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Baum-Hasel
Baum-Hasel am Wildstandort in den subadriatischen Südostdinariden

Baum-Hasel am Wildstandort in den subadriatischen Südostdinariden

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)
Unterfamilie: Haselnussgewächse (Coryloideae)
Gattung: Hasel (Corylus)
Art: Baum-Hasel
Wissenschaftlicher Name
Corylus colurna
L.

Die Baumhasel (Corylus colurna), auch Türkische Hasel, Türkische Haselnuss oder Byzantinische Hasel[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hasel (Corylus) innerhalb der Familie Birkengewächse (Betulaceae). Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Südosteuropa und Kleinasien über den Transkaukasus und den Kaukasus bis in den Himalaya. Sie zeichnet sich durch eine außerordentliche Toleranz gegenüber Dürre aus, so dass sie als Baumart im Klimawandel prädestiniert ist. In Rumänien wächst sie auf extrem trockenen Karstfelsen. Sie hat ein wertvolles Holz, weswegen sie auf dem Balkan stark dezimiert wurde.

  • Verbreitungsgebiet: Balkan und Türkei sowie Kaukasus
  • frostresistent bis −38 Grad
  • sehr geringer Wasserbedarf
  • raschwüchsig
  • max. 35 m Höhe
  • Brusthöhendurchmesser bis 110 cm (wipfelschäftige Bäume)
  • ausgesprochen wipfelschäftig (kaum Zwiesel)
  • sehr wertvolles Holz (Möbelholz)
  • im Ursprungsgebiet wegen überstarker Holznutzung weitgehend verschwunden

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

Die Baumhasel wächst als sommergrüner Baum und erreicht Wuchshöhen von bis zu 35 m. Sie bildet einen Stamm und eine schlanke kegelförmige Baumkrone aus. Die wechselständig und zweizeilig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist herzförmig, spitz und gelappt bis doppelt gesägt.[2]

Die Früchte stehen gedrängt und sind von einer vielfach geschlitzten, aber nur wenig längeren Hülle umgeben. Sie bildet im Banat ganze Bestände, aber ihre Nüsse sind kleiner und härter als die der anderen Arten. Die im Vergleich zur Gemeinen Hasel (Corylus avellana) etwas kleineren Nüsse reifen in aus fünf bis acht Nüssen bestehenden Fruchtständen, von harzigen Stacheln umgeben, mit krausen Hüllblättern.

 
Der reife, bereits vom Baum gefallene Fruchtstand der Baum-Hasel

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[3]

VorkommenBearbeiten

Die Baumhasel kommt von Südosteuropa bis zum nördlichen Iran vor.[4] Sie gedeiht in Gesellschaften der Ordnung der wärmegebundenen Flaumeichenwälder (Quercetalia pubescentis-petraeae).[3]

Das nördlichste autochthone Vorkommen befindet sich bei Oravita (Rumänien), nicht weit vom Eisernen Tor der Donau entfernt. Die westlichsten Vorkommen sind in Bosnien-Herzegowina.

Nedyalkov (1978) erwähnt natürliche Vorkommen im Norden des Iran in den Bergen der Hyrkanischen und Turanischen Region. Alexandrov (2014) veröffentlichte eine Verbreitungskarte mit Vorkommen im Iran und Afghanistan. Zu überprüfen wären die Literaturangaben über Vorkommen im Iran sowie in Afghanistan, weil Forstwissenschaftler des Iran (Sagheb-Talebi) keine aktuellen Vorkommen bestätigen konnten.

WaldgesellschaftBearbeiten

Die Baumhasel kommt überwiegend einzeln eingemischt in Buchen-Edellaubwäldern vor. Sie ist offensichtlich konkurrenzschwach (ähnlich wie unsere Elsbeere) und hat ihr ökologisches Optimum da, wo andere Baumarten ihr auf trockenen Standorten nicht mehr gefährlich werden können. In rumänischen Karstgebieten bildet sie kleine Reinbestände, wo wegen Wassermangels andere Baumarten wie Rotbuche, Spitzahorn, Esche, Elsbeere, Orienthainbuche, Silberlinde oder Birne nicht mehr gedeihen können (eigene Untersuchung 2013; Bachelorarbeit Neumann 2015). In Montenegro kommt sie zusammen mit Tanne und Buche vor (Cikovac 2002). In der Türkei wächst sie in Mischbeständen mit anderen Edellaubbäumen und Buche.

 
Am Wildstandort im „montanen Mischwald mit Weißtanne“ im Orjen, Montenegro

StandortansprücheBearbeiten

HöhenverbreitungBearbeiten

Im Kaukasus kommt sie bis in 1750 m ü. NN vor (Sokolov 1977), in der Türkei bis 2000 m (Genc 1998), in Rumänien bis 1200 m (Haralamb 1967), in Montenegro bis 1435 m (Cikovav 2002), in Serbien bis 1450 m (Beus 1970).

NiederschlägeBearbeiten

In der Türkei gedeiht sie in Bereichen mit 480 mm Jahresniederschlag, die Verdunstung ist allerdings aufgrund der hohen Temperaturen wesentlich höher als in Mitteleuropa (Temel 2017). Auf dem Balkan liegt der Niederschlag teilweise über 1500 mm.

WasserbedarfBearbeiten

Baumhasel benötigt sehr wenig Wasser, wie ihr Vorkommen im rumänischen Karst beweist. Sie kann auch auf trockenen Standorten angebaut werden, hat hier natürlich wie alle Baumarten nur geringe Zuwächse. Sie gedeiht hier allerdings besser als fast alle anderen Baumarten. Auf gut wasserversorgten Standorten zeigt sie ein rasches Wachstum. Wechselfeuchte Böden sind für sie ungeeignet.

 
Baumhasel wächst auf extrem trockenem, felsigem Standort (Karst; Oravita/ Rumänien)

TemperaturenBearbeiten

Die Jahresdurchschnittstemperatur in den Verbreitungsgebieten der Türkei liegt bei maximal 10,7 Grad (Temel 2017) bzw. bei 10,9 Grad (Bolu), in Bosnien (Konjic) bei 12,7 Grad und in Serbien (Kursumlija) bei 11,8 Grad (Seho 2018). Die maximale Minustemperatur liegt bei minus 38 Grad, die Hitzetoleranz bei plus 40 Grad (Palashev und Nickolov 1979).

LichtbedarfBearbeiten

Junge Baumhasel wachsen immer direkt senkrecht nach oben, notfalls auch durch die Äste eines Holunders hindurch. Sie wächst nie schräg zum Licht, wie Nussbäume es tun, wenn Nachbarbäume sie beschatten. In Bulgarien wächst sie unter alten Rotbuchen (G. Huber, ASP Bayern). Wie hoch der Lichtbedarf ist und wie gut sie im Halbschatten wächst, wäre noch zu klären.

NährstoffbedarfBearbeiten

Im Ursprungsareal besiedelt sie nährstoffreiche, kalkhaltige Böden, kommt aber auch auf Standorten mit geringer Nährstoffversorgung vor. Sie besiedelt Karststandorte und ist somit kalktolerant.

Aspekte der KulturbegründungBearbeiten

Blüte/ Fruktifizierung / Gewinnung von Nüssen

Sie kann schon als sehr junger Baum fruktifizieren. Der Blühzeitpunkt ist sehr unterschiedlich - manche Bäume blühen bereits im Januar, wenn es mild ist, andere erst im März, ähnlich wie der Haselbusch.

Daraus resultiert die unterschiedliche Fruchtreife, die bei Straßenbäumen auffällig ist. Von August bis Oktober sind Nüsse zu finden. In milden Wintern blüht sie bereits im Januar, kann dann aber von einem Wintereinbruch überrascht werden.

Nüsse

Alte Baumhasel tragen fast jedes Jahr reichlich Früchte, so dass man fast alljährlich Nüsse sammeln kann. Bei manchen Bäumen lassen sich die Nüsse nur sehr schwer aus den Fruchtbechern lösen. Auf diese Nüsse verzichtet man besser bei einer Sammelaktion. Die Nüsse werden von vielen Tierarten genutzt, die auch die Früchte des Haselbuschs verspeisen, wie Eichhörnchen, Wildschwein, Eichelhäher, Kleiber, Spechte.

Saat

Bislang liegen kaum Erfahrungen mit Saat vor. Die Saat sollte so erfolgen, dass keine Nüsse in größerem Umfang durch Tiere (Vögel, Mäuse, Schwarzwild) aufgenommen werden können. Daher ist Saat im Frühjahr vorzuziehen. Bei der Überwinterung des Saatguts ist zu beachten, dass die Nüsse 8 Wochen lang feucht gehalten werden, um die Stratifizierung (Aufhebung der Keimhemmung) durchzuführen.

Die Nüsse können im Sand in einer mäusesicheren Kiste gelagert werden. Wenn die Nüsse austrocknen, überliegen sie einen Sommer und keimen erst im darauf folgenden Frühjahr. Saat eignet sich insbesondere auf steinigen Kuppenlagen, wo Pflanzung nur schwer möglich ist.

