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Buchweizen

Gattung der Familie Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Buchweizen
Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum)

Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum)

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Unterfamilie: Polygonoideae
Gattung: Buchweizen
Wissenschaftlicher Name
Fagopyrum
Mill.

Buchweizen (Fagopyrum) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Die 15 bis 16 Arten sind in Eurasien und im östlichen Afrika verbreitet.

Trotz der Bezeichnung Buchweizen handelt es sich nicht um Getreide, sondern um ein Pseudogetreide, das sich vor allem zur Diversifizierung der Landwirtschaft anbietet, die sonst von den Süßgräsern Weizen, Gerste und Mais dominiert wird. Da die Früchte des Buchweizens glutenfrei sind,[1] spielt deren Mehl eine wichtige Rolle bei der Ernährung von Menschen mit Zöliakie. Die bekannteste Art der Gattung Fagopyrum ist der Echte Buchweizen (Fagopyrum esculentum).

NameBearbeiten

Die Gattung Fagopyrum wurde durch Philip Miller (1691–1771) aufgestellt. Der Gattungsname Fagopyrum leitet sich aus dem lateinischen Wort fagus Buche und dem griechischen Wort πυρός pyros, deutsch ‚Weizen‘ ab und bezieht sich auf die bucheckernförmigen Früchte.[2]

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration des Tatarischen Buchweizen (Fagopyrum tataricum)
 
Achänen des Tatarischen Buchweizens (Fagopyrum tataricum)

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Die Buchweizen-Arten sind ein- oder mehrjährige krautige Pflanzen oder seltener Halb- bzw. Zwergsträucher. Sie bilden Pfahlwurzeln. Der Stängel ist aufrecht und kahl oder fein behaart.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfachen, ganzrandigen Blattspreiten sind schief und dreieckig, breit oval, herzförmig, linealisch oder pfeilförmig mit spitzem oder gestutztem oberen Ende. Das Scheidchen ist häutig.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die seiten- oder endständigen, traubigen oder schirmförmigen Blütenstände enthalten viele Blüten. Buchweizen-Arten sind einhäusig (monözisch); die Blüten sind meist alle zwittrig, selten sind einige Blüten männlich, dann sind aber beide Blütentypen an einer Pflanze.[2] Die Blütenhülle ist fünfzählig und haltbar. Die fünf Blütenhüllblätter sind nicht weiterwachsend. Es sind acht freie Staubblätter vorhanden. Die Staubbeutel sind weiß, rosafarben oder rot. Die drei zurückgebogenen Griffel sind verlängert. Die Narben sind kopfig.

Die Achänen sind dreieckig und an der Basis nicht gehörnt oder geflügelt.

 
Laubblatt und Blütenstand von Fagopyrum cymosum
 
Laubblätter und Blütenstände von Fagopyrum esculentum

Systematik und VerbreitungBearbeiten

Die 15 bis 16 Fagopyrum-Arten kommen ursprünglich in Eurasien und im östlichen Afrika vor. In China kommen zehn Arten vor, sechs davon nur dort.[3] In vielen Teilen der Welt sind Fagopyrum esculentum und Fagopyrum tataricum verwildert (Neophyten).

Es gibt ungefähr 15 bis 16 Arten:[3][4]

AnbaugebieteBearbeiten

Fagopyrum esculentum und Fagopyrum tataricum werden in den gemäßigten Gebieten der Welt angebaut. Buchweizen wird in China seit 4600 Jahren und in Japan seit 3500 Jahren kultiviert.[2]

In Österreich stammen unter anderem aus dem Jauntal Erwähnungen aus dem Jahr 1442. In diesem Gebiet wird der Buchweizen auch heute noch kultiviert. Aus diesem Grund zählt er in Österreich als Jauntaler Hadn zu den Traditionellen Lebensmitteln.[1]

Wirtschaftliche BedeutungBearbeiten

2017 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit etwa 3,8 Mio. t Buchweizen geerntet.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Produzenten von Buchweizen weltweit, die insgesamt 97,7 % der Erntemenge produzierten.

