Emil Jung

deutscher Architekt

Johannes Emil Friedrich Jung (* 26. Januar 1882 in Essen; † 30. November 1964 ebenda) war ein deutscher Architekt, der in seiner Heimatstadt Essen für prägende Bauten verantwortlich war.

LebenBearbeiten

Geboren als Sohn eines Gastwirts machte er nach dem Besuch des Essener Burggymnasiums dort 1902 das Abitur. Anschließend studierte er an der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg, in München und in Stuttgart Architektur. An das Studium schloss sich ein Referendariat an, und nach dem 2. Staatsexamen wurde er zum Regierungsbaumeister (Assessor in der öffentlichen Bauverwaltung) ernannt. Es folgten Reisen, die ihn nach Italien, Frankreich und in die Niederlande führten.

Im März 1913 wurde Jung technischer Angestellter beim Stadterweiterungsamt in Essen. Darauf folgte seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Beobachtungsoffizier bei der Luftschiffertruppe. Emil Jung wurde mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse sowie mit dem päpstlichen Silvesterorden ausgezeichnet.

Nach Kriegsende begann er eine mehr als vierzigjährige Laufbahn als freischaffender Architekt in Essen.

Er wurde auf dem katholischen Friedhof an St. Markus in Essen-Bredeney beigesetzt.

ArchitekturBearbeiten

StilBearbeiten

Emil Jung vertrat eine „halbmoderne Architekturauffassung“.[1] Seine Bauten sind ein Beispiel für die „architekturgeschichtliche Stellung zwischen Tradition und Moderne“.[1][2] Jungs Bauten weisen mit ihren „Bruchstein-Fassaden (…) in Form und Materialität deutliche regionale Bezüge“[3] auf. Jungs letzte Bauten demonstrieren auch eine „schwungvolle Leichtigkeit und Eleganz in Linienführung und in Details“.[3]

BautenBearbeiten

Der Erzhof als heutige Verwaltung der Ruhrbahn in Rüttenscheid wurde 1922 nach Plänen von Emil Jung als Verwaltungsgebäude von Handel und Industrie, als Dr.-Paul-Meyer-Haus für das Berliner Unternehmen Dr. Paul Meyer A.G., Spezialfabrik elektrischer Schaltanlagen, Messgeräte, Apparate und Zähler errichtet.[4]

1933 baute Jung aus der auf dem Oelberg in Katernberg befindlichen ehemaligen Ölfabrik Blass & Sohn die Heilig-Geist-Kirche, die den heiligen Märtyrern Amantius und Innocentia geweiht war. Das nach Beschädigungen im Krieg zwischenzeitlich geschlossene Gebäude wurde 1957 durch Gottfried Böhm mit einer zeltdachartigen Dachkonstruktion erneut ausgebaut.[5][6][7][8]

Das Krankenhaus an der Lazarettstraße im Essener Westviertel wurde 1937 nach Emil Jungs Entwürfen erbaut und ist der Vorläufer des heutigen Alfried Krupp Krankenhaus Rüttenscheid. Die Ecken des Gebäudes sind abgerundet. Der Kopfbau ist aufwändig verkleidet und das Portal mit Sandsteinreliefs geschmückt. Ein Relief zeigt die drei Kruppschen Ringe kombiniert mit dem Äskulapstab.[9]

Emil Jung schuf 1937 die Kirche St. Joseph im Ortsteil Kettwig vor der Brücke mit Anklängen an eine mittelalterliche Wehrkirche. Elemente wie die Bruchstein-Fassade, gedrungene Proportionen und kleine Rundbogenfenster prägen den christlichen Sakralbau, der an die regionale Bautradition anknüpft.[10]

Die 1953 erbaute und 2008 profanierte Kirche St. Stephanus hat Denkmalqualität.[11] Der Eingangsbereich wies ursprünglich Säulen auf. Die Fassade der Rundkirche schmückt eine große Rosette, die an mittelalterliche Kathedralen erinnert. Der Kirchturm steht, ähnlich einem Campanile, abseits der Kirche und ist mit einem Säulengang mit dem Rundbau verbunden. Ihr Abriss soll Anfang 2018 erfolgen.[12] Auch der Vorgängerbau von 1930, der im Krieg zerstört wurde, stammte aus seinem Entwurf.

Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte, dreischiffige Kirche St. Gertrud, die in den Jahren 1872 bis 1877 nach Entwurf von August Rincklake in der nördlichen Stadtmitte errichtet worden war, wurde bis 1955 durch Emil Jung stark verändert wiederaufgebaut.[13] Ebenso ließ Jung die auch im Krieg zerstörte Kirche St. Dionysius aus den 1860er Jahren in Borbeck 1951 verändert wieder aufbauen. Sie steht seit 1987 unter Denkmalschutz.[14] Auch bei der seit 2008 geschlossenen Kirche St. Peter im Nordviertel war Jung 1952 bei der Instandsetzung des Gebäudes nach Kriegsschäden entscheidend beteiligt.

