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Burgplatz (Essen)

Platz in Essen, Deutschland

Der Burgplatz ist ein zentraler Platz im Essener Stadtkern. Hier liegt die Keimzelle der Stadt Essen, weshalb er als archäologisch wertvoll gilt und als Bodendenkmal eingetragen ist.

Burgplatz
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Platz in Essen
Burgplatz
Panorama des nördlichen Burgplatzes,
v. l.: Kirche St. Joann Baptist, Essener Dom, Bischofshaus
Basisdaten
Ort Essen
Ortsteil Stadtkern
Neugestaltet mehrfach, zuletzt 1982/1983 und 2009
Einmündende Straßen Kettwiger Straße, Ilse-Menz-Weg, Bernestraße,
Bauwerke Kirche St. Joann Baptist, Essener Dom, Bischofshaus, Burggymnasium, Volkshochschule, Lichtburg, Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Baedekerhaus
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr

GeschichteBearbeiten

FrühgeschichteBearbeiten

Auf dem Gebiet des heutigen Burgplatzes, einst auch als Die Immunität bezeichnet, befand sich im Frühmittelalter eine umwehrte Hofanlage, von der im 9. Jahrhundert die Gründung des Stiftes Essen durch den sächsischen Adeligen Altfrid († 874) und späteren Bischof von Hildesheim (851–874) ausging. Sie ist bis heute nicht nachgewiesen. Die Hofanlage trug den Namen As[t]nidhi, von dem sich der spätere Name von Stift und Stadt Essen ableitet.

Der Essener Wissenschaftler Ernst Kahrs (1876–1948), von 1910 bis 1948 Direktor des Ruhrlandmuseums, grub in den 1920er und noch einmal in den 1940er Jahren unter anderem am baulich oft veränderten Burgplatz. 1928 legte er umfangreiche Mauerreste frei, darunter eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende gemörtelte Bruchsteinmauer mit angrenzendem Spitzgraben und Palisade, die sich im Süden in westliche Richtung fortsetzt. Diese Anlagen gehören trotz fehlender Datierungen in die Zeit deutlich vor der Errichtung der Essener Stadtmauer 1244. Sie bildeten vermutlich eine Umwehrung des Stiftsbezirks, von der sich die Bezeichnung als Burg ableitet.

Vor Ende des Zweiten Weltkrieges grub Kahrs erneut am Burgplatz. 1943 entdeckte er dabei zwei Meter dicke Mauerreste eines abgebrannten aber vermutlich repräsentativen Bauwerks auf einer 18 mal 21 Meter großen Fläche vor dem Burggymnasium. Kahrs vermutete zunächst jedoch, dass er die Reste des im Jahre 946 abgebrannten Hofes des Stiftsgründers Altfrid gefunden hätte. Schriftliche Quellen belegen, dass in diesem Jahr erste Stiftsgebäude niedergebrannt waren. Die mächtigen Fundamente der Ausgrabung weisen jedoch auf etwas Größeres hin. Nach der heutigen Interpretation handelte es sich um einen Steinturm, der möglicherweise nach dem Jahr 1000 errichtet wurde, möglicherweise auch nicht fertiggestellt wurde und der Stadtarchäologie Rätsel aufgibt.[1]

Im Mittelalter wurde auf dem Areal des Burgplatzes ein zum Essener Münster gehöriger Friedhof eingerichtet. Belegt ist dazu, dass hier von 1522 bis 1817 eine Beinhauskapelle existierte. Auch Stadtbürger wurden hier beigesetzt, denn die Begräbnisrechte blieben bei der Münsterkirche. Die Protestanten erhielten 1620 einen separaten Friedhof an der I. Weberstraße im Nordwesten der Stadt. Bis 1845 war der Burgplatz mit dem Friedhof fast ausgefüllt.[2]

19. bis 20. JahrhundertBearbeiten

Ab 1830 verlegte man den bereits 1827 aufgelassenen Friedhof auf den Friedhof am Kettwiger Tor, der südlich vor dem Tor der Essener Stadtmauer angelegt war. Dieser neue, heute nicht mehr existierende Friedhof befand sich aus heutiger Sicht südlich angrenzend an den Hauptbahnhof. Aus der nun freigewordenen Fläche am Burgplatz entstand 1834 eine Grünanlage mit Bäumen, die man den Hofgarten nannte. Das stellte die erste geordnete Gestaltung des Platzes als solchen dar.

