Brod (Dragash)

Dorf im Kosovo
Brod/Brodi1
Brod/Брод2
Brod (Dragash) führt kein Wappen
Brod (Dragash) (Kosovo)
(41° 59′ 30,07″ N, 20° 42′ 21,73″O)
Basisdaten
Staat: KosovoKosovo Kosovo3
Bezirk: Prizren
Gemeinde: Dragash
Koordinaten: 42° 0′ N, 20° 42′ OKoordinaten: 41° 59′ 30″ N, 20° 42′ 22″ O
Höhe: 1.695 m ü. A.
Einwohner: 1.544 (2011)
Telefonvorwahl: +383 (0) 38
Kfz-Kennzeichen: 04
1 albanisch (unbestimmte / bestimmte Form),
2 serbisch (lateinische / kyrillische Schreibweise)
3 Die Unabhängigkeit des Kosovo ist umstritten. Serbien betrachtet das Land weiterhin als serbische Provinz.

Brod (albanisch auch Brodi, serbisch-kyrillisch Брод) ist ein Dorf im Süden des Kosovo in der Gemeinde Dragash.

Blick auf Brod

GeographieBearbeiten

 
Teil der Šar Planina in Brod

Das Dorf besteht traditionell aus folgenden 9 Vierteln, genannt Mahala (kyrillisch Махала) oder Ma'ala (Ма'ала), die nach ihrem Gründer oder einstigen Vorsteher benannt sind: Lajkova, Macina, Lokanova, Hadži-Hasanova, Milova, Čučulova, Bećirska, Bajmakona und Hadžijina.[1]

GeschichteBearbeiten

Der Ortsname Brod leitet sich ab vom slawischen brod für „Furt“.[2] Der Name lässt vermuten, dass hier alte Handelswege über einen Fluss führten.[3]

Um die Wende zum 20. Jahrhundert galt Brod als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region Gora.[3]

Während des Ersten Balkankrieges 1912 verübten serbische Truppen Massaker in Brod, genauso wie auch in anderen umliegenden Ortschaften.[3] Nach der Annexion Kosovos durch das Königreich Serbien im Rahmen dieses Krieges richtete die serbische Regierung eine Militärverwaltung vor Ort ein, wobei Brod eine eigenständige Gemeinde innerhalb des Srez Gora, welcher dem Okrug Prizren untergeordnet war, wurde. Diese Verwaltungsgliederung bestand bis zum 6. Januar 1929, als das Gebiet Teil der neu geschaffenen Vardarska banovina innerhalb des Königreich Jugoslawiens wurde.[4] Zudem eröffnete man in Brod 1912 eine serbische Schule.[5] Viele Familien wanderten in der Folge nach 1913 insbesondere nach Istanbul aus.[3]

BevölkerungBearbeiten

Gemäß zuletzt durchgeführter Volkszählung im Jahr 2011 hat Brod 1544 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung[6]
Zensus 1919[4] 1948 1953 1961 1971 1981 1991 2011
Einwohner 1260 2248 2229 1604 1485 1685 1741 1544

EthnienBearbeiten

Relative Mehrheit bilden die Goranen mit 747 Personen (48,38 %), gefolgt von den Bosniaken mit 620 Personen (40,16 %). Zudem bezeichneten sich 103 (6,67 %) als Türken, 20 (1,30 %) als Albaner, 5 als Roma und Aschkali sowie 1 als Serbe. Weitere 34 Personen rechneten sich einer anderen Ethnie zu, und 13 machten diesbezüglich keine Angaben.[7]

Entwicklung der ethnischen Zusammensetzung
Zensus 1919 1948 1953[8] 1961[9] 1971[10] 1981[11] 1991[12] 2011
Einwohner 1260 2248 2229 1604 1485 1685 1741 1544
Albaner - - 13 12 25 25 26 20
Bosniaken - - - - - - - 620
Ethnische Muslime - - - 127 552 1511 1499 -
Goranen - - - - - - - 747
Jugoslawen - - 240 77 0 20 51 -
Serben - - 182 21 4 1 5 1
Türken - - 1779 - - - 48 103
Andere - - - 1361 900 128 2 34