Bezug des Pflanzguts

Baumhaselpflanzen in der Größe von 50 – 80 cm und einem Alter von 1 oder 2 Jahren sind bei Forstbaumschulen für etwa 1 bis 1,50 EURO (2018) erhältlich. Wenn die Forstbaumschule nicht in der Nähe des Kunden liegt und ein Pflanzentransport per LKW ausscheidet, besteht die Möglichkeit, sich die Pflanzen per Post schicken zu lassen. Da Pflanzen oft knapp sind, sollte man rechtzeitig bestellen und sich seinen Bedarf reservieren lassen.

In der Türkei werden Baumhaselpflanzen in großem Stil produziert, um sie als Veredelungsunterlage für den Haselbusch Corylus avellana zu verwenden. An der türkischen Schwarzmeerküste gibt in dem optimalen warmen Klima mit regelmäßigen Niederschlägen auf riesigen Flächen Haselnussplantagen (700.000 ha), wo Nüsse u. a. für die Nutellaproduktion gewonnen werden. Zum Vergleich: die hessische Waldfläche beträgt 870.000 ha. 76 % der weltweiten Haselnussproduktion erfolgt in der Türkei. Der jährliche Umsatz beträgt 1,9 Milliarden EURO, rund 8 Millionen ! Menschen sind dort in der Nussernte und der Weiterverarbeitung beschäftigt.

Pflanzung

Als Pflanzmaterial haben sich ein- oder zweijährige Pflanzen von ca. 50 cm Größe bewährt. Größere Pflanzen sollte man wegen des ungünstigen Spross-Wurzelverhältnisses nicht verwenden. Sie trocknen auch eher zurück, wenn Wassermangel im Frühjahr auftritt.

Dreijährige Pflanzen sollte man nicht verwenden. Sie sind einmal unterschnitten worden, wobei ihre Hauptwurzel abgeschnitten wurde. Außerdem sind ihre Wurzeln recht groß, so dass die Pflanzarbeit aufwändiger ist.

Baumhasel muss sehr zeitig im Frühjahr gepflanzt werden, da sie ihre Blättchen meist vor dem 1. April entfaltet.

Pflanzverband

 
Kultur im Verband 4x1m, geschützt mit Wuchshüllen (Münzenberg/ Hessen)

Der Pflanzverband ist davon abhängig, ob

  • ausreichend Pflanzgut verfügbar ist
  • die Pflanzfläche gut geräumt ist und im engen Verband leicht bepfanzbar ist
  • Pflanzkosten gespart werden sollen
  • sich die Fläche schnell schließen soll
  • Grünästung durchgeführt werden kann

Als Pflanzverband kommt alles zwischen 2,5x1 (Reihenabstand 2,5 m und Pflanzabstand in der Reihe 1 m) und 4x2 m in Frage: 2,5x1; 2,5x1,5; 2,5x2 bzw.3x1 ; 3x1,5 ; 3x2 bzw. 4x1 ; 4x1,5 ; 4x2

Beim Verband 4x2 muss gewährleistet sein, dass alle Pflanzen gedeihen und Ausfälle komplett nachgebessert werden. Nur dann schließt sich die Fläche und auf Grünästung kann verzichtet werden. Ausnahmsweise ist auch der Verband 7x1 denkbar. Bei stark mit Brombeere verwilderten Flächen, auf denen nicht in großem Umfang Schneisen für die Pflanzung freigelegt und die nicht flächig befahren und gemulcht werden sollen, kann man im Verband 7x1 m pflanzen. Die Fläche schließt sich allerdings erst recht spät, es muss länger freigeschnitten werden und die Bäumchen müssen grün geästet werden. Da der Abstand der Zukunftsbäume 12 bis 14 m beträgt, kann man auch bei einem Reihenabstand von 7 m ohne Probleme genügend Z-Bäume finden. Dies ist nur bei Baumarten möglich, die ausgesprochen wipfelschäftig wachsen, neben Baumhasel wäre dies z. B. Kirsche, Erle oder Pappel.

Weitverbände von 3x3 bis 6x6 haben sich nicht bewährt. Hier stehen zu wenige Pflanzen auf der Fläche und wenn eine Pflanze ausfällt oder aber sehr langsam oder qualitativ schlecht wächst, ergeben sich zu große Lücken. Baumhasel wachsen nicht immer so homogen auf wie Pappeln, bei denen Weitverband üblich ist.

Welche Flächen eignen sich für den Anbau?

Sowohl nährstoffreiche (eutrophe) als auch mittelmäßig nährstoffversorgte (mesotrophe) Flächen sind als Kulturflächen geeignet. Beim Wasserhaushalt sind frische bis trockene Standorte geeignet. Auf feuchten, nassen und wechselfeuchten Standorten kann Baumhasel nicht angebaut werden. Bei vergrasten Flächen muss man die Mäusegefahr bedenken, genauso wie beim Anbau von Buche, Kirsche oder Ahorn.

Größe der Kulturfläche

Die Mindestgröße der Pflanzfläche beträgt 15x15m, so dass später ein Baum hieraus erwachsen kann. Besser ist eine Kulturgröße ab 0,2 ha (40x50m) , so dass sich hieraus ein kleiner Bestand entwickeln kann.

Beispiele für geeignete Kulturflächen

  • Eichenkultur in der Nähe eines Wegs: ein Teil kann mit Baumhasel bepflanzt werden. Am Weg hat man die Kultur gut im Blick.
  • Kiefernwald auf trockenem Standorten soll mit Laubholz angereichert werden. Baumhasel ist für trockene Standorte prädestiniert.
  • schlecht geräumte Fläche mit viel Reisig oder Brombeere soll im Weitverband bepflanzt werden. Da Baumhasel wipfelschäftig wächst, kann sie im Gegensatz zur Eichegut weitständig gepflanzt und später geästet werden.

Das Freischneiden auf unkrautwüchsigen, nährstoffreichen Standorten muss sehr früh im Jahr erfolgen, damit man die Bäumchen gut findet. Ihre Blätter sind wenig markant und ähneln denjenigen der Himbeere oder Brombeere. Beim Freischneiden hat man große Schwierigkeiten, die Blätter der Baumhasel zu entdecken. Daher hat es sich sehr bewährt, neben die Bäumchen jeweils einen Robinienstab (Kosten ca. 0,40 EURO) zu stecken, so dass man auch in hohem Unkrautwuchs die Baumhasel problemlos finden kann.

Schutz gegen Wild

Bei hohem Wilddruck und kleiner Pflanzfläche muss die Kultur durch Zaun oder Wuchshüllen geschützt werden. Ein Verstänkern der Kultur mit Arbinol (Buttersäure) hat sich als wirkungslos erwiesen. Der Rehbock fegte direkt neben dem Fläschchen mit frisch ausgebrachten Arbinol. Grünästung

Bei weiteren Verbänden (ab 3x2m) sollte eine Grünästung durchgeführt werden, damit die Äste nicht zu stark werden. Es ist damit zu rechnen, dass Bäume ausfallen bzw. im Wuchs zurückbleiben und die Vorwüchse dann stärkere Äste ausbilden.

Die Grünästung sollte dynamisch durchgeführt werden - dicke Äste absägen, dünnere Äste noch belassen. Wenn Äste 3 cm an der Astbasis aufweisen, sollen sie entnommen werden. Keinesfalls dürfen die Äste bei der Ästung zu stark sein. Bei Straßenbäumen sind allerorten negative Beispiele zu sehen, wo über 10 cm große Schnittwunden nur sehr langsam und schlecht überwallt werden und Fäule in den Stamm eindringen kann.

Der günstigste Zeitpunkt für die Ästung ist wohl Juni und Juli - vorher kann noch Baumsaft aus der Wunde laufen (bluten), ab August ist die Überwallung nicht mehr so stark, da das Wachstum nachlässt. Bei Astung im Winterhalbjahr werden wohl eher Wasserreiser an den Schnittstellen ausgebildet. Wasserreiser sollten vermieden werden, da diese wiederum abgesägt werden müssen. Es sind noch Untersuchungen nötig, bei welchem Schnittzeitpunkt die Entstehung von Wasserreisern am stärksten angeregt wird. Baumhaselbestände müssen nicht alljährlich geästet werden, da sie nicht so raschwüchsig sind wie Nussbäume.

Eine Ästungshöhe von 5,5 bis 6 m ist sinnvoll, so dass man später einen astreinen Stamm hat, der eine doppelte Türhöhe ergibt. Vereinzelt kommen Zwiesel auch bei Baumhasel vor. Wenn Bäume in weitem Abstand auf der Fläche stehen, können Zwieselschnitte sinnvoll sein, damit alle Bäume wipfelschäftig aufwachsen. Bäumchen bis 5 m Höhe können wie ein Flitzebogen heruntergebogen werden, so dass man den Zwiesel in der Spitze schneiden kann. Bei Frost ist dies nicht möglich, weil der Stamm beim Biegen bricht. Wenn der BHD zu groß ist, lässt sich das Bäumchen nicht mehr biegen.

