Bose Corporation

US-amerikanisches Unternehmen

Die Bose Corporation ([ˈboʊz], deutsche Aussprache: [ˈboːzə][3]) ist ein im Jahr 1964 von Amar G. Bose (1929–2013) gegründetes US-amerikanisches Unternehmen. Es fertigt Audio-Produkte für private und professionelle Anwendungen.

Bose Corporation

Logo
Rechtsform Kapitalgesellschaft
Gründung 1964
Sitz Framingham, Vereinigte Staaten
Leitung Philip W. Hess, CEO[1]
Mitarbeiterzahl 11.700 (2015)[2]
Umsatz 3,5 Mrd. US$ (2015)[2]
Branche Audiotechnik
Website www.bose.de

Der Stammsitz ist in Framingham, Massachusetts, USA. Das Unternehmen Bose zählt weltweit 11.700 Mitarbeiter. Der Sitz der deutschen Bose GmbH ist in Friedrichsdorf im Hochtaunuskreis in Hessen sowie der Bose Automotive GmbH in Esslingen am Neckar.[4]

Das Unternehmen betreibt seit 1993 weltweit insgesamt 249 eigene Ladengeschäfte. Aufgrund der Verlagerung zum Online-Shopping, wurde im Januar 2020 die Schließung der 119 Standorte in Europa, Nordamerika, Australien und Japan bekanntgegeben.[5] Die 130 Markenstores in der Volksrepublik China, Taiwan, Indien, Südostasien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bleiben weiterhin geöffnet.[6]

TechnologieBearbeiten

Das Unternehmen betont bei seinen Lautsprecherentwicklungen einem sogenannten „psycho-akustischen“ Aspekt Rechnung zu tragen. Hieraus entstanden einige unkonventionelle Konzepte, zum Beispiel der Einsatz mehrerer Breitbandlautsprecher in einem Gehäuse in Verbindung mit kleinvolumigen Bandpass-Subwoofern in den sogenannten Acoustimass-Systemen oder die Einbeziehung von indirekt abgestrahlten Schallanteilen und Integration von elektronischen Equalizern, um Frequenzgänge auszugleichen.

Ziel ist es durch die Einbeziehung indirekter Schallanteile die Schallabstrahlung realer Musikinstrumente nachzubilden, die meist nicht gerichtet abstrahlen, so dass z. B. in einem Konzertsaal der überwiegende Teil des Schalls auf indirektem Weg, etwa über Decken- und Wandreflexionen, beim Hörer ankommt.

ProdukteBearbeiten

Hifi- und Heimkino-KomplettsystemeBearbeiten

 
Bose-Lautsprecher in einem Auto (Bose-Car-Hifi)
 
Bose Ladengeschäft in Los Angeles
 
Bose QuietComfort 25 Acoustic Noise Cancelling Kopfhörer
 
Bose SoundLink Lautsprecher
 
Hier zu sehen ist ein Bose Wave Music System, das den Radiosender SWR3 spielt

Das bekannteste Produkt des Unternehmens ist sicher der Lautsprecher 901, welcher ab 1968 nur in leicht veränderter Form über 45 Jahre hergestellt wurde.[7] Weitere Produkte sind das Wave Radio, Acoustimass-Lautsprechersysteme und Lifestyle-Heimkino-Komplettsysteme. Eine Besonderheit der Bose-Systeme ist, neben dem auffälligen Design, das konzerthallensimulierende Abstrahlverhalten der Lautsprecher.[8]

FahrzeugakustikBearbeiten

Bereits seit 1979 entwickelt und produziert Bose zusammen mit Fahrzeugherstellern wie Chevrolet, Renault, Alfa Romeo und Audi Soundsysteme für Autos.[9][10]

Kopfhörer und HeadsetsBearbeiten

Das Unternehmen bietet Kopfhörer/Headsets für private und professionelle Anwendungen an, beispielsweise QuietComfort Modelle mit Active Noise Cancellation, die ProFlight Serie für Piloten[11] oder die Sleepbuds für einen besseren Schlaf.[12][13]

BeschallungsanlagenBearbeiten

Bose stellt Beschallungssysteme für Kirchen (zum Beispiel im Petersdom in Rom) oder Veranstaltungszentren wie dem ehemaligen Bonner Bundestag mit spezieller Anpassung auf die Raumakustik her[14]. Das Unternehmen ist im Public-Address-Bereich mit vielen unterschiedlichen Lösungen vertreten (z. B. Panaray LT-System, AcousticWave Cannon u. a.).

FahrzeugtechnikBearbeiten

Die Auseinandersetzungen mit Schwingungsproblemen jeder Art in den Laboratorien von Bose resultierten unter anderem 2005 in einem neuartigen Radaufhängungssystem für Fahrzeuge, das anstatt mit Federelementen Bodenunebenheiten aktiv durch ein System aus Sensoren und Elektromotoren ausgleicht.

