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Orgel in St. Bavo, Haarlem

Christian Müller (* 4. Februar 1690 in Sankt Andreasberg; † 1763 in Amsterdam) war deutsch-niederländischer Orgelbauer. Er gilt für das 18. Jahrhundert als führender Orgelbauer in Holland. Internationale Bekanntheit erlangte seine große Orgel in der St.-Bavo-Kirche (Haarlem).

Inhaltsverzeichnis

Leben und WerkBearbeiten

Nachweislich im Jahr 1718 arbeitete Müller beim Amsterdamer Orgelbauer Cornelis Hoornbeeck. Ein Jahr später scheint er sich selbstständig gemacht zu haben und wurde Mitglied der Lutherischen Kirche in Amsterdam.[1] Am 20. Juli 1720 heiratete er Elisabeth van der Berg, die bereits ein Jahr später starb. Catherina Beverwijk wurde am 2. Oktober 1721 seine zweite Frau, die ihm elf Kinder schenkte. In ’s-Hertogenbosch arbeitete er zunächst mit Rudolf Garrels an der St.-Johannes-Kathedrale zusammen und erhielt im Folgenden Aufträge für Arbeiten an drei Amsterdamern Orgeln, die alle nicht mehr erhalten sind. Seine Arbeitsfeld konzentrierte sich auf Holland, den Westen des Landes. Weltberühmt wurde die monumentale Orgel in Haarlem, St. Bavo, die zu ihrer Zeit zu den größten Orgeln der Welt gehörte. Neben Kirchenorgeln schuf Müller auch Kabinettorgeln. Müllers Orgeln gehen in architektonischer und klanglicher Hinsicht eine Synthese zwischen dem altniederländischen Orgelbau des 17. Jahrhunderts und dem neueren Hamburger-Groninger Konzept von Arp Schnitger und Albertus Antonius Hinsz ein.[2]

Ein Verwandter namens Johannes Caspar (23. Juli 1693; † 1746) aus St. Andreasberg trat während des Leeuwarder Orgelbaus und bis 1729 neben Christian auf, machte sich danach aber in Den Haag selbstständig. Der Sohn Pieter Müller (* 1738) setzte die Tradition seines Vaters fort und schuf Orgeln in Haarlem (Coen Cuserhuis, 1760, I/7), Wissenkerke (Prot. Kerk, 1767, I/7) und Hoorn (Luth. Kerk, 1772, II/p/17), die denen des Vaters stark ähneln.[3] Bedeutendster Schüler war Johann Bätz, der eine Orgelbauerfamilie begründete und das Werk Müllers fortführte. Weitere Schüler waren Christian Ludwig König und sein Bruder Kaspar Joseph König, Johann Nikolaus Ritter sowie John Snetzler (1710–1785?), der in England wirkte. Müller wurde am 8. März 1763 in der Oude Lutherse Kerk am Spui begraben.

In den Jahren 1740 und 1750 spielte Georg Friedrich Händel in Haarlem auf der Müller-Orgel und im Jahr 1766 der zehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart.[4] Während der Organistentätigkeit von Klaas Bolt in Haarlem wurde das Instrument weitgehend auf den ursprünglichen Zustand hin restauriert. Seit 1951 finden dort Improvisationwettbewerbe und ein internationales Orgelfestival statt.[5]

Werkliste (Auswahl)Bearbeiten

Folgende Arbeiten Müllers sind noch weitgehend erhalten (5. Spalte: großes „P“ = selbstständiges Pedal, kleines „p“ = angehängtes Pedal):

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Anmerkungen
1724–1727 Leeuwarden Grote of Jacobijnenkerk III/P 38 Mit Rückpositiv und Echowerk; weitgehend erhalten
1726 Westerbork Hervormde Kerk I/p 8 Umbau eines älteren Instruments, das ursprünglich für Beetgum (Friesland) gebaut und 1862 überführt wurde
1734 Amsterdam Oude Waalse Kerk II/P 26 Weitgehend erhalten; Gehäuse von 1680 von Nicolaas Langlez
1735–1738 Haarlem St.-Bavo-Kirche III/P 60 Weitgehend erhalten; heute III/P/62
1737 Zaandam Lutherse Kerk II/p 13 Prospekt und etwas Pfeifenwerk erhalten
1742 Bennebroek Hervormde Kerk II/p Neubau hinter Prospekt von Gysbert Bongaert (1686); Innenwerk 1925 ersetzt
1744 Oosterwijtwerd Hervormde Kerk I 8 Kabinettorgel; ursprünglicher Standort unbekannt
um 1745 Den Haag Grote of St.-Jacobskerk/Van Assendelftkapel I 8 Kabinettorgel; ursprünglicher Standort unbekannt
1747 Privatbesitz I 7 Kabinettorgel
1756 Beverwijk Grote Kerk II/P 22 Weitgehend erhalten
1762 Alkmaar Kapelkerk II/p 18 1882 Änderungen durch L. Ypma

LiteraturBearbeiten

  • Orgelkommission Beverwijk (Hrsg.): Jubileumboekje Müller-orgel 1756–2006. Grote Kerk Beverwijk. Selbstverlag, 2006 (online (PDF-Datei; 2,8 MB)).
  • Klaas Bolt: De historie en samenstelling van het Haarlemse Müller-orgel. Arti*Novo Publishers, Amsterdam 1985.
  • Douglas E. Bush, Richard Kassel (Hrsg.): The Organ. An Encyclopedia. Routledge, New York, London 2006, ISBN 0-415-94174-1, S. 360–361.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jubileumboekje Müller-orgel. 2006, S. 7.
  2. Jubileumboekje Müller-orgel. 2006, S. 12.
  3. Bolt: De historie. 1985, S. 32 f.
  4. Orgel in Haarlem, abgerufen am 4. April 2018.
  5. Orgelfestival Haarlem, abgerufen am 4. April 2018.