Abstand der Zukunftsbäume (Z-Bäume)

Die Z-Bäume sollen im Abstand von 12 bis 15 m stehen. Bei diesem Abstand können die Z-Bäume Dimensionen von 80 cm BHD erreichen. Bei geringeren Z-Baumabständen sind nur entsprechend geringere Dimensionen möglich. Der Kronendurchmesser der Altbäume kann 15 m betragen, wie an Stadtbäumen zu sehen ist.

Biotische und abiotische GefahrenBearbeiten

Mäuse stellen eine erhebliche Gefahr dar. Der Stammansatz von Baumhasel wird genauso gern von Mäusen geschält wie Buche oder Kirsche. Selbst Baumhasel, die am Wurzelhals 10 cm dick waren, wurden durch Mäusefraß zum Absterben gebracht (Lich/ Hessen, 2014). Gegen Mäuse helfen Wuchshüllen, glatte Fegeschutzmanschetten oder Rodentizide.

Verbiss oder Fegen durch Rehwild wird durch Zaunbau oder Wuchshüllen verhindert.

Stadtbäume sterben vereinzelt ab wegen Verticillium dahliae, der Verticillium-Welke, einer Pilzinfektion, die über beschädigte Wurzeln (Baggerarbeiten bei Stadtbäumen) eindringt. Eine weitere Ursachen für das Absterben von Stadtbäumen ist noch nicht geklärt. Verdächtigt werden pflanzenpathogene Bakterien der Gattungen Pseudomonas und Xanthomonas (Kehr, 2014). Sie werden eventuell bei Astschneidearbeiten mit infizierten Astscheren übertragen.

Frost ist gefährlich, wenn er um den 1. April auftritt, wenn die zarten Blättchen sprießen. Bäumchen innerhalb der Wuchshüllen überstanden Frost ohne Schäden, während ungeschützte Bäumchen zurückfroren. Sie machen dann einen Johannistrieb aus dem Wurzelhals heraus, der bis zu 50 cm lang sein kann. Spätfröste im Mai oder Juni können dem Baumhasel nichts anhaben, weil die Blätter dann schon gefestigt sind.

Straßenbäume können absterben bei zu hohen Einträgen von Streusalz, größeren Eingriffen ins Wurzelsystem (Baggerarbeiten) und durch Bodenverdichtung

WachstumBearbeiten

Alter bzw. AltersschätzungBearbeiten

In der Literatur findet sich als maximales Alter 200 Jahre (Alexandrov 1995, s, S. 217) bzw. 200 Jahre (bei Schmidt 2003). In Oravita (Rumänien) wurden Bäume gebohrt und das Alter auf 330 Jahre geschätzt.

Bei Afyon-Derecine (Türkei) steht ein Baum, dessen Alter auf 340 Jahre geschätzt wird, ein weiterer wird auf 620 Jahre geschätzt (Genc 1998). Bei Rogatica (Bosnien) wird ein Baum mit dem BHD 240 cm auf 460 Jahre geschätzt.

Das Problem bei alten Bäumen besteht darin, dass der Baumstamm hohl ist bzw. man mit dem Zuwachsbohrer nur die äußeren 30 cm des Stamms beproben kann. Das Alter muss anhand der außen gebohrten Jahrringe geschätzt werden. Man weiß leider nicht, wie breit die Jahrringe im Inneren des Stamms waren. Alte Bäume können in den letzten Jahrzehnten sehr enge Jahrringe bilden. Wenn man unterstellt, dass sie auch in der Jugend ähnlich enge Jahrringe gebildet haben, wird das Alter ganz erheblich überschätzt.

Wuchseigenschaften

Die Wurzel wird als Pfahlwurzel ausgebildet, die bis zu 4 m tief wächst (Alexandrov 1995). Die Krone ist in der Jugend oft pyramidenförmig oder spitz ausgeformt, im Alter generell breiter und gerundet.

 
ausgesprochen geradschaftige Stämme, 11-jährig, Verband 3x1m (Versuchsfläche Glaswein/ Waldviertel Österreich)

Die natürliche Astreinigung ist sehr gut. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Bismarckwald bei Würzburg, wo Stämme mit 15 m astfreiem Stamm zu sehen sind. Baumhasel ist somit kein Totasterhalter wie die Kirsche.

 
wipfelschäftiger Straßenbaum (Dorheim/ Hessen)

Geradschaftigkeit - der Anteil der geraden Stämme ist bei Baumhasel ausgesprochen hoch

Wipfelschäftigkeit - ein besonderes Charakteristikum der Baumhasel ist der ausgeprägt wipfelschäftige Wuchs, ähnlich wie bei Pappel oder Erle. Die Stämme wachsen meist bis in den Wipfel ohne Zwieselbildung. Daher müssen nicht so viele Pflanzen bei der Kultur gepflanzt werden, wie z. B. bei Buche oder Eiche.

 
zahlreiche Stockausschläge an einem Altbaum in Oravita, Rumänien

Bei Wurzelbrut schlagen Schösslinge in größerem Abstand vom Stamm aus der Wurzel aus. Dies ist bei Baumhasel bislang nicht bekannt geworden.

Stockausschlag ist in dem urwaldartigen Bestand bei Oravita (Rumänien) an zahlreichen Bäumen (direkt am Stamm des Altbaums) zu sehen. Bei jungen Bäumen sind es manchmal zahlreiche wenige Zentimeter dicke Stockausschläge, an Altbäumen wachsen teilweise sehr starke Stockausschläge. Stirbt ein junges Bäumchen ab, werden Johannistriebe ausgebildet.

HöhenwachstumBearbeiten

Wuchsvergleich mit anderen Baumarten: es ist sehr standortabhängig, wie sich das Höhenwachstum der Baumhasel im Vergleich zu anderen Baumarten darstellt. Auf gut wasserversorgten, eutrophen (nährstoffreichen) Böden in Lich (Hessen) sind im Dickungsstadium gleichaltrige Berg- und Spitzahorne und Kirschen der Baumhasel im Wuchs deutlich überlegen, während Rotbuche und Traubeneiche langsamer wachsen. Auf einer süddeutschen Versuchsfläche (Heilbronn) wurde die Höhenentwicklung von 16-jährigen Baumhaseln gemessen (Schölch, in Seho 2017). Sie wuchsen auf sehr gutem Standort (Weinbaugebiet, Feinlehm) teilweise schneller als Kirschen.

Auf mesotrophen oder trockenen Standorten kann man davon ausgehen, dass Baumhasel im Höhenwuchs mit den ansonsten sehr schnellwüchsigen Bergahornen und Kirschen mithalten kann. Maximal erreicht sie Höhen von 35 m

DickenwachstumBearbeiten

Tiefzwiesel sind oft dicker als wipfelschäftige Bäume und können beachtliche Dimensionen erreichen. Solitärbäume mit ihren großen Kronen sind naturgemäß dicker als Bäume im Waldbestand, die weniger Platz für die Ausbildung ihrer Krone haben. Im Wald gibt es bei uns nur Baumhasel, die jünger als 60 Jahre sind, so dass noch keine starken Waldbäume vorkommen. In unseren Städten sind gelegentlich Stadtbäume mit Dimensionen von über 100 cm Brusthöhendurchmesser (BHD) zu finden.


Auf gleichen Standorten holt die Buche die Baumhasel in Bezug auf den Durchmesser erst im Alter von über 100 Jahren ein (Ghimsey 1980 in Alteheld 1996). Als maximaler Jahrring wurden 13 mm gemessen in der Altersperiode 5–10 Jahre, der durchschnittliche Jahrring lag hier bei 8,3 mm (Sauen/ Brandenburg; Wich 2015).

Die Breite des Jahrrings ist abhängig vom Baumalter, Nährstoff-, Wasser- und Wärmeangebot sowie Standraum (Kronendurchmesser). Im Extremfall wie in Oravita (rumänischer Karst), wo 300-jährige Bäume am Rande der Existenzfähigkeit stehen, kann er über lange Perioden lediglich 0,5 mm betragen.

Zuwachs von Beständen

Über den langfristigen Massenzuwachs von Beständen liegen noch keine Daten von Zeitreihen vor.

Bestandesvorrat In Oravita (Rumänien) ermittelte Neumann (2015) im Naturwald auf 6 Probekreisen Grundflächen von 34–38 m² und Vorräte von maximal 214 Vfm/ ha Baumhasel, wobei der Gesamtvorrat des Probekreises bei 406 Vfm/ ha lag ; die anderen beteiligten Baumarten waren Silberlinde, Hainbuche und Esche.