Größte Buchweizenproduzenten (2017)[6]
Rang Land Menge
(in t)
1 Russland  Russland 1.524.280
2 China Volksrepublik  Volksrepublik China 1.447.292
3 Ukraine  Ukraine 180.440
4 Frankreich  Frankreich 127.406
5 Kasachstan  Kasachstan 120.379
6 Polen  Polen 113.113
7 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 76.362
8 Brasilien  Brasilien 64.500
9 Litauen  Litauen 53.221
10 Japan  Japan 34.400
Welt 3.827.748

VerwendungBearbeiten

 
Geschälte Buchweizenkörner

Buchweizenkörner müssen geschält und von der Schale getrennt werden, da die Schale, und zwar vor allem die Fruchtschale, den roten Farbstoff Fagopyrin enthält, der gesundheitsschädlich ist (siehe nächster Abschnitt).

Die Körner werden zu Graupen, Grütze, Grieß oder Mehl, das landschaftlich Heidemehl oder Heidenmehl genannt wird, verarbeitet. Im Gegensatz zu Getreide hat das Korn keine unterschiedlichen Bestandteile, die man wahlweise weglassen oder mitmahlen kann; insoweit gibt es keinen Ausmahlungsgrad und jedes Buchweizenmehl ist ein „Vollkornmehl“, selbst wenn dies nicht auf der Verpackung steht.

Damit werden in erster Linie Breigerichte, aber auch Suppen, Fladen und Nudeln hergestellt. Ab einer Beimischung von 20 % zu Weizen- oder Roggenmehl darf das Brot als Buchweizenbrot bezeichnet werden. Buchweizenmehl ist mangels Gluten nicht eigenbackfähig. Buchweizengrütze wirkt aufgrund ihrer hohen Quellfähigkeit ähnlich stark sättigend wie Hirse.[7] In Nordamerika sind Buchweizenpfannkuchen, serviert mit Ahornsirup, eine beliebte Spezialität. Auch die bretonische Galette (Bretonisch Krampouezhenn) besteht aus Buchweizenmehl, sie ist die herzhafte Variante der im deutschen Sprachraum bekannteren Crêpe. In der japanischen Küche haben Buchweizennudeln (Soba) und Buchweizen-Tee (Sobacha) einen festen Platz.

Inzwischen wird der Buchweizen auch als Energiepflanze für Biogasanlagen getestet. Da er eine so kurze Vegetationszeit hat, lässt er sich noch nach der Getreideernte anbauen und blüht bis in den Spätherbst.[8]

GesundheitBearbeiten

Das rotfarbige Häutchen, das die Körner umgibt, kann nach dem Verzehr Allergien auslösen (Fagopyrismus), welche durch Einwirkung von Sonnenlicht zu Hautekzemen führen können. Daher ist vor dem Verzehr von ungeschälten Buchweizenkörnern zu warnen. Ungeschälter Buchweizen sollte daher vor dem Verzehr heiß gewaschen oder gekocht werden. Der rote Schleim sollte abgeschöpft werden.[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Buchweizen (Fagopyrum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Buchweizen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Jauntaler Hadn. Eintrag Nr. 77 im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums. abgerufen am 15. Februar 2013.
  2. a b c Harold R. Hinds, Craig C. Freeman: Fagopyrum. – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 5: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 2, Oxford University Press, New York und Oxford 2005, ISBN 0-19-522211-3.
  3. a b c d e f g h i j k Li Anjen, Suk-pyo Hong: Fagopyrum., S. 320–323 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 5: Ulmaceae through Basellaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2003, ISBN 1-930723-27-X.
  4. a b c d e Fagopyrum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  5. Fagopyrum tataricum (L.) Gaertn., Tataren-Buchweizen. In: FloraWeb.de.
  6. Crops > Buckwheat. In: Offizielle Produktionsstatistik der FAO für 2017. fao.org, abgerufen am 1. September 2019 (englisch).
  7. a b Ternes, Täufel, Tunger, Zobel: Lebensmittel-Lexikon. Behr’s Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-89947-165-2.
  8. Biogas Bayern: Neue und wiederentdeckte Energiepflanzenarten