitätsverlag Potsdam, 2009, ISBN 978-3-86956-004-5, S. 128–146 (Online (PDF; 256 kB), abgerufen 22. Juli 2012).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. meedia.de: Eine Branche kapituliert: Fast alle Games-Magazine steigen nach den Auflagen-Verlusten aus der IVW aus, abgerufen am 10. Februar 2017
  2. Kieron Gillen: The New Games Journalism (Memento des Originals vom 7. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gillen.cream.org
  3. L. B. Jeffries: The New Games Journalism. In: Popmatters. 17. Juni 2009. Abgerufen am 5. Januar 2015.
  4. When NGJ Went Wrong: Experiential Games Journalism
  5. The Escapist: Kieron Gillen Post Manifesto
  6. Columbia Journalism Review: A new course in video games journalism
  7. Keith Stuart: Event: Kieron Gillen and the new games journalism. The Guardian.
  8. Janay Rice, Anita Sarkeesian, and ‘Jackie’: Three women who made us get mad in 2014. 31. Dezember 2014, abgerufen am 31. Juli 2019 (englisch).
  9. "It’s more common to see a blue hedgehog than a person of color as a protagonist": Inside the whitewashed world of video games. 23. Dezember 2014, abgerufen am 31. Juli 2019 (englisch).
  10. GamerGate-Aktivisten drehen durch, Entwickler unterstützen Feministinnen. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  11. Michael Salter: Crime, Justice and Social Media. Taylor & Francis, 2016, ISBN 978-1-317-41906-8 (google.com [abgerufen am 31. Juli 2019]).
  12. Morten Freidel: „Gamergate“: Wenn Kritik kommt, hört das Spiel auf. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 31. Juli 2019]).