Bezugsverhältnis

Das Bezugsverhältnis ist im Finanzwesen entweder auf dem Aktienmarkt die Relation zwischen „alten Aktien“ und „jungen Aktien“ desselben Emittenten oder gibt bei Optionen an, wie viele Optionen oder Optionsscheine ausgeübt werden müssen, um eine Einheit des Basiswerts zu kaufen oder verkaufen.

AllgemeinesBearbeiten

Im Finanzwesen gibt es bei Finanzinstrumenten gesetzliche oder vertraglich festgelegte Bezugsverhältnisse. Als Finanzinstrumente kommen Aktien oder Optionen in Betracht. Während das Bezugsverhältnis im Rahmen des Bezugsrechts bei Aktien gesetzlich in § 186 Abs. 1 AktG geregelt ist, ergibt es sich bei Optionen aus dem Optionsvertrag.

AktienBearbeiten

Das Bezugsverhältnis wird errechnet aus der Stückzahl (Stückaktien) oder dem Nennwert (Nennwertaktien) aller alten Aktien   und der Stückzahl (Stückaktien) oder dem Nennwert (Nennwertaktien) aller jungen Aktien  :[1]

 .

Der rechnerische Wert des Bezugsrechts   ist der Kurswert, der die Differenz zwischen dem Börsenkurs der alten Aktien vor Kapitalerhöhung   und sich nach der Kapitalerhöhung bildenden Durchschnittskurs   darstellt:

 .

Der innere Wert des Bezugsrechts ergibt sich aus dem Bilanzkurs auf Grundlage der Eigenkapitalsubstanz einer Aktiengesellschaft im Verhältnis zu der Anzahl der umlaufenden Aktien. Der Bilanzkurs ist die Messzahl des inneren Werts.[2]

Beispiel

Erhöht eine Gesellschaft ihr Grundkapital beispielsweise von 500 Mio. € auf 600 Mio. €, so ist das Bezugsverhältnis von altem zu neuem Kapital ( ):

 , mithin
 .

Auf fünf alte Aktien entfällt eine neue Aktie. Jeder Aktionär erhält je alte Aktie ein Bezugsrecht. Um eine neue Aktie zu beziehen, sind in aufgeführtem Beispiel fünf Bezugsrechte notwendig. Der rechnerische Wert eines Bezugsrechts ergibt sich somit aus der Differenz des Börsenkurses der Aktien vor Kapitalerhöhung zu dem Kurs der Aktien nach Kapitalerhöhung.

Neben der in Deutschland üblichen Schreibweise des Bezugsverhältnisses wird im angelsächsischen Raum auch häufig die Schreibweise 6-5 oder 6 to 5, d. h. 6 Aktien (im Bestand nach Ausübung des Bezugsrechts) für 5 Aktien (im Bestand vor Ausübung) verwendet. Das Bezugsverhältnis ist identisch, da auch hier der Aktionär das Recht erhält, für fünf alte Aktien eine neue zu beziehen.

OptionenBearbeiten

Mit einer Option erwirbt der Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Ausübungspreis und Bezugsverhältnis entweder zu kaufen (Kaufoption) oder zu verkaufen (Verkaufsoption).[3] Das Bezugsverhältnis gibt bei Optionen (auch Optionsverhältnis genannt) an, wie viele Optionsscheine erforderlich sind, um einen Basiswert zum festgelegten Ausübungspreis zu kaufen oder zu verkaufen. Entsprechend der Kontraktgröße bei Aktienoptionen ist für Optionsscheine ein bestimmtes Bezugsverhältnis festgelegt. Ein Bezugsverhältnis von 10:1 bedeutet, dass mit einem Optionsschein zehn Aktien bezogen werden können.

Der innere Wert   ergibt sich, indem man die Differenz zwischen dem Aktienkurs   und dem Bezugskurs   durch das Bezugsverhältnis   dividiert:[4]

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Beispiele
  • Bei Devisenoptionsscheinen ist die Ratio für gewöhnlich 100 = 100:1 und dem gleichbedeutend das Bezugsverhältnis 0,01 = 1:100. Die Ratio besagt mithin, dass mit einem Optionsschein 100 Basiswerte erworben werden können, und das Bezugsverhältnis, dass für einen Basiswert 0,01 Optionsscheine benötigt werden. Da man aber keine Bruchstücke von Optionsscheinen handeln kann, werden also stets 100-fache des Basiswertes mit dem Handel des Optionsscheines bewegt.
  • Bei Aktienoptionsscheinen ist die Ratio z. B. mit 0,2 = 1:5 angegeben, d. h. 1 Optionsschein bezieht sich auf den 0,2-ten Anteil der Kursdifferenz von Aktienkurs und verbrieftem Basiskurs des Optionsscheins. Das Bezugsverhältnis ist demnach 5 = 5:1 und drückt aus, dass 5 Optionsscheine benötigt werden, um eine Aktie zum verbrieften Preis im Optionsschein erwerben zu dürfen. Man handelt über den Optionsschein also immer Vielfache von 1/5 der Kursdifferenz.

SonstigesBearbeiten

Notiert beim Cap am Ende der Laufzeit der Basiswert oberhalb des Cap, erhält der Käufer einen Barausgleich in Höhe der Differenz zwischen Cap und Basispreis multipliziert mit dem Bezugsverhältnis; notiert er oberhalb des Basispreises und beim oder unter dem Cap, erhält er die Differenz zwischen dem Ausübungspreis und Basispreis multipliziert mit dem Bezugsverhältnis.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gerhard Werner, Wirtschaftsrechnen: Grundlagen und Methoden, 1980, S. 175
  2. Jörg Wöltje, Betriebswirtschaftliche Formelsammlung, 2011, S. 310
  3. Uwe Gresser, Investment Style, 2005, S. 29
  4. Christoph Geyer/Volker Uttner, Praxishandbuch Börsentermingeschäfte, 2007, S. 136