Anbau in MitteleuropaBearbeiten

Die ersten Baumhasel wurden 1582 aus Constantinopel (Istanbul) nach Merkenstein (Niederösterreich) gebracht (Beck von Managetta 1890): Beck von Managetta schreibt in der 1890 erschienenen Flora von Niederösterreich über Corylus colurna: „ Im Jahre 1582 aus Constantinopel nach Niederösterreich gekommen und hier in den Gärten cultiviert; auch manchmal verwildert, wie in den Wäldern bei Merkenstein.[20 km sdl von Wien.] Türkische Haselnuss“.

Der Chronist der Pfarren des Stiftes Melk [70 km westl. von Wien], Ignaz Franz Keiblinger, berichtet „von den ehrwürdigen zwei türkischen Haselnussbäumen (Corylus arborea), welche zur Zeit des Kaisers Leopold I. zwischen 1690–1693 durch den gewesenen kaiserlichen Gesandten in der Türkei, Hofrath Franz Anton Edlen von Quarient und Raal, gepflanzt worden sein sollen, wovon aber der eine im Jahr 1854 ausstarb.“

Auszug aus dem „Waldwirt“ (1996): „1582 und 1586 erhielt der österreichische Kriegsrat Baron von Ungnad aus Konstantinopel erstmals Saatgut von Baumhasel. Clusius aus Frankfurt säte von diesen Nüssen aus und im Jahr 1593 war ein daraus erwachsene Baum schon über mannshoch.“ Es muss aber schon früher eine Baumhasel nach Frankfurt gekommen sein, denn 1657 wird im Garten des Kaufmanns Dufay eine beschrieben, die an Höhe und Breite fast den größten Eichbaum übertraf. Fast 30 m hoch mit 1/3 davon Schaft, war sie so stark wie „vier Männer im Leibe“. Dieselbe Baumhasel wird 1736 als so hoch und dick beschrieben, dass sie „kein Lindenbaum übertreffen dürfte“.

Im forstlichen Standardwerk von Carl Alwin Schenck 1939 (Fremdländische Baumarten), in dem sämtliche Baumarten der Nordhemisphäre aufgeführt wurden, fehlt die Baumhasel. Vermutlich wurde sie vergessen, weil sie in der Natur nach Übernutzung der Bestände weitgehend verschwunden und oft nur noch kleinwüchsige Bäumchen auf ungünstigen Standorten übriggeblieben waren. Weil sie in dem o. g. Buch fehlt könnte der Grund dafür sein, dass sie bei den vielen forstlichen Anbauversuchen von fremdländischen Baumarten nie berücksichtigt wurde.

Vermutlich kann man in allen deutschen Städten Baumhasel als Straßenbaum finden. Seit über hundert Jahren wird sie gepflanzt, zahlreiche ältere Bäume sind in den Städten zu finden. Zunächst wurde sie wohl überwiegend im süddeutschen Raum gepflanzt. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass sie im benachbarten Österreich schon länger als Straßenbaum Verwendung fand.

Seit etwa 1990 wird sie in Städten vermehrt gepflanzt. Wegen ihrer Dürreresistenz gilt sie als gut geeignet für den Straßenraum, wo wegen Versiegelung wenig Wasser zur Verfügung steht. Sie ist aber nicht sehr salztolerant. An Landstraßen wird Baumhasel entsprechend den Vorgaben der Straßenbauverwaltung nicht gepflanzt, da sie mit ihren Nüssen Tiere an die Straße locken würde, die überfahren werden könnten.

Im Wald dagegen wurden vor dem Jahr 2010 in Mitteleuropa erstaunlicherweise nur sehr vereinzelt Baumhasel gepflanzt, obwohl man in vielen Städten sehr gutwüchsige Exemplare findet. Nur eine winzige Waldfläche von ca. 13 ha wurde mit Baumhasel bepflanzt. Im Jahr 2010 wurde mit einem verstärkten Anbau begonnen.

Baumhasel und KlimawandelBearbeiten

Kriterien für neue Gastbaumarten (laut Kölling 2008):

höhere Massen- oder Wertleistung als einheimische Baumarten auf demselben Standort

Baumhasel wächst schneller als Eiche

Erzeugung wertvollen Holzes

Baumhasel produziert Wertholz mit hohen Preisen

Anpassung an unser Klima

Baumhasel hat geringen Wasserbedarf, mit ausgeprägten Dürre- und Frostperioden kommt sie klar. Als europäische Baumart kennt sie unsere Großwetterlagen.

keine gravierenden Probleme mit biotischen oder abiotischen Schädigungen

mit Pilzen, Insekten, Frost, Schneebruch, Sturm sind keine Probleme bekannt

keine Verschlechterung des Bodenzustands

ihre Streu ist gut abbaubar, der Boden versauert nicht und wird nicht ausgezehrt

keine invasive Art ihre Verjüngung ist mit Eiche vergleichbar, ihre Früchte werden wie beim Haselbusch gern von Tieren aufgenommen

Beispiele für größere BaumhaselbeständeBearbeiten

Der größte deutsche Altbestand: Bismarckturm bei Würzburg

Am nördlichen Stadtrand von Würzburg, 150 m westlich des Bismarckturms befindet sich ein etwa 0,6 ha großer Bestand, der 1950 bei der Anlage des Stadtrandwaldgürtels gepflanzt wurde. Rund 70 herrschende Bäume mit maximalen Höhen von 22 m und BHD bis 29 cm sind hier zu finden. Die Kronen sind klein, viele Baumhasel weisen nur kleine Pinselkronen auf, da der Bestand nie durchforstet wurde und nur aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht Bäume entnommen wurden. Entsprechend gering ist die Durchmesserentwicklung. Der Bestand bietet die einmalige Chance, die Regeneration und Dynamik von spät freigestellten Baumhaselkronen zu dokumentieren. Beeindruckend ist die hervorragende Astreinigung, viele Stämme sind auf 15 m astfrei. Im Bestand beigemischt sind Spitzahorn und Esche, diese haben wesentlich größere Kronen als der Baumhasel, sind aber nur geringfügig höher.


Ein großer, urwaldartiger Reinbestand in den rumänischen Karpaten: Oravita (gesprochen "Oraviza")

Im Nationalpark Cheile Nerei-Beusnita, 100 km SSO von Timisoara (Temeschburg) bzw. 13 km SSO von Oravita bzw. 6 km ONO von Sasca Romana, befindet sich ein sehr naturnaher Baumhaselbestand mit einer Größe von 17 ha. Der Bestand liegt in einer Höhenlage von 570 – 800 m ü. NN, wo im Winter ein Meter Schnee liegen kann, während die Sommer oft nur wenig Niederschläge bringen. Das Ausgangsgestein ist Karst (Kalkstein), der Bestand ist großflächig blocküberlagert mit sehr hohem Skelettanteil und sehr geringem Feinbodenanteil. Oft steht der blanke Fels an und man ist erstaunt, dass hier so starke Bäume wachsen können, die allerdings nur eine geringe Oberhöhe von 20 m erreichen. Auf sehr trockenen Flächen fallen andere Baumarten aus und Baumhasel bildet dann Reinbestände. In Arealen mit besserem Boden stehen 30 m hohe Baumhasel und der Anteil der anderen Edellaubbbaumarten Berg- und Spitzahorn, Kirsche, Elsbeere, Silberlinde, Hainbuche und Rotbuche nimmt zu. Auffällig ist der hohe Anteil der wipfel- und geradschäftigen Bäume. Bemerkenswert ist, dass an vielen Stämmen Stockausschlag zu sehen ist, teilweise sind es Dutzende dünner Ruten, manchmal auch nur vereinzelte. Gelegentlich stehen Altbäume sehr eng beieinander, offensichtlich sind sie aus Stockausschlägen hervorgegangen. Naturverjüngung findet man im gesamten Bestand praktisch gar nicht, so dass vermutlich die Vermehrung über Stockausschläge eine große Bedeutung hatte.

Der stärkste Stamm, ein Triesel (nicht Zwiesel), hatte einen BHD von 115 cm BHD, Zwiesel mit BHD 97 cm bzw. 107 cm wurden gemessen und der stärkste wipfelschäftige Baum hatte einen BHD von 101 cm. Auf 3 Probekreisen (Richter 2013) mit besonders hohem Baumhaselanteil wurden Vorräte für alle Baumarten von 264 Vfm / ha ermittelt, der Anteil der Baumhasel betrug bei den starken Bäumen (> 50 cm BHD) 57 bis 71 %. Mehrere Bäume wurden gebohrt und die Jahrringstärken ermittelt, sie lagen über längere Perioden bei 0,4 bis 2,2 mm, ausnahmsweise bei 4 mm. Zu berücksichtigen ist, dass es sich um einen trockenen Standort mit geringen Zuwächsen handelt und dass keine Durchforstungen stattfanden. Die Kronendurchmesser sind entsprechend gering. Das Alter der ältesten Bäume wurde anhand der Bohrkerne auf 300 Jahre geschätzt. Da nicht bis zum Stammzentrum gebohrt werden konnte, wurde anhand der Jahrringstärken eine Schätzung vorgenommen.