Die etwa 1738 bis 1742 erbaute Jesuitenresidenz auf der Südseite des Burgplatzes (heute Standort der Volkshochschule) galt im 18. Jahrhundert als einer der prachtvollsten Bauten der Stadt. Sie erhielt die Funktion eines Schulgebäudes, in das am 1. Mai 1824 zwei 1819 vereinigte konfessionelle Gelehrtenschulen einzogen.[3] In den Jahren 1880 bis 1882 erhielt diese Schule einen Erweiterungsbau und wurde zum Königlichen Gymnasium. Seit dem Ersten Weltkrieg nannte es sich Gymnasium am Burgplatz und heute Burggymnasium.

 
Einweihung des Kaiser-Wilhelm I.-Denkmals in der Mitte des Burgplatzes; im Hintergrund links die ehemalige Jesuitenresidenz, rechts die damalige Hauptpost

Westlich der einstigen Jesuitenresidenz stand ein ehemaliges Stiftsgebäude im Stil des Klassizismus, das an die Burgstraße, heute Kettwiger Straße, anschloss und auch die Namen Der Rittberger Hof und Das Löwenhaus trug. In den Jahren 1821 bis 1862 befand sich darin das Königliche Bergamt, wobei sein Leiter, der Oberbergrat Heintzmann, im ersten Obergeschoss wohnte.[4] Danach zogen die Hauptpost Essen und das Telegraphenamt hier ein. 1903 bezog die Post den Neubau an der Märkischen Straße am Hauptbahnhof, heute Hachestraße. Nach Umbau 1904 siedelte sich das Städtische Museum in der ersten Etage des ehemaligen Postgebäudes am Burgplatz an, bis das Haus dem Neubau des 1928 eröffneten Kinos Lichtburg an dieser Stelle weichen musste.[5]

Dort, wo sich das heutige Bischofshaus befindet, wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts das erste Gerichtshaus von Essen errichtet. Das breite Gebäude mit zwei Etagen beherbergte vom Beginn bis 1802 das Essener Landgericht, dann bis 1812 das Stadtgericht, das Landgericht Essen und das Landgericht Steele-Rellinghausen, und zuletzt bis 1815 das Friedensgericht und ein Gefängnis.

Die Residenz der Fürstäbtissin, das sogenannte Abteigebäude am Ostchor der Münsterkirche, diente ab 1815 dem Land- und Stadtgericht als Gerichtsgebäude und wurde 1883 wegen Baufälligkeit abgerissen.[6] Das ursprüngliche Gebäude war im Jahre 1265 abgebrannt und war unter der Äbtissin Beatrix von Holte neu errichtet worden. Der große Saal in der Abtei entstand später unter Äbtissin Elisabeth von Beeck († 1445). Das Abteigebäude hatte seit dem 14. Jahrhundert nicht mehr als Residenz gedient, sondern war zu Repräsentationszwecken und Festlichkeiten, wie für Karl IV. im Jahre 1377, genutzt worden. 1787 war das Gebäude unbewohnbar, bevor es 1815 als Gerichtshaus eine neue Funktion erhielt.[7]

Mit der Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am 23. Oktober 1898[8] erhielt der Burgplatz ein neues Gesicht. Das bronzene Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. stammt vom Bildhauer Hermann Volz und wurde mittig des Platzes auf einem großen Sockel mit umgebender Terrasse platziert.

Im Ersten Weltkrieg, im Herbst 1914, wurden der Bevölkerung auf dem Burgplatz sogenannte Beutekanonen präsentiert. Dabei marschierten die zu Anfang des Krieges noch euphorischen Truppen vorbei an zujubelnden Bürgern über die westlich angrenzende Burgstraße.

Um 1924 wurde im Zuge einer umfassenden Umgestaltung der Innenstadt in einem ersten Architektur-Wettbewerb ein städtebauliches Konzept gesucht, um den Burgplatz großstädtisch umzugestalten. So wurde das bisher abschüssige Gelände des Platzes begradigt und mit einer breiten Treppe an die Kettwiger Straße (damals Burgstraße) angebunden. Das Kaiserdenkmal setzte man 1928 um. Es bekam seinen heutigen Standort an der südwestlichen Ecke des Platzes, nahe der Lichtburg, die hier seit 1928 den Platz begrenzt. Danach wurde der Burgplatz in den 1930er Jahren unter anderem jährlich für den Weihnachtsmarkt genutzt.

 
Teil des Burgplatzes nach Umgestaltung von 1982, im Hintergrund die Lichtburg

1933, zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus, wurde der Burgplatz in Adolf-Hitler-Platz und die Burgstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt, um, wie in vielen Städten, die symbolische Form der Machtergreifung voranzutreiben. Nun wurde der Platz, der seit Mitte des 18. Jahrhunderts schon immer auch als Versammlungsort diente, für Kundgebungen der Nationalsozialisten genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auf dem Burgplatz, der nun seinen alten Namen zurückbekam, Großveranstaltungen der demokratischen Parteien.

