Im Bevin-Boys-Programm wurden im Zweiten Weltkrieg zwischen Dezember 1943 und März 1948 junge britische Männer zur Arbeit in den Kohlebergwerken des Vereinigten Königreichs herangezogen.[1][2][3] Zehn Prozent aller männlichen Wehrpflichtigen im Alter von 18 bis 25 Jahren wurden durch das Los für diese Arbeit verpflichtet, einige Freiwillige konnten diesen Dienst als Alternative zur militärischen Wehrpflicht leisten. Insgesamt dienten fast 48.000 Arbeitspflichtige und mussten einen lebenswichtigen und gefährlichen, aber weitgehend unbekannten Arbeitsdienst in Kohlebergwerken verrichten.[4] Viele von ihnen wurden erst zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Dienst entlassen.

Bevin Boys bei der praktischen Einschulung durch einen erfahrenen Bergmann in Ollerton, Nottinghamshire, im Februar 1945

Erstellung des ProgrammsBearbeiten

Das Programm wurde benannt nach Ernest Bevin, einem britischen Gewerkschaftsbeamten und späteren Minister für Arbeit und Nationalen Dienst der Labour Party in der Kriegskoalitionsregierung.[5] Zu Beginn des Krieges unterschätzte die Regierung den Wert der Bergleute, die sie in die Streitkräfte eingezogen hatte. Bis Mitte 1943 gingen den Kohlenbergwerken 36.000 Arbeiter verloren, die in der Regel nicht ersetzt wurden, weil die meisten jungen Männer den Streitkräften zugeführt wurden. Die Regierung trat an junge Männer heran, freiwillig in den Minen zu arbeiten. Es fanden sich nur wenige und der Arbeitskräftemangel in diesem kriegswichtigen Bereich ging weiter.

Im Oktober 1943 kam es in Großbritannien zu einem Versorgungsengpass von Kohle, die sowohl für den Krieg als auch als Heizstoff benötigt wurde. Am 12. Oktober kündigte der Minister für Treibstoff und Energie im Unterhaus an, dass einige Wehrpflichtige in die Minen gesendet werden würden. Am 2. Dezember erklärte Ernest Bevin das Vorhaben genauer. Der umgangssprachliche Name „Bevin Boys“ entstammte einer weiteren Rede Bevins.

Von 1943 bis 1945 wurde einer von zehn jungen Wehrpflichtigen verpflichtet, in den Minen zu arbeiten. Dies führte zu Widerstand, da viele junge Männer vorzogen, sich den Streitkräften anzuschließen und befürchteten, dass sie als Bergleute nicht geschätzt würden. Tatsächlich wurde vielen Bevin Boys Spott zuteil, da sie keine Uniformen trugen und wurden sehr häufig beschuldigt sich der Wehrpflicht zu entziehen.

Bevin-Boys-ProgrammBearbeiten

Auswahl der WehrpflichtigenBearbeiten

Um die Auswahl nach dem Zufallsprinzip durchzuführen, zog eine von Bevins Sekretärinnen ab dem 14. Dezember 1943 einmal pro Woche eine der zehn Ziffern 0–9 aus einem Hut. Alle Männer, deren nationale Dienstregistrierungsnummer auf dieser Ziffer endete, wurden als Bevin Boy zum Dienst verpflichtet. Befreit waren Hochqualifizierte wie Flugzeugtechniker, sowie für den Bergbau physisch Untaugliche.

ArbeitsbedingungenBearbeiten

 
Theoretischer Unterricht für die Bevin Boys über die Grubenlampe in Ollerton, Nottinghamshire, im Februar 1945

Nach einer sechswöchigen Ausbildung (vier Wochen Theorie, zwei Wochen Praxis) folgte die Arbeit unter Tage in dunklen, feuchten Tunneln. Die mit Helmen und stahlverkleideten Sicherheitsstiefeln ausgestatteten Bevin Boys trugen keine Uniformen oder Abzeichen, sondern die ältesten Kleider, die sie finden konnten. Sie wurden daher vielfach von der Polizei gestoppt und befragt, weil der Verdacht bestand, dass sie sich der Wehrpflicht entzögen.[6]