SpracheBearbeiten

Die Schulbildung erfolgt auf Bosnisch. Die Goranen sprechen ihre Gorani-Sprache Našinski, welche zum südslawischen Dialektkontinuum gehört und von vielen Linguisten der Dialektgruppe des Torlakischen zugeordnet wird.[13]

ReligionBearbeiten

2011 bekannten sich von den 1544 Einwohnern 1541 zum Islam, 1 zur Orthodoxen Kirche, 1 Person gehört einer anderen Religion an und 1 Person gab keine Antwort bezüglich ihres Glaubens.[14] Im Ort gibt es zwei Moscheen, eine für die slawischen Muslime und eine für die Albaner.[15]

Wirtschaft und TourismusBearbeiten

In Brod befindet sich das Hotel und Wintersportzentrum Arxhena, welches größere Bekanntheit erlangt hat. Von hier aus führen unter anderem Wanderwege beispielsweise zum Shutman-See oder auf die Berge Vraca e Madhe (maz. Golema Vrača), Çule oder Rudoka.[16]

WeblinksBearbeiten

Commons: Brod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Milisav Lutovac: Gora i Opolje. Belgrad 1955 (serbisch, poreklo.rs [abgerufen am 26. September 2020]): „Брод је био подељен у махале, које су носиле назив неког чувенијег човека, оснивача: Лајкова, Мацина, Локанова, Хаџи-Хасанова, Милова, Чучулова, Бећирска, Бајмакона и Хаџијина.”
  2. Skënder Gashi: Kërkime onomastike-historike për minoritete të shuara e aktuale të Kosovës. Hrsg.: Akademie der Wissenschaften und Künste des Kosovo. Focus Print, Pristina 2015, ISBN 978-9951-615-48-8, S. 653 (albanisch, ashak.org [PDF]).
  3. a b c d Thomas Schmidinger: Gora: Slawischsprachige Muslime zwischen Kosovo, Albanien, Mazedonien und Diaspora. Wiener Verlag für Sozialforschung, Wien 2013, ISBN 978-3-944690-04-9, S. 59–61.
  4. a b Sheradin Berisha: Ndarja administrative në Qarkun e Prizrenit - në vitin 1919. Archiviert vom Original am 24. Juli 2008; abgerufen am 23. Juni 2018 (albanisch).
  5. Skënder Gashi: Kërkime onomastike-historike për minoritete të shuara e aktuale të Kosovës. Hrsg.: Akademie der Wissenschaften und Künste des Kosovo. Focus Print, Pristina 2015, ISBN 978-9951-615-48-8, S. 561 (albanisch, ashak.org [PDF]): «Shkolla serbe u hapën në Brod e në Restelicë në vitin 1912»
  6. Kosovo censuses. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 3. Januar 2018.
  7. Ethnic composition of Kosovo 2011. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  8. Ethnic composition of Kosovo 1953. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 8. Juni 2021.
  9. Ethnic composition of Yugoslavia 1961. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 8. Juni 2021.
  10. Ethnic composition of Yugoslavia 1971. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 8. Juni 2021.
  11. Ethnic composition of Yugoslavia 1981. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 8. Juni 2021.
  12. Ethnic composition of Socialist Republic of Yugoslavia 1991. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 8. Juni 2021.
  13. Thomas Schmidinger: Gora - Slawischsprachige Muslime zwischen Kosovo, Albanien, Mazedonien und Diaspora. Wiener Verlag für Sozialforschung 2013, Seite 23/24
  14. Religious composition of Kosovo 2011. In: pop-stat.mashke.org. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  15. Theodora Dragostinova and Yana Hashamova: Beyond Mosque, Church, and State: Alternative Narratives of the Nation in the Balkans. Central European University Press, Budapest – New York 2016, Seite 192
  16. Martin Bock: Kosovo. Trescher Verlag, 2017, ISBN 978-3-89794-386-5, S. 216.