Im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg erhielt der Burgplatz nach schweren Kriegsschäden eine in Teilen neue Randbebauung. Das 1943 durch einen Luftangriff völlig zerstörte Burggymnasium erhielt in den Jahren 1952 bis 1956 den heutigen Neubau, entworfen vom Architekten Horst Loy. Der Architekt Emil Jung ließ in den Jahren 1955/1956 direkt gegenüber, an der nördlichen Seite des Burgplatzes, an der Stelle des ehemaligen und nun zerstörten Gerichtsgebäudes, ein Pfarrhaus errichten. Zur Gründung des Bistums Essen wurde in den Jahren 1955 bis 1956 das neue Gebäude als Bischofshaus durch den Architekten Emil Jung errichtet.[9]

In den Jahren 1982/1983 wurde der Burgplatz nach preisgekröntem Entwurf der Landschaftsarchitektin Helga Rose-Herzmann mit großen runden Beeten begrünt, neu gegliedert und gepflastert. Bis dahin nutzte man den Burgplatz noch meist als Parkplatz.

Heutiger CharakterBearbeiten

 
Südlicher Burgplatz heute,
v. l.: Burggymnasium, Volkshochschule und Teil der Lichtburg

2004 war die Sanierung der südöstlich angrenzenden Lichtburg beendet. Östlich daran angesetzt wurde der verglaste Bau des Architekten Hartmut Miksch für die Volkshochschule Essen. Sie zog von einem PCB-belasteten Gebäude aus dem Jahr 1975 von der Hollestraße an den Burgplatz. Der am 16. September 2004 eröffnete Neubau steht auf Teilen der ehemaligen Jesuitenresidenz.

2009 baute man den Burgplatz mit großzügigem Treppenzugang zur Kettwiger Straße, einem Teil der Essener Fußgängerzone, erneut um. Nördlich des Platzes liegt heute wie damals das Ensemble aus der Kirche St. Johann Baptist, dem Essener Dom und dem nach dem Krieg errichteten Bischofshaus. Auf gegenüberliegender südlicher Seite des Platzes befinden sich das Burggymnasium, die neue Volkshochschule, ein Restaurant und ein Café sowie das alte Kino Lichtburg.

Am 13. Oktober 2011 wurde auf dem angrenzenden Domhof nördlich des Burgplatzes das Denkmal für Franz Hengsbach, den ersten Bischof des 1958 gegründeten Bistums Essen, enthüllt. Die Bronzefigur, entworfen von der Bildhauerin Silke Rehberg, wurde von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und Evonik Industries finanziert.[10]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Burgplatz (Essen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Detlef Hopp, Neuere Erkenntnisse der Stadtarchäologie zum Mittelalter in der Essener Innenstadt seit 1992, Katalog der Ausstellung „Aufruhr 1225“, Herne 2010, S. 173ff, S. 177f.
  2. Monika Fehse: Essen. Geschichte einer Stadt. Hrsg.: Ulrich Borsdorf. Peter Pomp Verlag, Bottrop, Essen 2002, ISBN 3-89355-236-7, S. 180.
  3. Rheinisch-Westfälischer Anzeiger, Ausgabe vom 5. Mai 1824
  4. Holger Krüssmann: Architektur in Essen 1900–1960. Hrsg.: Berger Bergmann und Peter Brdenk. Klartext, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0246-6.
  5. Hugo Rieth: Essen in alten Ansichten, Band 1. 3. Auflage. Zaltbommel, Niederlande 1978.
  6. Bürger- und Verkehrsverein Rüttenscheid e. V.: Rüttenscheider Jahrbuch 1988, Seiten 64–66
  7. Tony Kellen: Die Industriestadt Essen in Wort und Bild. Geschichte und Beschreibung der Stadt Essen. Zugleich ein Führer durch Essen und Umgegend. Fredebeul & Koenen, Essen 1902.
  8. Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen, abgerufen am 5. Januar 2017
  9. Architektur-Ruhr.de; abgerufen am 23. April 2014
  10. Derwesten.de vom 13. Oktober 2011: Denkmal für den lächelnden Ruhrbischof Hengsbach; abgerufen am 23. April 2014

Weitere Quellen:

  • Ruhr Museum
  • Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt Essen
  • Denkmalpfad Essen

Koordinaten: 51° 27′ 19″ N, 7° 0′ 50″ O