Blue Moon (Kalender)

zweiter Vollmond innerhalb eines Monats

Blue Moon („Blauer Mond“) ist die heutige Bezeichnung für einen zweiten Vollmond innerhalb eines Monats im gregorianischen Kalender.[An 1] Dieses Ereignis hat keinerlei astronomische Bedeutung. Es ist eine zufällige Nebenerscheinung des Kalenders (Unterteilung in Kalendermonate) und spielt nur in den Massenmedien als „etwas Besonderes, das unbedingt zu beachten ist“, eine Rolle. In einem Lunarkalender (Mondkalender) gibt es keinen Blue Moon.

Im 19. Jahrhundert wurde ein in einem Sonnenjahr zusätzlich auftretender Vollmond („13. Vollmond“) nicht auf den Kalendermonat, sondern auf die astronomische Jahreszeit, in der er auftritt, bezogen. Zur Unterscheidung vom monatlichen Blue Moon nennt man heute einen solchen einen jahreszeitlichen Blue Moon.

Ursprünglicher Gebrauch des Begriffs Blue Moon Bearbeiten

Der Begriff Blue Moon oder Once in a blue moon bezeichnete im englischen Sprachraum ursprünglich ein nur sporadisch auftretendes, sehr seltenes Ereignis, so wie der Mond aus welchen Gründen auch immer sehr selten blau ist. Erstmals schriftlich fixiert wurde er 1528 in dem kleinen Stück Rede Me and Be Not Wroth:
«Yf they say the mone is blewe
We must believe that it is true.»[1]

Der Blue Moon im 19. Jahrhundert Bearbeiten

Über mehrere Zwischenstufen wurde Blue Moon Anfang des 19. Jahrhunderts in den USA mit geologischen oder astronomischen Ereignissen in Verbindung gebracht, einerseits dadurch, dass der Mond aufgrund von Vulkanausbrüchen o. ä. wirklich manchmal bläulich schimmert. Andererseits haben zu jener Zeit die Mondphasen in der Landwirtschaft eine besondere Rolle gespielt. Dabei wurden die Vollmonde nicht in Bezug auf Kalendermonate, sondern auf die Jahreszeiten gezählt (jahreszeitlicher Blue Moon). Im Normalfall wurden die drei Vollmonde in einer Jahreszeit als erster, zweiter und letzter Vollmond bezeichnet. Bei zusätzlichem Vollmond lautete die Reihenfolge erster, zweiter, Blue Moon und letzter, unabhängig davon, in welchem Drittel der Jahreszeit sich der zusätzliche Vollmond tatsächlich eingeschoben hatte (erstmals im Maine Farmers’ Almanacvon 1819 dargestellt).[2][An 2]

Der Blue Moon im 20. Jahrhundert Bearbeiten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging im Allgemeinen (englischen) Sprachgebrauch die im 19. Jahrhundert gebrauchte Definition des Blue Moon verloren. Aus einer Fehlinterpretation des Maine Farmers’ Almanac durch den Amateurastronomen James Hugh Pruett (1886–1955) mit seinem Artikel Once in a Blue Moon in der Zeitschrift Sky & Telescope von März 1946 entstand die heute gebräuchliche Definition, dass ein Blue Moon der zweite Vollmond in einem Kalendermonat ist.[2] Was im 19. Jahrhundert in der Landwirtschaft gemeint war, wird heute als jahreszeitlicher Blue Moon bezeichnet.

Kennzeichnende Werte Bearbeiten

Ein Blue Moon tritt etwa 37 Mal im Jahrhundert bzw. 368 Mal im Jahrtausend – im Durchschnitt rund alle 2,72 Jahre auf,[3] naturgemäß am häufigsten in den Monaten mit 31 Kalendertagen. Im Februar kann es vorkommen, dass überhaupt kein Vollmond stattfindet, dafür aber immer ein zweiter sowohl im Januar als auch im März. In beiden Monaten gibt es einen Blue Moon, obwohl das betroffene Kalenderjahr auch nur 13 Vollmonde wie bei Blue Moons in anderen Monaten und nicht 14 hat. Zählt man diesen Doppel-Blue-Moon vereinzelt, so vergrößert sich die Zahl der Blue Moons auf etwa 420 pro Jahrtausend.[3] Einen Doppel-Blue-Moon gab es z. B. 2018.

