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Capecitabin (Handelsname Xeloda®, Hersteller: Roche) ist ein zytostatisch wirkender Arzneistoff. Capecitabin ist eine Vorstufe (Prodrug) von 5-Fluoruracil und wird im Tumor in die aktive Substanz umgewandelt. Die Substanz ist oral wirksam und wird zur Therapie von metastasiertem Dickdarmkrebs, metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom und zur palliativen Therapie des Magenkarzinoms eingesetzt.

Strukturformel
Strukturformel von Capecitabin
Allgemeines
Freiname Capecitabin
Andere Namen

N4-Pentyloxycarbonyl-5′-desoxy-5-fluorcytidin

Summenformel C15H22FN3O6
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 154361-50-9
EG-Nummer 604-948-1
ECHA-InfoCard 100.112.980
PubChem 60953
DrugBank DB01101
Wikidata Q420207
Arzneistoffangaben
ATC-Code

L01BC06

Wirkstoffklasse

Zytostatikum

Eigenschaften
Molare Masse 359,35 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

110–121 °C[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

PharmakokinetikBearbeiten

Capecitabin ist ein Prodrug, das rasch vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, mit einer maximalen Plasmakonzentration nach 90 Minuten. Die Plasmaproteinbindung beträgt weniger als 60 %. Capecitabin wird in der Leber hydrolysiert zu 5'-Desoxy-5-fluorcytidin, das in Zellen zu 5'-Desoxy-5-fluoruridin (Doxifluridin) und weiter zum Wirkstoff 5-Fluoruracil (5-FU) konvertiert wird.

Die Wirksamkeit von Capecitabin ist deshalb mit 5-FU vergleichbar. Die Umwandlung zu 5-FU erfolgt durch das Enzym Thymidinphosphorylase, das in besonders hoher Konzentration im Tumorgewebe auftritt. Durch die gezielte Ausrichtung des Wirkmechanismus auf die Tumorzellen vertragen die Patienten Capecitabin eher besser und müssen deutlich seltener wegen schwerer Nebenwirkungen behandelt werden.

Der Abbau von Capecitabin und 5-FU geschieht über das Enzym Dihydropyrimidindehydrogenase.[3]

NebenwirkungenBearbeiten

Wie die meisten Zytostatika kann auch Capecitabin eine Vielzahl von leichten, schweren, und selbst tödlichen Nebenwirkungen haben. Besonders häufig sind Muskel- oder Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Blutbildveränderungen, Infektionen, Störungen des Nervensystems, Halsschmerzen, Symptome des Magen-/Darmtrakts, Leber- und Nierenschäden, und Durchblutungsstörungen am Herz bis hin zum Herzinfarkt.[4] Seltener als bei 5-FU sind insbesondere Übelkeit, Erbrechen und vor allem Stomatitis. Auch Haarausfall wird deutlich seltener beobachtet. Dennoch kann es auch unter Capecitabin zu schwerem Durchfall kommen. Deutlich häufiger kommt es bei der peroralen Medikation zum Hand-Fuß-Syndrom. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühl, Kribbeln und Missempfindungen bis zu starken Schmerzen in Handflächen und Fußsohlen. Es kann auch zu Geschwür- und Blasenbildung an Händen oder Füßen kommen. Betroffenen helfen regelmäßige kalte Wasserbäder für Hände und Füße oder 10%ige uridinhaltige Cremes.[5] Auch der Verlust der Fingerabdrücke ist nicht auszuschließen.[6][7]

Unter der Therapie mit Capecitabin kann es sehr selten zu schweren Hautreaktionen wie dem Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und der toxischen epidermalen Nekrolyse (TEN) kommen. Bei Anzeichen muss die Behandlung sofort und dauerhaft abgebrochen werden. Der Hersteller informierte über dieses Risiko am 17. Dezember 2013 in einem Rote-Hand-Brief.[8]

AnwendungBearbeiten

Capecitabin wird zweimal täglich, morgens und abends, innerhalb von 30 Minuten nach einer Mahlzeit eingenommen. Je nach Dosierung muss der Patient jeweils drei bis neun Tabletten schlucken. Bei schweren Nebenwirkungen muss die Therapie unterbrochen oder die Dosis reduziert werden.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Capecitabin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eintrag zu Capecitabin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 1. Oktober 2014.
  2. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. S. Maurer, J. Thödtmann: Das Mammakarzinom: Diagnostik und Therapie. Govi-Verlag, Eschborn, 2003, ISBN 978-3-7741-0996-4.
  4. Roche AG: Fachinformation Xeloda, Stand 14. September 2016
  5. Hendrik-Tobias Arkenau: Therapiemanagement: Capecitabin und das Hand-Fuß-Syndrom. 2006. Abgerufen am 13. April 2009.
  6. Unerwartete Nebenwirkung: Einreiseverbot. Abgerufen am 8. September 2019.
  7. Wong M, Choo SP, Tan EH: Travel warning with capecitabine. In: Ann. Oncol.. 20, Nr. 7, Juli 2009, S. 1281. doi:10.1093/annonc/mdp278. PMID 19470576.
  8. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Drug Safety Mail 2013-68 – Rote-Hand-Brief zu Xeloda® (Capecitabin): Risiko für schwere Hautreaktionen. 17. Dezember 2013.
  Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!