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Chromferid ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Elemente mit der chemischen Zusammensetzung Fe3Cr1−x (x=0,6) und damit chemisch gesehen eine natürliche Legierung aus Eisen und Chrom mit leichter Untersättigung an Chrom. Die Untersättigung kann mithilfe der kristallchemischen Strukturformel auch durch eine Leerstelle () in der Formel Fe(Fe0,5Cr0,20,3)[2] ausgedrückt werden. In der Metallurgie ist Chromferid auch als Vorlegierung Ferrochrom bekannt.

Chromferid
Chromferide.jpg
REM-Aufnahme eines Chromferid-Einkristalls
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

IMA 1984-021

Chemische Formel
  • Fe1,5Cr0,2[1]
  • Fe(Fe0,5Cr0,20,3)[2]
  • Fe3Cr1−x (x=0,6)[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Elemente – Metalle und intermetallische Legierungen
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
1.AE.15
01.01.12.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol 4/m32/mVorlage:Kristallklasse/Unbekannte Kristallklasse
Raumgruppe Pm3m (Nr. 221)Vorlage:Raumgruppe/221
Gitterparameter a = 2,86 Å[2]
Formeleinheiten Z = 1[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5[4] (VHN100 = 260[5])
Dichte (g/cm3) berechnet: 6,69[3]
Spaltbarkeit fehlt
Farbe hellgrau, grauweiß[4]
Strichfarbe nicht definiert
Transparenz opak
Glanz Metallglanz[3]
Magnetismus ferromagnetisch[3]

Chromferid kristallisiert im kubischen Kristallsystem und bildet kleine Körner, die sich zu Aggregaten von einigen hundert Mikrometer Größe zusammenlagern. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der hellgrauen bis grauweißen Kornaggregate einen matallischen Glanz.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und GeschichteBearbeiten

Erstmals entdeckt wurde Chromferid in der Gold-Lagerstätte Efim am Kumak nahe Orsk in der Oblast Orenburg im russischen Föderationskreis Wolga. Die Erstbeschreibung des Minerals erfolgte 1986 durch M. I. Nowgorodowa, A. I. Gorschkow, N. V. Trubkin, A. I. Tsepin, M. T. Dmitriewa, die es nach den an der chemischen Verbindung beteiligten Elementen Chrom und Eisen, genauer dessen lateinischer Form ferrum benannten.[3]

Das Typmaterial des Minerals wird im Fersman-Museum in Moskau aufbewahrt.[6]

KlassifikationBearbeiten

Da der Chromferid erst 1986 entdeckt und als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der zuletzt 1982 aktualisierten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz nicht verzeichnet. Einzig im zuletzt 2018 aktualisierten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach der klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System-Nr. I/A.06-30.[4]

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chromferid in die Klasse der „Elemente“ und dort in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Chromferid ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Eisen-Chrom-Familie“ zu finden, wo er zusammen mit Ferchromid und Wairauit die „Wairauitgruppe“ mit der System-Nr. 1.AE.15 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Chromferid in die Klasse und gleichnamige Abteilung der „Elemente“ ein. Hier ist er zusammen mit Chrom und Ferchromid in der unbenannten Gruppe 01.01.12 innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Metallische Elemente außer der Platingruppe“ zu finden.

KristallstrukturBearbeiten

Chromferid kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pm3m (Raumgruppen-Nr. 221)Vorlage:Raumgruppe/221 mit dem Gitterparameter a = 2,86 Å und einer Formeleinheit pro Elementarzelle.[2]

EigenschaftenBearbeiten

Aufgrund des enthaltenen Eisens ist das Mineral ferromagnetisch.

Bildung und FundorteBearbeiten

Die Typlokalität ist Kumak 110 Kilometer östlich von Orsk im südlichen Ural. Chromferid findet sich hier in Quarzadern in Brekzien aus Amphibolen oder Schiefern. Es ist mit Eisen, Kupfer, Bismut, Gold, Ferchromid, Graphit, Cohenit, Halit, Sylvin, Marialith und Quarz vergesellschaftet.[3]

Aus verschiedenen Chromititen in Ophiolithkomplexen des Urals sind weitere Vorkommen belegt. Im Bazhenovskii Ophiolith tritt Chromferid zusammen mit Mariinskit, Fluorapatit und Eskolait in Form submikroskopischer Einschlüsse auf,[7] im Ray-Iz Ophiolith mit Rutil, Diamant und Qusongit[8] und in den Chromititen des Ophioliths des Kempirsai Massifs (Kazakhstan) als Einschluss in Chromit.[9]

Ein weiteres Milieu, in dem Chromferid gefunden wurde, sind Eisenmeteorite. Im Omolon Pallasit wurde Chromferid als Einschluss in reinem Eisen gefunden.[10]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • M. I. Novgorodova, A. I. Gorshkov, N. V. Trubkin, A. I. Tsepin, M. T. Dmitrieva: New natural intermetallic compounds of iron and chromium – Chromferide and ferchromid. In: Zapiski Vserossiyskogo Mineralogicheskogo Obshchestva. Band 115, 1986, S. 355–360 (russisch, mit Kurzbeschreibung in englisch).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Chromferide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IMA/CNMNC List of Mineral Names; November 2018 (PDF, 1,7 MB)
  2. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 41.
  3. a b c d e f Frank C. Hawthorne, Ernst A. J. Burke, T. Scott Ercit, Edward S. Grew, Joel D. Grice, John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts, David A. Vanko: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 73, 1988, S. 190 (minsocam.org [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 3. Dezember 2018]).
  4. a b c Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  5. Chromferide. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 63 kB; abgerufen am 3. Dezember 2018]).
  6. Catalogue of Type Mineral Specimens of the Commission on Museums (IMA) – Chromferide (PDF 127 kB; S. 17)
  7. Yu. V. Erokhin, V. V. Khiller, K. K. Zoloev, M. P. Popov, V. V. Grigor’ev: Mariinskite from the Bazhenovskii Ophiolite Complex: The Second Finds in the World. In: Doklady Earth Sciences. Band 455, Nr. 2, 2014, S. 408–410, doi:10.1134/S1028334X14040035 (researchgate.net [PDF; 791 kB; abgerufen am 3. Dezember 2018]).
  8. Jingsui Yang, Fancong Meng, Xiangzhen Xu, Paul T. Robinson, Yildirim Dilek, Alexander B. Makeyev, Richard Wirth, Michael Wiedenbeck, John Cliff: Diamonds, native elements and metal alloys from chromitites of the Ray-Iz ophiolite of the Polar Urals. In: Gondwana Research. Band 27, Nr. 2, 2015, S. 459–485, doi:10.1016/j.gr.2014.07.004.
  9. Frank Melcher, Walter Grum, Grigore Simon, Tatiana V. Thalhammer, Eugen F. Stumpfl: Petrogenesis of the Ophiolitic Giant Chromite Deposits of Kempirsai, Kazakhstan: a Study of Solid and Fluid Inclusions in Chromite. In: Journal of Petrology. Band 38, Nr. 10, 1997, S. 1419–1458, doi:10.1093/petroj/38.10.1419 (oup.com [abgerufen am 3. Dezember 2018]).
  10. D. M. Pechersky, G. P. Markov, V. A. Tsel’movich: Pure Iron and Other Magnetic Minerals in Meteorites. In: Solar System Research. Band 49, Nr. 1, 2015, S. 61–71, doi:10.1134/S0038094614060070 (researchgate.net [PDF; 3,1 MB; abgerufen am 3. Dezember 2018]).