Auf 6 repräsentativ ausgewählten Probekreisen (Neumann 2015) betrug der Baumhaselanteil durchschnittlich 33 % (20–50 %), die Bestandesgrundfläche 34 – 38 m²/ha, der Vorrat aller Baumarten 383 – 428 Vfm / ha . Die Baumhöhen lagen zwischen 22 und 30 m, der Kronendurchmesser bei den stärksten Bäumen betrug 7 m (bei Baumhaseln in der Stadt liegt er oft bei 15 m.)

Die Schaftformen sind überwiegend gerade und wipfelschäftig, meist mit 10 bis 15 m Stamm, dann kommt der Kronenansatz. Auffällig sind die vielen Bäume mit Stockausschlägen.

Dieser Bestand ist eine Ausnahmeerscheinung, weil er so großflächig ist und weil er auch Bereiche beinhaltet, wo Baumhasel auf Bereichen mit hohem Feinerdeanteil zu großen Bäumen heranwachsen kann. Meist findet man Baumhasel auf dem Balkan nur auf kargen, trockenen Böden, weil die konkurrenzkräftigen Baumarten wie Buche, Ahorn, Esche, Kirsche ihn auf den besseren Standorten nicht zum Zuge kommen lassen. Daher sind meist nur geringwüchsige Baumhasel zu sehen.

 
Baum-Hasel als Straßenbaum

NutzungBearbeiten

Die Nüsse sind essbar und werden gerne zum Backen (Nusskuchen) verwendet. Sie haben einen angenehm milden Geschmack und sind lange haltbar.

Das Holz ist lichtbraun und zur Herstellung von Möbeln und Schnitzereien geeignet.

Aufgrund ihrer Robustheit und ihres schlanken Wuchses wird die Baum-Hasel in Mitteleuropa gerne als Straßenbaum gepflanzt.

HolzBearbeiten

"In früheren Zeiten" wurden Baumhasel in Naturwäldern stark genutzt, was einen deutlichen Hinweis auf ihr wertvolles und beliebtes Holz gibt. Seit langer Zeit sind kaum mehr nutzbare Stämme in verkehrsgünstiger Lage vorhanden, nur in unerreichbaren, abgelegenen Wäldern stehen noch vereinzelt starke Baumhasel. Daher ist sie als Holzart auch unter Forstleuten weitgehend unbekannt.

NutzungsgeschichteBearbeiten

Bis zum letzten Türkenkrieg kamen große Mengen des „türkischen Haselnussholzes“ die Donau hinauf nach Wien in Klötzen von 42x42 bzw. 65x65cm Durchmesser:

„Noch bis zum letzten Türkenkriege (1788) wurde eine sehr große Menge Holz auf der Donau nach Österreich unter der Benennung „türkisches Haselnussholz“ in sehr großen, mehrere Quadratfuß (65x65 cm) im Durchmesser haltenden Klötzen gebracht, in dem es vormals nebst dem Eibenholz eines der beliebtesten, kostbaren Tischlerhölzer zu Möbeln war, wovon sich viele in Wien finden“.

„Diese wertvolle Eigenschaft der Baumhasel, als Nutzholz in der Möbeltischlerei verwendet zu werden, scheint bei den Forstleuten der Jetztzeit gänzlich in Vergessenheit geraten zu sein. Es verdient daher der Anbau der türkischen oder Baumhasel im Großen als Waldbaum von Neuem angeregt zu werden. Dass der Baum in unserem deutschen Klima gut gedeiht und sich kräftig, wenn auch langsam entwickelt, ist durch zahlreiche, vereinzelte Exemplare erwiesen. Es dürfte daher einer Einstellung dieser Holzgattung in unsere Forstkulturen kaum einer nennenswerten Schwierigkeit begegnen.“ (Goeschke 1887; in Hilfreich, Heinrich 1996).

Extreme Übernutzung der Bestände erfolgte bis zum Mittelalter, in der Natur ist sie weitgehend ausgerottet (vergleichbar mit der Eibe), verschiedene ehemalige Bestände sind heute Karst (unbewachsene Steinflächen), daher ist die Baumhasel heute selbst in den Ursprungsländern weitgehend unbekannt. Eine Angabe zur Nutzung findet sich bei (Alteheld 1996): „Von der örtlichen Bevölkerung im Kaukasus wird das Holz als Baumaterial und gut zu bearbeitendes Material hoch geschätzt“.

„Vielerorts [im Kaukasus] war auch das wertvolle Holz Anlass zu einer Übernutzung, so dass verschiedene Populationen fast ausgerottet wurden“ (Schmidt 2003).

Verwendung des Holzes als Lederimitat und massive Ausbeutung der Naturwälder

Eine interessante Veröffentlichung über die Verwendung des Holzes als Lederimitat und die massive Ausbeutung der Naturwälder im 19. Jahrhundert findet sich in folgender Quelle:

Vom Domogled. - Wien : Verlag des Österreichischen Reichsforstvereines, 1871. - S. 553–555; (Österreichische Monatsschrift für Forstwesen 1871). "Noch eine andere botanische und forstliche Merkwürdigkeit hat die Gegend des Domogled. Es sind dies Prachtbäume von Corylus colurna. Ich sage mit Recht Prachtbäume, denn so weit ich noch in Europa herum gekommen bin, habe ich nirgends ihres Gleichen gesehen. Selbst die einst berühmten – jezt aber nicht mehr existierenden – zwei Türkisch – Haselbaumriesen im Schloßparke von Merkenstein bei Wien, standen gegen die Perlen bei Mehadia zurük, zwar nicht an Stärke, aber weit an Schönheit des Wuchses und üppiger Lebensfreudigkeit.

Wer hat noch vor wenig Jahren dem Türkisch-Haselnußbaum Aufmerksamkeit geschenkt? Niemand, als höchstens der Botaniker oder ein mit botanischen Grillen behafteter Gartenfreund ! Heute ist das ganz anders. Ein Pfiffikus fand nemlich heraus, dass das politierte Reifholz der Colurna gerade wie Leder aussehe, und flugs verfertigte er aus selbem Chatouillen, Reise – und andere Necessaires, Portemonnaies, kurz, Alles, was die heutige elegante Welt von bestem Galanteriestand mit Leder zu überziehen pflegt. Und in der That, diese Objekte geben sich nicht nur echt zierlich, sondern auch zum Täuschen dem Leder ähnlich.