Ermittlung der kennzeichnenden Werte Bearbeiten

Ausgangswerte und Zählung Bearbeiten

  • Ausgangswerte: durchschnittliche bzw. konstante Zeit-Werte für Mondmonat (Mondumlauf, T = 29,5306 Tage) und Jahr (Erdumlauf; gregorianisch: G = 365,2425 Tage; julianisch: J =365,25 Tage)
  • Zählung: zwei zusammengehörende Blue-Moons im Januar und März werden bei Zählung und Häufigkeits-Ermittlung als ein Blue-Moon-Fall behandelt

Angenäherte Berechnung Bearbeiten

  • Blue-Moon-Häufigkeit H:
 
 
H ist die auf die Länge des Mondmonats bezogene Zeitdifferenz (eine dimensionslose Zahl), die ein Kalenderjahr länger als 12 Mondmonate ist. Handlicher ist der Gebrauch des Hundert- oder gar Tausendfachen: in einem Jahrhundert [Jahrtausend] mit 1.200 [12.000] Kalendermonaten gibt es 1.200 plus 37 [12.000 plus 368] Mondmonate.[An 3]
  • Der Kehrwert Y=1/H ist die Zeit (in Jahren, nicht ganzzahlig) bis zum Moment, wenn H=1 ist. Y enthält x Kalendermonate und x plus 1 Mondmonate (x ebenfalls nicht ganzzahlig).[4]
 
 
Y ≈ 2,72 [Jahre] sind 2 und etwa 3/4 Jahre. Praktischer ist die Umrechnung in Kalendermonate, denn es ist derjenige Monat gesucht, in dem 2 Volllmonde stattfinden.[4]
 
 

Y'G besteht aus 32,58 fiktiven, mit 30,4367 Tagen gleich langen Kalendermonaten (365,2425 / 12 = 30,4367) und aus 33,58 (32,58 + 1) durchschnittlich langen Mondmonaten. Somit finden im fiktiven bzw. in etwa im realen 33. Kalendermonat zwei Vollmonde statt, der 33. am Monatsanfang und der 34. am Monatsende. Dieser Monat ist ein Blue-Moon-Monat.

Der tatsächliche Kalendermonat mit Blue Moon Bearbeiten

In Wirklichkeit gibt es den nächsten Blue Moon im nächsten 30. bis 35. Kalendermonat.[3] Ursachen für diese Streuung sind:

  • Die Mondumlaufzeit T schwankt um ihren Mittelwert mit etwa ± 0,3 Tagen.[5]
  • Das Kalenderjahr ist ganze Tage lang; am häufigsten hat es 365 Tage, in Schaltjahren aber 366 Tage.
  • Das Kalenderjahr ist real mit Monaten, die 28/29, 30 und 31 Tage lang sind, in ziemlich ungleichmäßige Abschnitte unterteilt. Die Mondumlaufzeit T ist im Mittel nur etwa 1 Tag kürzer als die mittlere Länge der Kalendermonate. Dass sich die Längen der aufeinander folgenden Kalendermonate aber immer wieder um 1 Tag (vor und nach dem Februar sogar um 3 Tage) ändern, ist die Hauptursache dieser relativ großen Streuung beim zeitlichen Abstand zwischen den Blue Moons.

Der Februar ist kürzer als die Dauer eines Mondumlaufs. Deshalb kann er kein Blue-Moon-Fall sein. Im Gegenteil: Im Doppel-Blue-Moon-Fall Januar/März wird er von einem Vollmond sogar knapp verfehlt: der eine findet Ende Januar, der nächste Anfang März statt.