Kriegsdienstverweigerer konnten als ziviler Ersatzdienst die Pflichtarbeit in den Minen verrichten. Dieser Ersatzdienst war vollständig vom Bevin-Boy-Programm getrennt. Auch aus diesem Grund gab es manchmal eine Annahme, dass Bevin Boys „Conchies“, also zur damaligen Zeit wenig geschätzte Wehrdienstverweigerer waren. Das Recht zur Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen oder aus philosophischen oder religiösen Gründen wurde in der Wehrgesetzgebung anerkannt wie bereits im Ersten Weltkrieg. Allerdings herrschte unter der Mehrheit der Bevölkerung große Ablehnung gegen Wehrdienstverweigerer, was auch die Bevin Boys zu spüren bekamen.[7]

Ende des ProgrammsBearbeiten

 
Einer der vier Gedenksteine

Das Bevin-Boys-Programm wurde im Jahr 1948 beendet. Damals erhielten die Bevin Boys weder Medaillen noch das Recht, zu ihren alten Jobs zurückzukehren im Gegensatz zu den Soldaten, die in den regulären Streitkräften gedient hatten. Die Bevin Boys wurden erst 1995 in einer Rede von Königin Elizabeth II. offiziell als Mitwirkende der Krieges anerkannt.

Am 20. Juni 2007 informierte Tony Blair das Unterhaus, dass tausende Wehrpflichtige, die im Zweiten Weltkrieg in den Kohleminen arbeiten mussten, eine Ehrung zuteilwerden würde. Die Bevin Boys würden mit einem Veteranen-Abzeichen belohnt ähnlich dem königlichen Streitkräfte-Abzeichen, das vom Verteidigungsministerium verliehen wurde.[8][9]

Die ersten Abzeichen wurden am 25. März 2008 vom damaligen Premierminister Gordon Brown in einem Empfang in Downing Street 10 verliehen, dem 60. Jahrestag der Entlassung der letzten Bevin Boys.[10]

Am Dienstag, den 7. Mai 2013 wurde ein Denkmal für die Bevin Boys enthüllt.[11] Das Denkmal wurde von den ehemaligen Bevin Boy Harry Parkes entworfen, es besteht aus vier Steinsockeln.[12][13]

Bekannte Bevin BoysBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. James Heartfield: An Unpatriotic History of the Second World War. John Hunt Publishing, 2012, ISBN 978-1-780-99378-2, S. 14 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. https://web.archive.org/web/20090714065513/http://www.berr.gov.uk/energy/sources/coal/bevin/page41441.html
  3. http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/letter-forced-labour-1170908.html
  4. http://www.theforgottenconscript.co.uk/who-were-the-bevin-boys/
  5. https://museum.wales/articles/2008-01-03/Remembering-the-Bevin-Boys-in-the-Second-World-War/
  6. Called Up Sent Down : The Bevin Boys' War – Tom Hickman Pub. The History Press 2008 ISBN 0-7509-4547-8
  7. http://www.ppu.org.uk/century/century5.html
  8. https://www.warhistoryonline.com/war-articles/bevins-boys-kept-in-the-dark-for-60-years.html
  9. http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/1555056/Bevin-Boys-war-effort-honoured-with-badge.html
  10. http://www.culture24.org.uk/am28467
  11. http://www.telegraph.co.uk/news/newsvideo/royalfamilyvideo/10041949/Bevin-Boys-memorial-unveiled-by-Countess-of-Wessex.html
  12. http://www.bevinboysassociation.co.uk/
  13. http://www.theforgottenconscript.co.uk/official-documents-1948/
  14. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 27. September 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bolton.gov.uk
  15. a b Ken Cooke: Percy Jackson's. Troubador Publishing Ltd, 2007, ISBN 978-1-905-88678-4, S. 6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  16. http://www.nytimes.com/2011/11/03/arts/television/jimmy-savile-tv-personality-dies-at-84.html
  17. Ray Morton: Amadeus. Limelight Editions, 2011, ISBN 978-0-879-10417-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).