Damit war das Glük diese und einiger anderer guten Wiener gemacht, die sich der sogenannten „Erfindung“ alsbald bemächtigten Unsere Modeleute, die einen ungeheuren Werth darauf legen, wenn Eisen wie Holz und Holz wie Eisen dargestellt wird – es ist dies wahrscheinlich ein Ausfluß der jezt regierenden Leidenschaft für das Maskenwesen – fanden das superb, entzückend, und so wurden diese Nippsachen, diese Lederimitazionen aus Türkisch-Haselnuß ein sehr gesuchter und gut bezahlter Galanterieartikel. Willst Du, lieber Leser, derlei sehen, so brauchst Du nur die prachtvollen Auslagen von Klein in Wien zu mustern; dort bliken Dir diese ledernen Imitazionen – pardon : Lederimitazionen in ihrem vollen nekischen Reiz entgegen, gerade als wenn sie Dich fragen wollten: Kennst Du, schöner Herr, diese Maske? Karl Stenzel in Wien ist derjenige, welcher am meisten in diesem Zweige macht; er hat 1867 auch in Paris ausgestellt und nicht nur die bronzene Medaille erhalten, sondern auch eine ganze Garnitur von Neccessaires, Bijons, Etuis und derlei für uns wiener Franzosen vollkommen geläufigen „uis“ an den damaligen Kronprinzen, jezigen Königs von Belgien, oder wie man in jenem Zwitterlande lieber hört – König der Belgier abgesezt. Nur mit dem Rohstoffe ging es von Anfang an nicht leicht; denn es bedurfte starker Stämme, umsomehr, als der Splint, für diesen Zwek nichts taugt, weil er weiß und nicht lederbraun ist. Zuerst mussten die obgenannten Merkensteiner Haselriesen dran, hierauf was sonst noch in Parks oder in Wäldern von Oberungarn zu haben war. Aber natürlich war man auch hier bald zu Ende, denn die Colurna erscheint nur sehr vereinzelt im Walde eingesprengt, sie war bisher nie ein Gegenstand der Kultur und starke Stämme gar waren in den oberen Gegenden des Reiches [Österreich-Ungarn] von jeher sehr selten. In seiner Verlegenheit wendete sich der medaillirte Fabrikant an den Vertreter des österr. Forstwesens bei der lezten Pariser Weltausstellung, der schon gar vielen mit Ideen, Rath und That ausgeholfen hat. Dieser empfahl ihm den Südosten Oesterreich-Ungarns, das Banat, die Militärgrenze und Siebenbürgen, dann Bosnien und Serbien, und gab ihm Adressen zur Anknüpfung der nöthigen Verbindungen. Herr Stenzel hat überdies eine Aufforderung zu Lieferungsanmeldungen in die österreichische Monatsschrift für Forstwesen einrüken lassen. Das Alles wirkte, und Herr Stenzel hat jezt im Südöstlichen Ungarn seine Holzlieferanten, die soeben im Begriffe sind, die Gegend von Mehadia auszubeuten. Ich sage mit Bedacht, ausbeuten, denn sind einmal die dortigen Wälder von ihren prächtigen Haseln – Ueberbleibsel der ablaufenden Urwaldzeit – entleert, so ist des für immer aus mit diesem seltenen Schaze, da kaum daran zu denken ist, dass diese Baumart nachgezogen werde. Wer möchte wohl auch in unserer schnelllebigen Zeit hundert und mehr Jahre warten, die neue Pflänzlinge brauchen, um zu brauchbaren Bäumen heranzuwachsen?! Die Corylus colurna erscheint in der Gegend des Domogled. U. a. auf dem Kalkboden zwischen 2000-3000` [Fuß= 31,6 cm; somit 632 – 948 m] Seehöhe in schönen, geraden Stämmen bis 2 `[63 cm] Durchmesser und einer brauchbaren Schaftlänge von 4 `` [Rute = 10 Fuß = 3,16 m; somit 4 Ruten = 12,64 m]. Das Reifholz besizt frisch eine lichtrosenrothe Färbung, einen 1-2 `` [Zoll; 2,63 cm bis 5,26 cm] breiten Splintring, der weiß ist und gegenwärtig noch keinen Werth hat und somit als Abfallholz zurükgelassen wird. In Waldtaxe für den Kubikfuß Kloz auf dem Stoke zahlen die Lieferanten 1 G (Gulden ??). Wegen bedeutender Nachfrage werden die Stämme nur im Versteigerungswege abgegeben, demzufolge in diesem Frühjahr ein Quantum von 800 Kubikfuß pr. 2 G. 40 kr. ö. W. [Gulden; Kronen, österr. Währung] veräußert worden ist. 1 Kubikfuß ganz trokenen Holzes wiegt 35 Pfund. Da die Colurna nur in felsiger und steiniger Lage und bedeutender Höhe vorkommt, so ist die Ausbringung schwer und kostet etwa den dritten Theil des Entstehungspreises, d. i. 80 kr. pr. [der ist 80 Kronen pro] Kubikfuß. Die Abbringung vom Fällungsorte hat mit Menschenhänden, Kutschen, mit Zuhilfenahme von Hebeln und Walzen statt. [soll wohl heißen: stattzufinden]. Sind einmal die Klöze im Thale, werden sie mit Ochsenzügen bis nach Petscheneska an die Hauptverbindungsstraße geschleift. Denn praktikable Fahrwege bestehen dort, wo dies Holz vorkommt, nicht."

Holzeigenschaften, Holzverwendung, PreiseBearbeiten

Holzeigenschaften

Das Holz wird als mäßig hart, mittelschwer und leicht bearbeitbar beschrieben.

Es hat ein exzellentes Stehvermögen, ändert also seine Form auch bei Änderung der Feuchtigkeit nicht mehr, wenn es einmal getrocknet war. Die Dimensionsstabilität (bei Holz auch: das Stehvermögen) bezeichnet die Eigenschaft von Stoffen, unter wechselnden Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit etc.) maßhaltig zu bleiben.

 
Holzstück mit überwalltem Ast

Holzverwendung

Das Holz war in Wien vor 1850 neben der Eibe das beliebteste und kostbarste Möbelholz. Nachdem die Naturwälder für Wien kein Baumhaselholz mehr liefern konnten, wurden Tropenhölzer wie Meranti als Ersatz eingesetzt. Es wird außer als massives Möbelholz für Furnierherstellung genutzt sowie als Drechslerholz. Als Brennholz hat es einen hohen Brennwert.

Preise

In ihrem Ursprungsareal wird Baumhasel kaum gehandelt, da nur noch sehr wenige nutzbare Bestände bzw. Einzelbäume vorhanden sind. Nur ausnahmsweise werden in Mitteleuropa Einzelstämme vermarktet. Straßenbäume mit astreinen Stammabschnitten würden ein begrenztes Potential darstellen. Allerdings fehlt den Grünämtern der Städte meist das Bewusstsein für den Wert der Stämme , die Kenntnis über Vermarktungsmöglichkeiten fehlt bzw. der hohe Aufwand einer Submission von Einzelstämmen wird gescheut. Daher werden gefällte Straßenbäume zu Brennholz verarbeitet oder gehäckselt.

Beispiele für Preise: Aus dem Rokkokogarten von Veitshöchheim bei Würzburg wurde 1995 ein Stamm bei einer Submission für 911 DM/ fm ersteigert (Schönmüller und Günzelmann). Im Forstamt Rastatt (bei Karlsruhe) wurden Stämme aus Ortslagen bei Submissionen versteigert. Im Jahr 2011 kamen 3 Stämme von 2,5 bis 3,5 m Länge und Stärkeklasse 2b - 3a für 244€ / fm zum Verkauf. Bei Glaswein (Österreich) wurde 2013 ein Straßenbaum von 2,7 m Länge und 70 cm Durchmesser im Freihandverkauf für 800 €/ fm vermarktet.

Bei der Submission Dresdner Heide (2017) wurde ein Preis von 585 € / fm erzielt (76 cm Mittendurchmesser; AFZ 4/ 2017, S. 9).

Straßenbäume haben Potential

Straßenbäume bieten ein gewisses Potential, um Stammholz zu liefern. Die unteren Meter der Stämme sind oft astrein, so dass sie wertvolles Holz beinhalten. I.d.R. sind sich die Mitarbeiter der Grünämter bzw. Bauhöfe nicht bewusst, welchen Wert ein Stamm der Baumhasel haben kann. Außerdem kennen Sie sich meist nicht mit dem Verfahren der Submission aus oder wollen den Aufwand nicht betrieben, einen einzelnen Stamm auf diese Weise zu vermarkten. Daher werden die Stämme wohl überwiegend "zu Kleinholz gemacht", indem sie meterweise zerschnitten werden und als Brennholz enden.

Erforschung der Baumhasel


Herkunftsversuche

In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren an vielen Stellen Baumhasel im Wald gepflanzt. Die Nüsse für die Pflanzenproduktion wurden hierfür von deutschen Baumschulen vermutlich überwiegend in Städten an Alleebäumen gesammelt, die phänotypisch (vom äußeren Erscheinungsbild her) positiv sind:gerader Stamm, wipfelschäftig, wüchsig. Die Alleebäume haben über Jahrzehnte bewiesen, dass sie mit den Standortsbedingungen bei uns gut zurechtkommen.

Es kann allerdings durchaus sein, dass es andere als die bisher verwendeten Herkünfte gibt, die bei uns deutlich besser wachsen. Es ist daher dringend notwendig, dass Herkunftsversuche durchgeführt werden.

Hierfür werden Nüsse aus den unterschiedlichen Herkunftsgebieten gesammelt, in der Baumschule zu Pflanzen herangezogen und bei uns unter gleichen Bedingungen ausgebracht: das Pflanzjahr muss identisch sein, damit alle Herkünfte bei gleichen Wuchsbedingungen (trockenes Frühjahr, Fröste etc.) aufwachsen und sie müssen auf demselben Standort aufwachsen, also auf derselben Kulturfläche mit ihrem entsprechenden Boden (Wasser- und Nährstoffversorgung, Bodentyp etc.).

In den Folgejahren werden die Herkünfte verglichen hinsichtlich Ausfallrate und Wuchseigenschaften (Schaftqualität, Höhenwachstum, Krankheiten, Reaktion auf Klima etc. etc.).

Schweiz - WSL (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft)

In der Schweiz werden sehr aufwändige, umfangreiche und langfristige Testreihen bzw. Versuche mit Anbauten von Baumarten im Klimawandel durchgeführt.

1.) WSL 2020:Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten (www.testpflanzungen.ch)

In der Schweiz führt die WSL (Dr. Peter Brang) von 2020 bis 2022 das Projekt „Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten“ durch, dem sehr umfangreiche Planungen und Abstimmungen vorausgegangen waren.

Die Beobachtungsdauer soll die nächsten 30 bis 50 Jahre (!!!) umfassen. Das Gedeihen von 18 Baumarten mit jeweils 7 Provenienzen wird entlang von Umweltgradienten (Höhenlage, Temperatur, Wasserverfügbarkeit) untersucht.