Trivia Bearbeiten

  • Der 1934 entstandene Evergreen Blue Moon benutzt die Wendung für etwas sehr Seltenes, in diesem Fall die Liebe. Der Song von Richard Rodgers (Musik) und Lorenz Hart (Text) wurde vielfach interpretiert – darunter von Billie Holiday (1952), Elvis Presley (1954), Frank Sinatra (1961), Bob Dylan (1970) und Rod Stewart (2004) – und trug entscheidend zur Popularisierung des Begriffes bei.
  • Bill Monroe schrieb 1947 den Song Blue Moon of Kentucky.
  • Die Suchmaschine Google liefert auf den Suchstring once in a blue moon als sogenanntes Easter Egg das Ergebnis once in a blue moon = 1.167 × 10−8 hertz.[6] Dieser Wert bedeutet einen Abstand von 2,72 Jahren für das Auftreten von Blue Moons.
  • Ein Vollmond am Silvestertag ist – wie jeder Vollmond am 31. eines Monats – immer ein Blue Moon und tritt im Schnitt alle 29,5306 Jahre auf. Die Zahl ist identisch zur Länge eines synodischen Mondumlaufs von 29,5306 Tagen. Am 31. Dezember 2009 gab es zudem noch eine partielle Mondfinsternis.[7][8] Am 31. Dezember 2028 um ca. 17 Uhr UTC wird es eine ähnliche Konstellation mit einer totalen Mondfinsternis geben.
  • In der Schlümpfe-Verfilmung vom August 2011 werden dem Blaumond magische Kräfte nachgesagt, die unter anderem der Magie der Schlümpfe als Grundlage dient und ihnen helfen soll, wieder in ihre Welt zurückzukehren. Im Film ist die englische Version dieses Wikipedia-Artikels zu sehen.
  • Die private Trauerfeier für Neil Armstrong, den ersten Menschen auf dem Mond, fand sechs Tage nach seinem Tod am Tag eines Blue Moons statt. Hier spielt auch die Doppelbedeutung von blue (englisch für sowohl „blau“ als auch „traurig, trübsinnig“) eine Rolle.
  • In der Religion Wicca ist der Blue Moon ein besonderer Festtag (Esbat).

Weblinks Bearbeiten

Anmerkungen Bearbeiten

  1. Im Julianischen Kalender gibt es den Blue Moon in fast gleichem Rhythmus ebenfalls. Er spielt in der Öffentlichkeit aber kaum eine Rolle, weil dieser Kalender weniger oft als der Gregorianische und nur für religiöse und nicht für weltliche Zwecke gebraucht wird.
  2. Betrachtung und Behandlung der jahreszeitlichen Blue Moon's unterscheiden sich grundsätzlich nicht von denen der monatlichen Blue Moon's. Unterteilt man das mit dem ersten Tag einer der vier Jahreszeiten (i. d. R. mit dem des Frühlings) beginnende Sonnenjahr gleich wie das Kalenderjahr (siehe folgenden Abschnitt) auch in zwölf (je drei pro Jahreszeit) etwa gleich lange Zeitabschnitte, so fällt sein 13. Vollmond auch in einen bestimmten dieser Abschnitte. Von den vier Vollmonden in der betroffenen Jahreszeit kann der zusätzliche in jedem dieser drei Abschnitte stattfinden. Den dritten der vier Vollmonde als den Blue Moon zu bezeichnen, war eine zufällige Entscheidung. Die Grenzen zwischen den genannten zwölf Zeitabschnitten variieren zwischen dem 19. und 24. Tag in den Kalendermonaten (Variieren über Jahrhunderte hinweg eingeschlossen).
  3. Eine ziemlich genau ganze Zahl zusätzlicher Mondmonate - nämlich sieben - haben bereits 19 Kalenderjahre
    ( ), die der Meton-Zyklus lang ist.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Blue moon, in: Online Etymology Dictionary (englisch):
    Kommentar: Though this might refer to calendrical calculations by the Church. Thus the general "rareness" sense of the term is difficult to disentangle from the specific calendrical one (commonly misinterpreted as "second full moon in a calendar month," but actually a quarterly calculation). In either case, the sense of blue here is obscure. Literal blue moons do sometimes occur under extreme atmospheric conditions.
  2. a b Roger W. Sinnott, Donald W. Olson, and Richard Tresch Fienberg: What's a Blue Moon?
  3. a b c Beschreibung und Übersicht 2001–2104, jgiesen.de (englisch)
  4. a b Siegfried Wetzel: Blue Moon - zwei Vollmonde in einem Kalendermonat
  5. Fred Espenak: Eclipses and the Moon's Orbit, 4.2 Synodic Month
  6. Google-Suche: Once in a blue moon. Abgerufen am 31. Dezember 2009.
  7. Erstmals seit Jahrzehnten «Blue Moon» zu Silvester (Memento vom 2. Januar 2010 im Internet Archive), Zeit.de, abgerufen am 31. Dezember 2009.
  8. Blauer Mond und FinsternisAstronomy Picture of the Day vom 2. Januar 2010.