HörgeräteBearbeiten

Im Oktober 2018 bekam Bose von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA eine medizinische Zulassung für ihr neu entwickeltes Hörgerät, welches ohne ärztliche Unterstützung anzupassen ist.[15][16]

Raumfahrt und MilitärBearbeiten

Das Unternehmen beliefert die NASA, unter anderem wurden im Space Shuttle Bose-Lautsprecher eingesetzt.[17] Weitere Lieferverträge bestehen mit dem amerikanischen Militär.[17][18]

Bose ElectroForce Systems GroupBearbeiten

Nach der Übernahme der EnduraTEC Systems Corporation wurde im Mai 2004 die Bose ElectroForce Systems Group gegründet. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Produktion von Test- und Simulationsinstrumenten für die Materialforschung, Produktentwicklung und Medizintechnik für Forschungsinstitute, Universitäten und Industrieunternehmen. Die besondere Bauweise der Geräte (Linearmotor mit beweglichen Magneten) bietet eine Alternative gegenüber traditionellen Prüfgeräten.

StandorteBearbeiten

Verzicht auf technische DatenBearbeiten

Amar Bose war davon überzeugt, dass herkömmliche Audiomessverfahren für die wahrgenommene Qualität von Audiogeräten nicht relevant sind. Aufgrund der Behauptung, dass die Wahrnehmung des Hörers der ultimative Test für Audioqualität sei, veröffentlicht das Unternehmen daher keine entsprechenden Daten für Bose-Produkte.[19][20] Im Gegensatz zu Bose betonen zahlreiche andere, in unterschiedlichsten Preissegmenten positionierte Audiohersteller wie auch sämtliche Audiofachzeitschriften, die grundlegende Bedeutung objektiv nachvollziehbarer Kennwerte und veröffentlichen regelmäßig entsprechende Messdaten ihrer Produkte. Im Jahr 1968 stellte Amar Bose der amerikanischen Audio Engineering Society eine Abhandlung namens On the Design, Measurement and Evaluation of Loudspeakers vor. In ihr verwarf Bose zahlenbasierte Testdaten zugunsten „aussagekräftigerer Messungen und Evaluationsverfahren“.[20]

DatenschutzBearbeiten

Bose soll Daten von Nutzern u. a. über mittels kabelloser Bose-Kopfhörer abgespielte Musik an Dritte weitergegeben haben. Dagegen hat ein US-Kunde im April 2017 Klage vor Bundesgericht in Chicago erhoben.[21] In einer neueren Softwareversion, die von Bose im Mai 2017 veröffentlicht wurde, lässt sich die Übermittlung von Daten nunmehr nutzerseitig ausschalten.[22]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Bose Corporation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

QuellenBearbeiten

  1. David Carnoy: Bose CEO Bob Maresca to step down on Dec. 31. Abgerufen am 21. Februar 2020 (englisch).
  2. a b forbes.com: The Billionaires 2006 #645 Amar Bose, Oktober 2006, abgerufen 16. Oktober 2018
  3. Bose QuietComfort 20 Kopfhörer Werbung auf YouTube
  4. Firmenprofil auf genios.de, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  5. Online-Shopping: Bose schließt alle Ladengeschäfte in Europa, Heise Online, 16. Januar 2020
  6. Bose schließt Stores in Deutschland und weiteren Ländern, Golem, 16. Januar 2020
  7. 40 Jahre Konzertsaal zu Hause avguide.ch, 1. Dezember 2008
  8. Bose 901 Serie IV im Test hifimuseum.de
  9. Den Feind bezwungen der Spiegel, 31. Januar 1983
  10. Wir machen großartige Autos noch besser
  11. Bose stellt sein neues Headset für Piloten vor, aerobuzz.de, 12. April 2018
  12. Bose Kopfhörer versprechen einen besseren Schlaf, der Standard, 30. November. 2017
  13. Bye bye Ohropax, androidpit.de, 21. Juni 2018
  14. Verworrene Pfade, Der Spiegel, 7. November 1994
  15. Bose schockt Hörgeräte-Hersteller ntv, 29. Oktober 2018
  16. Sonova verliert wegen Bose 14 Milliarden Franken an Wert Handelszeitung, 10. Oktober 2018
  17. a b The World's Richest People #645 Amar Bose, forbes.com, abgerufen am 1. Juni 2012.
  18. Combat Vehicle Crewman Headset, www.bose.com, abgerufen am 1. Juni 2012.
  19. Dr. Bose Tells All: Company Secrets, Why They Don't Publish Specs, And More, techcrunch.com, 19. September 2007, abgerufen am 1. Juni 2012.
  20. a b On The Design, Measurement, and Evaluation of Loudspeakers, AES E-Library, Oktober 1968, abgerufen am 1. Juni 2012
  21. Bose Connect: Spioniert die App für kabellose Kopfhörer? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. April 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 20. April 2017]).
  22. Heise Online vom 4. Mai 2017: Bose Connect: Datenübermittlung lässt sich jetzt abschalten