Ein „Kernset“ von Baumarten wurde ausgewählt nach den Kriterien

a - Leistungsfähigkeit

  • Häufigkeit in der Schweiz
  • Potenzial für Waldleistungen (Holzproduktion, Dimension – größere Bäume, die Höhlen beherbergen können)
  • ökologische Amplitude. Baumarten mit einer großen ökologischen Amplitude hinsichtlich Klima (Temperatur, Wasser) und Bodeneigenschaften (Wasserspeichervermögen, PH-wert, Nährstoffgehalt) können sich im Klimawandel zukünftig besser anpassen als Baumarten mit einer kleinen ökologischen Amplitude.

b - Anbaurisiken

  • Pathogenanfälligkeit
  • Trockenheitsempfindlichkeit
  • Invasivität

Das Kernset beinhaltet die 9 Baumarten Weißtanne, Bergahorn, Buche, Lärche, Fichte, Kiefer-Föhre, Douglasie, Traubeneiche, Winterlinde. Für sie werden je 35 Testpflanzungen (Flächen) angelegt.

Das „Ergänzungsset“ beinhaltet die 9 Baumarten Schneeballblättriger Ahorn, Spitzahorn, Atlaszeder, Baumhasel, Walnuss, Kirsche, Zerreiche, Stieleiche, Elsbeere. Für sie werden je 15 Testpflanzungen angelegt.

Baumhasel wird hier beschrieben als „sehr trockenheitsresistent, wärmeliebend, aber auch relativ spätfrostresistent und weist ein großes Potential für die Holzproduktion auf“ (Roloff et. al 2017, Enzyklopädie der Holzgewächse – Handbuch und Atlas der Holzgewächse).

Im Jahr 2018 haben die Kantone geeignete Flächen für die Anlage der Testpflanzungen gemeldet.

Das System der Testpflanzung ist sehr ausgetüftelt und mit der schweizerischen Liebe zur Perfektion projektiert:

Eine Testpflanzung ist 1,15 ha groß, 82 m x 54 m groß. Sie besteht aus 3 Blöcken. Jeder Block ist unterteilt in 8 Plots mit jeweils 4 Subplots. In jedem Subplot werden 9 Bäume einer Provenienz gepflanzt im Abstand von 2 m. Je Testpflanzung werden 4 Provenienzen gepflanzt mit jeweils 3 Wiederholungen.

Baumhasel wird in 15 Testpflanzungen mit jeweils 108 Pflanzen gepflanzt werden (9 Pflanzen x 4 Provenienzen x 3 Wiederholungen=108), also insgesamt in dem WSL Projekt in der Schweiz 1620 Stück Baumhasel aus 7 verschiedenen Provenienzen.

Geplant sind aufgrund eines Gradienten der klimatischen Wasserbilanz 7  ausgewählte Herkünfte der Baumhasel zu testen.

2.) WSL 2018

Die WSL (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft; Fr. Dr. Petia Nikolova) führt einen ersten kleinen Herkunftsversuch mit Baumhasel mit 4 Herkünften aus Serbien, Bulgarien, Georgien und der Türkei durch. Im Jahr 2018 erfolgte bei Kaisten (Aargau) auf einer Fläche von 0,8 ha im extrem weiten Verband 10x3 m die Pflanzung, wobei 4 Provenienzen verwendet wurden

ASP Bayern 2016

Das Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht Bayern Theisendorf (ASP, Herr Muhidin Seho) ist führend bei der Untersuchung geeigneter Herkünfte der Baumhasel.

Das ASP führt seit 2016 einen Herkunftsversuch durch. Hierzu wurden im Herbst 2016 Nüsse bzw. Zweige aus 10 Herkunftsgebieten (Türkei, Bulgarien, Rumänien, Bosnien, Serbien) gesammelt, um sie in Bayern auszusäen und anschließend in den Jahren 2018 oder 2019 auf Versuchsflächen auszupflanzen. Außerdem wurden genetische Analysen durchgeführt (Seho 2016).

Das ASP (Seho 2018) bereiste in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 21 Erntebestände

Kriterien der Auswahl der Erntebestände durch das ASP waren Homogenität der Bestände, Vitalität, Wüchsigkeit, Wipfelschäftigkeit, Geradschaftigkeit, Schaftlänge, Vollholzigkeit, Tiefzwiesel, Steiläste, Astigkeit, Drehwuchs, Wimmerwuchs, Rindenstruktur, Kronenform, Stammform insgesamt.

Bei Schnaittenbach(Bayern) wurde im Frühjahr 2018 eine erste Versuchsfläche von 0,3 ha mit 3 Herkünften bepflanzt (Verband 2x2m, dreifache Wiederholung; Seho, Dez. 2018).


Anbauversuche

Süddeutschland 2001

Manfred Schölch (Hochschule Weihenstephan) ließ ab 2001 in Süddeutschland 7 Versuchsflächen anlegen: Eberbach, Heilbronn, Landsberg/ Lech und Gräfendorf/ Rhön. Insbesondere das Höhen- und Durchmesserwachstum wurde analysiert. Verschiedene unveröffentlichte Diplomarbeiten wurden hierüber verfasst.

Nordrhein-Westfalen (NRW)

Das Pflanzmaterial für die Versuche in NRW wurde von einer Baumschule geliefert, die Herkunft dieser Nüsse ist allerdings unbekannt.

Standortversuch NRW 2013

Im Jahr 2013 wurden an 4 Stellen in NRW (Siegen, Arnsberg und zweimal bei Büren; Projektleiter Norbert Tennhoff; Landesbetrieb Wald und Holz NRW) auf 0,45 ha ca. 1700 Baumhasel im Verband 2x2m bzw. 1,5x1m gepflanzt. Die Flächen wurden gezäunt, an jeder dritten Pflanze wurde in eine Tubex-Wuchshülle angebracht. Die Standorte liegen in Höhenlagen zwischen 140 m und 450 m üNN, auf mäßig frischen, sehr frischen bzw. wechselfeuchten Standorten mit basenarmen Ausgangsgestein Schieferton, Grauwacke bzw. basenreichem Kalkstein oder sehr basenreichem Abschwemmmaterial.

Im Jahr 2017 wurden die Flächen aufgenommen und die Bäume gemessen.

Versuchsanbau NRW 2018

Im Frühjahr 2018 wurden in NRW an 3 Stellen Baumhaselkulturen angelegt: im Revier Stemel (Arnsburger Wald/ nördl. Sauerland) auf 1 ha sowie im Lippischen Bergland (Bad Meinberg 0,7 ha und Kalletal 0,7 ha) .

Auf 2,4 ha wurden rund 10.000 Baumhasel im Verband 2x1 m gepflanzt, 500 Buchen beigemischt und die Fläche wurde gezäunt.

Die Ursprungsherkunft des Pflanzmaterials ist unbekannt, die Nüsse wurden von einer deutschen Baumschule unter deutschen Alleebäumen gesammelt.

Drei Jahre lang wird das Versuchsanbauprojekt wissenschaftlich begleitet von der Forstwissenschaftlerin Lisa Stange, Projektleiter ist Dr. Norbert Asche. Finanziert wird es mit Bundesmitteln aus dem Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe. Als weitere Baumarten werden Edelkastanie, Orientbuche, Platane, Sichelbaum, Atlaszeder, Küstentanne, Araukarie, Westliche Hemlocktanne sowie Küsten- und Gebirgsmammutbaum angepflanzt.

Verbandsversuch Glaswein (Österreich) 2001

Bei Glaswein (Waldviertel, Österreich) wurde 2001 ein Versuch auf 0,56 ha Fläche angelegt, bei dem im Verband 3x1m, 9x1m gepflanzt sowie Nesterpflanzung durchgeführt wurde. Werner Ruhm (Bundesamt für Wald, Wien) war auf die Stadtbäume in Wien mit ihrem hervorragenden Wuchseigenschaften aufmerksam geworden und sammelte dort Nüsse.

Die Herkunft der Baumhasel (Ursprungsgebiet der Stadtbäume) ist unbekannt.

2013 wurde die Fläche aufgenommen und die damals 12-jährigen Bäume gemessen.

Im Lageplan (Werner Ruhm) sind im Norden die Anpflanzungen der Baumhasel im Verband 9x1 bzw. 3x1 sowie die Nesterpflanzung zusehen.

Es wäre zu klären, ob andere Herkünfte als die Wiener Straßenbäume mit unbekannter Herkunft besser abschneiden würden.

Aus der Ferne sieht der Bestand mit dem 3x1m -Verband wie Pappeln aus, weil die Bäume ausgesprochen gerade und wipfelschäftig sind.

