Päpstliches Institut Santa Maria dell’Anima

Für das Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima, oder heute, das Päpstliche Institut Santa Maria dell' Anima kurz Anima genannt, in Rom waren besonders seit dem 19. und 20. Jahrhundert unterschiedliche Bezeichnungen im Umlauf, was selbst in wissenschaftlichen Publikationen oft zu einigen Verwechslungen und Verwirrungen beitrug, darunter österreichische National-Institut/Kirche, oder Deutsche National-Stiftung/Priesterkolleg. Die Anima wird häufig fälschlicherweise mit zwei ähnlichen in Rom ansässigen Institutionen verwechselt, dem Pontificio Collegio Teutonico di Santa Maria in Campo Santo / Campo Santo Teutonico und Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum de Urbe

Organisation (aktuell)Bearbeiten

Das Päpstliche Institut Santa Maria dell’Anima nimmt mehrere Aufgabenbereiche wahr: die Pfarr- und Pilgerseelsorge und die Führung des Priesterkollegs.

Im Kolleg werden Priester aus jenen Diözesen, die 1806 Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren, aufgenommen, wenn sie in Rom studieren.

Die Anima ist auch Sitz der deutschsprachigen katholischen “Pfarrgemeinde” von Rom und ist Teil der fremdsprachigen Gemeinden in der Diözese Rom. Die Kirche Santa Maria dell’Anima "steht allen Gläubigen offen, ob sie mit der deutschsprachigen Gemeinde den Gottesdienst mitfeiern möchten oder ob sie einen Ort suchen, an dem sie mit ihrer Gruppe und dem sie begleitenden Priester Gottesdienst feiern können".[1]

Das heutige Institut versteht sich als europäische Institution geprägt durch Vielfalt. Rektor Franz Xaver Brandmayr äußerte sich dazu auf einer internationalen Tagung im Jänner 2020: "Dass im Kolleg elf verschiedene „Nationen“ unter einem Dach leben würden und sich die Anima daher nur als übernational begreifen könne. Er erzählte die Anekdote, dass er Lieder mitsingen könne, ohne den Text zu verstehen, da es der gemeinsame Raum und die Spiritualität wären, die die Bewohner/innen einen und prägen ."[2]

Neben der Kirche, dem Gemeindezentrum, und dem Kolleg beherbergt die Anima ein Archiv zur Geschichte der Institution seit dem 14. Jahrhundert. Die Leitung dieser Historischen Sammlung hat seit 2019 die österreichische Historikerin Dr. Tamara Scheer inne.

Geschichte der Institution/StiftungBearbeiten

In der Bulle des Papstes Bonifatius IX. Quanto frequentius vom 9. November 1399 werden Johann Peters von Dordrecht und seine Frau Katharina als Gründer eines Hospizes für arme Leute der deutschen Nation genannt. Der päpstliche Skriptor und Abbreviator Dietrich von Nieheim († 22. März 1418) vermehrte das Vermögen durch Schenkungen, gründete eine Bruderschaft zu Ehren Mariens und erreichte, dass die Stiftung am 20. Juni 1406 unter den Schutz des Heiligen Stuhls gestellt wurde.

Das zum Hospiz gehörende Oratorium wurde 1431 bis 1433 durch Spenden zu einer gotischen Kirche erweitert und 1499 bis 1542 durch einen Neubau ersetzt. Die Kirche trägt den Namen Santa Maria dell’Anima.

PriesterkollegBearbeiten

Durch ein päpstliches Breve vom 15. März 1859 wurde die Stiftung neu organisiert. Der Rektor wird vom Papst ernannt, bis 1915 wurde er vom österreichisch-ungarischen Monarchen Franz Joseph I. bestätigt. Das Priesterkolleg besteht aus Geistlichen, die sich zum Studium in Rom aufhalten. Zwischen 1859 und 1915 waren auch viele Priester am Kolleg und dienten als Kapläne, die nicht deutscher Nationalität waren. Den Großteil entsandten die Kölner Bischöfe (insgesamt 35). Aus Brixen kamen 22 Priester, die von der Nationalität her Deutsche, Italiener und Ladiner waren, gefolgt von Luxemburg (17).[3]

Für den Bestand von Gemeinde und Kolleg der „Anima“ sind die Deutsche und die Österreichische Bischofskonferenz gemeinsam verantwortlich. Das Kolleg gilt als „Kaderschmiede“ für Karrieren in der römisch-katholischen Kirche.

Die Priester des Kollegs sind für die Seelsorge der deutschsprechenden katholischen Gemeinde in Rom zuständig.

RektorenBearbeiten

Der Rektor der Anima wird von der Österreichischen Bischofskonferenz ausgewählt und von der Deutschen Bischofskonferenz bestätigt.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Willkommen | Päpstliches Institut S. Maria dell'Anima. Abgerufen am 5. Mai 2020.
  2. Zwischen Kronen und Nationen. Die zentraleuropäischen Priesterkollegien in Rom vom Risorgimento bis zum Zweiten Weltkrieg. 5. Mai 2020, abgerufen am 5. Mai 2020.
  3. Josef Lenzenweger: Sancta Maria de Anima. Erste und zweite Gründung,. Herder, Wien/Rom, S. 140–172.
  4. Michael Max wird neuer Rektor der Anima in Rom, abgerufen am 10. Dezember 2019.

Koordinaten: 41° 53′ 58,4″ N, 12° 28′ 18,7″ O