Das 2010 unter Denkmalschutz gestellte[15] Heroldhaus aus dem Jahr 1955[16] weist eine großflächige Verkleidung aus Natursteinplatten auf. Die Brüstungen sind mit diesem Material ausgestattet, ebenso wie die seitlichen geschlossenen Teile der Außenwände. 2012 wurde das ehemalige Versicherungsgebäude denkmalgerecht umgestaltet und als Hotel neueröffnet.

Der letzte Kirchenbau Emil Jungs, St. Ignatius im Südviertel aus dem Jahr 1960,[17] war die Kirche des ehemaligen Jesuitenklosters, dessen Orden 2012 nach rund 400 Jahren die Stadt Essen verließ. Der freistehende Turm wurde im November 2013 wegen Baufälligkeit niedergelegt und die Kirchenräume für Gemeindeteile von St. Gertrud saniert.[18]

Weitere Bauten Jungs sind die Kapelle Maria im Maien in Kettwig-Pierburg aus dem Jahr 1932, die im Frühjahr 2016 niedergelegte Kirche St. Winfried in Kray aus dem Jahr 1954 sowie das Bischofshaus aus den Jahren 1955 bis 1956.[19]

Unter anderem war Jung am Ausbau der B.M.V.-Schule in Holsterhausen beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte er sich längere Zeit mit dem Wiederaufbau des Essener Münsters.

LiteraturBearbeiten

  • Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286, S. 857.
  • Holger Krüssmann: Architektur in Essen 1900–1960. Hrsg.: Berger Bergmann, Peter Brdenk. Klartext-Verlag, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0246-6.
  • Erwin Dickhoff: Essener Köpfe. Hrsg.: Stadt Essen, Historischer Verein für Stadt und Stift Essen. Klartext, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1, S. 176.

WeblinksBearbeiten

Commons: Emil Jung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Denkmalschutz – Beschreibung Heroldhaus; abgerufen am 5. Januar 2017
  2. Krüssmann, S. 158, Nr. 101 (Heroldhaus; Architekt: Emil Jung; Baujahr 1955; Ort: Zentrum, Kennedyplatz 3).
  3. a b Krüssmann, S. 199 [Biografie]
  4. Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen, Erzhof; abgerufen am 5. Januar 2017
  5. Krüssmann, S. 161, Nr. 104 (Heilig Geist Kirche; Architekten: Emil Jung, 1933 / Gottfried Böhm, 1957; Ort: Katernberg, Meybuschhof 13).
  6. Erste Kirche Hl. Geist, Bild auf st-jupp.de; abgerufen am 18. Mai 2016
  7. Erste Kirche Hl. Geist (Innenraum), Bild auf st-jupp.de; abgerufen am 18. Mai 2016
  8. Erste Heilig-Geist-Kirche, Geschichte auf st-jupp.de; abgerufen am 19. Mai 2016
  9. Krüssmann, S. 138, Nr. 81 (Krankenhaus Lazarettstraße; Architekt: Emil Jung; Baujahr 1937; Ort: Zentrum, Lazarettstraße 7).
  10. Krüssmann, S. 139, Nr. 82 (St. Josef vor der Brücke; Architekt: Emil Jung; Ort: Kettwig, Heiligenhauser Straße 2).
  11. Krüssmann, S. 144, Nr. 88 (St. Stephanus; Architekt: Emil Jung; Baujahr 1953; Ort: Holsterhausen, An St. Stephanus 2).
  12. DerWesten.de vom 10. März 2016: Kirche St. Stephanus soll abgerissen werden abgerufen am 19. Mai 2016
  13. Heinz Dohmen, Eckhard Sons: Kirchen, Kapellen, Synagogen in Essen. Nobel, Essen 1998, ISBN 3-922785-52-2, S. 83.
  14. Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen, St. Dionysius; abgerufen am 5. Januar 2017
  15. Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen, Heroldhaus; abgerufen am 5. Januar 2017
  16. Krüssmann, S. 158, Nr. 101 (Heroldhaus; Architekt: Emil Jung; Baujahr 1955; Ort: Zentrum, Kennedyplatz 3).
  17. Krüssmann, S. 177, Nr. 120 (St. Ignatius; Architekt: Emil Jung; Baujahr 1960; Ort: Südviertel, An St. Ignatius 10).
  18. Derwesten.de vom 20. November 2013: Kirchturm von St. Ignatius in Essen-Holsterhausen wird abgerissen; abgerufen am 19. Mai 2016
  19. Historischer Verein für Stadt und Stift Essen, Denkmalpfad, Burgplatz; abgerufen am 19. Mai 2016