Bei den 24 Trupps der Nesterpflanzung (7 Pflanzen im Abstand von 1 m gepflanzt; Abstand der Nester 9 m) steht jeweils nur noch ein bester Baum, dazwischen ist sehr viel Freiraum.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Axel Albrecht, Angela Luciana de Avila: Baumartensteckbrief Baumhasel; FVA Forstliche Versuchs-und Forschungsanstalt Baden-Württemberg 2017.
  • A. Alexandrov: Corylus colurna. In: P. Schütt (Hrsg.): Enzyklopädie der Holzgewächse. 2. Erg. Lfg. Ecomed-Verlag, Stuttgart 1995, S. 215–222.
  • R. Alteheld: Die Baumhasel (Corylus colurna L.): Monographie einer Baumart. In: Werner Koch (Hrsg.): Baumkunde. Band 1, IHW-Verlag, Eching 1996, ISBN 3-930167-15-8.
  • Mustafa Arslan: Studying Turkish hazelnut (C. colurna) populations in the western black sea region from ecological and silvicultural aspects. Abant İzzet Baysal Üniversitesi. Department of Forest Engineering. Master of Science. Bolu. ; Supervisor Prof. Emrah Cicek auf türkisch: M. ARSLAN: Batı Karadeniz Bölgesinde Türk Fındığı (Corylus colurna L.) Populasyonlarının Ekolojik ve Silvikültürel Yönden İncelenmesi. Abant İzzet Baysal Üniversitesi. Fen Bilimleri Enstitüsü. Orman Mühendisliği Silvikültür Anabilim Dalı. Yüksek Lisans Tezi. Bolu 2005.
  • V. Beus: Beitrag zum Kennenlernen der Fundorte der Baumhasel (Corylus colurna L.) in Bosnien und Herzegowina. In: Narodni Sumar. Sarajevo, XXIV; No. 9–10, 1970, S. 425–436. (serbisch)
  • V. Beus: Ein neues Vorkommen der Baumhasel im Gebiet von Praca (Novo nalazište medveđe lijeske (Corylus colurna L ) u području Prače). Sarajevo 1982, S. 55–58. (serbisch)
  • G. Fekete: Der Walnuss-Baumhasel-Felsenwald der Berge von Oltenien. In: Annales Historico-Naturales Musei Nationalis Hungarici Pars Botanica Budapest. Band 59, 1967, S. 163–173.
  • N. Frischbier u. a.: Bericht zum Prüfauftrag „Machbarkeitsstudie Fremdländeranbau“. Forstl. Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha, 2015, S. 1–21.
  • P. Fukarek: Medvjeda lijeska (Corylus colurna L.) i njena nalazista u Bosni i Hercegovini. In: Godisnj. Biol. Inst. u Sarajevu. 9, 1956, S. 153–176.
  • M. Genç, Ş. T. Güner, S. Gülcü, H. Fakir: Coppice of Corylus colurna L. in Afyon-Derecine. In: Bükü Orman ve Av. 74 (6) 1998, S. 13–19. (Afyon-Dereçine Türk Fındığı (Corylus colurna L.) Bükü. Orman ve Av, 74 (6) 13–19)
  • L. Ghimessy: Corylus colurna as valuable reserve tree species in Hungary. In: Erdö. 29, 1980, S. 365–369.
  • Wolfgang Grade: Die Baumhasel. In: Die Grünen Seiten. 1–3, Mitteilung der Forstverwaltung Thüringen, 2017.
  • C. Griesche: Eine Türkin namens Baumhasel. In: Unser Wald. (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) 2004, S. 32–33.
  • At. Haralamb: Alunul turcesc. [Türkennuss]. In: Cultura speciilor forestiere. 3. Auflage. Editura Agro-silvică, București 1967, S. 289–296. (Baumhasel in Rumänien)
  • Wolfgang Hertel: Möglichkeiten des Nussanbaus in den neuen Ländern am Beispiel Thüringens. In: Der Wald. 5/1997, S. 243.
  • Heinrich Hilfreich (alias Th. Scheeder): Die Baumhasel – eine Alternative für trockene Standorte. In: Der Waldwirt. 4/5, 1996, S. 76–79.
  • Heinrich Hilfreich: Weitere Gedanken zum Waldbau: 24 Aufsätze. IHW – Verlag, Eching bei München 1997, ISBN 3-930167-24-7.
  • Milos Mirkovic: Analiza morfometrijskih svojstava stabala Mecje lijeske (Corylus colurna L.) u cilju izdvajanja sjemenskih objekata. [Analysis of morphological characteristics of Turkish hazel (Corylus colurna L.) trees as the base for designation of seed object]; PhD-Arbeit, Banja Luca 2011.
  • S. Nedyalkov: Ecological areas of the forest tree and bush vegetation in Afghanistan. In: Forest Science, Sofia. No. 2, 1978, S. 71–89.
  • Jelena Ninic-Todorovic u. a.: Turkish hazel trees in Novi Sad urban area. Acta horticalturae et regiotecturae, Nitra, 2010, S. 42–47.
  • T. Pauls: Die Baumhasel (Corylus colurna L.) - mehr als ein Alleebaum. In: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. 91, 2006, S. 191–199, ISSN 0070-3958.
  • E. Richter: Baumhasel – ein Baum für den Klimawandel?! In: AFZ (Allgemeine Forstzeitschrift) – Der Wald. Heft 8/ 2012, S. 8–9.
  • E. Richter: Baumhasel – anbauwürdig in Mitteleuropa? In: AFZ (Allgemeine Forstzeitschrift) – Der Wald. Heft 5/ 2013, S. 7–9.
  • E. Richter: Baumhasel – Bestandesstruktur und Wachstum. Oravita – ein außergewöhnlicher Wald in Rumänien. In: AFZ (Allgemeine Forstzeitschrift) – Der Wald. Heft 5/ 2014, S. 13–16.
  • E. Richter: Baumhasel: Schnelles Wachstum in trockenwarmem Klima - Erste Erfahrungen mit dem Anbau der Baumhasel im Stadtwald Lich. In: AFZ (Allgemeine Forstzeitschrift) – Der Wald. Heft 8/2014, S. 11–13.
  • E. Richter: Ein Stadtbaum für den Wald? Baumhasel statt Roteiche. In: Schweizer Forstzeitschrift Wald und Holz. Nr. 6/09, S. 4–6.
  • E. Richter: Der Baumhaselwald bei Oravita. In: Revista Padurilor. (rumänische Forstzeitschrift) Band 131, Nr. 3–4, Mai–Aug 2016, S. 19–26.
  • A. Roloff: Bäume in der Stadt. Ulmer Verlag, 2013, S. 77–80.
  • W. Ruhm: Die Baumhasel – eine Baumart für Kärnten. In: Kärntner Forstverein, FVF Info. 59, 2009, S. 15–16.
  • W. Ruhm: Die Baumhasel – trockenresistent und wertvoll. In: Zeitschrift „Die Landwirtschaft“. 2013, S. 22–23.
  • H. Sabeti: Forest, trees and shrubs of Iran. Yazd. (auf persisch; C. colurna in Iran 1994, S. 361, übersetzt ins Deutsche von Axel Kargoscha und E. Richter; Jan. 2014)
  • P. A. Schmidt: Bäume und Sträucher Kaukasiens., Teil 2. (= Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. 88). Berlin 2003, ISBN 3-8001-8323-4, S. 77–100. [hier S. 89.]
  • Manfred Schölch: Baumhasel und Ahornblättrige Platane – erste Erfahrungen im forstlichen Anbau. In: Forstarchiv. 82, 2011, S. 155–156.
  • Muhidin Šeho, Gerhard Huber, Nico Frischbier, Manfred Schölch: Kurzportrait Baumhasel (Corylus colurna L.). 2017. www.waldwissen.net
  • Muhidin Seho u. a.: Baumhasel – Saatgut und Vermehrung im Fokus.; In: Deutsche Baumschule. 08/2016, S. 42–45.
  • Muhidin Šeho, Gerhard Huber: Baumhasel – Bewertung möglicher Saatguterntebestände.; In: AFZ-Der Wald. 4/2018.
  • Fatih Temel: Status of natural Turkish hazel populations in Turkey. In: Journal of Forestry Faculty. Artvin Coruh University, 2017.
  • Luboš Úradníček, Štěpánka Řehořková: Líska turecká. In: Lesnická práce journal. 4/2013; (s.: www.silvarium.cz). (Ústav lesnické botaniky. dendrologie a geobiocenologie Lesnické a dřevařské fakulty Mendelovy univerzity v Brně Pátek, Duben)
  • Mita Veličković,: Nalazišta mečje leske (Corylus colurna L.) na području Šumskog gazdinstva Vranje. In: Forestry. (Belgrade). Nr. 11–12, 1959. (serbisch, in kyrillischer Schrift)
  • unbekannter Autor: Vom Domogled. Verlag des Österreichischen Reichsforstvereines, Wien 1871, S. 550–560. (Österreichische Monatsschrift für Forstwesen. 1871; 21)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Baum-Hasel (Corylus colurna) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 115 (Textarchiv – Internet Archive).
  2. Edward Gilman, Dennis Watson: Corylus colurna - Turkish Filbert - Datenblatt. (PDF) University of Florida, 1993, abgerufen am 7. April 2014.
  3. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 312.
  4. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Corylus - World Checklist of Selected Plant Families des Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 12. Januar 2017.